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Sonntag, 18 Oktober 2015 03:25

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha (38)

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha  (38)
Wir haben im letzten Teil über die Chawaridsch (Charidschiten ) und ihre Entstehung gesprochen.  Dabei haben wir hervorgehoben dass diese Leute einen sehr frommen Eindruck machten. Aber nach dem Siffin-Gefecht entpuppten sie sich als blinde Fanatiker.

Sie widmeten sich eifrig dem  Fasten- und Gebetsdienst und der Koranlesung.  Damit konnten sie einige,  die sich nur anhand des äußeren Eindrucks ein Urteil bildeten, täuschen und beeindrucken.  Aber Imam Ali (a)   war darum bemüht, die Allgemeinheit aufzuklären und ihre Urteilskraft zu stärken. Wie zum Beispiel durch folgenden kurzen Satz:

„Schlaf in Gewissheit [yaqin] ist besser als das Gebet im Zweifel (Wankelmut  und starrem Denken).“

(Weisheit 97,Nahdsch-ul Balagha)

 

Nach dem Siffin-Gefecht  und nach dem ungeeigneten Schiedsspruch  durch Vertreter beider Seiten, ruhten die Waffen. Imam Ali (gegrüßet sei er) –  zog sein Heer aus Siffin zurück, weil es keinen Sinn hatte, dass die Soldaten dort blieben. Als der Imam mit seinem Heer nach Kufa (Irak) zurückgekehrt war,   begannen die Charidschiten ihn schlecht zu machen und zu bekämpfen.   Doch der Imam war ausgesprochen langmütig und meinte es gut. Er übte Geduld  mit ihnen. Ali (Friede sei mit ihm) und  gab ihnen guten Rat.

  Bei einem seiner Gespräche mit den Charidschiten sagte ihr Vertreter Hurqus Ibn Zuhair zu Imam Ali (a.):   „Begeh Reue wegen der Sünde und dem Fehler, den du in Siffin begangen hast.“ Der Imam antwortete:  „Ich habe euch in Siffin vor dem Schiedsspruch gewarnt und wollte selber keinen solchen. Aber ihr habt darauf bestanden und wolltet, dass er vorgenommen wird. Nun habt ihr eingesehen, dass es falsch war, betrachtet ihn als Sünde und fordert Reue. Aber wisset, es war keine Sünde, so dass der Mensch sie bereuen müsste …Ich habe euch in voller Kenntnis davor gewarnt und weil ihr mit eurer Beharrlichkeit über die Stränge geschlagen habt, war ich gezwungen, es zu akzeptieren.  Nun ist euch klar geworden, dass ich ihm recht war und ihr euch geirrt habt. Da ist doch keine Reue mehr nötig!“

 

Aber die Charidschiten akzeptierten nicht die einleuchtende  Antwort des Imams. Ein anderer ihrer Vertreter, nämlich Zara`a ibn al Burdsch Al  Ta`i drohte:

„Bei Gott, wenn du nicht Reue übst, werde ich selber dich töten und  mit dieser Tat Gott zufriedenstellen.“

An diesen Äußerungen ist klar zu erkennen,  wie abwegig die Charidschiten  dachten und wie verbohrt sie waren. Denn sie betrachteten  einen so reinen und vorbildhaften Wegführer wie Imam Ali (a) als Übeltäter und wollten  ihn aus der Welt schaffen!  Die anderen Charidschiten fühlten sich durch die Auflehnung ihrer  Anführer  wie Hurqus Ibn Zuhair und Zara`a ermutigt, in der Öffentlichkeit Parolen gegen den Imam auszugeben. Einmal hatte sich Imam Ali zum Ritualgebet erhoben.  Da rief Ibn al Kauwa einer der Charidschiten aus Protest gegen den Imam laut den Vers 65 aus der Sure Zumar,(39). Dieser Vers richtet sich an den Propheten, nämlich:  

 

"(Dies,) wo dir doch offenbart worden ist, wie schon denen vor dir: `Wenn du (Gott) Nebengötter zur Seite stellst, so wird sich dein Werk sicher als eitel erweisen, und du wirst gewiss unter den Verlierenden sein.`"

 

Ibn al Kauwa wollte damit den Vorwurf der  Charidschiten bekräftigen, dass Imam Ali , weil er den Schiedsspruch zu Siffin akzeptiert hat, kein Gläubiger mehr ist und alle seine Gebete und anderen  Bemühungen umsonst sind.

 Imam Ali (a) hörte still der Rezitation des obigen Verses durch Ibn Al Kauwa zu, d.h. er befolgte  den  Vers 204 der Sure Araf (Sure 7) in dem es heißt:

 „Und wenn der Koran verlesen wird, so hört zu und schweigt in Aufmerksamkeit, auf dass ihr Erbarmen finden möget.“

Als Ibn al Kauwa den Vers 65 der Sure 39 zu Ende gesprochen hatte, begann Imam Ali mit der Qira`at des Gebetes, d.h. mit der Rezitation der ersten Sure zu Anfang des Gebetes.

 

Der Charidschite  aber rezitierte den Vers 65 erneut. Auch diesmal schwieg  der Imam . Als Ibn Al Kauwa dreist dann zum dritten Mal den Vers ausrief,  gab ihm Imam Ali mit dem Vers 60 der Sure 30 Sure Rum  eine Antwort, in der es heißt:

 

„So sei geduldig. Wahrlich, das Versprechen Allahs ist wahr. Und lass dich nicht von jenen ins Wanken bringen, die keine Gewissheit haben.“

Dies war die Art, wie  Ali (a) auf die Dreistigkeit der Chawaridsch reagierte.

Imam Ali (a) hat während seiner Regierung gegenüber dem Volk Nachsicht geübt und ließ die anderen  ihre Kritik und Meinung äußern. Er übte große Geduld gegenüber Beleidigungen und ließ auch nicht zu, dass seine treuen Gefährten  gewaltsam gegen den Protestlärm der unwissenden Charidschiten vorgehen. Langmut gehörte zu den besonderen Merkmalen des regierenden Imam Ali (a) . Für ihn war ja  das Regieren nur ein Mittel und nicht das Ziel. Er wollte nicht die Menschen beherrschen, sondern er wollte sie mittels seiner Regierungsbefugnis aus Unterdrückung und Unrecht befreien.  Er wollte, dass die Menschen Freiheit und Gleichstellung genießen,  dass die Bedürftigen und Waisenkinder unter seiner Regierung unterstützt werden und die Geldgierigen sich nicht mehr unrechtmäßig an dem allgemeinen Eigentum vergreifen. Imam Ali (a)wollte die Grundlagen für das Wohl  der Menschen in dieser und der kommenden jenseitigen Welt schaffen. Dafür zeugt der Vergleich seiner Sandale mit der Befehlsgewalt. Als  er einmal seine Sandale flickte, sagte er zu Ibn Abbas (wie es in Chutba 33, Nahdsch-ul Balagha steht):

 

 

Bei Allah´, sagt er (a.), ´sie ist mir lieber als die Befehlsgewalt über euch, es sei denn, dass ich ein Recht  in Kraft setzen und ein Unrecht abwehren würde.’

 

Imam Ali (a) bedauerte die feindselige Art und abwegige Denkweise der Charidschiten sehr.  Zunächst versuchte er, diese Verirrten zu beschwichtigen, um dann bei geeigneter Gelegenheit sie durch logische Beweise von ihrem Irrtum abzubringen.

Der Imam begab sich persönlich in ihr Lager, dass sie nahe bei Kufa in der Ortschaft Harura  errichtet hatten, um mit ihnen ausführlich über das Ereignis von Siffin zu sprechen. Er erläutert für sie, dass die entstandene Spaltung damit zu tun hat, dass sie unwissend darauf beharrt hatten, dass   zwischen dem Vertreter von Muawiya und dem Vertreter den sie aussuchten, kommen sollte.  Außerdem hatten sie sich auch bei der Wahl von Abu Musa als Vertreter geirrt.  Aber auch diese Bemühungen von Imam Ali (a) um  eine Klärung stießen bei den Charidschiten auf Sturheit. Sie verbreiteten  dreist weiter ihre Meinung und dazu gehörte die gefährliche Ansicht, dass Imam Ali (Friede sei mit ihm) und seine Anhänger nicht mehr zum Islam gehören. Aufgrund dieser irrigen Ansicht begannen sie  unschuldige Menschen zu ermorden, nur weil sie Anhänger Imam Alis( a) waren.

Ibn Abi Al Hadid- der große sunnitische Gelehrte - schreibt in seinem Kommentar zum Nahdsch-ul Balagha: „Auf dem Weg nach Nahrawan sahen sie Abdullah Ibn Chabbab mit seiner Frau, die schwanger war. Chabbab trug ein Koranexemplar um den Hals. Sie nahmen Abdullah fest und sagten: `Was du um den Hals trägst befiehlt uns dich zu töten.`

Abdullah antwortete: `Erweckt das zum Leben, was der Koran zum Leben erweckt habt und was er sterben lässt, das lasst auch ihr sterben!`

Einer der Charadschiten sah, während ihre Anführer mit Abdullah diskutierten , eine trockene Dattel neben einer Palme auf dem Boden liegen. Er steckte sie sich in den Mund. Da bemerkten es die anderen und schrien: `Was machst du da? Welches Religionsrecht erlaubt dir, eine Dattel zu essen, die den anderen gehört? Das ist eine Sünde.` Da nahm der Mann sofort wieder die Dattel aus dem Mund. Er ging zu Abdullah Ibn Chabbab und sagte: `Sag uns ein Hadith (Prophetenwort) das dein Vater überliefert hat.`

Da sagte Abdullah, er habe über seinen Vater das folgende Hadith erfahren, welcher dieser persönlich den Propheten (Segen sei auf ihm und Frieden auf den Edlen aus seinem Hause) hatte sagen hören:

`Bald wird es zu einem Aufruhr kommen, bei der das Herz des Menschen stirbt, so wie sein Körper stirbt. Der Tag wird zur Nacht werden, während es `Gläubige` gibt, die die Nacht mit Gott-Dienen bis zum Morgen verbringen, aber (in Wahrheit)  ungläubig sind.  An diesem Tag wirst du wegen Gott ermordet werden,  aber sei kein Mörder.`…

 

Der Charidschite fragte den Gefangenen nach seiner Meinung im Zusammenhang mit dem Schiedsspruch und Imam Ali.

Abdullah Ibn Chabbab antwortete:  `Ali weiß   wirklich mehr als alle anderen über Gott und beachtet  Gottes Religion gottesfürchtiger  als sie und seine Weitsicht und Erkenntnis ist größer als die der anderen.`

Nachdem Abdullah dies gesagt hatte, wurde er enthauptet. Danach töteten die Charidschiten  auch seine schwangere Frau. Damit begnügten sie sich jedoch nicht. Sie schlitzten der Toten den Leib auf, holten das unschuldige Ungeborene hervor und massakrierten es.

 

Für diese unwissenden Leute war es also eine Sünde gewesen, eine trockene Dattel, die ihnen nicht gehörte, zu essen, aber es war keine Sünde für sie unschuldige Menschen wie eine schwangere Frau und ein Kind zu töten.  Dies ist doch die Spitze des Irrglaubens.“

 

Die heutige Parallele zu den damaligen Charidschiten  sind takfiristische Terrorgruppen. Sie verhalten sich ähnlich. Die Charidschiten grenzten die Anhänger Alis aus dem Islam aus und töteten unschuldige Menschen und heute sind es die abgeirrten takfiristischen Gruppen, die schiitische und sunnitische Muslime aus dem Islam exkommunizieren und Massaker unter ihnen anrichten, Unschuldige enthaupten und sich an Frauen und jungen Mädchen vergreifen.  Dieses barbarische Vorgehen  steht aber im krassen Widerspruch zu den Grundsätzen aller Himmelsreligionen  und insbesondere des Islams.  Der Islam ist die Religion der Barmherzigkeit und Güte. Er  verurteilt heftig die Tötung von Unschuldigen und bekämpft alle Urheber solcher Verbrechen gegen die Menschheit.

 

 

 

 

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