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Mittwoch, 26 August 2015 02:15

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha (33)

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha  (33)
  Das Gebot, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren , nämlich al-amr bil-maaruf wan-nahy anil-munkar  nimmt einen so wichtigen Platz in den konstruktiven Lehren des Islams ein, dass es

neben die religiösen Pflichten wie das tägliche Ritualgebet, das Fasten, die Hadschreise und das Mühen auf dem Weg Gottes (Dschihad) zu stehen kommt. In den Augen von Imam Ali (a) gilt dieses Gebot  für alle Bereiche –von kulturellen bis zum wirtschaftlichen und politischen.  Wir möchten seine Haltung zu diesem Gebot beschreiben.

                           

Unter den Begriff „Maaruf“  fällt alles was Religion und Verstand als gut betrachtet. Unterdessen gehört alles zu Munkar, was von der Vernunft und dem religiösen Gesetz verworfen wird.  Amr bil maaruf  bedeutet also – das Gute und Würdige zu gebieten und nahy anil-munkar heißt: das Schlechte verwehren.

Die Anbetung des Einen Gottes, die gute Behandlung und Achtung der Eltern, die Hilfen an Verwandten und  Wohltaten und Spenden an die Bedürftigen und Notleidenden, die Verrichtung des täglichen Ritualgebetes, die Treue zu einem Versprechen, die Bekämpfung von Unrecht … das alles sind Beispiele für gute Taten und Werke (maaruf).

Beispiele für die schlechten Taten  (Munkar) sind dagegen Götzendienst, Unzucht, Zinswucher, Diebstahl, Übergriffe auf das Eigentum eines Waisenkindes,  Hochmütigkeit,  Grobheit  usw.

In der korankonformen Kultur gilt das Gebot, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren, als eine religiöse Pflicht. Dieses Gebot dient dazu,  eine heile Gesellschaft hervorzubringen, die von Verdorbenheit und Abweichungen frei ist. Im Vers 104 der Sure 3 heißt es:

„Und aus euch soll eine Gemeinde werden, die zum Guten einlädt und das gebietet, was Rechtens ist, und das Unrecht verbietet; und diese sind die Erfolgreichen….“

 

Der Prophet des Islams (s) hat über die Notwendigkeit der Beachtung dieses Gebotes gesagt:

Solange meine Ummah (meine Gemeinde)das Gute gebietet und das Schlechte verwehrt und sie sich gegenseitig beim Guten und der Gottesfürchtigkeit helfen, wird es ihnen gut gehen,  und immer wenn sie das Gebot beiseitelassen, wird der Segen von ihnen fortziehen….“

Imam Ali (a) sagt: Das Gute zu gebieten, ist die segensreichste Tat des Volkes Gottes“

Und an anderer Stelle bezeichnet er es als Endziel der Religion und sagt: „Endziel der Religion ist es, das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren und die Strafgebote Gottes durchzuführen.“

Auf dieser Basis sieht Imam Ali auch das Regieren und akzeptiert eine Herrschaft, welche die Angelegenheit der Gesellschaft in Ordnung bringt und das Schlechte in ihr beseitigt. Imam Ali betet  gegen Ende seiner Regierung: „O Gott! Du weißt was ich tat, geschah nicht wegen dem Verlangen nach Macht und nicht, um mehr von diesem geringen diesseitigen Leben zu erhalten, sondern ich wollte nur erreichen, dass die Zeichen der Religion auf ihre Stufe zu stehen kommen und dass in deinen Städten  Heilung sichtbar wird,  damit ich für deine unterdrückten Diener Sicherheit schaffe und deine vernachlässigten Maßregelungen geachtet werden.“

                          

Zu den Pflichten der islamischen Regierung gehört es die Erfüllung der Bürgerrechte zu gewährleisten. Es ist gemäß Imam Ali (a) überhaupt eines der Ziele eines islamischen Staates, dass jeder an sein Recht gelangt. Die Herstellung dieser Rechte ist Aufgabe der islamischen Herrscher und eines der Ziele des Gebotes,  das Gute zu gebieten und das Schlechte zu verwehren.     Aufgrund dieses Gebotes kann auch die Allgemeinheit die Regierung auf Versäumnisse aufmerksam machen. Jeder Muslim hat die Pflicht das Gute zu empfehlen und das Schlechte zu verwehren. Also haben alle auch die Pflicht, das Verhalten der Staatsleute  zu beobachten und wenn nötig sie dazu zu bringen, rechtschaffen zu handeln oder von unwürdigem Handeln abzuhalten.

Imam Ali hat seinem Gouverneur in Ägypten in seinem Schreiben 53  empfohlen, Beamten zu wählen, die sich nicht scheuen, Recht und Wahrheit zu sprechen.

Imam Ali (a) gibt nicht nur seinen Beamten, die Empfehlung auf Kritik von anderen zu achten und sie sich anzuhören. Er geht selber mit gutem Beispiel voraus und bittet alle, Gerechtigkeit und Recht zu verlangen und Ratschläge zu machen.

Ali (a) ist ein Makelloser Imam, aber er ist dennoch der Überzeugung, dass jemand, der die Regierung übernimmt, auf die konstruktive Kritik der anderen angewiesen ist und es braucht, dass sie ihm guten Rat geben .

Abweichungen beginnen  nämlich in dem Moment, wo die Mächtigen einer Gesellschaft sich für frei von jedem Irrtum halten und glauben, niemand brauche ihnen zu sagen was gut ist,  und  sie nicht zulassen, dass die anderen ihre Politik bemängeln. Daher empfiehlt Imam Ali seinem Gouverneur Malek  (gemäß Brief 53): 

: „Und denke nicht:  `Mir ist die Macht gegeben worden, ich befehle, und mir soll gehorcht werden`, denn das öffnet den Weg für Verderbtheit in den Herzen, und es ist Entweihung für die Religion und führt zum Verlust von Gnadengeschenken…“

                           

Zur richtigen Durchführung des Gebotes  amr bil-maaruf wan-nahy anil-munkar müssen wir wissen was Maaruf, also das Gute, und was Munkar , also das Schlechte ist.

Wenn jemand das Gute und Schlechte nicht richtig voneinander unterscheiden kann, gerät er  möglicherweise so sehr in Irrtum,  dass er etwas Schlechtes für gut und etwas Gutes für schlecht hält.  Dies kann passieren, wenn Leute nicht nach der richtigen Kenntnis von der Lehre des Islams und des Korans streben, sondern aufgrund persönlicher Interpretationen und Rückschlüsse handeln und ihre Meinung für gut und gerecht halten.

  Imam Ali (a) schöpft sein Wissen aus dem Koran und der Sunna und kann ohne weiteres das Recht vom Unrecht unterscheiden. Dennoch zwingt er seine Meinung nicht den anderen auf und lässt seinen Untertanen freie Hand, solange für die Gesellschaft kein Schaden droht. Wir können uns dies exemplarisch an einem Geschehen während des Siffin-Gefechtes veranschaulichen.

Für Imam Ai (a) stellte es etwas Schlechtes, also ein Munkar, dar, dass Muawiyah weiterhin  Machtbefugnisse besitzt   und nach Ansicht von Imam Ali hatten die Muslime die Pflicht, gegen ihn vorzugehen. Aber einige der Muslime überkamen Zweifel und sie hielten sich aus dem Gefecht zurück.

Obwohl  Imam Ali (a)  Wahrheit und Recht völlig klar vor Augen hatte und  wusste, dass er der berechtigte Vorsteher und Imam der Muslime ist, und Muawiyah  den Weg des Unrechts geht,  ließ er diejenigen die Skepsis hegten, frei ihre Meinung äußern.  Einer von ihnen war Rabbi Ibn Chathim (Chadschi Rabbi). Er zweifelte daran dass es richtig war, dass Ali gegen Muawiyah ins Gefecht zieht.   Mit einer Reihe von anderen kam er zum Imam und sage: „O Befehlshaber der Gläubigen!  Obwohl wir deine Vorzüge und Tugenden kennen, zweifeln wir an diesem Kampf (zwischen den Muslimen)  und wir  brauchen Leute, die mit dem externen  Feind kämpfen. Also setze uns an den Grenzen ein, damit wir dort für die Verteidigung der Bewohner dieser Gebiete kämpfen.“

Der Imam hielt nicht beharrlich daran fest, dass sein Gefecht gegen Muawiyah berechtigt ist und zwang diese Leute nicht zur Teilnahme an diesem Krieg,  sondern er nahm ihre Entschuldigung entgegen und schickte Rabbi Ibn Chathim in ein anderes Gebiet, damit er dort seinen Aufgaben nachkommt.

                   

Zweifelsohne  muss jemand der die anderen aufruft Gutes zu tun und sich von Schlechtem fernzuhalten, als erster nach den moralischen Regeln  verhalten. Imam Ali(a)  tadelt jemanden, der andere zum Guten anhält und vom Schlechten  fernhält, aber selber gegen die eigenen Empfehlungen verstößt. Er sagt über sich selber in der Chutba  175:

„Ihr Menschen, bei Allah, ich sporne euch zu keinem Gehorsam an, den ich nicht schon vor euch geleistet habe, und ich verwehre euch nichts an Ungehorsam, von dem ich nicht (schon) vor euch Abstand genommen hätte.“

                         

Das Gute gebieten und das Schlechte  verwehren muss auf eine Weise geschehen, dass die Gesellschaft keinen Schaden nimmt.  Niemand darf in den Angelegenheiten anderer herumschnüffeln, um festzustellen ober er Gutes sein lässt bzw. Schlechtes tut. Relevant wird das Gebot,  Gutes zu gebieten und Schlechtes zu verwehren bei offensichtlichen Verstößen.

Der Prophet Gottes (s) sagt: „Wenn einer im Verborgenen eine Sünde begeht, dann nimmt nur er selber einen Schaden und wenn er die Sünde offen begeht und dafür nicht kritisiert wird, dann nimmt die Allgemeinheit Schaden.“

Er sagt auch:

„Gott straft die Allgemeinheit nicht wegen der Sünde bestimmter Leute, wenn diese ihr hässliches Tun im Verborgenen durchführen und die Allgemeinheit nichts davon weiß.“

Es gibt auch Ausnahmen von dieser Regel und zwar hinsichtlich der Kontrolle des Vorgehens von allgemeinen und staatlichen Einrichtungen.  Denn diese Einrichtungen werden im Grunde vom Volk finanziert und sollen ihm dienen. Daher müssen sie einer laufenden  Kontrolle unterliegen. Die Leiter dieser allgemeinen und staatlichen Einrichtungen sind mit einbezogen. Deshalb hat Imam Ali (a) Malek Aschtar aufgefordert, die Tätigkeit seiner Beamten zu überwachen und durch Inspektionen eventuelle Verstöße zu verhindern.

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