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Mittwoch, 19 August 2015 17:41

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha (32)

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha  (32)
  Viele verbinden das Wort Politik automatisch mit Betrug und List und ähnlichem. In der Geschichte hat der Mensch oftmals die bittere Erfahrung gemacht, dass die meisten Regierungssysteme sich nicht an ethische Grundsätze wie Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit gehalten haben. Aber es gibt auch Ausnahmen.

Die Politik von Imam Ali fußt auf Religiosität und den Regeln der Moral. Imam Ali war zum Beispiel auch unter den schwierigsten politischen Bedingungen nicht bereit zu lügen.

Wir möchten heute betrachten, wie er die Politik sieht.

                       

Die Auffassung Imam Alis (Friede sei mit ihm) von der Politik geht auf die hohe Lehre des Tauhid, die Lehre von dem Einen Gott zurück und unterscheidet sich daher erheblich von der Einstellung von den weltlich orientierten Machthabern, die  politische Spielchen betreiben.  Imam Ali (a) betrachtet den Menschen als Geschöpf des Allwissenden Herrn und für ihn bestimmt der Allmächtige über das Schicksal des Menschen.  Gott hat die Bewohner der Welt nicht sich selbst überlassen,  sondern er hat Propheten für sie ausgesandt, damit sie die Menschen mit den göttlichen Offenbarungen rechtleiten.  Aber für eine Rechtleitung des Menschen müssen die erforderlichen gesellschaftlichen Voraussetzungen geschaffen werden und dies ist nur möglich, wenn die Gesellschaft von rechtschaffenen Menschen verwaltet wird.

Daher hat der Erhabene Prophet des Islams (Friede sei mit ihm und seinem Hause) bei der ersten Gelegenheit die islamische Regierung gegründet und selber deren Führung übernommen.

Imam Ali (a) ist davon überzeugt, dass Herrscher das Schicksal einer Gesellschaft wesentlich beeinflussen. Aus seiner Sicht  bestimmen Politik und Regierungssystem nicht nur  die Regelung von Wirtschaft und Gesellschaft und sind für Sicherheit, Weiterentwicklung und Wohlstand der Bevölkerung verantwortlich. Sie nehmen auch großen Einfluss auf die Moral der Gesellschaft. Imam Ali ist der Überzeugung, dass die Bürger ihren Herrschern mehr ähneln als ihren Vätern.

 

Für Imam Ali (a)  ist die Politik mehr als ein üblicher Gesellschaftsvertrag zwischen Regierung und Volk.  Aus seiner Sicht soll der politischen Ordnung die gemeinsame Bemühung der Führung der Gesellschaft und des Volkes in Richtung der idealen Gesellschaft zugrunde liegen.  Aus dieser Sicht ist Politik ein Planen und Streben nach der Weiterentwicklung des Einzelnen und der Gesellschaft.  Nach Ansicht Imam Alis (a) stehen Herrschaft und Gottesfürchtigkeit nicht im Widerspruch zueinander und nur derjenige Herrscher kann  die Menschheit ihrem Ideal zuführen und wird die Instrumente der Macht in den Dienst der Vervollkommnung des Menschen stellen, der gottesfürchtig ist und die Regeln der Moral beachtet.

Imam Ali ruft zu Beginn seiner Anweisung an Malek Aschtar,  diesen Gouverneur auf, gottesfürchtig zu sein und den Gehorsam gegenüber Gott über alles zu stellen und seine Gebote zu beachten.  In diesem historischen Regierungsvertrag empfiehlt der Imam seinem Gouverneur bei allem Tun die Gegenwart Gottes im Auge zu behalten, alle gerecht zu behandeln   und intensiv um Beseitigung ihrer Probleme bemüht zu sein.

Für Imam Ali (a) sind Macht und Regierung nur dann etwas wert, wenn er  ein Recht herstellen und ein Unrecht beseitigen kann.

Abdullah Ibn Abbas berichtet,  dass er einmal den Fürsten der Gläubigen beim Schuhflicken sah. Der Imam fragte ihn: „Zu welchem Preis lassen sich diese Schuhe verkaufen?“ Abdullah Ibn antwortete ihm: „Sie sind alt und lassen sich nicht mehr verkaufen.“

Da sagte Ali (a) : Bei Gott! Diese wertlosen Schuhe sind mir  lieber  als eine Herrschaft über euch, es sei denn ich könnte durch diese Herrschaft ein Recht herstellen und ein Unrecht beseitigen.“

 

Nachdem Ali (a) im Jahre 35 nach der Hidschra (um 655 nach Christus) auf Drängen der Bevölkerung das Kalifat übernahm, verwies er in einer seiner Freitagsgebetsansprachen auf die Güter, welcher der Kalif Uthman aus der Volkskasse entnommen und an seine Freunde und Bekannten verschenkt hatte und sagte: Bei Allah, selbst wenn ich gesehen hätte, dass es als  Morgengabe für Frauen und zum Freikauf von  Sklavinnen verwendet wurde,   so hätte ich es (dennoch) an ihre Eigentümer (die Muslime)  zurückgegeben, denn durch die Gerechtigkeit wird für die Allgemeinheit Erleichterung geschaffen,  …!“  Chutba 15

 

 

Bei den politischen Richtlinien Imam Alis (a) sind List und Betrug ausgeschlossen. Dieser großartige Mensch ist unter keinen Umständen bereit heimtückisch vorzugehen, auch wenn ihm das zum Nachteil gereicht.  Es ist hörenswert was Imam Ali darüber sagt:

„ Ich bin bestens über alle Details einer destruktiven Politik im Bilde und kenne genau die Methoden zur Besiegung des Feindes und könnte sie anwenden. Aber ich weiß dass die Wahrung der guten Werte es  mir bei vielen dieser politischen Hilfsmittel  nicht gestattet, sie zu verwenden,  weil  sie   auf teuflischen Prinzipien beruhen. Mein Blick ist auf die göttlichen Gebote und Verbote gerichtet..“

 

Die Strategie Alis (a) lautet: Verzicht auf jede List und Heuchelei gegenüber dem Volk.  Die Ansprache, die er zum Freitagsgebet nach dem Siffin-Gefecht im Jahre  37 nach der Hidschra  in Kufa (Irak) hielt, enthält diesbezüglich zahlreiche lehrreiche Punkte. Er sagt in seiner Chutba 41:

„Ihr Menschen, die Treue ist der Zwilling der Wahrhaftigkeit, und ich kenne keinen Schild, der besser schützt als sie. Wer weiß, wie die Heimkehr (ins Jenseits) sein wird; begeht keinen Verrat. Wir sind in einer Zeit angekommen, in der die meisten Leute den Verrat als Klugheit betrachten, und die Törichten betrachten ihn als beste Schlauheit. Was ist mit ihnen?! … Möglicherweise kennt jemand alle Ereignisse der Zukunft und die Wege der List, aber die Gebote und Verbote des Herrn halten ihn von solchen Maßnahmen  ab, obwohl er die Macht hat sie zu ergreifen.  Aber derjenige, der sich nicht fürchtet, zu sündigen und sich gegen die Religion zu stellen,  ergreift die Gelegenheiten für listige Spiele.“

In der politischen Charta Imam Alis (a) gibt es keine Heiligung der Mittel durch das Ziel. Dies ist genau das Gegenteil zu der politischen Ansicht von Machiavellismus, der besagt: Der Zweck heiligt die Mittel.  

 Mit anderen Worten zur Erreichung eines Ziels ist jedes Tun, auch wenn es gegen die Moral verstößt, erlaubt.  Als Imam Ali mit dem Vertragsbruch einer Gruppe von Leute, die maßlose Ansprüche stellten, konfrontiert war, empfahlen ihm einige seiner Gefährten:  „Die Leute hängen am Weltlichen. Muawiyah gewinnt sie mit großen Geschenken und viel Geld für sich. Vergib auch du aus dem Allgemeineigentum an die arabischen Aristokraten und die Vornehmen des Qureischstammes und lass davon ab, die Volkskasse zu gleichen Teilen  aufzuteilen, damit sie sich dir anschließen.“ Imam Ali (a) antwortete ihnen in der Freitagsansprache 126:

„Befiehlt ihr mir, dass ich Hilfe suche, in dem ich diejenigen unterdrücke, über die ich als Sachwalter eingesetzt wurde? Bei Allah, ich werde mich dem nicht nähern, so lange die Zeit läuft und solange ein Stern den anderen verfolgt! …Selbst wenn es mein eigenes Geld wäre, hätte ich es unter ihnen zu gleichen Teilen aufgeteilt, und wie erst, wenn es das Geld Allahs ist? Nein, es ist wahrhaftig Vergeudung und Verschwendung, jemandem Geld zu geben, ohne dass er darauf ein Recht hat. Es erhöht denjenigen, der das tut, im Diesseits, erniedrigt ihn aber im Jenseits. Er wird (zwar) unter den Menschen geehrt, jedoch bei Allah mit Schande bedeckt. Wenn ein Mensch sein Geld jemandem gibt, der kein Recht darauf hat und dessen nicht würdig ist, dann enthält ihm Allah (selbst) die Dankbarkeit dieser (unrechtmäßig Bevorzugten) vor, und ihre Liebe gilt jemandem anderen (als dem Geber). Wenn er eines Tages (dann selbst) in Schwierigkeiten gerät und ihrer Hilfe bedarf, werden sie sich als schlechte Kameraden und als gemeinste Freunde erweisen.“

Die Treue zu einem Vertrag ist ein Grundprinzip in der Politik Imam Alis. Vertragsbruch gilt als verwerflich. Nach dem Siffin-Gefecht  merkten einige im Heer des Imams dass sie auf eine List des Feindes hereingefallen waren und deshalb forderten sie einen Vertragsbruch.  Aber Imam Ai warnte sie: „Wehe euch.  Soll  ich, nachdem ich einen Vertrag geschlossen, kehrtmachen? Hat denn nicht Gott gesagt: Wenn ihr einen Vertrag schließt, dann bleibt ihm treu  und brecht niemals einen Schwur und eine Bündnis, welches ihr fest aufgestellt habt, denn ihr habt Gott zum Zeugen genommen und Gott ist über alles was ihr tut im Bilde.“

 

 Um noch mehr  mit der Politik Imam Alis und seinem Verhalten gegenüber dem Feind vertraut zu werden, können die Empfehlungen an seinen Gouverneur in Ägypten sehr nützlich sein.  Er empfiehlt ihn der Regierungsanweisung 53:

„Lehne keinen Frieden ab, zu dem dein Feind dich einlädt und in dem Zufriedenheit Allahs liegt, denn das ist eine Ruhephase für deine Armee und eine Atempause von deinen Sorgen und Sicherheit für deine Provinz. Jedoch übe äußerste Vorsicht gegenüber deinem Feind nach dem Friedens(abkommen), denn vielleicht sucht der Feind die Nähe (durch ein Friedensabkommen), um die Nachlässigkeit (des Gegners) auszunutzen, so sei klug und verlasse dich nicht auf die gute Meinung (über ihn).

Und wenn du mit deinem Feind einen Vertrag geschlossen oder ihm von dir aus Schutz zugesichert hast, dann wahre deinen Vertrag mit Loyalität und halte den von dir zugesicherten Schutz zuverlässig ein…. Mache dich zum Schutzschild für das, was du zugesichert hast, denn nichts vereinigt die Menschen besser unter den Pflichten gegenüber Allah trotz ihrer unterschiedlichen Wünsche und ihrer verschiedenen Ansichten als die Wertschätzung der Vertragstreue.“

 

 

 

 

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