Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Sonntag, 28 Juni 2015 01:35

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha (21)

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha  (21)
  Im letzten Teil sagten wir dass die  Regierung aus der Sicht Imam Alis  nicht zu dem Zweck gebildet werden darf,  die persönlichen Interessen der Regierenden und der herrschenden Schicht zu wahren.

Sondern die islamische Regierung dient dem Zweck, eine Gesellschaft auf der Basis der menschlichen Würde und der moralischen Tugenden aufzubauen. Diese Gesellschaft soll dank der Stärkung der Gerechtigkeit und rationaler und moralische Entfaltung ihre Mitglieder sich in Richtung des Wohls und der Vollkommenheit bewegen.   Sie erfahren heute über einige weitere Standpunkte von Imam Ali über die Regierung und die Gesellschaft.

 

Gott, der Höchsterhabene hat die Verwirklichung der idealen Gesellschaft im Vers 55 der Sure Nur versprochen. Und zwar steht dort:

 

„Verheißen hat Allah denen, die von euch glauben und gute Werke tun, dass Er sie gewiss zu Nachfolgern auf der Erde machen wird, wie Er jene, die vor ihnen waren, zu Nachfolgern machte; und dass Er gewiss und dass er ihnen ihre Religion, die er für sie gut gefunden hat, (überall) zur Geltung bringen, 

 und dass er sie (selber), nachdem sie in Furcht gelebt haben, in den Zustand der Sicherheit versetzen wird…“

 

Das Fundament einer idealen Gesellschaft hat der Prophet des Islams (s) in der Stadt Medina gelegt. In dieser Gesellschaft lagen Macht und Lenkung in der Hand des Propheten Gottes und damit eines einmaligen rechtschaffenen Oberhauptes. Unter Mitbeteiligung von überzeugten Helfern und dank der Aufopferungsbereitschaft des Propheten wurden günstige Bedingungen dafür geschaffen, dass die islamische  Herrschaft weiterbestehen kann.     

Auch Imam Ali (a) hat sich  während seiner Regierungszeit  intensiv für die Bildung der idealen Gesellschaft eingesetzt.

 

In den Augen von Imam Ali (a) ist der Koran  der beste Wegführer der Menschen. Deshalb hebt er hervor, dass die Rettung der Muslime davon abhängt, dass sie in der Praxis den Lehren dieses Himmelsbuches treu bleiben. In seiner Ansprache 156 im Nahdsch-ul Balagha sagt er: „Es obliegt euch, euch an das Buch Allahs zu halten… Wer in Übereinstimmung mit ihm spricht, hat die Wahrheit gesprochen, und wer nach ihm handelt, ist (in guten Werken) voraus.“

Imam Ali (a) stellt nach dem Koran auch die Tradition des Erhabenen Propheten(s) als bestes Leitbild vor. Imam Ali ist der Überzeugung, dass Rettung einzig durch Handeln nach den klaren Lehren der Religion Gottes und der Befolgung des Weges der Gottgesandten möglich wird.  Als die Gläubigen ihn als Kalifen wollten, hat er daher dieses Prinzip als Grundlage seiner Regierung angekündigt und nach dem Treueid der Menschen als seine Grundstrategie  bekanntgegeben, dass er nach dem Buch Gottes und der Sunna des Propheten (s) handelt.

                              

Imam Ali (a) war bestrebt, die Gesellschaft auf die Bahn zur Vollkommenheit zu lenken und fasste zu diesem Zweck wichtige Faktoren ins Auge. Eine Größe, die er stets hervorhob, war die soziale Gerechtigkeit. Für ihn waren die gerechte Verwaltung und Verwirklichung von sozial gerechten Programmen  zwei Hauptbedingungen für die Bewegung in Richtung der idealen Gesellschaft. Er sagte, dass die Gerechtigkeit die wichtigsten Probleme in der Gesellschaft beseitigt wie aus seinem Wort: „Gerechtigkeit ist der beste Problemlöser im Leben der Menschen“ zu entnehmen ist.

Die Geschichte dokumentiert, wie aufrichtig Imam Ali sich an die Regeln der Gerechtigkeit hielt. Ein Beispiel ist folgende Begebenheit. Es handelt sich um ein Treffen zwischen ihm und Talha und Zubair. Eine Person namens al-Kaschfi al-Hanafi  berichtet , dass diese  beide an einem Abend kurz nach Beginn des Kalifats von Imam Ali (a) zu ihm kamen, als Imam Ali (a) gerade in dem Zimmer, in dem sie das Bait-ul Mal befand , eine Lampe angezündet hatte und mit der Berechnung dieses  Allgemeineigentums beschäftigt war.

Gemäß Kaschfi Hanafi sagten Talha und Zubair: „Wir wollen mit euch sprechen.“ Der Imam fragte: “Hat es mit der Regierung und den Angelegenheiten der Muslime zu tun oder mit euren privaten Angelegenheiten?“ Sie antworteten: „Es ist privat.“ Da machte Imam Ali die Lampe vor ihnen, die zum Bait-ul Mal gehörte aus, und zündete eine andere an. Sie fragten: „Warum machst du das?“ Der Imam antwortete: „Das Öl, mit dem diese Lampe brennt, stammt aus dem Allgemeinbesitz der Muslime (Bait-ul Mal), aber euer Anliegen ist privat. Es ist nicht richtig, dass  das Öl für die Lampe des Bait-ul-Mals für private Dinge verwendet wird. Aber das Öl in dieser (anderen) Lampe ist von meinem Eigentum. Ihr könnt nun so viel und lange wie ihr möchtet, über eure privaten Angelegenheiten sprechen.  Da blickten sich Talha   und Zubair an und sagten: Lass uns gehen: Diese Mann geht den Weg der Religion. Wir werden nicht mit ihm handeln können.“  

                               

Imam Ali (a) legte großen Wert darauf, dass keine unnötigen Kostenaufwände aus der Staatskasse entstehen und sagte seinen Regierungsbeauftragten: „Spitzt eure Schreibstifte und kürzt die Zeilenabstände. Lasst Überflüssiges weg und beschränkt euch auf das Wichtigste und verzichtet auf langatmige Ausführungen, denn das Eigentum der Muslime verträgt keinen Verlust und Schaden.“

Aus der Sicht von Imam Ali (a) ist es inakzeptabel, dass eine Beauftragter der Regierung den Reichen zugeneigt ist und mit ihnen verkehrt. Er hat Uthman Ibn Hunaif getadelt, dass er sich an die Tafel der Reichen setzte und schrieb an ihn (laut Brief 45 Nahdsch-ul Balagha): „O Sohn des Hunaif: Mir wurde mitgeteilt, dass einer der Reichen in Basra dich zu einem Gastmahl eingeladen hat und du sofort zu ihm geeilt bist. Sie haben alle möglichen Speisen für dich herbeigebracht und Schalen voller Essen nacheinander vor dich gestellt. Ich hätte nicht gedacht, dass du die Einladung von Leuten annimmst, die ungerechterweise ihren Bedürftigen Entbehrungen auferlegen und ihre Wohlhabenden zum Essen einladen. Überlege, wo du bist und an welcher Tafel du isst.  Lass also von einer Nahrung, von der du nicht weißt ob sie religiös rechtmäßig (Hilal) oder unrechtmäßig (Haram) ist, ab und nimm das zu dir, von dem die sicher ist, dass es religiös gesehen rein und zulässig ist.“  

     

Imam Ali (a) hat  auf freundliche und ansprechende Weise die Menschen aufgerufen, an dem politischen und sozialen Geschehen teilzunehmen. Denn aus seiner Sicht spielt die aktive Teilnahme der Bevölkerung eine grundlegende Rolle für die Weiterentwicklung der Gesellschaft. Imam Ali (a) hat nachdem ihm die anderen die Treue geschworen haben, in seiner ersten Ansprache gesagt, dass er das Amt des Kalifen deswegen angenommen hat, weil das Volk  dies wollte und ihm die Treue schwor. In der Freitagsgebetsansprache 3 im Nahdsch-ul Balaghah sagt er:

„Bei Dem, Der das Saatkorn aufspaltete und die Lebewesen erschuf, wenn es nicht wegen der Anwesenheit der Menschenmenge wäre und der Beweis nicht durch die Existenz der Helfer vollendet wäre und wenn Allah den Gelehrten nicht aufgetragen hätte, dass sie die Über­sättigung der Ungerechten und den Hunger der Unterdrückten nicht still hinnehmen sollen, würde ich die Zügel (des Kalifats) ihm selber um den Hals hängen und es laufen lassen…“   …

 

Während seiner Regierungszeit behielt Imam Ali (Friede sei mit ihm) den entscheidenden Einfluss der Bevölkerung auf Wandlungen in der Gesellschaft und auf ihre Weiterentwicklung bzw. ihren Niedergang im Auge. Für Imam Ali (a) waren  die Bürger das wichtigste  Kapital für die Entfaltung  und Vervollkommnung der Gesellschaft. Er erinnerte ständig daran, dass sie nicht ihren Einsatz auf dem Wege Gottes aufgeben und sich klarmachen sollen, dass wenn sie den Weg Gottes gehen und Ausdauer zeigen, Gott ihnen helfen und sie siegen lassen wird.

Im Brief 47 sagt er: …(Seid ehrfürchtig zu) Allah, zu Allah im Einsatz mit eurem Besitz, eurem Leben und euren Zungen auf dem Wege Allahs.“

                                     

                               

Das Mitglied einer Islamischen Gesellschaft soll nicht nur an seine eigenen Vorteile  denken und darf nicht in den anderen lediglich ein Mittel sehen, um sich eigene Wünsche zu erfüllen. Vielmehr soll der Mensch  die anderen als Geschöpfe Gottes betrachten und allen gegenüber eine Verantwortung spüren.  Als er davon erfuhr, dass die Soldaten von Muawiyah die Stadt Al Anbar gestürmt hatten, sagte er in seiner Chutba (Freitagsansprache) 27:  „Und ich habe erfahren, dass ein Mann von ihnen im Hause einer muslimischen Frau und einer anderen, die unter Schutz stand (einer Jüdin oder Christin) , eingedrungen ist und ihnen ihren Schmuck von ihren Beinen, Armen, Hals sowie ihre Ohrringe entrissen hat. …. Wenn irgendein Muslim deswegen vor Kummer gestorben wäre, kann man ihn nicht tadeln, sondern er wäre bei mir wertgeschätzt.“   

Für Imam Ali (a) war auch die Stärkung der Armee von großer Bedeutung. Er spornte die Bevölkerung an, dabei mitzuhelfen   und mahnte sie vor der Liebe zum Weltlichen, weil sie den Menschen die Kraft nimmt, sich gegenüber Feinden zu wehren.

Imam Ali, mahnte  davor, sich bei der Unterscheidung von Recht und Unrecht, Wahrheit und Lüge blind nach der Meinung von renommierten Persönlichkeiten zu richten.  Er warnte deshalb davor, weil dies   zu Irrtümer verleitet und den Menschen davon abhält, die Wahrheit zu erkennen. 

Während des Dschamal-Gefechtes (der Kamelschlacht) fragte Imam Ali (a) jemanden namens Harith, warum er die Leute, die den Dschamal-Krieg gegen Imam Ali führten, befolgt. Da antwortete Harith: „Sie sind Muslime und im Recht.“

Ali (a) sagte: „Du hast das Recht nicht erkannt, so dass du die Leute, die es verfechten, kennen würdest  und du hast nicht das Unrecht erkannt, so dass du über diejenigen, die ihm folgen,  in Kenntnis wärest.“

Imam Ali (s) bestätigt also nicht, dass man anhand wichtiger Persönlichkeiten das Recht kennenlernt, sondern er fordert, dass der Mensch erst über das Recht selber Erkenntnis erwirbt, denn dann erst  kann er auch denjenigen erkennen, der dem Recht und der Wahrheit folgt.   Keiner soll also den umgekehrten Weg gehen, indem er das Tun von Leuten, die er für Verfechter von Recht und Wahrheit hält,  als Maßstab für Recht und Wahrheit heranzieht.

 

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren