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Sonntag, 21 Juni 2015 06:00

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha (19)

Im letzten Teil haben wir davon gesprochen, dass Imam Ali (a) während seiner Regierungszeit nichts unterließ um die Armut zu beseitigen.

Als er das Amt des Kalifen akzeptierte, hatte sich  unter seinem Vorgänger Uthman  der Reichtum  bei einer besonderen Bevölkerungsschicht der Ummayaden angehäuft und es war eine tiefe  Kluft zwischen Arm und Reich entstanden.  Imam Ali setzte sich daher in Wort und Tat dafür ein, diesen Missstand zu beseitigen, indem er die Armut an den Wurzeln bekämpfte. Er strebte eine Gesellschaft an, in der Arm und Reich  gleich behandelt und einander angeglichen werden. Wir möchten nun das  Thema Armut und Armutsbekämpfung aus der Sicht des Imams besprechen.

Jeder hat gemäß der Meinung Imam Alis(a) das Recht auf ein menschenwürdiges Leben. Wenn eine Gruppe von Menschen im Reichtum versinkt und eine andere Gruppe in Not und Armut zubringt, liegt es daran, dass die Reichen nicht ihrer Aufgabe nachkommen, den Bedürftigen zu helfen oder weil die Armen nicht ihre Pflicht erfüllen, nach einem würdigen Leben zu streben. Es gibt jedoch noch einen dritten Faktor und zwar kann es daran liegen, dass ungeeignete Personen regieren und keine Gerechtigkeit in der Wirtschaft und Gesellschaft herstellen.  Gemäß Denkschule Imam Alis (a) ist es eine Pflicht der islamischen Regierung den Notleidenden zu einem  geeigneten Leben  zu verhelfen. In der historischen Anweisung an seinen Gouverneur in Ägypten, Malek Aschtar,  dem Brief 53 im Nahdschul Balagha  bestätigt Imam Ali (a), dass das Volk sich  aus verschiedenen Gruppen zusammensetzt, unterstreicht aber  dass keine Bevölkerungsgruppe ohne die andere bestehen kann.  Er macht ausdrücklich auf die unterste Schicht aufmerksam, die besonders bedürftig ist. Es heißt in dieser Anweisung: „Für jeden von ihnen(diesen Gruppen)  hat Allah seinen Anteil festgeschrieben und die Grenzen dafür als verpflichtend in seinem Buch niedergelegt oder in der Verfahrensweise [sunna] Seines Propheten (s.) als eine Verpflichtung von Ihm, die bei uns bewahrt wird...."

Die Armut ist ein Missstand und wenn dieser unbeachtet bleibt,  entsteht eine soziale Krise, die der ganzen Gesellschaft schadet. Daher hat Imam Ali (a) gesagt: „Armut ist ein gewaltiger Tod."  Der Imam hat in vielen Fällen auf die negativen Folgen der Armut hingewiesen und verschiedene Empfehlungen zur Armutsbekämpfung gegeben.  In einem Brief  an  Imam Hasan (a) sagt er: „Mein Sohn! Tadle keinen Armen, der nicht genug zu essen hat,  denn jemand, der nicht richtig satt wird, begeht viele Fehler..." Damit meinte der Imam, dass große Not den Menschen ganz oder zu großem Teil von den moralischen Tugenden abhält.  Ein Mittelloser ist in Sorge und Unruhe und deshalb begeht er womöglich schlechte Taten. Die Armut hat Resignation und Kummer zur Folge. Imam Ali (a) sagt darüber: „Armut hat viele Kümmernisse zur Folge."

Um Armut zu beseitigen und ein Gleichgewicht in der Gesellschaft herzustellen, muss ihren Ursachen nachgegangen werden. Die Vermögensanhäufung bei den Reichen ist in den Augen einiger ein Armut erzeugender Faktor. Darüber sagte Imam Ali in der Weisheit 328:

„Wahrlich, Allah Der Erhabene hat im Besitz der Reichen (den Anteil für die) Nahrung der Armen zur Pflicht gemacht. Es gibt keinen, der hungert, ohne dass ein Reicher damit (mit seinem Anteil) ausgestattet war, und Allah Der Erhabene wird sie (die Reichen) danach befragen."

Wenn Herrscher und Regierungsbeauftragte nach Anhäufung von Reichtum streben, werden auch ihre Verwandten und die Leute in ihrer Umgebung und ihre Beamten  nicht anders sein. Der Reichtum einer Gesellschaft häuft sich also bei dieser Schicht an und es entsteht ein großer Klassenunterschied. Zu dieser Situation war es unter Uthman, dem dritten Kalifen gekommen. In seinem Schreiben (Brief 53)  an Malek Aschtar weist Imam Ali (a) darauf hin, dass die Armut verheerend wirkt und auf die Plünderung durch Herrschende zurückgeht, die sich nicht sicher sind an der Macht zu bleiben.

Imam Ali (a) hat zur Bekämpfung dieses Phänomens selber, obwohl er der mächtigste Mann war, sich so ernährt und gekleidet, wie sich die untersten Schichten ernährten. Es gibt zahlreiche Beispiele für das schlichte Leben Imam Alis (a). Wir führen hier eines an und zwar berichtet Ahnaf Ibn Qais wie folgt: „Einmal hatte ich Muawiya an seinem Hofe aufgesucht und zum Mittagessen wurden so viele warme und kalte, saure und süße Speisen für mich aufgetragen, dass ich mich wunderte.  Dann brachten sie noch eine Speise, die ich gar nicht kannte. Ich fragte: 'Was ist das denn?' Da sagte Muawiya: ' Diese Speise wird aus Entendärmen zubereitet. Sie werden mit Hirn vom Schaf vermischt, in Pistazienöl angebraten und mit Rohrzucker übergossen.' Ahnaf ibn Qais fährt fort: „Da kamen mir die Tränen und ich musste weinen." Verwundert fragte Muawiya: 'Warum weinst du denn?' Ich sagte: „Ich muss an Ali Ibn Abi Talib (a) denken. Einmal war ich bei ihm zu Hause. Als es Zeit zum Essen wurde, sagte er: 'Sei mein Gast. ' Dann brachte er ein versiegeltes Bündel herbei. Ich fragte: 'Was ist da drin?' Er: 'Gerstenbrot!' Ich: 'Hast du Angst, dir etwas davon zu nehmen oder möchtest du, dass keiner davon isst( so dass du es versiegelt hast )?' Er: 'Nein, keines von beiden! Ich fürchte nur dass meine Kinder sich Tierfett oder Olivenöl darauf schmieren! 'Ich fragte: 'O Befehlshaber der Gläubigen, ist das denn haram (verboten)?' Er erwiderte: 'Nein! Aber die rechtmäßigen Führer müssen sich wie die Bedürftigen ernähren,  damit die Armut nicht zur Rebellion unter den Armen führt und sie sich immer, wenn ihnen die Armut zusetzt, sagen: 'Keine Angst, das Essen des Befehlshabers der Gläubigen ist wie unseres.'"

(Ahnaf Ibn Qais, der dies dem Widersacher Imam Alis (a), Muawiya erzählte,  fährt fort):

„Da sagte Muawiya: 'Ahnaf, du hast an einen Mann erinnert, dessen herausragende Tugend keiner leugnen kann."

Das Streben nach einer Monopolstellung ist einer der Gefahren für die Gesellschaft und die Entstehung von Armut. Die Monopolisierung von Vermögen in der Hand einiger weniger führt zu zunehmender Armut in den unteren Schichten. Dazu kommt es, wenn Herrscher einer bestimmten Gruppe eine bessere Position gegenüber der Volksmasse verschaffen. Dieser Gruppe werden alle Möglichkeiten in der Gesellschaft verfügbar gemacht, während die anderen verarmen. Meistens sind es Leute die dem Herrscher nahestehen. Sie häufen Besitz an und lassen andere, insbesondere Mitglieder der armen Schicht nicht an dem Wirtschaftskreislauf teilnehmen. Imam Ali (a)  sagt über solche Herrscher, die ihren Freunden eine solche unberechtigte Gelegenheit bieten: „Die Zerstörung eines Landes ist das Resultat der Armut seines Volkes, und die Armut eines Volkes ist das Resultat der Raffgier der Regierenden."

Die Herstellung von Monopolen für neue Möglichkeiten, ist die beste Gelegenheit  zur Anhäufung von Kapital bei denen, die den ungerechten Herrschern nahestehen." Imam Ali (a)sagt auch im Brief 62: „Ich bin betrübt, dass die Törichten und Sündigen  dieser Umma (des  Islamischen Glaubensvolkes) die Angelegenheiten der Menschen in die Hand nehmen und das Eigentum Gottes unter sich weitergeben und den Dienern (Gottes)  Entbehrungen auferlegen und sie zu ihren   Sklaven machen."

Eine hässliche Angewohnheit ist das Faulenzen. Nichtstuerei wirkt sich negativ auf Privatleben und Gesellschaft aus. Imam Ali (a) hat Arbeitsscheu mehrmals verurteilt. Zum Beispiel hat er über den Zusammenhang mit der Armut gesagt: Armut entsteht, wenn bestimmte Dinge zusammenauftreten, zum  Beispiel Trägheit zusammen mit Unfähigkeit.  Auf der anderen Seite hat Imam Ali (a) deswegen auch versucht, die Bedeutung der Arbeit in der Islamischen Kultur zu bekräftigen und die Menschen dazu angespornt und gesagt: „Kein Tun auf dem Wege Gottes ist wichtiger als eure Anstrengung, die Bedürfnisse eurer Kinder und eurer Ehefrau zu erwidern." Außerdem hat er gesagt: „Die Schatzkammer des Menschen ist seine Arbeit."

Er selber galt  als bestes Vorbild für Arbeit und Bemühung.  Als er über die Muslime herrschte,  hat er trotz aller damit verbundenen Aufgaben, wenn immer es möglich war, körperlich gearbeitet. Ibn Abi Al Hadid, ein großer Gelehrter der sunnitischen Schule hat über Imam Ali (a) geschrieben: „Er arbeitete mit eigenen Händen. Er pflanzte laufend etwas an, bewässerte das Land, legte   Dattelkerne in die Erde und zugleich hat er nachdem er den Boden kultiviert hat, viele  Felder und Bewässerungskanäle für die Armen gestiftet."

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