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Mittwoch, 17 Juni 2015 02:12

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha (18)

  In diesem Teil möchten wir die gerechte Verteilung des Volkseigentums  der Muslime (Bait-ul Mal) betrachten.  Imam Ali (a) tat,  was er sagte.

Die Unterstützung der entbehrenden und gefährdeten Bevölkerungsteile und die Verhinderung von Korruption, Benachteiligung und  Ungerechtigkeit waren seine festen Richtlinien.  Nach seiner Machtübernahme hat er zur Festigung der Gerechtigkeit in der Gesellschaft einige Reformen vorgenommen, darunter auch in Bezug auf das Bait-ul Mal.

                     

Das Bait-ul Mal ist der Allgemeinbesitz der Muslime, der zum Wohle aller verwendet werden soll.  Dieser Allgemeinbesitz wurde  durch den Islam und die Islamische Regierung zu einer wichtigen Angelegenheit.  Der Prophet hat das Allgemeineigentum unter dem Volk verteilt  und hat zuverlässige Leute damit beauftragt, die Zakkat-Abgabe einzubeziehen und sie unter den Bedürftigen zu verteilen.  Aber seinerzeit standen wenige finanzielle Quellen zur Verfügung und so war auch das Allgemeineigentum nicht so groß und erforderte keinen größeren  Verwaltungsapparat.

Bei späteren Siegen gelangten die Muslime jedoch in großem Umfange in den Besitz von Gütern und Territorien und es wurde die Einrichtung einer  Zentrale zur Verwaltung des Allgemeinbesitzes notwendig. So wurde offiziell zur Zeit des ersten Kalifen Abu Bakr das Bait-ul Mal (die Volkskasse) eingerichtet.  Unter dem zweiten Kalifen Umar Ibn Chatab wurde nach den zunehmenden Eroberungen der Muslime  eine Regelung und Reformierung des staatlichen Finanz- und Verwaltungsystems noch notwendiger und daher wurde das Bait-ul Mal System weiter verfeinert und vergrößert. Als dann der dritte Kalif Uthman  die Macht übernahm, ließ er seine Verwandten und Freunde und inbesondere die Ummayaden frei über die Volkskasse verfügen und beschenkte sie verschwenderisch aus diesem Allgemeinbesitz.  Daher wurden  die bereits entstandenen  Klüfte zwischen den Bevölkerungsgruppen noch größer und der Unterschied zwischen Arm und Reich wuchs. 

                          

Als nun nach Uthman, Imam Ali die Herrschaft über die Muslime akzeptierte, hat er sich große Mühe gegeben, um die Tradition (Sunna)  des Propheten (s) wiederzubeleben, die Wirtschaft  zu sanktionieren und die Angelegenheiten des Bait-ul Mals zu reorganisieren.  Das war für den Imam nicht einfach, Er  wollte  nämlich die Volkskasse gleichmäßig verteilen, und das bedeutete, dass er die eingefahrene ungerechte Methode seiner Vorgänger  einstellt, obwohl sich einige völlig an ihre Privilegien  gewöhnt hatten.

Für Ali (a) war es nicht richtig,  hinsichtlich der Anwendung der Ressourcen in der  Volkskasse irgendeinen Unterschied zwischen den Muslimen zu machen  und er wollte, dass alle zu gleichen Anteilen etwas vom  Allgemeinbesitz  haben, ob Araber oder Nicht-Araber,   gleich von welcher Rasse und Herkunft. Gleich zu Beginn seiner Regierung rief er alle herbei, um ihnen ihren Anteil zu geben. Er sagte zu seinem Schatzmeister Abidullah Ibn Abi Rafi`: „Beginn bei den Muhadscherin (den Einwanderern aus Mekka)! Lass sie kommen und gib jedem von ihnen drei Dinare. Dann lade die Ansar (die Muslime in Medina) ein und gib auch jedem von ihnen drei Dinare.  Danach gib  jedem aus dem Volke, der kommt dasselbe, unabhängig von welcher Rasse er ist.“

Sahl Ibn Hunaif  protestierte dagegen, denn sein ehemaliger Sklave hatte aufgrund dieser Vorgehensweise Alis (a) den gleichen Betrag erhalten wie er. Er sagte: „Er war doch bis gestern mein Sklave und ich habe ihn freigelassen. Du gibst ihm den gleichen Anteil wie mir?“

Ali (a)aber  sagte: „Was wir ihm gegeben haben, geben wir auch dir!“

Jeder erhielt also von Imam Ali 3 Dinare, ohne dass er irgendwelche Unterschiede machte.   

 Einige, die der Meinung waren, dass das Bait-ul Mal  einer bestimmten Elite gehört, regten sich über das gerechte Vorgehen  Imam Alis auf. Aber der Imam sagte: „Bei Gott: Ich werde das geplünderte Bait-ul Mal, wo ich es finde,  an seine eigentlichen Besitzer zurückführen, auch wenn sie mit diesem Geld geheiratet und es zur Morgengabe ihrer Frau bestimmt haben.  Denn durch die Gerechtigkeit wird für alle Erleichterung geschaffen und jemand dem die Gerechtigkeit nicht behagt, der wird gewiss Unrecht noch weniger ertragen können.“ (Chutba 15)

                          

Das konsequente Vorgehen Imam Alis (a) in Form einer  gerechten Verteilung der Volkskasse ließ einige rebellieren wie Talha und Zubair,  Said Ibn Aas und Walid Ibn Utbah sowie Abdullah Ibn Umar.  Diese wollten wie zuvor einen größeren Anteil aus dem Bait-ul Mal.  Sie entschlossen sich nach der gerechten Maßnahme Imam Alis zum bewaffneten Aufstand gegen die Regierung von Ali (a.). Einige Helfer Alis (a)  schlugen ihm vor,  er solle vorläufig nachgeben und die Stammesführer bevorzugen, damit sie nicht gegen die Regierung revoltieren. Außerdem solle er in einigen Gebieten die Gouverneure vorläufig an der Macht belassen,  auch wenn sie nicht kompetent sind.  Sie  sagten: „Sie sind die Vornehmen der Volksstämme , und es ist besser wenn du sie beachtest, damit du die Festen deiner Regierung stabilisierst.  Bei einer günstigen Gelegenheit, kannst du dann deinen wirklichen Plan durchführen.“

Der Befehlshaber der Gläubigen erwiderte denjenigen, die von ihm verlangten, dass er das Bait-ul Mal nicht gleichmäßig verteilt sondern einigen mehr und anderen weniger daraus geben soll gemäß der Chutba 126 wie folgt:

„Verlangt ihr von mir, dass ich denen, die unter meiner Verwaltung stehe, ein Unrecht antue, damit ich Helfer um mich herum versammle?! Bei Gott, solange die Welt existiert und solange ein Stern dem anderen folgt (solange diese Welt besteht) werde ich das nicht tun.  Schon wenn es mein eigener Besitz wäre, würde ich ihn gleichmäßig verteilen, und ich tue dies erst recht, wenn der Besitz Eigentum Gottes ist.“

Auf einer anderen Versammlung reagierte er auf den Protest von Talha und Zubair darüber, dass er bei der Verteilung alle gleich behandelt hat, und sagte: ...“Dies ist kein Gebot, dass ich aufgrund meiner eigenen Meinung aufgestellt habe und nach dem ich aufgrund meines Herzens gehandelt habe, sondern ihr und ich wisst dass es eine Anweisung ist, die der Prophet überbracht und durchgeführt hat (Chutba 205, Nachdsch-ul –Balagha).

 

Imam Ali hat also niemanden bei der Aufteilung des Allgemeineigentums bevorzugt. Er nahm auch für sich genauso viel wie für die anderen und er hat sogar öfters auf seinen eigenen Anteil verzichtet, um ihn einem Bedürftigen zu geben.  Nach dem Dschamal-Gefecht hat er bei der Verteilung des Bait-ul Mals in  Basra (Irak)  für sich den gleichen Anteil bestimmt wie für alle anderen. Aber als er merkte, dass einer bei der Verteilung vergessen wurde, hat er ihm seinen eigenen Anteil gegeben.

                           

Aus islamischer Sicht sind Besitz und Reichtum wie viele andere Dinge ein Pfand Gottes , über das der Mensch mit Einschränkungen verfügen kann.  Die Wahrung des  Allgemeinbesitzes erfordert natürlich optimale Treuhandschaft und Gerechtigkeit bei der Verwaltung und Verteilung.  Quasi ist jeder Muslim Mitbesitzer der Volkskasse und die Volkskasse ist ein göttliches Pfand.  Es ist daher eine große Sünde bei der Behütung des Bait-ul Mals  nachlässig vorzugehen. Imam Ali (a) setzte sich mit großer Sorgfalt für diese Pflicht und die Verteilung des Allgemeineigentums ein. Ein Überlieferer namens Asim Ibn Kulaib zitiert seinen Vater, der gesagt hat:

„Ich war bei Imam Ali (a) als sie aus einem Gebiet in Iran Dinge herbeibrachten, die zum Bait-ul Mal gehörten. Der Imam stand auf und fragte: `Wo sind die sieben Stammesführer?`(damals lebten in Kufa (Irak) sieben muslimische Stämme, die jeder einen Sondergesandten hatten).  Der Imam gab den Anteil jedes dieser Volksstämme dessen Vertreter, damit dieser es gleichmäßig unter den Mitgliedern seines Stammes verteilt. Schließlich blieb noch ein Brotfladen im Gefäß zurück. Imam Ali (a) sagte: `Teilt diesen Fladen in 7 Teile auf und gebt jedem Stamm der 7 Stämme ein Stück.` “

                 

Der Imam ließ bei der Verteilung der Volkskasse keine Zeit verstreichen. Er war dagegen, dass  das Bait-ul Mal bis zum Jahresende aufbewahrt wird, und sagte, dass dies gegen die Tradition (Sunna) des Propheten verstoße.  Er sagte: „ Der Prophet Gottes (Der Segen Gottes sei auf ihm) hat auch nicht einen Tag ein Eigentum zurückgehalten. Ich tue das gleiche was mein Freund, der Prophet Gottes (s) getan hat.“

Über die unverzügliche Verteilung des Bait-ul Mals berichtet einer seiner nahen Helfer:

„Es war zur Abenddämmerung als sie Besitzgegenstände für Imam Ali (a) brachten. Er sagte:   `Verteilt es!` Die anderen meinten: `O Befehlshaber der Gläubigen! Es ist schon spät. Verschieb es auf morgen.` Der Imam: `Garantiert ihr dafür, dass ich morgen noch lebe?`Da fragten sie: `Was sollen wir denn tun?`

Er: `Verschiebt es nicht! Teilt diese Dinge auf!` Da holten sie eine Kerze herbei und teilten es mitten in der Nacht auf.“

                          

Imam Ali (a) war bestrebt zu verhindern, dass  die Rechte von einigen zugunsten der Wohlhabenden verletzt wurden. Er wollte die Armut in der Gesellschaft beseitigen  und das Einkommen der Gesellschaft gleichmäßig unter allen verteilen.

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