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Donnerstag, 04 Juni 2015 03:53

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha (17)

  Der Name  Imam Alis (a) ist sehr eng mit dem Begriff der Gerechtigkeit verwoben und die  Gerechtigkeit  nimmt eine Schlüsselstellung in den islamischen Lehren ein.

In dem Vers 90 der Sure 16 (Nahl) steht: „Wahrlich, Allah gebietet, gerecht (zu handeln), uneigennützig Gutes zu tun und freigebig gegenüber den Verwandten zu sein und Er verbietet, was schändlich und abscheulich und gewalttätig ist. Er ermahnt euch; vielleicht werdet ihr die Ermahnung annehmen.“

Gerechtigkeit hat eine weitgehende Wirkung auf die Gesellschaft, manchmal aber reicht sie nicht für die Beseitigung aller Probleme aus.  Wir sehen, dass der Koran zunächst zur Gerechtigkeit anhält, aber danach auch die Empfehlung gibt, großzügig zu sein. Neben der Gerechtigkeit, soll auch Nachsicht und Selbstverzicht geübt werden. Imam Ali (a) sagt darüber:

„Gott gebietet „Adl“ und „Ihsan“. „Adl“ ist die Beachtung der Gerechtigkeit und „Ihsan“ ist Großzügigkeit und Güte.

Da fragte jemand den Imam, ob Gerechtigkeit höher stehe oder Großzügigkeit und Güte.  Er  antwortete: „Gerechtigkeit sorgt dafür, dass jede Sache auf den Platz zu stehen kommt, der ihr gehört,  und ein Recht seinem Besitzer gegeben wird. Aber die Nachsicht und Großzügigkeit verrückt die Dinge aus ihrer eigentlichen Stellung (sie dient dazu die Gefühle der Menschen zu erwidern). Die Gerechtigkeit regelt das Allgemeine und ist zugunsten aller, und die Großzügigkeit ist etwas Spezielles (und nutzt nur einer bestimmten Gruppe) . Im Vergleich zwischen beiden steht die Gerechtigkeit  also höher . „

Nahdsch-ul Balagha Weisheit 437)

                      

 

Imam Ali (a) betrachtet die Herstellung von Gerechtigkeit als Grundfeste für eine Gesellschaft und deren Fortdauer. Das Unrecht ist für ihn ein Faktor für den Untergang von Regierungen.  Aber die Durchführung der Gerechtigkeit im Sinne Gottes ist nicht ohne Glauben, Gottesfürchtigkeit und Ethik möglich. Normalerweise wird wegen Fehlen der guten Moral und Gottesfürchtigkeit  der Boden für die Herrschaft der Ungerechten und Verbreitung der Ungerechtigkeit in der Gesellschaft geschaffen.  Daher müssen in der Gesellschaft laufend Menschen herangezogen werden, die nach Gerechtigkeit suchen und gottesfürchtig denken und handeln, damit ihnen die Leitung der Gesellschaft übertraut werden kann.  Erst dann lässt sich auch  auf die Verwirklichung der sozialen Gerechtigkeit hoffen.

Imam Ali (a) dessen Gerechtigkeit und Gottesfürchtigkeit im Munde aller war, hat über seinen Gerechtigkeitssinn in der Freitagsansprache 224 gesagt:

 

„ Bei Gott, ich würde lieber eine Nacht auf den Dornen der Sa´dan-Pflanze durchwachen oder als Gefesselter in Ketten hin- und hergezerrt werden, als am Tage der Auferstehung Gott und Seinem Gesandten als jemand zu begegnen, der irgendeinem Diener Gottes Unrecht getan hat, oder als jemand, der etwas, was Allgemeineigentum ist, an sich gerissen hat.“

                  

Diese Worte Imam Ali s (a) sind  keine bloße Behauptung. Sein ganzen Leben lang und gerade auch während seines Kalifats hat er die Treue zu diesem Grundsatz bewiesen. In der obigen Chutba lesen wir was er weiter zu den Gläubigen sagte:

„Denn bei Gott, ich sah (meinen Bruder) Aqil, wie er in schwerste Armut geraten war, bis er mich um ganz wenig von eurem Weizen bat, ...und ich sah seine Kinder mit staubigem, zerzaustem Haar, mit staubiger Farbe aufgrund ihrer Armut, als ob ihre Gesichter mit Indigo geschwärzt worden waren. Er kam immer wieder drängend zu mir und wiederholte diese Bitte wieder und wieder. Ich lieh ihm mein Ohr und er nahm an, dass ich ihm meine Religion verkaufen und mich von ihm verleiten lassen würde, indem ich mich von meinem Wege trenne. So erhitzte ich ein Stück Eisen für ihn, dann brachte ich es nahe an seine Hand  heran, damit er eine Lehre daraus ziehen möge, und er schrie, wie ein Schwerkranker vor Schmerzen, während er sich fast an dem Brenneisen verbrannt hätte. Dann sagte ich: Stöhnst du wegen des Eisens, das ein Mensch aus Spaß zum Glühen gebracht  hat, während du mich zum Feuer hinziehst, das Gott, der  Bezwinger, aus Seinem Zorn heraus angezündet  hat? Stöhnst du wegen diesen geringfügigem  Schmerz, und ich soll nicht vor (dem Schmerz) der heißen Höllenflamme stöhnen? ...“

 

Imam Ali (a) hat also das Prinzip der   Gerechtigkeit auch gegenüber denen, die ihm verwandschaftlich sehr nahestanden nicht missachtet , weil er einmalig gottesfürchtig war.  Wenn der Mensch eine Stufe erreicht, auf der für ihn das Weltliche völlig wertlos geworden ist wie das Häutchen eines Gesternkornes oder das Blatt eines Baumes und er nur noch Gott  zufrieden stellen will, wird er jede auch noch so geringe Tat unterlassen, die ungerecht wäre..

Als ihn eine Person mit einem Geschenk bestechen wollte, hat der Imam es angewidert zurückgewiesen und gesagt:

„Bei Gott, selbst wenn mir sieben Reiche gegeben würden mit allem, was es unter den Himmelssphären gibt, dafür, dass ich Gott gegenüber ungehorsam werde, indem ich  einer Ameise unrechtmäßig die Schale eines Gerstenkorns wegnehme, würde ich es nicht tun! Denn wahrlich, eure Welt ist bei mir von geringerem Wert als ein Blatt im Munde einer Heuschrecke, an dem sie genagt. Was sind für Ali die Wohlgenüsse wert, die vergehen, und die Freuden, die nicht von Dauer sind! Wir nehmen Zuflucht zu Allah vor dem Schlummern der Weisheit sowie vor der Abscheulichkeit des Ausgleitens und ersuchen Ihn um Beistand.“                   

Ali (a) behielt   als das Oberhaupt einer gerechten Regierung das Tun seiner  Gouverneure im Auge. Sobald er sah, dass etwas von der Volskkasse (Bait-ul Mal) vergeudet wurde oder ein Verstoß gegen die Gerechtigkeit standfand reagierte er sofort  und tadelte den betreffenden Amsträger.  Imam Ali (a) war selber Sinnbild für die Gerechtigkeit und vermied jedes Unrecht. Gleichzeitig ließ er also auch nicht zu, dass Regierungsbeamten  die Bürger ungerecht behandeln. Dies veranschaulicht die Geschichte von Suda Hamdani, der Tochter des Amara Hamdani. Sie gehörte zum Stamm der Bani Hamdan, die im Süden der Arabischen Halbinsel lebten.  Suda Hamdani hatte die Soldaten Alis (a) im Siffin-Krieg mit ihren Kampfgedichten zu Mut und Standhaftigkeit angespornt und das  hatte  Muawiya, der Gegner Imam Alis mit großem Missbehagen gehört.

Nachdem einige Zeit später Imam Ali den Märtyrertod fand, wurde der hartherzige Befehlshaber des Muawiya ,Busr Ibn Artat, Befehlshaber von Hamdan. Er schreckte vor keinem Unrecht zurück und keiner wagte etwas gegen ihn zu sagen. Aber Suda  Hamdani konnte nicht schweigen. Sie ritt nach Schaam (damaliges Großsyrien)  und beklagte sich bei Muawiya wegen der Morde und Plündereien. Suda Hamdani sagte:  „Dein Gouverneur unterdrückt mit deiner Unterstützung die Menschen, und  denkt, er dürfe auf ihr  Leben und Eigentum übergreifen.“

Muawiya erkannte Suda Hamdani und sagte: „Erinnerst du dich noch daran, was du im Siffin-Krieg gemacht hast“ Und er drohte ihr, sie dem Gouverneur auszuliefern, damit er nach Belieben mit ihr verfahre.

Suda schwieg kurz und dann begann sie ein Gedicht: „O Gott! grüße den edlen Leib, den die Erde  umschließt, während die Gerechtigkeit auch mit ihm unter die Erde ging und begraben wurde ... Er stand im Bündnis mit dem Recht und  nur die Erfüllung des Rechtes hat er anerkannt. Er war die Verkörperung von Recht und Glaube.“

Da fragte Muawiya: „Von wem redest du?“

Suda antwortete: „Ich spreche von Ali (a). Als  er ging, ging auch die Gerechtigkeit mit ihm. Muawiya ! Der Verwalter Alis (a) in Hamdan hatte mir einige Kilogramm Weizen zuviel abgenommen. Ich ging nach Kufa. Als ich zum Befehlshaber der Gläubigen Ali (a) kam, fragte er mich freundlich:  `Möchtest du etwas?`  Da schilderte ich ihm, was passiert war und ich sagte ihm: `Ein paar Kilo Weizen sind nicht wichtig, aber ich  befürchte dein Gouverneur wird  sich zu Überschreitungen und Bestechlichtkeit hinreißen lassen und dem Ruf deiner Regierung schaden.`

Als Imam Ali (a) dies hörte, weinte er und sagte: „O Gott! Sei Zeuge, dass ich diese Leute nicht zum Unrecht  am Volke aufgerufen haben.“ Dann nahm er ein Stück Leder und schrieb folgenden Vers aus der Sure 7, den Vers 85 darauf:

 

„...Ein deutliches Zeichen ist nunmehr von eurem Herrn zu euch gekommen. Darum gebt volles Maß und Gewicht und schmälert den Menschen ihre Dinge nicht und stiftet nicht nach ihrer Ordnung Unheil auf Erden. Das ist besser für euch, wenn ihr gläubig seid."

 

Dann schrieb  er an seinen Gouverneur in unserem Gebiet: `Überprüfe deine Verwaltungsangelegenheiten und schließe sie ab. Du bist deines Amtes enthoben und bald wird ein neuer Verwalter kommen und alles von dir übernehmen.`

Das Schreiben gab er mir mit. Sofort nach meiner Heimkehr,  wurde der Befehlshaber abgesetzt und ein anderer trat an seine Stelle. Suda fuhr fort: „Muawiya!  Damals habe ich mich bei Ali über ein paar Kilo Weizen, die man mir zu Unrecht abgenommen hatte, beklagt. Aber heute habe ich mich bei dir beklagt, dass dein Befehlshaber Busr Ibn Artat  Wein trinkt, Übergriffe verübt, das Eigentum der Bevölkerung plündert und das Blut der Entschuldigen vergießt: Du aber drohst mir nun, anstatt Gerechtigkeit herzustellen und den liederlichen Gouverneur abzusetzen, mit dem Tod und behauptetst der Kalif der Muslime zu sein?!“

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