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Donnerstag, 12 März 2015 00:28

Imam Alis (a) Denken im Spiegel des Nahdsch-ul Balagha (11)

Imam Ali (a) sagt: „Die  bedeutendste Rechte , zu denen Gott verpflichtet hat, sind die Rechte  des Regierenden gegenüber dem Volk und die  Rechte des Volkes gegenüber dem Regierenden.“

 

Ein wichtiger Gegenstand des Nahdschul Balaghas sind die Pflichten und Rechte der Mitglieder der Gesellschaft einander gegenüber.

 In diesem Teil betrachten wir die gegenseitigen Pflichten und Rechte der Regierenden und der Bevölkerung aus der Sicht Imam Alis (a)                         

 

Der Mensch ist ein geselliges Wesen. Er ist alleine  nicht imstande seine Bedürfnisse zu decken. Ein Mensch, der  Wohl und ein gutes Leben anstrebt muss mit seinen Artgenossen zusammenarbeiten und bei den Angelegenheiten der Gesellschaft mitwirken. So leuchtet es ein, dass eine solche Gesellschaft auch Regeln voraussetzt, damit die Pflichten ihrer Mitglieder und Regeln für ihre Beziehungen festliegen. Aus diesem Bedürfnis heraus sind die Gesetze entstanden. Das Gesetz ist die Summe der zu beachtenden Regeln zum Schutz der Gesellschaftsordnung und Regelung der Beziehungen zwischen den Einzelnen und den Völkern.  Doch leider wurden die sozialen Rechte des Menschen immer wieder in der Geschichte offen oder versteckt von Herrschern verletzt , d.h. die Untergebenen wurden Opfer von Unterdrückung und Aggression der Machthungrigen.

Die Inhaber von Macht und Reichtum definieren die wechselseitigen Rechte und Pflichten zwischen ihnen und dem Volk einseitig. Sie verpflichten das Volk zum Gehorsam ohne deren Rechte als Mensch oder überhaupt deren Rechte zu beachten.  Aber die Regierung von Ali (a) gehört zu den wenigen Systemen, in denen die gegenseitigen Rechte und Pflichten zwischen Regierendem und Volk  das höchste Gesetz darstellt. Aus der Sicht Imam Alis (a) gehören Rechte und Pflichten insbesondere in Bezug auf das Verhältnis zwischen Regierung und Volk fest zueinander.  Imam Ali (a) sagt: „Die  bedeutendste Rechte , zu denen Gott verpflichtet hat, sind die Rechte  des Regierenden gegenüber dem Volk und die  Rechte des Volkes gegenüber dem Regierenden.“

                                  

Imam Ali (a) wurden während seines Kalifats, das circa 5 Jahre dauerte, zahlreiche Hindernisse in den Weg gelegt. Aber wie sein Verhalten und seine Äußerungen zeigen, legte er großen Wert auf die Rechte der Allgemeinheit. In der Chutba 216 im Nahdsch-ul Balagha spricht er dafür wie einfach es ist über Recht und Gerechtigkeit zu reden, aber wie schwierig es ist danach zu handeln. Er sagt: „Wenn jemand  gegenüber einem anderen ein Recht hat,  so  wird auch dieser andere gegenüber ihm ein Recht haben.  Der einzige der Rechte hat, ohne das ein  anderer ihm gegenüber ein Recht hätte, ist Gott der Allmächtige,aber keiner Seiner Diener.“

Somit ist für den Imam das Verhältnis zwischen Herrschern und Bürgern  kein Herren-Sklaven-Verhältnis, so dass sich der Herrscher als Besitzer der Menschen versteht und nach Belieben handeln darf, ohne dass einer Einspruch erheben könnte.

Imam Ali (a)  legt vielmehr für die Wahrung des Volkswohls  Rechte und Pflichten für  die Regierenden und die Bevölkerung fest. In der Chutba 34 des Nahdsch-ul Balaghas  sagt er:

„Ich habe als euer Oberhaupt Rechte euch gegenüber und ihr habt Rechte mir gegenüber über . Euer Recht mir gegenüber  besteht darin, dass ich euer Wohl will  und bei steigendem Einkommen, eure Löhne und Gehälter anhebe und euren Bildungs- und Erziehungsstand verbessere, damit euer Wissen wächst.  Umgekehrt ist das Recht, das ich euch gegenüber habe, dass  ihr an dem Treueeid, den ihr mir geleistet habt, festhaltet,  und in meiner Gegenwart und meiner Abwesenheit mein Wohl wollt,  und mir eine Zusage macht, wenn ich euch zu etwas aufrufe und mir nicht den Befehl verweigert.“

 

Imam Ali (a) wurde einmal von einem Anhänger dermaßen gelobt, dass es in Heuchelei und Schmeichelei ausartete. Er erteilte ihm eine Lehre, um allen klar zu machen, dass ein Regierungsoberhaupt gegenüber der Erfüllung seiner Pflichten keine Schmeichelei erwarten darf und die Bürger  ebensowenig Heuchelei und Schmeichelei , welche unzählige negative Folgen haben, in der Gesellschaft verbreiten dürfen.  In Wahrheit hat Imam Ali (a) damit den Menschen klar machen wollen, dass ein politisches Oberhaupt wie die anderen ein Mensch ist und wie sie eventuell auch Fehler begeht.   Wenn die Menschen bedingunglos sich mit jedem Vorgehen eines Herrschers einverstanden zeigen, kann es  gefährliche Folgen haben.  Es ist also eine Pflicht der Bevölkerung  furchtlos die Mächtigen an der Spitze wegen ihrer Fehler zu kritisieren und  ein Herrscher hat die Pflicht, dies zuzulassen. Ein Regierender ist außerdem  verpflichtet  sich mit den anderen beraten, wenn er Pläne hat,   und die anderen sind umgekehrt verpflichtet, sein Wohl zu wollen.

Imam Ali (a) sagt in der Chutba 207:

„In den Augen eines würdiges Volk gilt es als  niedrigste Eigenschaft  von Herrschern, wenn sie des Hochmutes verdächtigt werden  und  Eigenlob lieben und ihr Tun als Stolz und Egoismus ausgelegt wird.  Und mir ist es zuwider, dass sich bei euch der Gedanke einschleichen könnte, dass ich übertriebenes Lob von euch  liebe ...  Wenn einige es mögen, wegen einem wichtigen Werk von euch gelobt zu werden, so unterlasst dies aber bei mir, denn ich tue etwas nur wegen der Aufgabe, die Gott und ihr mir aufgetragt  habt und die ich noch nicht vollständig erfüllt habe.  Um die Erfüllung einer Pflicht braucht nicht soviel Lärm gemacht zu werden.“

 

Ein anderer Grundsatz, dessen Beachtung Imam Ali während seiner Regierung empfahl lautete, sich mit den anderen zu beraten und sie als geistige Stütze zu nutzen.

Gott hat ja im Vers 38 der Sure Schura (Sure 42) – es als eine gute Eigenschaft bezeichnet dass die Gläubigen sich beraten .  Imam Ali sagte zu seinen Helfern:  „So sprecht nicht mit mir wie mit den Gewaltsamen und haltet nicht bei mir mit dem zurück, worüber ihr vor denen, die schnell aufbrausen schweigt, und begegnet mir nicht mit Nachsicht und Heuchelei  und denkt nicht, dass ich das Recht nicht hören mag oder möchte dass ihr euch verbeugt....  Jeder, der  nicht gern das Recht hört oder ungern von der Durchführung der göttlichen Gerechtigkeit  erfährt, für den ist es erst recht unangenehm,  nach diesen beiden zu handeln.  Lasst also nicht davon ab, das Rechte zu sagen  und lasst nicht von der Beratung (zur Herstellung) der göttliche Gerechtigkeit ab denn ich bin nicht der Ansicht, dass ich jenseits davon stehe, dass mir ein Irrtum unterläuft und ich bin im Handeln nicht vor einem solchen Irrtum sicher, es sei denn das Gott mich davon (von einem Irrtum)  zurückhält.“   

                           

Imam Ali (a) betrachtet nicht nur die Legitimierung durch die Religion sondern auch die Beliebtheit unter den Menschen als Notwendigkeit für eine Islamische Regierung. Aus seiner Sicht müssen  im Volk die geistigen, seelischen Voraussetzungen vorliegen und sie müssen hinsichtlich Überzeugung, Kultur und Moral so sein, dass sie selber das Recht und ein religiöses System möchten.  Nachdem die Bedingungen für ein Kalifat des Imam Ali nach dem Tod des Propheten (s) verloren gegangen waren, war er nicht bereit  sein Recht auf die Verwaltung der Gläubigen mit dem Säbel zu erzwingen. Zur Wahrung der Einheit unter den Muslimen unternahm er nichts. Das Kalifat war sein Recht wie er in Weisheit 22 sagte und der Prophet hatte ihn auf Gottes Anweisung als seinen Nachfolger vorgestellt.  In Weisheit 22 hebt der Imam hervor, dass er nach diesem Recht strebt aber in der Chutba 3 verweist er auf einen wichtigen Punkt und sagt:

„Wisset! Bei dem, der den Kern spaltet und den Mensch erschafft. Wenn es nicht diese  Leute gegeben hätten  und wenn für mich nicht der Beweis durch das Vorhandensein von Helfern erbracht worden wäre, und wenn Gott nicht mit den Gelehrten ein Bündnis geschlossen hätten, dass sie nicht gegenüber der Völlerei der Unterdrücker und dem Leid und Schmerz des Hungers der Unterdrückten schweigen dürfen, hätte ich ihnen das Zaumzeug des Kalifats um den Hals geworfen und mich wie früher  zurückgezogen und sie würden sehen dass eure Welt für mich so viel wert ist wie das Niesen einer Ziege.“

                         

Wir sehen, dass der Imam nur deshalb die Verwaltung übernehmen will, um die Unterdrückten gegenüber den Unterdrückern zu verteidigen und  sich das Recht der Unterdrückten bei den Unterdrückern zu holen.  Wenn andere helfen, das Recht der Unterdrückten herzustellen, so muss man danach streben. Dies ist ein Bündnis das Gott mit den Gelehrten geschlossen hat . Sie müssen sich vor Gott verantworten, wenn sie die Schwachen und Unterdrückten nicht unterstützt haben.   

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