Musik im Iran und der Islamischen Republik
Musik gibt die Gefühle des Menschen durch Töne und Rhythmus wieder. Die Islamischen Philosophen haben die Meinung Aristoteles übernommen, dass Musik ein Zweig der Mathematik ist. So ordnete Ibn Sina (Avicenna) seine Beschreibungen der Musik dem Abschnitt über die Mathematik seines Werkes Al-Schifa zu. Aber da in der Musik nicht alles wie
in der Mathematik klar und unveränderbar ist, sondern auch der Geschmack des Musikers mit eine Rolle spielt, wurde sie später als Kunst verstanden und heute ist sie sowohl Kunst als auch eine Wissenschaft.
Die traditionelle iranische Musik hat einen großen Teil Mittelasiens, Afghanistan, Pakistan, Aserbaidschan Armenien, der Türkei und sogar Griechenland beeinflusst und wurde teilweise auch von der Musik dieser Länder inspiriert.
Im Antiken Iran wurde zum Sonnenauf- und Untergang in die Trommel geschlagen oder ins Horn geblasen und für Naturfeste – und wichtige Nationalanlässe galten besondere Gesänge und Lieder. Unter den Achämeniden waren die sogenannten horeh üblich , d.h. Lieder die während der Gefechte oder bei Festen gesungen wurden. Ähnliche Lieder sind heute noch unter dieser Bezeichnung in Westiran Sitte. Unter den Sassaniden, den letzten vorislamischen Herrschern im Iran insbesondere unter Bahram Gur und Chosro Parwis führten berühmte Musiker ihre Kunst auf Festen vor. Die bekanntesten von ihnen waren Barbad, Ramtin, Bamschad und Nakisa.
Auch nach Beginn der Islamischen Ära haben sich die Gelehrten mit der Musik auseinandergesetzt und zusammen mit Musikkennern Werke über diese Kunst verfasst. Dies waren unter anderen Ibrahim Al Mausili, Ala Ghani, Ibn Chordadbeh und Safi ad-Din al Urmawi. Aber auch die berühmten Gelehrten Zakarija Al-Rasi, Avicena und Farabi haben Forschung über die Musik betrieben.
Die regionale Volksmusik ist im antiken Iran Teil des Heilwesens gewesen. Die regionale Volksmusik spiegelt das Leben der Bevölkerung in jeder Region wieder und ist mit ihren Bräuchen und Überzeugungen verknüpft. Sie stellt einen wichtigen Teil des Kulturerbes der verschiedenen iranischen Gebiete ein. Die verschiedenen Provinzen wie Khuzistan, Gilan, Aserbaidschan, Fars, Chorassan, Lorestan und Kurdistan besitzen ihre eigene Volksmusik und haben damit Touristen und Forscher auf sich aufmerksam gemacht. Die Folklore dieser Gebiete gibt zum Teil mit ihrem Inhalt Auskunft über die Geschichte.
Neben dieser Art von traditioneller und regionaler Volksmusik Irans, hat die iranische Musik in den letzten Jahrzehnten auch wertvolle Erfahrungen auf dem Gebiet der klassischen Musik gemacht. Aber sie bewegte sich besonders gegen Ende des Schahregimes in Richtung Dekadenz und viele gläubige Menschen begannen sie daher abzulehnen. Die degenerierte Musik wurde nach der Revolution beiseite gestellt und man wandte sich wieder ursprünglichen bodenständigen Musik zu. Die Wiederbelebung der traditionellen Musik kann daher als Verdienst der Islamischen Revolution betrachtet werden, welche im Begriff war, in Vergessenheit zu geraten.
Nach der Revolution begann die Musikindustrie ernsthafte Aktivitäten und die staatlichen Einrichtungen schufen die Bedingungen für Konzerte. Dann begann der Krieg des ehemaligen irakischen Diktators Saddam gegen den Iran und es wurden viele Musikstücke und Lieder zur Verteidigung der Revolution komponiert und selbst die traditionelle und regionale Volksmusik widmete sich dem Thema Kampf und Dschihad.
1989 gab der Gründer der Islamischen Republik Imam Chomeini ein Fitwa über die Musik heraus und schaffte damit die nötigen Grundlagen zur Stärkung dieser Kunst. An den Universitäten wurden Musikfächer eingeführt und Musikschulen wurden gegründet und die Musikproduktionen erfuhren Unterstützung. Ebenso wurde zu Musikfestivals für traditionelle und klassische Musik sowie Volksmusik eingeladen. Ausländische Gruppen kamen zu Auftritten in den Iran und iranische Gruppen gaben Konzerte im Ausland.
Musik
Jedes Jahr findet nun schon seit Jahren zu den Siegesfeiern der Islamischen Revolution ein Festival namens internationales Fadschr-Musikfestival statt. Es gilt als eines der wichtigsten Ereignisse für die iranische Musik.
Dieses Jahr war es das 27. Fadschr-Musikfestival und es nahmen zahlreiche Musikgruppen teil und führten in 10 Sälen der Stadt Teheran und einigen anderen Städten Irans im Laufe der vergangenen Woche ihre Kunst vor. Es kamen mehrere Chorgruppen und Symphonieorchester, Kinder- und Musikerinnengruppen, Solisten und Studentengruppen zur Teilnahme und an den Festivalabenden sind ebenso mehrere Popgruppen und –Sänger aufgetreten.
In der Forschungssparte des Festivals ging es unter anderem um die Betrachtung alter Instrumente sowie über verschiedene Methoden des Instrumentalspiels. Beim Wettbewerb des Festivals nahmen 10 Gruppen in der Abteilung: Chorgesang, 10 Gruppen in der Abteilung traditionelle iranische Musik und 8 Gruppen in der Abteilung nicht-iranische klassische Musik teil. Auf der Schlusszeremonie wurden die Preisträger vorgestellt und es wurden der verstorbene Komponist Hischmat Sandschari sowie der Komponist Wartan Sahakiyan, der Seh-Tar-Spieler Dschalal Zu-l Fenun und der Trompetenspieler Manutschehr Biglaripur gewürdigt.
Besonders stark besucht waren die Konzerte für Regionalfolklore einiger Gruppen wie die der Gruppe aus Bushher am Kaspischen Meer und der Gruppe aus Aserbaidschan.
Musik
Die internationale Abteilung des Fadschr-Festivals erlebte eine ihrer besten Jahrgänge und es nahmen eine Reihe von bekannten europäischen Gruppen teil. Darunter Stephan Micus aus Deutschland mit seinem besonderen Stil. Micus hat vor 40 Jahren als junger Mann den Osten bereist und liebt dessen Kultur. Er hat die verschiedensten östlichen Instrumente erlernt. Ihn interessiert nicht nur die Musik sondern auch die Architektur und Literatur des Irans und er hat eine Vorliebe für die Kamancheh, ein traditionelles iranisches Streichinstrument. Während seines Konzertes im Iran führte er Improvisationen vor und spielte dabei selber viele verschiedene Instrumente, darunter aus dem Iran, Ägypten, Japan und Afrika.
Das Fadschr-Musikfestival dieses Jahres war außerdem Gastgeber von 8 Musikgruppen aus dem Ausland. Sie kamen aus Schweden, der Schweiz, Russland, Armenien und der Unkraine sowie aus Libanon und Syrien.
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