Literaturereignisse des vergangenen Jahres im Iran
Im Jahre 1389 hat es auch in der Literatur erfreuliche und bittere Ereignisse gegeben. Die Iraner eröffneten das Jahr 1389 mit den Feiern zum Tausendjährigen Jubiläum des iranischen Nationalepos Schahnameh des Ferdowsi. Vor einem Jahrtausend hat Abu-l Qasim Ferdowsi dieses weltberühmte Poesiewerk geschaffen. Auf Antrag Irans und der Länder, in denen Farsi gesprochen wird, wurde mit Billigung der UNESCO das Jahr 2010 , das sich vom 21.März bis zum 31. Dezember mit dem Jahr 1389 deckte zum Jahr des „Buchs der Könige von Ferdowsi“ ernannt.
Dieses Werk enthält die Geschichte und Mythen von mehreren Tausend Jahren der Iraner und Irans. Es schildert den Kampf der Sinnbilder des Bösen gegen die des Guten von den Anfängen der Zivilisation bis zum Sturz der letzten antiken Königreiche Irans. Es ist ein Nachschlagewerk über tausendjähriges Kulturerbe Irans und für iranischen Denken und daher bedeutet Schahnameh den Iranern viel. Zur Würdigung seines Poeten Ferdowsi fanden im Iran und verschiedenen Ländern auf der Welt Ausstellungen und Kongresse statt.
Bei der Preisverleihung „Buch des Jahres“, welche zum 28. Mal in der Islamischen Republik Iran stattfand, wurde nur ein Werk von der Jury als Preisträger für würdig befunden, und dieses Werk gehörte zudem auch noch zu den alten Schriften. Es handelte sich um die Überarbeitung des Geschichtswerkes Tarich-e Bihaqi von Abu-l Fasl Mohammad Ibn Hussein Bihaqi, durch Dr. Mohammad Dschafari Yaahaqi und Seyyed Mehdi Seyyedi. Der Preis „Buch des Jahres“ wird seit 1983 von der Islamischen Republik Iran vergeben und dient dem Ziel der Anhebung des Kulturniveaus der Islamischen Gesellschaft, der Wahrung der kulturellen Unabhängigkeit und Wesensart und der Unterstützung und dem Ansporn von Schriftstellern, Übersetzern und Textüberarbeitern im Lande.
Unterdessen fand sich für den Dschelal- Ale-Ahmad-Literaturpreis im vergangenen Jahr überhaupt kein Preisträger und es wurden lediglich vier Werke gewürdigt. Der Preis wurde zum ersten Mal 2008 verliehen und jedes Jahr trifft die Preisjury unter Kandidaten in den vier Sparten Erzählung, Literaturkritik, Geschichtsbeschreibung - bzw. Dokumentierung ihre Auswahl. Die vier Werke, die sie im vergangenen würdigte, ohne diesen Preis zu verleihen, waren in der Sparte Erzählung die Bücher „Empfangssaal der Hauptstadt“ von Mohammad Ali Gudini und „Namira“ von Sadeq Karamyar. Gewürdigt wurden in der Wettbewerbsparte Literaturkritik Dr. Mehdi Mohabati für sein Werk „Vom Sinn zur Form“ und Dr. Mehdi Zarqani für „Literaturgeschichte Irans und das Areal der Farsi-Sprache.“ Die Verleihung des Literaturpreises Dschelal Ale Ahmad, welche jährlich am Jahrestag der Geburt dieses zeitgenössischen Intellektuellen und Schriftstellers stattfindet, dient der Vorstellung von auserlesenen literarischen Erzählwerken und der Förderung der Sprache und religiös-nationaler Literatur durch Würdigung der Autoren von höheren Werken, und Initiatoren von Innovation und des Fortschritts.
Die Verleihung des Kritiker- und Autorenpreises der Presse fand 1389 zum elften Mal statt. Von den Werken, die im Vorjahr 88 veröffentlicht wurden, wurde der Roman „Frühling 63“, von Modschtaba Purmohsen als bester preisgekrönt und der Preis für die beste Erzählreihe an Mehdi Rabbi für seine Erzählreihe: „Geh und leb in den Tag, mein Kamerad!“ vergeben. Außerdem befand die Jury den Sammelband „Schaach“ („Horn“) von Peyman Huschmandzadeh als beachtenswert und verlieh auch dieser Buchveröffentlichung aus dem Jahre 1388 ihren Preis. Jährlich wird mit dieser Preisverleihung ein Erzählschriftsteller, ein Verleger, ein Forscher und ein Literaturkritiker aus der Pressewelt gewürdigt. Auf der jährlichen Zeremonie wurden Mohammad Mohammad Ali – der bekannte Erzählschriftsteller der Dritten Generation iranischer Erzähler - ebenso gewürdigt, wie der Minuye- Cherad-Verlag wegen kontinuierlicher Verlegung von anspruchsvollen theoretischen Werken auf dem Gebiet der Erzählliteratur. Gewürdigt wurde auch Dr. Hussein Payandeh wegen seiner besonderer Aufmerksamkeit für die literarischen Strömungen im Bereich der iranischen Erzählung und der Abfassung und Übersetzung verschiedener theoretischer Werke in diesem Bereich, insbesondere für die Verlegung des Buches „Kurzgeschichten im Iran“. Ebenso erhielt Puya Rofui als Literaturkritiker im Bereich „Presse“ Ansporn von der Jury. Der Juryausschuss ist der Überzeugung, dass dieser Pressepreis in gewisser Weise zur allgemeinen Blüte der iranischen Literatur und Kultur beiträgt und wie ein Licht ist, das nicht verlöschen darf.
Die Literaturgesellschaft Irans verlor 1389 einige wichtige Größen. Gerade eben hatte 1389 begonnen, als die Nachricht vom Ableben Dr. Ali Mohammad Haqschenas bekannt wurde. Er war einer der wichtigsten Linguisten und Autoren im Bereich Kultur und ein bedeutender zeitgenössischer Übersetzer. Das größte Werk Dr. Haqschenas war das Nachschlagewerk „Englisch-Farsi- Lexikon des zeitgenössischen Millenniums“ Dieses Werk kam 2000 in Zusammenarbeit mit Dr. Hussein Same`i und Narges Entechabi aus dem Druck und ist bereits 25 Mal neu aufgelegt worden. Es wurde in der 20. Preisverleihungsrunde für das Buch des Jahres als auserlesenes Werk vorgestellt, enthält 55 Tausend Stichwörter und 30 Tausend Sprichwörter und Redewendungen und weist im Vergleich zu ähnlichen Nachschlagewerken viele Vorteile auf. Zum Beispiel werden Wörter und Ausdrücke in verschiedenen Zusammenhängen im gesprochenen und geschriebenen Farsi aufgeführt. Dr. Ali Mohammad Haqschenas verstarb am 30. April 2010.
Am 21. Juli verlor die iranische Literaturwelt ebenso Kazem Bargnisi , Forscher in Farsi-Literatur und Linguistik. Er beschäftigte sich weiterhin eingehend mit der Arabischen Literatur und ebenso mit Geschichte, Philosophie und der islamischen und westlichen rationalistischen Theologie. Daraus resultierte sein Werk “Philosophie-Wörterbuch“, welches in Zusammenarbeit mit Sadeq Sadschadi entstand. Ende der 90iger Jahre hat Bargnissi sich der Untersuchung und Kommentierung einiger alter Literaturwerke der Farsisprache gewidmet. Daraus entstanden seine Kommentare zu Werken von Hafes, Saadi, Khayyam und dem Mathnawie von Molana (Rumi) sowie zu den Werken Diwane Kabir-e Schams, Schahnameh Band 1, Leyli wa Madschnun von Nezami und Tadhkirat al-auliya von Attar Neyschaburi. Diese Kommentare zeichnen sich durch ihre fließende und einfache und dennoch wissenschaftliche Sprache aus.
Auch geht vergangenes Jahr mit dem Verlust von Schams, dem Bruder von Dschelale Ale Ahmad einher. Seinen akademischen Abschluss machte Schams Ale Ahmad in Philosophie und Erziehungswissenschaften. Dennoch gehört er zu den großen Literaten, Überarbeitern von alten Texten und Literaturforschern. Zum Beispiel ist seine Überarbeitung des Tuti-Nameh genauso bekannt wie die des Dschawaher Al Asmar, welche seit langem ebenso als erfolgreiche Überarbeitung von alten Manuskripten gelten. Besonders in den Büchern, die Schams Ale Ahmad in den letzten Jahren herausgab, kommt sein versteckter Humor zur Geltung. Zu seinen Werken gehören die Erzählbände „Wiege“ und „Aqiqeh“, sein zweibändiges Buch „Revolution“ und das Buch „Auge des Bruders“.
Gegen Ende 89 verstarb auch der Vater der Manuskriptkunde Iradsch Afschari. Er war Iranexperte, Textüberarbeiter und Fachmann für handgeschriebene Exemplare und hinterließ über 300 Werke auf verschiedenen Gebieten wie Literatur, Manuskriptforschung, Geschichte und iranische Kultur. Professor Iradsch Afschar stellte den Geschichtsforschern zahlreiche historische Texten und Abhandlungen aus der Zeit der Qadscharen zur Verfügung. Seine letzte Veröffentlichung war das Buch„Notizen Mohammad Ali Forughis“.



