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Urlaubsbericht von Michael Lindner

Urlaubsbericht von Michael Lindner
  Usedom - Die Sonneninsel Deutschlands    Meine lieben Freunde ! Wieder können wir Ihnen einen kleinen Urlaubsbericht in die deutsche Redaktion schicken, in der Hoffnung, dass wir Sie an unseren diesjährigen Erlebnissen ein wenig teilhaben lassen können. Fast schon traditionell haben wir uns auch dieses Jahr für eine Deutschlandreise entschieden, um unsere Heimat noch besser kennenzulernen.

Getreu nach dem Motto „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Schöne so nah liegt“, wählten wir für unsere langersehnten Urlaubstage die Insel Usedom im Norden Deutschlands aus. Usedom ist die östlichste Ostseeinsel Deutschlands mit über 440 km², die von zehn Binnenseen, des Achterwassers, des kleinen Haffs und des Peenestroms unterbrochen wird. Die Außenküste verläuft relativ geradlinig mit einem etwa 40 Km weißem Sandstrand, der sanft und flach ins Meer abfällt.


Ideale Bademöglichkeiten findet man hier vor, was besonders junge Familien mit Kindern sehr schätzen. Landseits wird der Strand von einem schattenspendenden Küstenwald begrenzt, in dem verschiedene Badeorte eingebettet liegen. Die wohl bekanntesten Orte sind im Osten der Insel, beginnend mit Zinnowitz, Ückermünde, Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Weiter östlich erreicht man den größten Ort der Insel Usedom, dass in Polen befindliche Swinemünde. Westlich der Insel erreicht man die Badeorte Trassenheide, Karlshagen und am westlichsten Punkt die Ortschaft Peenemünde, die ja wegen ihrer traurigen Geschichte weltbekannt sein dürfte. In Peenemünde befand sich zur Nazizeit die sogenannte Heeresversuchsanstalt, wo bereits 1942 der erste Start einer Rakete ins All gelang. Die von Werner Braun entwickelte Rakete A4 gilt als Vorläufer aller Trägerraketen und wurde als „Vergeltungswaffe 2“ bekannt. Man glaubte damals, den Kriegsverlauf entscheidend für Deutschland noch beeinflussen zu können. Heute kann man das alles im dort befindlichen Historisch-Technischen Museum nacherleben. Auch der kleine Hafen von Peenemünde ist interessant, ankert doch hier ein historisches russisches U-Boot, welches natürlich besichtigt werden kann. Zu DDR Zeiten waren die Orte Karlshagen und Peenemünde für die Zivilbevölkerung absolut gesperrt, da hier die Nationale Volksarmee verschiedene Kasernen unterhielt. Auch ich leistete Anfang der Siebziger Jahre hier meinen sogenannten „Ehrendienst“ zum Schutz der sozialistischen Deutschen Demokratischen Republik ab. Man kann sich kaum vorstellen, wie emotional für mich das Aufsuchen meiner ehemaligen Kaserne war. Und ich wurde fündig! Fast im Zentrum von Karlshagen fand ich das total verwilderte Gelände der riesigen Kaserne und die Überreste  des Eingangstores und des Wachhäuschens. Symbolisch stellte ich mich davor und meine Frau Ute konnte einige Fotos zur Erinnerung schießen. Das alles war vor über 40 Jahren in einem anderen Gesellschaftssystem, aber die Erinnerungen kamen blitzschnell detailliert zurück. Daran kann man sehen, wie nachhaltig sich die damaligen Ereignisse eingeprägt haben. Es war für mich ein eindrucksvoller Ausflug in meine Vergangenheit, aber erst der Anfang unserer Erlebnisreise auf der Insel Usedom bzw. den anderen Orten an den Küsten der Ostsee. Lassen wir also die Vergangenheit ruhen und stürzen uns wieder in den real existierenden Kapitalismus!


Die nächsten Ziele unserer Urlaubsreise waren die wundervoll herausgeputzten Seebäder der Insel Usedom. Die wohl bedeutendsten Bäder werden auch die „3 Kaiserbäder“ genannt, namens Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass diese drei Seeheilbäder durch eine 8,5 km lange Seepromenade miteinander verbunden sind, die damit die längste in ganz Europa ist. Hier findet man ein beachtliches Aufgebot herrschaftlicher Villen aus der Ära des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Schon damals wurden diese Perlen an der Ostsee von herausragenden Persönlichkeiten besucht, wie z.B. Maxim Gorki, Theodor Fontane, Lew N. Tolstoi, Kurt Tucholsky, die Gebrüder Heinrich und Thomas Mann u.v.a.  Ja, das ist Geschichte, geblieben ist der prunkvolle und einzigartige Glanz der reizvollen Bäderarchitektur, die diese Seeheilbäder auf der Insel Usedom zu den geschichtsträchtigsten ganz Deutschlands prägte. Um das alles möglichst nachhaltig zu genießen, sollte man nicht nur gemütlich durch diese Seeheilbäder flanieren, sondern auch eine Schiffsfahrt entlang der Küste unternehmen. Hier bietet sich aus einer ganz anderen Perspektive das eindrucksvolle Panorama der einzelnen Strandpromenaden.                                                    

Eine andere Möglichkeit bietet sich, wenn man eine der zahlreichen Seebrücken besucht. In puncto Seebrücken liegt die Insel Usedom auf Platz 1. Besonders die älteste Seebrücke Deutschlands in Ahlbeck und die längste Seebrücke Kontinentaleuropas in Heringsdorf ziehen ganzjährig Tausende Touristen an.            Wer sich immer noch nicht satt gesehen hat, sollte einen Ausflug in das benachbarte Swinemünde unternehmen, welches bereits zum Staatgebiet der Republik Polen gehört. Die Stadt hat etwa 40.000 Einwohner und liegt nicht nur auf der Insel Usedom, sondern teilweise auch auf der polnischen Insel Wolin. Früher war Swinemünde ein beliebtes deutsches Ostseebad, sogar das dritt größte, welches regelmäßig von Kaiser Wilhelm II aufgesucht wurde. Deshalb wird Swinemünde auch manchmal neben Bansin, Heringsdorf und Ahlbeck als das „4. Kaiserbad“ erwähnt.


Nun aber begeben wir uns in den Westen der Insel Usedom, wo sich ebenfalls kleinere Seebäder, aus ehemaligen verträumten kleinen Fischerkolonien entstanden, befinden. Viele Hotels, Pensionen und gemütliche Ferienwohnungen findet man hier vor. Auch hier besticht der Strand mit schneeweißem Sand und ist ideal zum Baden geeignet. Auch per Fahrrad ist man hier gut beraten, da man ein gut ausgebautes Netzt von Fahrradwegen vorfindet. Verschiedene Attraktionen und Museen runden das ganze kulturelle Angebot ab, wie zum Beispiel auch ein auf dem Kopf stehendes Wohnhaus. Es ist wohl das am meisten fotografierte Einfamilienhaus Deutschlands. Hier steht die Welt tatsächlich Kopf! Wie bereits schon erwähnt, befindet sich an der westlichsten Spitze Usedoms der Ort Peenemünde mit verschiedenen Museen, einem kleinen Flughafen und einem winzigen Hafen. Von hier aus aber kann man mit einer Personenfähre aufs Festland nach Frees übersetzen oder sogar einen Tagesausflug per Schiff zur Insel Rügen unternehmen. Für letzteres entschieden wir uns, da die größte deutsche Ostseeinsel für uns bis dahin noch ein weißer Fleck auf der Deutschlandkarte war. Die Route ging vorbei an den bekannten Seebädern Göhren, Binz und Sassnitz bis hinauf zu den legendären Kreidefelsen mit dem sogenannten Königsstuhl im Nationalpark Jasmund. Erwähnenswert ist der zur Stadt Binz gehörende Ortsteil Prora, wo sich ein riesiger Gebäudekomplex befindet, der aus acht baugleichen Häusern besteht mit einer Gesamtlänge von 4,5 Km. Hier sollten einmal in der NS-Zeit gleichzeitig 20.000 Urlauber Erholung finden. Dieses „KdF (Kraft durch Freude) Seebad“ blieb aber unvollendet. Nach dem Krieg machte sich dort die Nationale Volksarmee der DDR breit. Heute wird der „Koloss von Prora“ teilweise durch eine Jugendherberge genutzt und weitere Teile sollen zu Ferienwohnungen ausgebaut werden.



Von Prora aus sind es nur noch wenige Minuten, bis man die Kreidefelsen, die sogenannte Stubbenkammer, erblicken kann. Die Vorbeifahrt an den gigantischen Kreidefelsen war absolut beeindruckend. Höhepunkt des gesamten Naturschauspiels ist ohne Zweifel der sogenannte „Königsstuhl“, 118 Meter über dem Meer gelegen. Der Legende nach soll hier der Schwedenkönig Karl XII eine Seeschlacht gegen die Dänen beobachtet haben, ermüdete jedoch und ließ sich deshalb einen Stuhl bringen. So kam dieser Kreidefelsen zu seinem Namen, unter dem er heute weltbekannt ist. Zum Glück war das Meer sehr ruhig, so dass wir wunderschöne Fotos schießen konnten. Natürlich wäre auch eine Wanderung durch den Nationalpark zum Königsstuhl möglich gewesen, aber nur vom Schiff aus kann man das gesamte Panorama dieser einmaligen Kreidewelt entdecken.


Einen weiteren Ausflug auf die Insel Rügen unternahmen wir per Auto zum Tor der Insel, in die Stadt Stralsund. Früher verband lediglich der Rügendamm das Festland mit der Insel, heute kann man zusätzlich die Rügenbrücke nutzen, die im Oktober 2007 eröffnet wurde. Mit ihren 4097 Metern Gesamtlänge überbrückt sie den Strelasund. Schnell wurde diese Schrägseilbrücke zu einem der Wahrzeichen der Hansestadt Stralsund. Zu Spitzenzeiten zählt man über 30.000 Fahrzeugen täglich. Ein weiteres sehr beliebtes Wahrzeichen der Stadt ist das faszinierende Gebäude des Deutschen Meeresmuseums mit dem Ozeaneum am Hafengelände. Großes Glück hatten wir, da zum Zeitpunkt unseres Besuchs die Stadt die alljährlichen Wallensteintage feierte. Es ist das größte historische Volksfest in ganz Norddeutschland! Jeweils im Juli eines Jahres, wird dabei mit einem historischen Volksfest mit Festumzug, Markttreiben und zahlreichen Veranstaltungen der Abwehr der Belagerung der Stadt Stralsund durch Wallenstein im Jahr 1628 gedacht. Das war schon ein riesiges Erlebnis für uns, mit der Gelegenheit, auch einige nordische Spezialitäten zu probieren. Nicht nur die super frischen Fischbrötchen, sondern auch eine leckere Fischsülze mit Sanddorn und Röstkartoffeln ließen unsere Geschmacksknospen erblühen. Dazu eine prickelnde Sanddornlimonade oder einen Küstennebel-Likör – nordischer geht’s wohl kaum noch!

 

Während der gesamten Urlaubstage logierten wir in der Pension „Zum Alten Schweden“ in der Innenstadt von Wolgast, dem Tor zur Insel Usedom. Von hier aus unternahmen wir unsere Sternfahrten in die wundervolle und interessante Inselwelt der Ostsee. Die Pension und die Wirtsleute trugen wesentlich dazu bei, uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten.

Saubere und vor allem große Zimmer erwarteten uns. Auch das Angebot an Speisen und Getränken in der gemütlichen Gaststube sowie das tägliche Frühstücks Büfett ließen keine Wünsche offen. Ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis zeichnet diese Pension aus, die wir mit gutem Gewissen allen Ostseeliebhabern weiterempfehlen können. Wolgast selbst kann man eigentlich nur als „Sprungbrett“ zum Meer betrachten, da die Stadt leider nicht viel zu bieten hat. Aber in nur wenigen Minuten, ob per Auto oder Bahn, sind die tollen Seeheilbäder zu erreichen. Wer es etwas ruhiger mag, sollte einige Insidertipps ausprobieren. Garantiert findet man am 42 Km langen Strand der Insel Usedom auch einige Badeplätze, die wenig oder gar nicht frequentiert sind. Mit 1906 Sonnenstunden durchschnittlich ist die Insel Usedom die sonnenreichste Gegend Deutschlands und der gesamten Ostsee. Manche touristischen Veranstalter benutzen sogar den Slogan „Sonneninsel“ und erhoffen sich mit dieser Werbung einen Magneteffekt. 

Also warum noch warten – der Sonne entgegen – auf nach Usedom!

Ganz zum Schluss möchten wirPP noch über zwei Treffen der ganz besonderen Art berichten. Der Zufall wollte es, dass wir gleich zwei Hobbyfreunde kennenlernen konnten. So trafen wir uns mit OM Peter Vaegler in seiner Heimatstadt Stralsund, der uns neben der üblichen Fachsimpelei zum Thema „DX´ing“ durch Stralsund führte und uns so einiges erklärte. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön, es war eine sehr kurze, aber angenehme Zeit mit OM Peter. Fast paradox erscheint das zweite Treffen mit OM Andreas Thriemer aus Lichtenstein in Sachsen. Obwohl wir in unserer jeweiligen Heimat nur 55 Km voneinander entfernt leben, kam es trotz einiger Anläufe nie zu einem Treffen. Plötzlich aber eröffnete sich im über 500 Km entfernten Wolgast am „Ende“ Deutschlands die Möglichkeit, uns persönlich kennenzulernen, da er mit seiner Familie dort zum gleichen Zeitpunkt Urlaub machte. Ja, das sind schon wundervolle Zufälle, an die man sich gerne erinnert. So konnten wir wieder Urlaub und Hobby in sehr angenehmer Weise verbinden.

Was die lokale Rundfunkszene anging, war ich schon ein wenig enttäuscht. Eigentlich glaubte ich an FM-Fernempfang, doch waren nur der NDR mit verschiedenen Programmen zu hören, der Deutschlandfunk und natürlich die privaten Anbieter namens Ostseewelle und Antenne MV. Aus der Republik Polen waren Radio ZET, Radio Plus, Radio Szczecin, Radio RMF FM, der katholische Sender Radio Maryja sowie das Programm des Polnischen Rundfunks „Jedynka“ zu empfangen. Als DX-Überreichweite kam für einige Minuten das dänische Radio 24SYV durch. Stationen aus Schweden und Finnland konnte ich leider nicht verzeichnen. Die Kurzwelle war identisch mit der heimatlichen Empfangssituation in Gera. Empfangsversuche auf Mittel-bzw. Langwelle unternahm ich nicht. Schließlich sollte man es mit dem Hobby im Urlaub nicht übertreiben, da Erholung an erster Stelle stand.

 

Unsere Tage an der „Waterkant“ waren leider viel zu schnell vorüber. Wir haben aber erneut einen wunderbaren Flecken Deutschlands näher kennengelernt, der uns sofort ans Herz gewachsen ist. So planen wir bereits die nächste Reise in den Norden Deutschlands, da es noch viele Dinge zu erkunden gibt.

 

Mit herzlichen Grüßen aus Gera in Ostthüringen,

Ihre treuen Hörerfreunde,

UTE &  MICHAEL LINDNER