Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Dienstag, 17 Februar 2015 03:03

Die iranischen Preisträger des diesjährigen Fadschr-Filmfestivals

Die iranischen Preisträger des diesjährigen  Fadschr-Filmfestivals
Die Schlusszeremonien zum Inlandswettbewerb der  33. Runde des Fadschr-Filmfestivals fanden am Abend des 11. Februars, Siegesjubiläums der Islamischen Revolution Iran, im Teheraner Milad-Turm statt.

Als erstes  wurden die Preise in den Festival-Abteilungen Dokumentationsfilm,  Erstfilme sowie Experimentalfilme  verliehen und darauf folgte die Preisverleihung der Abteilung Sudaje Simorgh für den iranischen Kinofilm.

In dieser Abteilung erzielte der Film Roch-e Diwaneh „Verrücktes Gesicht" den Rekord.  Er wurde mit 5 Preisen ausgezeichnet, nämlich als bester Film und  für die beste Regie und mit zwei  Preisen für Sondereffekte und beste Tonaufnahmen.  Regisseur Abul-Hassan Dawudi konnte sowohl die Jury als auch das Publikum für sich gewinnen und erhielt ebenso den Publikumspreis.

Das diesjährige Fadschr-Filmfestival lässt sich auch als Festival der Jugend bezeichnen, denn im Vergleich zu allen bisherigen Festivalrunden gab es zahlreiche neue Filmthemen und es haben noch niemals  so viele junge Regisseure an diesen Filmfestspielen teilgenommen, außerdem waren viele Filme jugendorientiert. Ein Beispiel ist der preisgekrönte Film Roch-e Diwaneh. Auch wenn der Regisseur schon älter ist, so ist das Thema doch ziemlich jung. Die Geschichte handelt nämlich von mehreren jungen Leuten, die in den sozialen Netzwerken miteinander in  Kontakt treten.  Bei ihrer ersten Begegnung geraten sie wegen einer naiven Wette und eines kindischen Spaßes in eine schwierige Situation  und durch einige unangenehme Ereignisse gelangen sie an eine neue Einstellung zum Leben und zur Gesellschaft.

Das Regiebuch dieses Filmes kann als  eines der kreativsten des iranischen Kinos in den letzten Jahren betrachtet werden  und hat das Publikum angenehm überrascht.  Der Film weist sowohl in der Darbietung als auch vom Inhalt her viel Kreativität auf. Von seinem Regisseur  Abu-l Hassan Davudi ist eigentlich auch nichts anderes zu erwarten.

Davudi ist 1955 in der nordöstlichen Stadt Neyschabur auf die Welt gekommen. Seit mehr als 30 Jahren ist er als Filmautor und –Regisseur tätig. Sein Film Roch-e Diwaneh ist der 11. Kinofilm, bei dem er die Regie geführt hat. Die bisherigen Werke dieses Filmemachers waren meistens Gesellschaftsfilme oder Komödien. Abu-l Hassan Davudi  rückt in diesem Film den Charakter der neuen Kommunikationstechnologie ins Rampenlicht und versucht eine Welt zu rekonstruieren, wie sie in den sozialen Netzwerken und bei Chat und Skype zustande kommt.  Selbst die Art wie sich jeder den anderen vorstellt kommt der kurzen und oberflächlichen Bekanntschaft zwischen Anwendern der sozialen Netze nahe.

Viele haben den Film wegen der geschickten Verflechtung von Bildern und Erzählung gelobt. In diesem Film ereignet sich viel und er hält bis zum Schluss Überraschungen für den Zuschauer bereit und jeder der sieben Filmabschnitte sieht die Ereignisse aus einem anderen Blickwinkel.

Roch-e Diwaneh hat etwas Neues zu sagen. Der Regisseur konnte mit einem realistischen Blick die Möglichkeiten und Gefahren  der sozialen Netzwerke darstellen und sich mit einem ernsthaften Problem für die junge Generation auseinandersetzen.

Ein weiterer Film, der bei den diesjährigen Fadschr-Filmfestspielen gut abschnitt, war der Film „Mazar-e Scharif". In 9 Disziplinen war er Anwärter für die Preisverleihung und bestimmte schließlich zwei der Preise für sich. Auch wurde dieser Film von den Festivalveranstaltern ausdrücklich gewürdigt. Gedreht hat ihn Abdul Hassan Barzideh.

Die Geschichte handelt von dem Angriff der Taliban auf das iranische Konsulat in Mazar-e Scharif, bei dem die iranischen Diplomaten am 8. August 1998 ums Leben kamen. Dieses Massaker in Afghanistan wurde von den Kräften des Sahaba-Heeres (Sepah-i Sahaba) verübt . Es kamen 10 iranische Diplomaten zusammen mit dem iranischen Reporter Mahmud Saremi ums Leben. Der Angriff ereignete sich, nachdem die Taliban die Stadt Mazar Scharif besetzt hatten. Zunächst wurden die Diplomaten als vermisst gemeldet und dann wurde ihr Tod gemeldet und es hieß, dass sie in der Nähe des Konsulats unter der Erde liegen. Nach einer längeren Prozedur, konnten die Leichen dieser Märtyrer nach Iran überführt werden.

In „Mazar-e Scharif" wurden die Erinnerungen des einzig Überlebenden dieses blutigen Ereignisses verfilmt. Der Anschlag  wird aus einem neuen Sichtwinkel beleuchtet und die Zusammenarbeit der Taliban in Afghanistan mit Pakistan deutlich gemacht.  Der Regisseur  Abdul Hassan Barzideh hat sich auf festes Dokumentationsmaterial gestützt und das Resultat der Recherchen zu einem Filmdrama verarbeitet.

Der Film Mazar-e Scharif ist mehr als ein Kunstwerk. Er ist ein beschriebenes Kalenderblatt aus der Gegenwartsgeschichte.

Barzideh hat vorher Filme über die Heilige Verteidigung gedreht. Er ist ein Regisseur, der mit Hilfe des Spielfilms  die Wahrheit zu Wort kommen lässt. Der Film  gibt einen Einblick in  die brutale Natur der illegalen Taliban-Regierung. Es wird nicht nur das Leid der afghanischen Bevölkerung unter diesem System veranschaulicht sondern auch verdeutlicht, welche Schläge dem Iran seitens der Taliban versetzt wurden. Der wahre Hintergrund gibt diesem Film den Charakter einer Dokumentation. Der Film  zeugt davon, dass manche Ereignisse in der Geschichte nicht vergessen werden.

Ein bekannter alterfahrener Regisseur Irans ist Chosro Sinai. Er hat sich mit seinen Dokumentationsfilmen einen Namen gemacht.  Sinai bedankte sich in einer kleinen Ansprache auf den Abschlusszeremonien des 33. Fadschr-Filmfestivals bei den jungen Mitarbeitern in der Kinowelt und sagte: „Unsere Generation hat sich vor 50 Jahren gewünscht, dass das iranische Kino zu einer wertvollen Kunst wird und nicht nur der reinen Unterhaltung dient. Heute sind wir Zeuge, dass die junge Generation Werke schafft, auf die man stolz sein kann. Für unser Kino ist es wichtig, dass der jungen Generation Achtung entgegengebracht wird  und ich sage zu allen Filemacher, dass sie sich selber und ihren Beruf schätzen sollten. Wir brauchen euch und die Kultur, die ihr der Gesellschaft vorstellt."

Mit diesen Worten hat Sinai in Wahrheit den wichtigsten Aspekt des diesjährigen Fadschr-Filmfestivals  angesprochen, nämlich dass ein großer Teil der Filmproduktionen von jungen  iranischen Filmkünstlern vorgestellt wurde.

Ein weiteres Werk, das auf dem Festival glänzte und von einem jungen Regisseur stammt, war der Film "Asr-e Yachbandan" (Eiszeit) von Mustafa Kiai, der schon mit vielen seiner bisherigen Werke Zuschauerapplaus geerntet hat.

Asr-e Yachbandun ist ein Gesellschaftsfilm und in ihm spielen einige der besten iranischen Akteure. Der Film handelt von  einem Ehepaar, welches in Probleme gerät und in dessen Beziehungen einige Missverständnisse aufkommen.  Weil sie einander missverstehen, betreten sie einen falschen Weg und an diesem Punkt beginnt die eigentliche Geschichte.

Darstellung und Art der Erzählung weisen beide Kreatives und Innovatives auf. Durch gelungene Rückblicke in die Vergangenheit werden viele Fragen, die beim Zuschauer aufkommen, geklärt. Das rasche Erzähltempo lässt keine Langeweile auftreten und der Film gewinnt durch das gelungene Schauspiel  seiner Akteure dazu.

Mustafa Kiai sagt, dass sein Film von der Angst vor der Wahrheit handelt. Der Film hat keinen klischeehaften Ausgang, was dennoch vom Zuschauer akzeptiert wird, weil er optimistisch stimmt.  Viele Kritiker und Filmexperten sehen voraus, dass der Film „Eiszeit"  ein Kassenschlager in den iranischen Kinos werden wird.

Das Fadschr-Filmfestival ist für alle in der Filmindustrie Tätigen und die Filmfreunde ein wichtiges Kulturereignis. Das 33. Filmfestival lieferte eine Gesamtvorstellung vom iranischen Kinoprogramm der kommenden 12 Monate. Es werden wieder  Gesellschaftsfilme und Komödien den Vorrang gegenüber anderen Filmgattungen genießen.

Das internationale Wettbewerbsprogramm dieses Festivals soll übrigens getrennt im Mai stattfinden.

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren