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Dienstag, 30 Dezember 2014 07:26

Erfolg des Iranischen Kino beim BAPFF 2014

Merila Zarei  Merila Zarei
Im Dezember 2014 ist die australische Stadt Brisbane wieder Gastgeber des Asiatisch- Pazifischen Filmfestivals BAPFF gewesen.  Während dieses Festivals konkurrierten 36 Filmen aus 21 asiatischen Ländern und Ozeanien miteinander. Die Leitung der Jury wurde dem  iranischen  Regisseur Asghar Farhadi anvertraut.

                        

Die Filme, die auf diesem Festival gezeigt werden, sind angesichts des raschen Wachstums der Filmindustrie  in diesem Gebiet  von größerer Bedeutung.  An der diesjährigen Festival Runde kandidierte der iranische Film in den Festivalsparten für den besten Film, den besten männlichen Akteur, und die beste Darstellerin, sowie das beste Regiebuch. Iran  erntete  mehrere Preise.

Graham Quirk, der Bürgermeister von Brisbane unterstrich bei den Endzeremonien  die Wichtigkeit der Vielfalt der Kinokultur in der asiatisch-pazifischen Region .

 

Der Erfolg des iranischen Kinos bei diesem Festival und die Verleihung von mehreren Preise an den iranischen Film fanden in den asiatischen und australischen Medien ein breites Echo und Anerkennung.

Der Preis des BAPFF  für das beste Regiebuch   ging an den Iraner Nima Dschawidi für den Film „Melbourne“.

Die iranische Regisseurin Rachschani Bani Etemad erhielt den großen Preis der Jury für die Regie im Film „Qeseha“ (Geschichten) .

Den 10 Tausend Dollar Preis, der für den Ausbau des Verteilernetzes des asiatischen Kinos für junge Regisseure verliehen wird, erhielt der iranische Regisseur Resa Darmischian. 

 

In der Abteilung Darsteller ging einer der Sonderpreise des Festivals an Melika Zarei  für ihr gelungenes Rollenspiel in dem Film „Schiar 143“ -  Track 143“  . Beim 32. Fadschr-Filmfestival im Iran wählten die Zuschauer ihn als besten Film  und erhielt Frau Zarei den  kristallenen Simorgh für das beste Rollenspiel einer weiblichen Darstellerin .

Als Melika Zarei nun im Dezember den Preis des asiatisch-pazifischen Festivals entgegennahm sagte sie: „Ich bedanke mich bei den Jurymitgliedern und freue mich , diesen Preis erhalten zu haben.  Ich bin Iranerin . Iran ist ein großes und reiches Land im Herzen Asiens. Es ist nicht reich wegen des Erdöls, das es besitzt, sondern wegen der Mütter, die bei der Verteidigung ihrer Heimat in dem ungleichen 8-jährigen Krieg auf  Kind und Ehemann  verzichtet und sie freigegeben haben.“  

                     

 

Der Film „Track 143“ gehört zu den Filmen über die Heilige Verteidigung. Diese Filmgattung  entstand ab 1981.  Der 8-jährige Verteidigungskrieg hat nicht nur  große politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungen zur Folge. Er beeinflusste auch die iranische Kunst  und die iranischen Künstler und verursachte eine Veränderung in den Strukturen des iranischen Kinos, welches vorher keine Kriegsfilme produziert hat.

Bei den  Kriegsfilmen wird nach zwei Arten von Filmen unterschieden, nämlich Filme über den Krieg selber und Filme über die Nachkriegszeit. Viele iranische Regisseure haben einen Film über die Heilige Verteidigung gedreht und ihre persönliche Erfahrungen während des Krieges wiedergegeben. Im Mittelpunkt der Filme, die während des Krieges gedreht wurden, stehen Abenteuer und Heldenmut, Kampfmoral und Verteidigung der Heimat. Die meisten dieser Filmwerke geben auch die spirituelle Haltung und den Gerechtigkeitssinn der Verteidiger des Landes und deren Gaube an die  religiösen Vorbilder wieder.

Nach dem Krieg brach eine neue Epoche für die Filme über die Heilige Verteidigung an. Die Filme, die in  dieser Zeit gedreht wurden, setzen sich sowohl mit dem Geschehen an der Front als auch mit den Ereignissen hinter der Front auseinander und weisen eine große Themenvielfalt auf.

Zu den Themen, mit denen sich der iranische Film auseinandergesetzt hat, gehören die Politik während des Krieges, die Lage der Verletzten und der iranischen und irakischen Kriegsgefangenen, die chemischen Bombardierungen durch die Saddam-Armee, die Verschollenen und die Suchtrupps, die Lage der Frauen im Krieg und die Folgen des Krieges für die Gesellschaft und Familien und ähnliches.    

Viele Filme betrachten das Leben der Bevölkerung zur Zeit des Verteidigungskrieges oder die Erinnerungen aus dieser Zeit und jeder  Film gibt einen Ausschnitt aus diesen 8 bewegten Jahren der iranischen  Gegenwartsgeschichte wieder.

                      

In den Jahren nach dem Krieg haben auch Regisseure, die persönlich nicht an der Front gewesen sind aus Pflichtbewusstsein oder Vaterlandsliebe einen Film über die Heilige Verteidigung gedreht.

Frau Narges Abyar  gehört zu diesen Regisseuren. Sie hat sich in den letzten 12 Monaten mit ihrem Film „Schiar 143“  einen Namen als iranische Regisseurin gemacht .

 Frau Abyar wurde 1971 in Teheran geboren und hat  an der Universität Persische Literatur studiert. Schon als junges Mädchen hat sie gerne Geschichten geschrieben und  bereits mehr als 30 Bände mit Romanen oder Erzählungen herausgegeben.  Sie hat auch die Regiebücher für vier Kino-Spielfilme geschrieben  und seit zehn Jahren dreht sie Kurzfilme und Dokumentationen. Bislang hat sie 7 Dokumentationen und Spielfilme und zwei Kinofilme gedreht.  

 

Der jüngste Film von Frau Abyar , nämlich „Schiar 143“ wurde einer der besten Filme des iranischen Kinos 2014 und spricht für eine erfolgsreiche Zukunft von Frau Abyar als Regisseurin.

                  

Als einige Jahre nach Kriegsende eine Gruppe in den ehemaligen Kriegsgebieten nach Spuren der Märtyrer sucht, nimmt  sie nach dem Fund der sterblichen Reste eines der Märtyrer namens Yunes , mit den Hinterbliebenen Kontakt auf und interviewt sie. Die Geschichte von Track 143 entsteht durch die Verknüpfung der verstreuten Erinnerungen aus diesen Interviews.

Die Schwester des Märtyrers, die ehemalige Verlobte und einige seiner Freunde und Bekannten erzählen ausschnittsweise über die Liebe der Mutter des Märtyrers zu ihrem einzigen Sohn . Die Interviewausschnitte fügen sich zu einem Puzzle für den Zuschauer zusammen und machen sie mit der Hauptfigur  in diesem Film vertraut .

Die wichtigste Person ist aber nicht Yunes selber sondern seine Mutter.

Yunes Mutter  lebt in einem der Dörfer in Umgebung von Kerman und hat schon als junge Frau ihren Ehemann verloren und ihre Kinder alleine groß gezogen.  Ein großer Teil des Films spiegelt wieder, wie die Mutter auf die Rückkehr ihres einzigen Sohnes von der Front  oder  auf eine Nachricht darüber wartet, dass er noch lebt .

     

Der Film „Schiar 143“ verdient  große Anerkennung weil er den  Angehörigen der Helden der Heiligen Verteidigung während des von Saddam auferlegten Krieges gewidmet ist. Im Iran fand der Film viele Zuschauer.

Der Höhepunkt von Schiar 143 ist wohl der Filmausgang. Die Mutter erhält die Nachricht, dass man die Leiche ihres Sohnes gefunden hat und sie macht sich auf den Weg um ihren Sohn ein letztes Mal zu sehen.   Die Kameralinse folgt  Yunes  Mutter auf dem Weg zum Institut wo die Leichen der Märtyrer aufbewahrt sind, ohne ihr Gesicht zu zeigen. Ihr Gesicht wird erst  in dem Moment gezeigt, wo sie neben ihrem Sohn ist.  

Die Mutter nimmt die sterblichen Reste in dem Leichentuch aus dem Sarg heraus und schließt sie in die Arme, wie wenn es ein Säugling wäre. Im Hintergrund ist ein Schlaflied zu hören und die Erinnerungen an die Zeit als ihr Kind noch in der Wiege lag, ziehen vor dem geistigen Auge dieser Mutter vorbei. Die Szene ist  ergreifend.  

   

Der Film „Schiar 143“ von Frau Abyar  sieht die Ereignisse des Krieges aus   menschlicher und moralischer Perspektive   und gerade dadurch kann er mit dem inländischen und ausländischen Publikum eine Verbindung herstellen , was nicht zuletzt der ausgezeichneten Darstellungsfähigkeit von Frau Zarei in der Rolle der Mutter von Yunes zu verdanken ist. 

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