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Montag, 21 November 2011 05:45

Ein Vierteljahrhundert Kinderkino im Iran

Ein Vierteljahrhundert Kinderkino im Iran
Das internationale Festival für Kinderkino im Iran ist ein Anlass über diese Filmgattung nachzudenken. Viele Kinderfilme, die heute auf der Welt produziert werden, scheinen das Kind von seiner reellen Umwelt trennen zu wollen. Sind solche reinen Phantasiefilme es wert sind, dass man soviel in sie investiert?

Natürlich unterscheidet sich das Kino für Kinder von dem Erwachsenenkino. Im Kinderkino spielen Phantasie und Unterhaltung eine tragende Rolle, doch auch das Lehrreiche sollte nicht zu kurz kommen. Die Kinder sind aufmerksame Zuschauer  und unter der Erwachsenen sind es wahrscheinlich nur die Filmkritiker, die sich so ernsthaft wie Kinder einen Film ansehen.

Phantasie liefert einem Kind den Rahmen zum Nachdenken über seine Umgebung.  Die iranische Regisseurin Marziyeh Burumand ist für ihre Kinderfilme bekannt. Sie sagt: „ Man kann ohne den Faktor Phantasie nicht von einem Kinderkino sprechen. Aber heute treten der Computer und übliche Computerspiele immer mehr anstelle des Kinos. Dies hat zur Folge, dass  Phantasie nicht mehr durch den Film gestärkt wird und einen falschen Verlauf nimmt“.

Ein Problem der Kinderfilme ist heute, dass Kinder von einer kreativen und fruchtbaren Phantasie abgehalten werden.  Optimismus, die Phantasie,  Abenteuerlust und Spaß an Unterhaltung bilden die lebendigsten Unterschiede zwischen dem Wesen der heranwachsenden neuen Generation und  den Erwachsenen.

Aber in den meisten Filmen die in letzter Zeit für Kinder gedreht werden überwiegen Dinge wie Zauberei, Hirngespinste und Abkehr von sauberem Denken.  Deshalb werden die wehrlosen Kinder von einer Welt, die sie nicht verstehen, bedroht.

Die Harry Potter Filme galten in den letzten 10 Jahren als weltweites Ereignis im Kinder- und Jugendfilm. Aber welches Denken verbreiten diese verfilmten  Romane über einen Jungen namens Herry Potter wirklich? Wir sehen dass die Magie  in diesen Filmen ins positive Licht gerückt wird! Soviel Gewalt wie es in den Harry Potter Geschichten gibt, hat es bisher noch in keinen Werken für die heranwachsende Jugend gegeben. Dies hat die Kritik von Fachleuten für Lehre und Erziehung hervorgerufen.  Sie sagen, dass sich die brutalen Racheakte in diesem Film negativ auf Kinder auswirken.

Nun aber, nach diesem Vorspann, wenden wir uns dem Kinderkino im Iran zu.  Das Kinderkino war letzte Woche besonderes im Gespräch. Es fand nämlich das internationale Festival für Filme für Kinder und Jugendliche statt, und zwar in Isfahan. Es war die 25. Runde dieses Festivals, welches als  wichtiges Ereignis für die iranische Kinowelt gilt. Das iranische Kinderkinofestival ist inzwischen 25 Jahre alt.

Nach den ersten 6 Runden dieses Festivals in Teheran  wurde es einige Jahre hintereinander in anderen Städten und insgesamt 14 mal  in Isfahan abgehalten und laut einem Beschluss, soll Isfahan in Zukunft immer Veranstaltungsort dieses Festivals sein.

Während seines 25-jährigen Bestehens hat das Festival für Kinderkino  im Iran sich eine wichtige Position in dieser Branche verschaffen können, denn hier können sich Filmregisseure miteinander messen. Zudem sind die Kinder Zuschauer und zum Teil auch die Jury.

Das internationale Festival für Kinder- und Jugendlichenkino in Isfahan dauerte vom 14. bis 18. November  und es wurden Filme von 29 Ländern gezeigt.

Auf der Abschlussfeier erhielt der Film Royaje Sinema  - Der Traum vom  Kino – den goldenen Schmetterling für die beste Regie.

Dieser sehenswerte Film, den Ali Schah Hatemi drehte, war einer der schönsten, die auf dem Festival gezeigt wurden.  Er handelt von einem Jungen, der gerne ein Kinostar werden möchte. Der Vater von Kasem, so heißt der Junge, war  vor der Revolution  in völlig unscheinbaren Nebenrollen aufgetreten.  Kasem und ein anderer Junge aus einer reichen Familie aber wetteifern miteinander um die Rolle in einem Film.

Ali Schah Hatemi der Regisseur von „Der Traum vom Kino“ sagt:  „Für viele ist die Schauspielerei wie ein Flug durch den Himmel der Phantasie, aber die heranwachsende Jugend muss einsehen, dass es im tatsächlichen Himmel des Lebens viel wichtigere Dinge gibt, wie zum Beispiel die Familie, und dass sie sich in erster Linie mit diesen Dingen beschäftigen müssen.“

Ali Schah Hatemi  erinnert daran, dass die Filme zum Thema „Kind“ vor der Revolution nur sehr gering an der Zahl waren und sagt: „ In Wahrheit hat das iranische Kino ganz besonders im Genre „Kinderfilme“ nach der Revolution eine Renaissance erfahren.  Ich bin für zwei Bevölkerungsgruppen bereit mich zu opfern,  die eine sind die Kinder, die ich grenzenlos liebe und die anderen sind die Kämpfer der Heiligen Verteidigung gegenüber dem Angriff der Saddam-Armee.Durch das Filmedrehen habe ich mir meinen Wunsch, Lehrer zu werden, erfüllt, denn ich kann statt in einer Klasse mit 20 Schülern, der Lehrer von allen Kindern auf der Welt sein oder mit anderen Worten: Meine Unterrichtsklasse ist heute so groß wie die Welt.“

Der Film „das weißstirnige Reh“ von Seyyed Dschawad Haschemi wurde von den Zuschauern des Filmfestivals gekürt.

Seyyed Dschawad Haschemi ist lange Jahre Lehrer gewesen und hat nebenher als Akteur im Kino und Fernsehen gespielt. Er sagte über seinen Film: „Dieser Film setzt sich in der Gestalt von Tieren wie Reh, Bär, Wolf und Fuchs mit  menschlichen und moralischen Fragen auseinander. Ich  freue mich, wenn die Kinder diesen Film zusammen mit ihren Eltern sehen.  Der Film handelt davon, dass es im Leben Gutes und Böses gibt. Darum ging es schon immer in den Großmuttergeschichten, aber heute müssen wir angesichts der modernen Welt  neue  Symbole in unsere Filme einbauen, welche für  Kinder und Jugendliche attraktiv sind. Wir müssen das Gute und Böse mit der neuesten Technologie in die Filmgeschichte einbauen.“

Mohammad Ali Talibi erhielt den Sonderpreis der Jury und zwar für seinen Film „Bad wa Meh“ – „Wind und Nebel“.

Er sagte über die Heldenfiguren im Kinderkino, man müsse verantwortungsvoller mit der Tatsache umgehen, dass Kinder sich auf die Seite des Helden eines Filmes stellen. Er erklärte: „Kinder lassen sich durch Vorbilder beeinflussen und Helden sind für sie wichtig.  Wir müssen also mithelfen und ihnen den gewünschten Helden auf wünschenswerte Weise vorstellen.“

Das Festival verlieh den Mohammad Al Durrah-Preis an den Film „Ausweg“ aus Iran.  Dieser Preis wurde nach dem palästinensischen Jugendlichen Al Durrah benannt, der von den Zionisten in den Armen seines Vaters brutal getötet wurde und zum Sinnbild des Widerstandes und der Freiheitsliebe der Palästinenser wurde.

Der goldene Schmetterling für den besten Spielfilm ging an „Wintertochter“ - ein gemeinsamer Film von Deutschland und Polen.

Im Internationalen Wettbewerbsteil wurden Filme aus Indonesien, Japan, Indien, Belgien und Kanada und iranische Filme  ausgezeichnet. Der Film „Gruß den Engeln“ von Farzad  Adzdari   wurde als bester Film des Isfahaner Festivals gewürdigt. Hier geht es um ein Kind, welches den Tod seiner kranken Oma verhindern will und dabei die ganze Stadt durcheinander bringt.

An dem diesjährigen Festival für Kinderfilme nahmen 70 Künstler aus verschiedenen Ländern teil.  Sie kamen vor allen Dingen aus asiatischen und insbesondere aus islamischen Ländern.  Sie saßen nicht nur im Publikum und in der Jury, sondern wirkten auch bei Worksshops mit und nahmen an Fachsitzungen und dem Meinungsaustausch mit ihren iranischen Kollegen und Kolleginnen teil.

 

 

 










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