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Sonntag, 09 November 2014 12:55

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 102)

Symbolbild Symbolbild
Im letzten Programm sprachen wir über den islamischen Erwachungsprozess in westlichen Ländern. Abschließend betrachten wir in diesem letzten Teil  den Beginn des Islamischen Erwachens in der Nahost-Region und in Nordafrika.

 

Ende des 17. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts  trat die westliche Zivilisation mit Abbruch  der gedanklichen und wissenschaftlichen Grundlagen der klassischen Epoche in eine  neue Phase namens „Modernes Zeitalter“.  Dieser Wandel   ging mit dem Untergang der Tradition oder anders ausgedrückt: mit der Verwerfung traditioneller Vorstellungen einher.  Jean Baudrillard der französische Denker und Soziologe ist der Überzeugung, dass die Moderne ein Kennzeichen der Zivilisation ist und dass sie  den Kampf gegen die Traditionen d.h. gegen alle traditionellen vorherigen Kulturen bedeutet.

 

Viele Probleme und Nöte der Menschheit insbesondere des Menschen im Westen begannen damit, dass man den Menschen aufgrund des Humanismus, Liberalismus, Säkularismus und mit anderen Worten aufgrund des Strebens nach Gewinn und Vorteil, dem Genuss , der Individualität und des Materialismus und der Abkehr von der Immaterialität und Religiosität definierte.  Der Mensch, der von der westlichen Zivilisation geformt wurde,  betrat in Abkehr von seinen heiligen Idealen, den Weg der Zerstörung der menschlichen Gesellschaft, der Kriege (wie die beiden Weltkriege im 20. Jarhhundert) und rassistisch motivierter Morde.

Viele westliche Denker üben heute an der  modernen und kapitalistischen Ära Kritik und sind davon überzeugt, dass das westliche Denken mit Beginn  des modernen kapitalistischen Industriezeitalters den Weg in Richtung seines  Untergangs eingeschlagen hat.

 

Die westliche Zivilisation entstand allmählich, während ihre Begleiterscheinungen plötzlich und unvorbereitet im Osten eintrafen. Dort stießen sie aber bei den religiösen und nationalen Traditionen und Wertmaßstäben der Menschen, insbesondere der Muslime auf Widerstand.  Bei dieser Konfrontation war der Westen darum bemüht, dem Osten seine Ziele, die er Freiheit und Demokratie nannte, aufzuzwingen. Wegen Verbreitung des Gedankens von der Trennung zwischen Religion und Politik und dem Resultat imperialistisch gefärbter Debatten im 17. Und 18. Jahrhundert, hegte man im Osten unterschiedliche Vorstellungen vom Westen.

Im Osten allgemein und in der Islamischen Welt im Einzelnen ging man in Verteidigungsposition gegenüber der westlichen Debatte, denn der Westen beabsichtigte einen Angriff auf das östliche Wertesystem und Kulturverständnis,  um den Osten von sich abhängig zu machen. In diesem Zusammenhang haben sich viele bodenständige Denker im 20. Jahrhundert als Gegenmaßnahme gegenüber dem westlichen Einfluss, für die Wiederbelebung und Reform eingesetzt.  Diese Maßnahmen gegenüber der westlichen Kultur, veranlasste die Muslime, sich angesichts des organisierten Angriffs des Westens, der Wiederbelebung der Traditionen und des religiösen und nationalen Erbes zuzuwenden.

 

Zum Beispiel wurde in den verschiedenen Epochen der Iranischen Geschichte, insbesondere  seitens der Denker, die gegen das Vasallen-Regimes der Pahlavie waren, Kritik an der westlichen Zivilisation geübt.  Zur Zeit der Pahlavie-Dynastie war zum Beispiel Dschalal-e Ale Ahmad einer der bahnbrechenden Denker  in diesem Zusammenhang. Er analysierte die westhörig geprägte Debatte    aus gesellschaftlicher und politischer Sicht.  1962 gab er ein Buch namens „Verwestlichung“ heraus. Darin beleuchtete er kritisch die Situation des Ostens gegenüber dem Westen, insbesondere gegenüber dem westlichen Imperialismus.  Ale Ahmad  verweist auf den gesellschaftlichen Einfluss der Geistlichkeit bei der Abwehr  der westlichen Zivilisation und schreibt:“ Immer wenn die Intellektuellen  und Geistlichen zusammenarbeiten, werden sie im gesellschaftlichen Engagement positive und wirksame Resultate erreichen.“

 

Der erste Religionsgelehrte, der den Islam in Form einer politischen Ideologie gegenüber dem Westen zur Sprache brachte, ist Imam Chomeini, der verstorbene Gründer der Islamischen Republik Iran, gewesen. Da er die islamischen Traditionen kannte, konnte er die Volksmassen und die Geistlichen und Intellektuellen für den Kampf gegen den Westen mobilisieren.

In Wahrheit baut die Islamische Innovation auf dem revolutionären Denken des Imam auf.

Denker wie Dr. Ali Schariati  erhoben sich ebenso zum Kampf gegen den westlichen Imperialismus. Schariati suchte nach einer neuen Leseart des Islams, welche die Muslime gegenüber dem Westen ausrüstet. Deshalb stellte er seine Kerngedanken unter das Motto: Rückkkehr zum Selbst.“

 

Ende des 19. Jahrhundert und Beginn des 20. Jahrhunderts haben auch die arabischen Denker, die zu einem großen Teil der Islamischen Welt angehörten, auf die kulturelle und politische Offensive des Westens reagiert.  Nach ihrer Ansicht   war es typisch für die westlichen Regierungen, dass sie die Reccourcen ausbeuten und  sich über die anderen Völker stellen wollen. Zum Beispiel war der syrische Denker Abdul Rahman al-Kawakibi der Überzeugung, dass im Imperialismus des Westens dessen Raubtiernatur zum Ausdruck kommt.

 

Außerdem ergriffen diese Denker Stellung gegenüber der Täuschung durch die westlichen Zivilisation. Einer der arabischen Denker war der Überzeugung, das Freiheitsdenken, von dem im Westen gesprochen wird, mache einen Unterschied zwischen den Menschen im Westen und denen im Osten, den Muslimen und Christen, den Protestanten und Katholiken. Deshalb müsse ein solches Denken abgelehnt und verworfen werden.

Der erste arabische Denker, der hinsichtlich der Gegenreaktion auf den kulturellen und politischen Einfluss des Westens, konkrete Regeln zu Wiederbelebung des Islams aufstellte, war Scheich Mohamamd Abdo. Er legte 4 große Phasen für die Wiederbelebung fest:

Befreiung des Geistes aus den Fesseln der Nachahmung des Westens  - Richtiges Religionsverständnis - Erforschung der Ursprünge des Islams in Koran und der Sunnah - und schließlich die Aufstellung von rationalen Maßstäben für die Deutung des Islams.

Die Auseinandersetzung mit dem Westen erfolgte im 20. Jahrhundert  in der Mehrheit seitens islamischer, nationaler und antiwestlicher Bewegungen, welche Freiheit und Demokratie forderten, jedoch nicht in ihrer westlichen Form.

Ali Ahmad Said (Adunis) (1930)  ist ein bekannter Dichter der arabischen Welt und hat in Europa gelebt. Aber er bekennt,  dass er nicht mehr an die politische Ordnung, die europäische Philosophie und die sozialen Strukturen in Europa glaubt, sondern  sie als wurmstichig betrachtet.

Nach der Islamischen Revolution im Iran im Jahre 1979

begannen die Islamischen Erwachungsbewegungen eine neue Phase. Es kam in den islamischen Gebieten und insbesondere unter den Volksmassen   zu einem Erwachen und einer ruckartigen Weiterentwicklung einhergehend  mit gedanklicher Vertiefung. Die Islamische Erwachensbewegung reagierte nicht mehr mit Passivität.  Politische Gruppen und Institutionen und Widerstandsbewegungen wurden offen aktiv. Inzwischen haben sich die breiten Massen der Muslime zusammen mit den Gelehrten auf der ganzen Welt in Bewegung gesetzt.  Eine Erwachungswelle begann im  Nahen Osten und Nordafrika, in Bahrain,Tunesien, Jemen, Ägypten, Libyen und Saudi Arabien zu wogen.  Ein Grund für dieses Erwachen war die  Unterdrückung durch die Vasallensysteme.  Regionale Herrscher hatten mit den USA und Israel ein Bündnis geschlossen und bekämpften den Islam.

Die Bevölkerung der Region sind die Erniedrigung die ihnen ihre Herrscher aufbürden, leid. Sie wollen nun islamische Regierungen und die Wiederherstellung  ihrer menschlichen und islamischen Würde.

Viele Denker sind davon überzeugt, dass heute für die westliche Zivilisation als Sinnbild der Front des Liberalismus die Zeit des Untergangs angebrochen ist und die Welle Islamischer Erwachung die politischen und geistigen Grundlagen des Westens in der Region und auf der Welt verdrängt.

Die Bewegung Islamischen Erwachens erweckt die großartige islamische Zivilisation aufgrund der vitalen Lehren dieser Religion zum Leben.

Das Oberhaupt der Islamischen Revolution Irans, Ajatollah Khamenei hat daher gesagt, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert des Islams und der Spiritualität ist . Er bezeichnete das jetzige Zeitalter als Zeitalter des Erwachens, des Fortschrittes und Erfolges des Islams und der Muslime.

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