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Sonntag, 09 November 2014 12:54

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 101)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 101)
Im letzten Beitrag haben wir über das Islamische Erwachen in England und Frankreich gesprochen und heute möchten wir dieses Phänomen in Deutschland, Belgien, Holland, Albanien, Jugoslawien und Amerika untersuchen.

In den 60iger Jahren wanderten Muslime aus der Türkei in Deutschland ein und es entstand eine Muslimengemeinschaft in Deutschland. Diese umfasst inzwischen ungefähr 4 Millionen Menschen. Die Muslime haben in Deutschland Moscheen, islamische Zentren und Organisationen gegründet. In Hamburg gibt es das Islamische Zentrum der iranischen Schiiten und in München und Aachen Zentren, die von der ägyptischen und syrischen Muslimbruderschaft errichtet wurden. Aber die meisten islamischen Zentren in diesem Land gehören den türkischen Einwanderern.  Islamische Gruppen, für die das Klima nach dem Militärputsch in der Türkei ungeeignet geworden war,  verlegten ihre Aktivitäten außerhalb des Landes, vor allen Dingen nach Europa und speziell nach Deutschland. Zu nennen wäre zum Beispiel  die Millî Görüş ( Nationale Sicht ).  Der Sieg der Islamischen Revolution im Iran gab den in Deutschland aktiven Muslimgruppen neuen Aufschwung.

Eine der wichtigsten Aktivitäten der Muslime in Deutschland ist der islamische Unterricht für ihre Kinder. 90 Prozent der muslimischen Schüler  nehmen an Islamlehrgängen teil und 50 Prozent besuchen Korankurse.  Die deutschen Muslime, davon insbesondere die jungen Muslime, haben ebenso erheblich zur Aktivierung der Muslimgemeinschaft in diesem Land beigetragen.  Einer der bekanntesten deutschen Muslime ist Morad Wilfried Hofmann, ehemaliger deutscher Botschafter in Marokko. Als Muslim  hat er eine wichtige Rolle dabei gespielt, der deutschen Gesellschaft den Islam vorzustellen.

In Belgien nehmen die Muslime 3,5 Prozent der Bevölkerung ein. Sie sind in der Mehrzahl nach dem Zweiten Weltkrieg aus Nordafrika und der Türkei in dieses Land eingewandert. Beginn der siebziger Jahre  wurde die erste Moschee in Brüssel  errichtet.  Ende 1980 gab es über 300 Moscheen und Husseinieh (Trauerhallen für Imam Hussein) in diesem Land. Die meisten Muslime in Belgien richten sich nach den ägyptischen Muslimbrüdern und der Union muslimischer Studenten.

 

In Holland leben unterdessen zurzeit eine Millione Muslime, d.h. circa 6 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Zumeist sind sie aus Nordafrika und der Türkei in dieses Land gekommen. Nach Gründung der Kulturföderation der Türken im Jahre 1979 wurden verstärkt Moscheen und islamische Zentren in Holland errichtet. In den 80iger Jahre stieg die Zahl der Moscheen auf 50.  Die Gründung eines Informationszentrums für Muslime in Den Haag und Herausgabe der Zeitschrift „Qiblah“ hat effektiv zur Verbreitung und Stärkung des Islams in den Niederlanden beigetragen.

 

Albanien ist das  einzige Land in Europa, in dem die Muslime in der Mehrheit sind. 70 Prozent der albanischen Bevölkerung sind Muslime. Die Albanier traten zum Islam über, als die Osmanen auf dem Balkan herrschten. Deshalb ist der Islam in Albanien fest in der Geschichte des Landes verwurzelt. Nach Beendigung der kommunistischen Ära in diesem Land waren wieder mehr religiöse Aktivitäten möglich.

 

Auch in Jugoslawien haben früher mehr als 3 Millionen Muslime gelebt, aber nachdem dieses Land sich vom Osmanischen Reich getrennt hatte, wurden die Muslime derartig unterdrückt, dass viele von ihnen in die Türkei auswanderten. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges schlossen sich die Muslime zu Gruppen wie die „Jungmuslime“, „Al Hedayeh“ und „Marhamat“ zusammen und strebten danach, in  Bosnien und Herzegowina unabhängig zu werden.  Nach Kriegsende wurden sie bekämpft und einige ihrer Anführer kamen ins Gefängnis oder wurden zum Tode verurteilt.  Nachdem Jugoslawien in den 60iger Jahren Abstand zur  Sowjetunion genommen hatte und die Organisation der Blockfreien Staaten gegründet worden war, verbesserte sich die Situation der Muslime in Jugoslawien. Es entstanden zahlreiche islamische Schulen und Moscheen.  Als der muslimische Denker Alija Izetbegović, der von der Herstellung einer Islamischen Regierung überzeugt war,   die „Islamische Deklaration“ herausgegeben hatte,  begann eine neue Phase islamischer Aktivitäten.  Der Sieg der Islamischen Revolution im Iran jagte der jugoslawischen Regierung einen Schrecken ein. Sie ließ 1983 Izetbegović, zusammen mit 12 anderen Muslimen  zu langen Haftstrafen verurteilen. Nach der Aufteilung Jugoslawiens  haben einige Länder, insbesondere Serbien, mit allen Mitteln versucht zu verhindern, dass ein islamischen Land in Europa entsteht.  Es kam zu Massenmorden an den Muslimen in Bosnien und viele der Muslime flüchteten. Diese Ereignisse haben jedoch zu größerem Bewusstsein der Muslime in Bosnien und anderen Gebieten der Islamischen Welt geführt.

Die ersten Muslime auf dem amerikanischen Kontinent sind Sklaven aus Afrika gewesen.  Einige von ihnen wurden von den Sklavenherren gezwungen, ihre Religion und ihren Namen zu ändern.  Die Folgen äußerten sich später beim Kampf  der Afro-Amerikaner für Herstellung ihrer sozialen Rechte.  Das “X“, das  der Muslimführer Malcom X als neuen Nachnamen wählte, war in Wahrheit ein Zeichen des Protestes gegen die Unterdrückung und Missachtung der Schwarzhäutigen in der US-Gesellschaft. Er wollte nicht mehr  weiter  wie seine Vorfahren zum Christentum gezwungen sein und wählte den Islam. Auch den Familiennamen, den die Sklavenhändler seinen Vorfahren aufgedrückt hatten, nämlich Little (Klein) mochte er nicht behalten.  Die erneute Zuwendung zu dem während der Versklavung verloren gegangenen Erbe war also einer der Gründe dafür, dass die Amerikaner afrikanischer Herkunft  sich wieder dem Islam zuwandten. Aber es gab noch andere Gründe, nämlich die Zunahme von religiösen Bewegungen und das Bekenntnis zum Islam unter Gefängnisinsassen in den USA, auch wieder besonders unter den Schwarzhäutigen.

Afro-Amerikaner waren von der Bürgerrechtsbewegung von 1960 enttäuscht und hatten die Hoffnung auf Bewegungen wie die von Martin Luther King aufgegeben und dies ließ viele von ihnen zum Islam kommen.  Deshalb weist der Islam in den USA im Vergleich zu den anderen Religionen den größten Zuwachs auf. Die Zahl der Muslime in den USA nimmt zu, aber  die anderen Religionen verlieren zusehends mehr Anhänger.

 

Seit den 60iger Jahren sind viele Muslime in die USA eingewandert. Durch Moscheebau und Bau von islamischen Schulen, Herausgabe von Zeitschriften und den Ausbau von islamischen Finanzinstitutionen wie zinsfreie Banken versuchten sie,  sich eine islamische Atmosphäre  zu schaffen.

 

Die aktivsten Organisationen in den USA sind die muslimischen Studentenvereine gewesen. 1963 wurde die Organisation MSA – der Verband Muslimischer Studenten -  von Studenten aus dem Nahen Osten und Anhängern von Gruppen wie die ägyptische Muslimbruderschaft und  Jamaat-e Islami Pakistan gegründet. In Reaktion auf die Unterdrückung islamischer Gruppen und  den arabisch-israelischen Krieg wurden weitere  muslimische Studentenvereine ins Leben gerufen. Ihre Aktivitäten regten auch andere islamische Organisationen in den USA an.  Die MSA ergriff neue Initiativen. Sie organisierte Seminare und islamische Lehrgänge, brachte Zeitschriften und Zeitungen heraus, gründete Moscheen, Ortsvereine und Publikationsorgane.  Viele Studenten mit ständigem Aufenthalt in den USA  haben effektiv zur Festigung der Muslimengemeinschaft in Nordamerika beigetragen.  Einige ihrer Aktivitäten fanden im Rahmen von Organisationen wie der AMSS – Verband muslimischer Soziologen, der IMA – Gemeinschaft muslimischer Ärzte und  der Schirmorganisation ISNA, (Islamische Gesellschaft Nordamerikas)  statt.

Der ISNA geht es vor allen Dingen darum, eine gemeinsames Sprechrohr für den Aufruf zum Islam zu sein.  Außerdem zählt die Einrichtung von islamischen Ganztagsschulen und deren Leitung , und die Unterstützung  der muslimischen Familie und ihrer Förderung  zu den Zielen dieser Organisation.

Die Tätigkeiten der Islamischen Gesellschaft Nordamerikas und der anderen islamischen Organisationen zeigen, dass es in den USA eine Gemeinschaft gibt, die sich auf den Islam stützt.  Die Übersetzung von Werken des Ägypters Sayyid Qutb und des Pakistaners Abul A'la Maududi [ (1903-1979) und deren Verbreitung in den USA in den 80iger Jahren haben einen erheblichen Einfluss auf die Muslime ausgeübt. Diese Autoren sind der Überzeugung , dass die Religion aus den Winkeln der Häuser in die Mitte der Gesellschaft geholt werden muss.

Die Ereignisse vom 11. September 2001 haben große Probleme für die Muslime in den USA hervorgerufen. Die Muslime in den USA begannen danach auch auf der politischen Szene aktiver zu werden.

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