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Montag, 06 Oktober 2014 09:33

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (98)

Indonesische Muslime Indonesische Muslime
Wir sprachen im letzten Beitrag über das Islamische Erwachen in Afghanistan und darüber, dass sich die afghanische Bevölkerung im Rahmen von verschiedenen islamischen Bewegungen gegen die Präsenz von Fremdmächten stellten. Wir befassen uns heute mit der islamischen Erweckungsbewegung in Südostasien.

In Südostasien liegt die Malaiische Halbinsel. Zu ihr zählen Singapur und Teile von Malaysia, Burma (Myanmar)   und Thailand.  Der Islam breitete sich circa ab dem  14. bis zum 15. Jahrhundert von der Arabischen Halbinsel und von Indien aus auf dieses Gebiet und den Inselstaat Indonesien aus. Im 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts übertrugen Handelsleute und Sufis insbesondere aus Südindien den Islam auf ganz Südostasien, von der Malaiischen Insel bis nach Sumatra, Java und die Philippinen. Die Islamische Zivilisation in Südost-Asien basiert auf der einheimischen Kultur, den religiösen Überzeugungen und insbesondere auf den eigenen künstlerischen Errungenschaften.

 

Die Muslime in diesem Teil der Welt haben immer die Präsenz von Fremdmächten in ihren Ländern abgelehnt. Sie verübten  1511  auf der Malaiischen Halbinsel und 1522 auf den Molukken einen Aufstand gegen die Portugiesen. Im 17. Jahrhundert verwickelten sie sich ernsthaft mit den Holländern in Auseinandersetzungen. 1641 hatten die Holländer Malakka  im Westen der Malaiischen Halbinsel besetzt und es gelang ihnen bis Mitte des 17. Jahrhunderts, die ostindischen Inseln (in etwa das heutige Indonesien) mitsamt dem regionalen Gewürzhandel unter ihre Kontrolle zu bringen. Trotz dieser fremden Handelsdominanz blieben die islamischen Werte und Einrichtungen weiterhin Grundlage der kulturellen Identität dieser Region. In jedem der südasiatischen Gebiete wie  auf der Malaiischen Halbinsel, Aceh (Atjeh) und), Minangkabau (Sumatra) und Java entstanden besondere islamische Gemeinschaften, die außer ihrem gemeinsamen islamischen Charakter jede individuelle Merkmale aufwiesen.

 

 

Die Britischen Kräfte haben 1819 die Straße von Malakka besetzt und einen neuen Stützpunkt in Singapur errichtet. Sie gründeten ein großes Imperium auf der Malaiischen Halbinsel. Bis 1911 hatte  die holländische Regierung ihren Machtbereich auf den gesamten Inselstaat Indonesien ausgedehnt.

In Indonesien mit seinen unzähligen Inseln  wurde die Zahl der islamischen Erwachungsbewegungen immer größer. Auch von der Regierung unabhängige Organe reagierten immer mehr auf die politischen und sozialen Entwicklungen. Die traditionell orientierten Gelehrten, politische Persönlichkeiten, Sufis, Intellektuelle und Persönlichkeiten in leitender Position wollten selber Einfluss auf das Schicksal ihres Landes ausüben. Die Muslime waren die ersten, die auf die niederländische Kolonialmacht und den Untergang der Adelsherrschaft reagierten.

 

Als sich das Mataram-Reich auf Java, einer der Inseln von Indonesien, Anfang des 17. Jahrhundert gefestigt hatte, gab es zwei verschiedene Gruppen von   Adeligen und Reichen in Java. Die eine bestand aus Wohlhabenden,  die aus Tradition Muslim waren, und  die andere aus  tiefgläubige Adeligen, den Kyai. Die erste Gruppe schloss sich der Kolonialmacht an und die zweite blieb  unabhängiger Vertreter der Gesellschaft und ihr Einfluss nahm unter der Bevölkerung zu. Durch Islamstudien der malaiischen und indonesischen Muslime wurden diese mit Reformgedanken vertraut  und das Bewusstsein über ihre islamische Identität nahm zu.  Auf Java wuchs die Ablehnung der  Kyai  und der Landwirte gegen die holländische Kolonialmacht.  Von 1840 bis circa 1860  war dieses Gebiet Zeuge Islamischen Erwachens, was sich in Form der zunehmenden Pilgerreisen, der Gründung von Religionsschulen und der Mitgliedschaft  in religiösen Gruppen und Gemeinschaften zeigte. Der  Sufi-Orden Qadiri-Tariqa, der sich zum großen Teil aus den adeligen Gegnern der Kolonialmacht  zusammensetzte, führte zur Stärkung der religiösen Anführer und deren Anhänger.  Dieser Orden  forderte die genaue Durchführung der Korangebote  und verkündete ein Islammodell. Sie führten die religiösen Renaissancebewegung gegenüber der Fremdherrschaft an.

 

 

Der islamische Erweckungsprozess in Indonesien  ließ unter den Bauern eine Atmosphäre heftiger Ablehnung gegen die fremde Vorherrschaft  und korrupte Adelige entstehen und führte 1888 zu einem großen Aufstand. Dieser begann mit dem Angriff auf holländische Beamte auf Java. Doch er wurde niedergeschlagen. Die Padri-Bewegung in Minangkabau und die Banjarmasin-Krieg in Kalimantan  (Indonesien)  sowie die Kriege von Aceh (1871-1908) waren Beispiele für diese Ablehnung. Der islamische Widerstand der Kyai und der Bauern in  Kalimantan war  in den traditionellen Strukturen der indonesischen Gesellschaft verwurzelt,  unterdessen begann auch die andere Gruppe von Adeligen, die sich der Kolonialmacht unterworfen hatte,  aus nationalistischen Motiven gegen die holländische Kolonialmacht aktiv zu werden.

 

Beeinflusst von den patriotischen Bewegungen in China und Indien beschlossen sie gemeinsam das kulturelle und politische Bewusstsein der Bevölkerung anzuheben.  In wichtigen Hafenstädten von Sumatra, Java und auf der malaiischen Halbinsel  begannen religiöse, politische und gesellschaftliche Aktivitäten. China und Singapur, welches ein wichtiger Hafen für die indonesischen Hadschpilger war , wurden Zentren für  islamisches Reformdenken . Die Araber und die Malaien von Singapur, welche dem Sufi-Orden Naqschbandi- bzw. Qadiri-Tariqa angehörten , wirkten nachhaltig auf die islamische Reformbewegung .

 

Der Einfluss von Mekka und Kairo Beginn des 20. Jahrhunderts entfachte neue Debatten.  Zu den Anführern des Islamischen Erwachens, welche den Muslimen Kenntnisse und Bewusstsein verschafften, ist Scheich Mohammad Taher zu zählen. Er war mit den Ansichten des ägyptischen Reformers Mohammad Abduh vertraut.  Scheich Mohammad Taher war der Meinung, dass die Muslime, wenn sie dem Koran und der Überlieferung folgen, ein besseres Leben erreichen werden.

 

 

 

In den Jahren 1905 bis 1912 kamen in Indonesien mehrere Islamische Bewegungen zustande. Als eine der wichtigsten ist die der Anjoman-e Muhammadiyyah- zu nennen. Sie wurde von Kyai Hadschi Ahmad Dahlan gegründet. Diese Vereinigung setzte sich für den Bau von Religionsschulen ein. An diesen wurden Arabisch  und moderne Wissenschaften unterrichtet. Die Muhammadiyyah-Gemeinschaft war darum bemüht, die islamischen Werte mit den zeitgenössischen Bedürfnissen in Bildung und Gesellschaft zu kombinieren. Eine weitere indonesische Bewegung war die Nihzat-e Ittihad-i Islami . Sie wurde 1923 auf Initiative einiger Geschäftsleute und unter Anführung von Hadschi Zaman und Hadschi Mohammad Yunis in Westjava gegründet. Diese Bewegung setzte sich für religiöse Studien der Durchführung von islamischen Bräuchen und der Beachtung des Islamischen Religionsrechtes aktiv. Ihre Mitglieder waren der Überzeugung, dass der Koran und die Überlieferung (Hadith) die einzigen Grundlagen für den Glauben und das Verhalten der Muslime sind.  Sie waren gegen den Sufismus und ihr wichtigsten Anliegen war die Gründung einer Islamischen Gesellschaft mit Hilfe der wahren islamischen Prinzipien.

 

 

1911 entstand in Zentral-Java die Sarekat Dagang Islami (Islamische Handelsvereinigung)  unter Anführung von Hadschi Samanhudi als Gegenreaktion auf chinesische Händler und der Tätigkeit von  christlichen Missionaren. Sie nannte sich  schon 1912 unter ihrem neuen Anführer Sayyid Tjokroaminoto  in Sarekat Islam (islamische Vereinigung) um und wurde rasch zur größten politischen Bewegung in Indonesiens. Diese Vereinigung forderte eine Verbesserung der Lage der Bauern, die Erhöhung der staatlichen Unterstützung für Lehre und Erziehung, sowie die Aufhebung der Feudalrechte und mehr Wahlrechte für die Bevölkerung des Landes.

 

 

Die indonesische Bevölkerung hat auch gegen die Besetzung dieses Landes durch Japan protestiert. Nachdem die Japaner 1945 den Krieg verloren, war der Weg zur Unabhängigkeit für Indonesien frei. Ahmad Sukarno, der ersten indonesische Staatspräsident , der von 1945 bis 1967 regierte, verkündete am 17. August 1945 die Unabhängigkeit Indonesiens.  Die Niederlanden und Britannien konnten nicht weiter Macht  in Indonesien ausüben und haben aufgrund des Druckes  der UNO schließlich 1949 die Unabhängigkeit Indonesiens anerkannt.

 

Trotz politischer und kultureller Hindernisse besitzen die Islamischen Bewegungen in Indonesien heute Macht.  In allen staatlichen Schulen dieses Landes steht Religionsunterricht auf dem Lehrplan. Seit 1960  zählen Religionslehrgänge auch zu den Fächern, die an den Universitäten belegt werden müssen. Nach dem Sieg der islamischen Revolution im Iran, hat Mohammad Suharto , der zweite Staatspräsident von Indonesien aus Angst davor, dass sich die Muslime gegen seine laizistische Politik stellen, so gut es geht versucht, die islamischen Parteien und Gruppen, zu unterdrücken. Die Muslime reagierten unterschiedlich darauf.

Heute kann man die Muslime in diesem Land in zwei Gruppen einordnen. Eine Gruppe, die politisch aktiv ist und eine andere, die den Glauben als Privatsache betrachtet. Insgesamt  haben die indonesischen Muslime aber die Durchführung islamischer Politik verfolgt, insbesondere über das Religionsministerium und die daran angeschlossenen Einrichtungen.

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