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Donnerstag, 18 September 2014 06:57

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (97)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (97)
Wir besprechen heute das Islamischen Erwachen in Afghanistan. Dessen Weiterentwicklung ist   in den letzten 20 Jahren von dem Widerstand der muslimischen Bevölkerung gegen die Fremdmächte in ihrem Land geprägt. 

Der Islamische Erwachungsprozess in diesem Land wurde von den Ereignissen gegen Ende des 18. Jahrhunderts und im 19. Jahrhundert hervorgerufen, und zwar nach Beginn der Herrschaft des Britischen Königshauses über den Indischen Subkontinent und nachdem dieser westliche Staat,   zur  Alleinmacht in der Region wurde. Afghanistan ist niemals unter die direkte europäische Kolonialherrschaft gelangt, aber hat dennoch etwas ähnliches wie eine Kolonialisierung durchgemacht.  Aber auch eine solche Situation war für Bevölkerung und Intellektuellen  unerträglich und sie begannen ihre  Bemühungen zur Befreiung aus dieser Lage.

 

Wir möchten heute die Ursachen und Faktoren der Islamischen Erweckung in Afghanistan näher untersuchen.

 

Das zunehmende Islamische Erwachen hatte viele Gründe und Ursachen. Einer der günstigen Faktoren waren die gesetzlich verankerten Freiheitsrechte. Die Verfassung dieses Landes, welche 1964 verabschiedet wurde, schuf  durch das Recht auf Tätigkeit der Parteien , Pressefreiheit und das Versammlungsrecht einen geeigneten Raum für die Entfaltung von politischen Gruppen und Parteien.  Daher war man Zeuge von der Entstehung unterschiedlicher  Gruppen, insbesondere in Kabul.  Es hat den Anschein, dass diese die Macht der Herrscher, darunter der Dynastie des Mohammadzai, schmälern konnten. Außerdem  fanden  Gemeinschaften mit Linksorientierung und islamorientierte Intellektuelle an der Universität und außerhalb von ihr die Möglichkeit offen aktiv zu sein. Diese Gruppen bildeten sich sowohl unter den Sunniten als auch unter den Schiiten.

Unter den Sunniten kam die Bewegung „Dschawanan-i Musulman“ (muslimische Jugend)  in Kabul zustande und es können  wichtige Gesichter wie Gulbudding Hekmatyar, und Ahmad Schah Mas`ud zusammen mit ihren Lehrmeistern Burhanuddin Rabbani und Sibghatullah Mojaddedi genannt werden.  Von den Schiiten sind aus den Reihen der Intellektuellen, der Armee und den Besuchern der Moscheen und Imam-Hussein-Trauerstätten, dem Bazaar und den Berufsgilden besonders Sayyid Ismail Balchi, Wa`iz Misbah und Ali Asghar Schu`a zu nennen.  Jeder der Genannten konnten Parteien oder Organisationen gründen, wie die Irschad- und die Watan (Heimats)- Partei. Sie waren besonders in Herat und Kandahar religiös und politisch aktiv. Mohammad Assif Muhseini  richtete  ein theologische sSeminar für die dschafaritische Rechtsschule ein und gründete die Gemeinschaft Anjuman-i Subh-i Danish (Morgen des Wissens) . Dies gab der Islambewegung neuen Aufschwung.  Eine weitere Gruppe von jungen Schiiten bevorzugte einen anderen Weg als den von Muhseini. Sie kannten die Bücher von Imam Chomeini, dem Gründer der Islamischen Republik Iran  und gründeten die Maktab-i Hizbullah.   In Herat haben einige junge Schiiten in Zusammenarbeit mit Sayyid Ismail Balchi eine Organisation namens Mudschtami-i Islami ins Leben gerufen, die  sich später in Irschad-Partei umbenannte. Im Norden Afghanistan wurde 1971 die schiitische Partei Ra`ad-i Islami aktiv.

 

 

Es hat auch zum Islamischen Erwachen in Afghanistan beigetragen, dass Studenten und Theologieschüler für ihr Studium die Nachbarländer aufsuchten.  In den geografischen Grenzen des heutigen  Afghanistans hat es vor dem Einfall der Mongolen im 13. Jahrhundert nach Christus zahlreiche Schulen und theologische Ausbildungsstätten in den verschiedenen Städten gegeben, aber vieles fiel deren verheerenden Angriff zum Opfer, ganz besonders in Herat.    Deshalb zogen Wissensbegierige nach Buchara, Indien, Ägypten, in den Iran und Irak und wurden dort sesshaft. Zu den Studenten der ägyptischen Al Azhar –Universität der letzten 50 Jahren hat Burhanuddin Rabbani  gehört. Er schloss mit der Denkweise der Muslimbrüder Bekanntschaft und hat nach Rückkehr in seine Heimat eine entscheidende Rolle bei der Organisierung der muslimischen Jugend gespielt.  Es gab auch Afghanen, die nach ihrem Studium in der iranischen Stadt Qum  und Übernahme von politischem Gedankengut Imam Chomeinis – neue Bewegungen  in der politischen und gesellschaftlichen Gegenwartsgeschichte ihres Landes  hervorriefen.

 

Zu den intellektuell anmutenden Bewegungen in Afghanistan zählen die Linksparteien. Aufgrund der verfassungsrechtlich abgesicherten Freiheiten waren sie offiziell tätig.  Für die muslimischen Denker in Afghanistan war es ein Alarmzeichen, als marxistische Parteien wie die Demokratische Volkspartei unter Anführung von Nur Muhammad Taraki  und die Neue Demokratie (demokratik-e newin) unter Vorsitz von Abdur rahim Mahmudi  gegründet wurden.  Sie reagierten mit der Gründung der dschunbesch-e Dschawanan-i Musulman (Muslimische Jugendbewegung)  in Kabul und deren hervorragenden Aktivitäten.   Die Erstarkung von marxisitschen Parteien und ihre Zusammenarbeit mit der Regierung  und beim Militärputsch von Mohammed Daoud Khan stimmten die Islamanhänger skeptisch gegenüber ihnen.  Der von Marxisten angeführte Militärputsch von 1978 und die Besatzung Afghanistans durch die sowjetischen Kräfte Ende 1979 veranlassten die islamischen Gruppen, ihre Kräfte zu organisieren. Der Sieg der Islamischen Revolution im Iran und die Auswanderung von Afghanen nach Iran hat ebenso zur Islamischen Erwachung insbesondere unter den Schiiten geführt.

Nach dem Militärputsch der Kommunisten und der Besatzung durch die Rote Armee der Sowjetunion, wanderten viele Afghanen nach Pakistan und Iran aus. Die Islamanhänger nutzten die Gelegenheit zur Gründung neuer Parteien mit unterschiedlichen Tendenzen, auch wenn sie als islamische Gruppen galten. Es entstand die Itihad-e Islami Mudschaheddin Afghanistan – eine Allianz von sieben muslimischen Gruppen  . Zu dieser Allianz gehörten die Jamiat-i Islami unter Anführung von Burhanuddin Rabbani , die Hizb-i islami (Islamische Partei) mit Gulbuddin-e Hekmatiyar an der Spitze und die Hizb-i- islami  Khalis, dann die von Abdul Rasul  Sayyaf angeführte Itihid-i Islami , (Mahaz-i-Milli Islami ye Afghanistan) nationale islamische Front Afghanistans  unter Leitung von Sayyid Ahmad Gilani,  die Nationale Rettungsfront Afghanistans  unter Sibghatullah Mojaddedi und schließlich die Harkat-i inqilabe Islami Afghanistan unter Anführung von Maulana Mohammd Nabi Mohammadi.  Vier dieser Parteien waren Grundsatzverfechter und drei gemäßigt.

 

Die Entstehung der Taliban hatte auch die Islamische Erweckungsbewegung in Afghanistn beeinflusst. Die blutigen Gefechte zwischen den Mudschahiddin, der Sturz des kommunistischen Regimes im Frühjahr 1992 und das Versagen der Dschihad-Gruppen bei Aufstellung einer Staatsordnung, die alle akzeptieren,  sowie weitere Faktoren, führte zu einem Meinungswechsel der Bevölkerung und zwar besonders unter den Paschtunen.  Unter diesen Bedingungen hat eine Gruppe unter der Bezeichnung Taliban (Studenten)  die Bühne betreten und nach kurzer Zeit die meisten Gebiete und Städte Afghanistan unter ihre Kontrolle gebracht. Sie wurden dabei von den USA, England, Pakistan und Saudi Arabien unterstützt.  Die starre Denkweise und das fanatische Vorgehen der Taliban hatten zahlreiche negative Folgen und schadete der  zeitgenössischen Islambewegung in diesem Land. Bedauerlicherweise haben die Taliban viele ihrer falschen Maßnahmen im Namen des Islams durchgeführt und sogar die internationale islamische Erwachungsbewegung litt darunter.  Die Taliban legten keinen Wert auf die Stimme der Allgemeinheit, sie grenzten die anderen islamischen Rechtsschulen von den Muslimen  aus und betrachteten sie  es als  erlaubt, Gegner zu unterdrücken, verletzten Menschenrechte, insbesonder die der Frauen und ließen Anbau und Ernte von Opium zu, usw. Mit ihren fanatischen Schritten riefen sie ein negatives Bild vom Islam hervor, was Kanonenfutter für die westlichen Medien mit ihrer islamfeindlichen Propaganda war.

 

Nach dem Militärputsch und Angriff der sowjetischen Armee haben die Schiiten in Afghanistan, obwohl sie nicht die notwendige Einheit und die finanziellen Möglichkeiten für spontane Aktionen besaßen, mehrere aktive politsche Dschihad-Gruppen zur Bekämpfung des marxistischen Regimes gebildet. Die bekannteste von ihnen war die Harkat-i Islami Afghanistan unter Anführung von Assif Mohseini,  Sazman Nasr-i Afghanistan, Pasdaran-i Dschihad-i Islami Afghanistan, Dschibhih Mutahid Inqelab- Islami Afghansitan  und Schuraje Inqilabi Itifaq-i Islami Afghansitan.  Einige Parteien und afghanische Organisationn befanden sich im Iran. Sie wurden zur Befreiung Afghanistans tätig und konnten eine Koalition bilden.  Die Hizb-e Wahdate Islami Afghanistan  konnte innerhalb des Landes zur Vereinigung aller politischen und bewaffneten Schiitengruppen im Afghanistan  und diesem Namen im Land selber und in der Stadt Bamyian ein Einheitsbündnis zur Unterzeichnung bringen. Es wurde von den Vertretern der 13 Provinzen Afghanistans unterschrieben.  Diese Partei hat später in Abwesenheit ihres Führers Asif Mohsini  als Schuraye Itiliaf in Pischawar ihr Existenz bekanntgegeben. Aber diese Partei, die Hizb-iWahdat  zerfiel in zwei Lager und nach blutigen Auseinandersetzungen unter den Mudschahiddin in Kabul  teilte sie sich in den von Abdul Ali Mazari- und den Akbari-Zweig .

Der Militärputsch der Kommunisten und die Besatzung Afghanistans durch die Rote Armee verwickelten die Bevölkerung in einen harten Kampf. Sie zeigte, dass sie gegen Fremdmächte in ihrem Land sind. Aber leider tauchten  Parteien und Organisationen auf, die zwar behaupteten, den Islam zu wollen und meinten zum Islamischen Erwachungsprozess beizutragen, die jedoch in Wirklichkeit die Einmischung anderer Länder insbesondere westlicher Mächte in Afghanistan förderten. Der Erfolg der Islamischen Erwachungsbewegung in Afghanistan scheint davon abzuhängen, dass der Islam richtig interpretiert wird und die islamischen Gruppen sich vereinigen.

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