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Montag, 01 September 2014 05:00

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (96)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (96)
Wir besprachen die islamischen Erweckungsbewegungen in Indien. 

Sie erinnern sich: Vor dem Generalaufstand der indischen Bevölkerung gegen die britische Kolonialmacht haben die muslimischen Mogulen-Herrscher insbesondere Saraj  ad Daula, Hyder Ali und Tipu Sultan sich militärisch gegen die Kolonialisten gewehrt . Aber auch Denker und Gelehrte begründeten Bewegungen, wie Waliullah Dehlawi, Schariatullah und Titumir. Sie verfolgten die Wiederbelebung der Religion und kämpften gegen die britische Kolonialmacht.

Schließlich erhob sich die Bevölkerung von Indien , Muslime und Hindus, zu einem Aufstand gegen die britischen Herrscher, die in Form der Ostindischen Kompanie ihre Hegemonie in Indien aufgebaut hatten.  Dies war 1857.

Wir beschrieben die darauffolgenden Bewegungen unter den Muslimen, darunter die Initiativen der Aligarh-Bewegung, der   Deobandis und der Nadwat-ul ulama. Sie erfuhren auch über  den Einfluss anderer Bewegungen wie der Barelvi-Bewegung und der Farhangi-Mahal auf den islamischen Erweckungsprozess in Indien.

Nun möchten wir noch auf das Vorgehen der Hindus nach der blutigen Zerschlagung des Aufstandes der Muslime im Jahre 1857 durch die Engländer ebenso wie auf weitere Ereignisse vor dem Jahre 1947 und der Trennung Pakistans von Indien hinweisen. Danach untersuchen wir kurz die muslimischen Erwachungsbewegungen auf dem indischen Subkontinent nach 1947 bis heute, insbesondere in Pakistan.

 

Bei der Zerschlagung der Aufstände der Muslime im Jahre 1857 haben sich die Hindus der britischen Kolonialmacht genähert, während viele der Muslime schon in der englischen Sprache und den neuen Wissenschaften Symbole der Kolonialisierung sahen. In Verfolgung ihrer Ziele haben die Engländer hinduistische Persönlichkeiten bevorzugt behandelt . Sie ließen ihnen freie Hand für religiöse und politische Aktivitäten . Unter diesen Bedingungen fanden auch radikale Hindus Spielraum für Aktivitäten und strebten nach Racheaktionen gegen die Muslime.

Es entstanden mehrere politische Bewegungen, wobei besonders die Gründung des Indischen Nationalkongresses durch den Briten Allan Octavian Hume, einem pensionierten Armeeoffizier und die Gründung der Muslimleague (einer muslimischen Partei) zu nennen sind. Die Mitglieder der Muslim League waren hauptsächlich Leute, die der Aligarh-Bewegung, welche in Zusammenarbeit  mit Kapitalinhabern und Großgrundbesitzern gegründet worden war, nahestanden. Die Muslim Leage hat eine wichtige Rolle bei der Teilung Indiens und der Gründung von Pakistan am 14. August 1947 gespielt.

 

Mit Beginn der politischen Aktivitäten Anfang des 20. Jahrhunderts erschienen auch muslimische Gruppen auf der politischen Szene.  Die meisten von ihnen tendierten jedoch zum Indischen Nationalkongress und wollten nicht mit der Muslim League zusammenarbeiten.  Persönlichkeiten wie Mulana Mahmud Al Hassan, Abul Kalam Azad  und Mohammad Ali, Schukat Ali und Zafar Ali Khan waren bekannte Gesichter aus der Politik.

Eine der Persönlichkeiten, die erheblichen Einfluss auf den Erwachungsprozess der Muslime in Indien hatten, ist Iqbal Lahuri, der bekannte Dichter und Philosoph  des Subkontinents, gewesen . Er war geistiger Anführer der Bewegung, die zur Gründung von Pakistan führte. Nach seinem Studium im Ausland kehrte Iqbal nach Indien zurück und verfolgte ernsthaft die Lage der Muslime in Indien und der Islamischen Welt. Der Balkan und Tripoliskrieg gegen das Osmanische Reich haben ihn tief bewegt und er entwickelte eine heftige Ablehnung gegen die westliche Zivilisation und das europäische Imperium. Er war davon überzeugt, dass diese Ereignisse und die Schäden schließlich die Muslime wachrüttelt und sie zum Islam zurückführt.  Nach seiner Ansicht hatte wieder das Blut des Lebens in den abgestorbenen Adern des Ostens zu fließen begonnen.

 

Nach der Unabhängigkeit von Indien und der Abtrennung von Pakistan im Jahre 1947, waren   in Pakistan 6 verschiedene religiösen Strömungen tätig, nämlich die Deobandis,  Barelvis, die Ahl-e Hadith, die Schiiten, die Jamaat Islami und die Tabliqui Jamaat.

Die Deobandis setzten in Pakistan ihre Tätigkeit in Form der Jamiat Ulema-Islam (JUP) fort. Diese Gruppe hat die Taliban in Afghanistan unterstützt und lehnte entschieden den Angriff der USA auf Afghanistan ab. Die Barelvi- Bewegung  wurde ebenso in Pakistan  von der Jamait Ulema-Islam  vertreten. Ihr Anführer war Schah Ahmad Nurani. Auch er war absolut gegen den Angriff der USA auf Afghanistan und Irak. Außerdem war er bis zu seinem Tod darum bestrebt, das Sektierertum in Pakistan zu beseitigen.

Mit Ahl-e Hadith wird eine Gruppe bezeichnet, die den Anspruch erhebt, die Ahadith, d.h. die Überlieferungen des Erhabenen Propheten  (s) zu befolgen. Ihre Mitglieder sind der Überzeugung, dass die Muslime  sich nur nach dem Koran und der Überlieferung richten müssen. Die Ahl-e Hadith in Pakistan  stehen den Denkweisen und geistigen Führern der Wahhabitischen Sekte sehr nahe.

 

 

Die Schiiten waren wesentlich an der Gründung von Pakistan mitbeteiligt. Dennoch konnten sie sich nach 1947 längere Zeit nicht zu einer politischen Partei oder religiösen Gruppe  zusammentun. Erst 1979 gelang ihnen die Gründung  der Tehrik-e-Jafaria Pakistan, welche der dschafaritischen Rechtsschule (von Imam Sadiq a.s.)  folgte. Zunächst wurde diese Bewegung von Mufti Dschafar Hussein angeführt.

 

Später übernahm Märtyrer Arif Hussein Al Husseini die Führung und begann politische Aktivitäten. Aber 2003 untersagte General Parwiz Muscharaf die Tätigkeit dieser Partei.  Die Tätigkeiten der Schiiten wurden daraufhin im Rahmen einer neuen Organisation namens Islamische Bewegung  wieder aufgenommen.

 

Die Jamaat Islami ist ebenso eine religiöse Bewegung in Pakistan . Sie ging aus der Jamaat Islami hervor, die bereits 1941  von Abu-l A`la Maududi gegründet wurde. Maududi war gegen die Gründung von Pakistan. Er lehnte die Verwendung des Islams, welche eine universale Religion ist, als ideologische Grundlage für eine Nationalregierung, ab. Zwar plante er eine islamische Regierung, aber er setzte voraus, dass sich dafür eine allmähliche Revolution in der Gesellschaft ereignet.

Die Gruppe Tabliqui Jamaat  (Gemeinschaft der Verkündung und Mission – TJ) schließlich war 1926 von Mohammad Ilyas  gegründet worden und durch die Erweckungsbewegungen von Waliullah Dehlawi gewachsen.

Mohammad Ilyas war der Ansicht, dass alle Schwierigkeiten der Muslime auf die Abwendung von der Religion zurückgehen. Er war davon überzeugt, solange die Religiosität unter den Muslimen nicht allgemein verbreitet ist, sollten keinerlei politische Aktivitäten erfolgen. Diese Bewegung  ist außer auf dem indischen Subkontinent in vielen süd-ost-asiatischen  und afrikanischen und auch europäischen Ländern weitgehend aktiv.

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