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Samstag, 23 August 2014 10:37

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (95)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (95)
Wir besprachen beim letzten Mal die Bewegungen Islamischen Erwachens in Indien zur Zeit des Kampfes gegen die britischen Kolonialherren bis 1857. Heute möchten wir die Islamische Erwachung von 1857 bis 1947 betrachten.
Die britische Kolonialmacht hatte in der Zeit vor 1857 Bedingungen hervorgerufen, die unweigerlich den Aufstand der Einheimischen auf dem Subkontinent zur Folge hatten. Die muslimischen Bewegungen von 1857 bis 1947 spielten dabei eine entscheidende Rolle für den islamischen Erwachungsprozess. Wieder können wir nach zwei Arten, den denkerisch-religiösen und den politischen Bewegungen unterscheiden.

 

1857 kam es zu einem blutigen Aufstand der muslimischen und hinduistischen Armeemitglieder gegen die Engländer. Die Muslime reagierten in Form der Aligarh-Bewegung, der Bewegung der Deobandis und Nadwat-ul Ulama, und weiteren verstreuten Initiativen mit effektiver Wirkung auf die islamische Erweckung und den Kampf gegen die Kolonialisten.

 

Sir Sayyid Ahmad Khan gründete die Aligarh-Bewegung. Er unterstrich, dass die Muslime in Indien sich die neuen Wissenschaften und die englische Sprache aneignen müssen, um sich aus der Rückständigkeit und insbesondere aus dem Druck, der nach dem indischen Aufstand von 1857 aufgekommen war, zu befreien. Er war der Ansicht, dass sie nicht mit den Engländern konfrontieren sondern mit ihnen koexistieren sollten. Ahmad Khan war für Neuerungen im Bereich der Religion und Gesellschaft und für die Zeichen westlicher Zivilisation und ihre Anpassung an die Muslimengesellschaft auf dem Subkontinent. Er erklärte die traditionelle Sichtweise als den eigentlichen Faktor, der die Muslime an ihrem Fortschritt behindert.

Mit dieser pro-westlichen Denkweise zog er allerdings die Kritik vieler Persönlichkeiten und Gruppen auf sich. Er wurde unter anderem von Sayyid Dschamaluddin Asadabadi kritisiert. Doch haben auch viele seiner Gegner seine Verdienste an Lehre und Wissenschaft für die Muslime in Indien nicht abgestritten.

 

Eine andere religiöse Bewegung war die Deoband-Bewegung. Die Engländer hatten beim Aufstand der indischen Bevölkerung viele Muslime, darunter Gelehrte und Religionsführer getötet und einige eingekerkert. Die Deoband-Bewegung wurde nach einem Gebiet, das nordöstlich von Dehli im Bereich Saharanpur liegt, benannt. Sie wurde unter Mitwirken von einigen Muslimführern von Mohammad Qasem Nanautavi gegründet und strebte die Erweckung der Muslime an. Nanautavi gründete diese Bewegung in Anlehnung an Schah Isma`el, einem der Muslimführer, die vor dem Aufstand von 1857 tätig waren. Während 30-jähriger Tätigkeit der Deobandbewegung errichteten ihre Anführer landesweit insgesamt 40 Schulen, in denen Unterricht in Koran, Überlieferung, religiösem Recht, Philosophie und Naturwissenschaften, Arabisch und Persisch erteilt wurde. Die Denkschule der Deoband baute auf der hanafitischen Rechtsschule auf. Die Deobandis lehnten Innovationen im Islam ab und betrachteten solche als Ketzerei. Die Anhänger dieser Denkschule waren davon überzeugt, dass man sich zur Rettung von dem Joch des Kolonialsmus dem frühen Islam zuwenden muss. Mit Beginn des 20. Jahrhundert, als die politischen Tätigkeiten in Indien begannen, haben sich die Deobandis auch politisch engagiert und wesentlich bei den damaligen Entwicklungen mitgewirkt.

  

Die Nadwat-ul Ulama (das Haus der Versammlung der Gelehrten) ist einer der Hochschulen gewesen, die großen Einfluss auf die Wiederbelebung der Muslime in Indien hatten. Diese Lehrstätte wurde 1894 von einigen gemäßigten Religionsgelehrten in der Stadt Lakhnau in der Provinz Uttar Pradesh gegründet. Der bekannte indische Historiker und Denker Schibli Nomani war einer ihrer Begründer. Gemäß ihm diente die Nadwat-ul Ulama dem Ziel der Verteidigung des Islams gegenüber den damaligen Ereignissen, der Förderung und Verbesserung von Islamstudien, sozialen Reformen und der Verbreitung des Islamischen Glaubens.

Schibli war ernsthaft gegen eine Trennung zwischen Religion und Politik. Im Nadwat-ul Ulama gewann er viele Geistliche für eine aufgeklärte Deutung der religiösen Rechtsschule. Er war darum bemüht die wissenschaftlichen Horizonte , die es Ende des 19. Jahrhunderts auf der Welt gab, zu erreichen. Insgesamt hat Nadwat-ul Ulama versucht, zur islamischen Erweckung einen ausgeglichen Weg zu wählen und sich von Über- und Untertreibungen, wie sie die Deoband- und der Aligarh-Bewegung begingen, zu enthalten. Die Anhänger der Nadwat-ul-Ulama übernahmen eine wichtige Rolle bei den religiösen und politischen Bewegungen der indischen Muslime zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Aber im Endeffekt konnten sie nicht an die Ziele, die sie sich gesetzt hatten, gelangen. Vielmehr tendierte sie immer mehr zu den Zielen der Deobandis. Ihr gelang es nicht eine Verständigung zwischen den Gelehrten von Rechtsschulen wie die Hanafiten, die Ahl-e Hadith und die Schiiten herzustellen.

 

Neben den drei genannten großen Bewegungen nach dem Aufstand gegen die Briten im Jahre 1857 kam es auch zu anderen Initiativen zur Wahrung der islamischen Identität, die trotz ihrer Verstreutheit für die Muslime in Indien von großer Bedeutung waren.

In der Stadt Lakhnau gab es eine große Religionslehrstätte namens Farhangi Mahal. Sie war eine der ältesten traditonellen Madrassa in Indien und Mulla Nezamuddin lehrte an ihr. Die Mitglieder dieser Lehrstätte waren zunächst politisch nicht tätig, aber betraten Ende des 19. Jahrhunderts allmählich die politische Szene. Sie trugen erheblich zur Ermunterung der Muslime im Kampf gegen die Kolonialherrschaft des Britischen Königshauses bei.

 

Eine weitere Protestbewegung der indischen Muslime gegen die Präsenz der Fremdmacht in ihrem Land, war die Barelvi-Bewegung. Sie wurde von Ahmad Reza Khan Barelvi gegründet und entstand in Reaktion auf Mohammad Bin Abdul Wahab und die Deoband-Gelehrten. Ihre Denkweise baute auf den Ansichten von Scheich Abdul Haq Dehlawi auf.Die Barelvi-Bewegung ging von der hanafitischen Rechtslehre und der Madrassa Jamaa Manzar ul Islam in Bareily, Uttar Pradesh, aus. Ahmad Reza Khan war um Wahrung der religiösen Identität der Muslime bemüht. Die Anhänger dieser Denkschule sind heute auf der religiösen und politischen Szene weitgehend aktiv.

 

Im nächsten Beitrag erfahren sie über die Reaktion der Hindus nach der Zerschlagung des Bevölkerungsaufstandes von 1857 und die muslimischen Bewegungen auf dem Subkontinent nach 1947.

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