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Donnerstag, 31 Juli 2014 04:26

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (93)

Symbolbild Symbolbild
Im letzten Teil hatten wir den Prozess Islamischen Erwachens in der Türkei zu besprechen begonnen und einige geschichtliche und kulturelle und politische Bewegungen beschrieben.

 

Wir sagten, dass die meisten von diesen einen islamischen Charakter oder zumindest Anstrich hatten.

Zu den Bewegungen in der Türkei ist auch die islamische Denkströmung zu zählen. Sie  nahm parallel zu der Herausgabe islamischer Zeitschriften, insbesondere der Zeitschrift Sibel Al Irschad , die kurz nach dem Sieg der Wiedereinführung der Verfassung im Jahre 1908 erschien, Gestalt an. Zu ihren bekanntesten Vertretern gehört Ismael Hakki Izmirli, Ahmad Naim Babazadeh, Mehmet Akkif (Ersoy) und Scharafuddin.

Sie waren der Überzeugung, dass der Islam nicht nur ein Glaube ist, sondern eine Religion, welche mit ihren Geboten dem Leben ein Ziel und Ausgewogenheit verleiht, und volksfreundlich und demokratisch ist.  Sie sagten, dass  die Grundsätze des Islams den Grundsätzen der Menschenrechtserklärung entsprechen und  man sich vor den Einflüssen des Westens, der spirituell auf den Untergang zugeht, hüten müsse.

 

Im Laufe der Zeit und infolge der Uneinigkeiten zwischen religiösen Modernisten und Konservativen, trennte sich die isalmische Bewegung in einen traditonellen und einen modern orientierten Zweig. Die traditionell ausgerichteten konservativen Islamanhänger  lehnten strikt jegliche Westorientierung ab.  Einige von ihnen wie Mustafa Sabri

waren für eine Aufteilung der Welt  nach  Daral Islam (Haus des Islams) und Daral Harb (Haus der Islamfeinde). Sie lehnten Künste wie Theater, Malerei und Bildhauerkunst ab. Die modernistischen Islamanhänger blieben jedoch nicht sonderlich der Tradition treu  und zeigten Interesse für die zeitgenössische Zivilisation. Daher suchten sie nach einer Möglichkeit, zwischen den Glaubensgrundsätzen der Religion und den Errungenschaften moderner Wissenschaft einen Kompromiss zu finden  und die islamische Rechtsordnung den Bedürfnissen die aus dem modernen gesellschaftlichen Leben entstehen, anzupassen.

Während des Unabhängigkeitskrieges in der Türkei, der 1919  nach dem Ersten Weltkrieg begann und zur Ausrufung der Republik im Jahre 1923 führte, äußerte sich das   Islamische Erwachen in Form des Anschlusses an die Gesellschaft zur Verteidigung der Rechte Anatoliens und Rumeliens (osmanische Gebiete in Europa) und Teilnahme an den Befreiungskämpfen gegen die westlichen Besatzerkräfte.  Die Anführer der erstgenannten Gesellschaft , zu denen auch Mustafa Kemal gehörte, behalfen sich des Islams, um die muslimischen Volksmassen für den Kampf und die große Nationalkoalition zu gewinnen.  Sie erklärten die nationale Befreiungsbewegung zum „Heiligen Dschihad“.  Deshalb schlossen sich viele religöse Bürger, Theologiegelehrten und Scheichs dieser Bewegung an.

1920 , als  die Türkei in Kriege verwickelt war und das Osmanische Reich unterging, entstand die neue Türkei mit einer republikanischen Ordnung.  Dies war auch die Zeit der Zwangsmodernisierung und der Trennung der Religion von der Regierung. Diese Ziele wurden unter Mustafa Kemal (Atatürk) massiv umgesetzt und diese Politik wurde bis circa 1950 betrieben.  In diesen Jahren sind Aufstände mit islamischen Charakter gegen die Regierung zu beobachten. Der berühmteste von diesen war der von Scheich Said Piran im Jahre 1925.

 

Durch die Gründung der Demokratischen Partei im Jahre 1946 kam es zu einem Wendepunkt in den Entwicklungen der Türkei, denn diese Partei stellte die Frage der Religions- und Gewissensfreiheit und die Förderung des Religionsunterrichts auf ihr politisches Arbeitsprogramm.  Um die Unzufriedenheit der religiösen Bürger abzubauen und Wahlstimmen zu gewinnen, hat die Demokratische Partei außerdem Erleichterungen für sie wie das Recht auf die Hadschreise, auf Wahl des Religionsunterrichtes an den Schulen und der Gründung von Theologiehochschulen eingeräumt und das Verbot für Husseini-Trauerstätten aufgehoben.  Der Sieg dieser Partei bei den Wahlen 1950, 1954 und 1957  mit hoher Stimmenzahl hat erheblich zur Reduzierung des Drucks , den die Laizisten auf die Überzeugungen der türkischen Bevölkerung ausübten, beigetragen.

 

Mit Beendigung des Ein-Parteien-Systems in der Türkei und Machtübernahme durch die DP  wurden die Moscheen wieder stärker besucht. Viele Moscheen wurden renoviert oder restauriert und neue wurden gebaut.  An öffentlichen Stätten und Plätzen erschienen wieder religiöse Inschriften auf Arabisch, nachdem sie lange aus der Öffentlichkeit verbannt worden waren. Die Diskussion um die Trennung von Politik und Religion brach ab und in der Presse wurden wieder religiöse Fragen angeschnitten.  Doch  wegen einer politischen Sackgasse, in die die Regierungspartei wegen nicht mehr aufzuhaltendem  Wirtschaftsbankrott geraten war, kam es schließlich im Mai 1960 zu einem Militärputsch und die Demokratische Partei stürzte nach 10-jähriger Regierungszeit.

 

Die pro-islamischen  Gruppen betraten  1970 mit Gründung der Nationalen Ordnungspartei  erneut offen die Parteienlandschaft. Die Nationale Ordnungspartei, welche eine „muslimische Türkei“  anstrebte, konnte schnell 44 Mandate im Parlament für sich bestimmen. Aber sie konnte sich nur ein Jahr halten. Im März 1971 wurde sie wegen Verfolgung von religiösen und anti-laizistischen Plänen aufgelöst.  Das Erscheinen dieser Partei auf der politischen Szene war aber ein Wendepunkt in der Geschichte des politischen Islams in diesem Land. Ihr folgten später weitere  pro-islamische Parteien.

 

Necmettin Erbakan, der an der Technischen Universität von Istanbal lehrte und die Union der Handels- und Industriekammern und Börsen der Türkei leitete, war der Gründer und geistige Führer der Nationalen Ordnungspartei gewesen. Nach Auflösung dieser Partei bildete  er 1973 die Nationale Heilspartei. Seine Partei konnte 48 Sitze im Parlament für sich bestimmen, die drittstärkste Partei im Parlament werden und eine Sonderposition erreichen.  Erbakan wurde zum Vize des damaligen Premierministers Bülent Ecevit gewählt.  Auf diese Weise fanden einige Mitglieder der nationalen Heilspartei Zugang zur Regierungsebene.

Erbakan gilt in der Türkei als Vater der Islambewegung. Er  führte die Missstände in diesem Land auf die laizistische Ära unter Atatürk (Mustafa Kemal)  zurück, die in der Herrschaft der Ungläubigen über die Gläubigen mündete. Erbakan war der Meinung, dass die altbewährten moralischen Eigenschaften und die Spiritualität in der türkischen Gesellschaft erneut aufgebaut werden müssten. Während des Militärputsches im September 1980  hat die Partei inspiriert von der islamischen Revolution im Iran Demonstrationen organisiert, so dass Erbakan verbannt wurde und seine Partei für aufgelöst erklärt wurde. Aber nach seiner Rückkehr und Freilassung aus dem Gefängnis, gründete er wieder eine Partei: die Wohlfahrtsspartei. In den 80iger Jahren  fand das religiöse Lehrwesen einen außergewöhnlichen Aufschwung in der Türkei und  die Zahl der Schüler, die eine religiöse Schule besuchten, nahm enorm zu.  Auf diese Weise war

die Grundlage für das Heranwachsen einer neuen Generation von pro-slamischen Politikern für die Ausübung eines Einflusses auf den politischen Prozess in der Türkei in den darauffolgenden Jahrzehnten geschaffen.

 

Die Wohlfahrtspartei siegte im Dezember 1995 mit relativer Mehrheit und ihr islamfreundlicher Führer Arbakan bildete nach einigen Monaten zum ersten Mal das Regierungskabinett. Aber die herrschenden Militärs  wollten seine Politik nicht dulden und setzten ihn 1997 wieder ab. Bald darauf wurde auch die Wohlfahrtspartei aufgelöst. Die Gleichgesinnten Arbakans  gründeten aber die  pro-islamischen Parteien Fasilat, Saadat und schließlich  die Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung. Letztere übernahm  unter Anführung von Reccep Tayyip Erdogan 2000 die Macht.  Das Konzept von Erdogan wurde aber  teilweise von Erbakan kritisiert.

Laut Medienberichten haben islamische Zeichen wie die islamische Bekleidung, Koranlehrgänge auf Arabisch in den Schulen, und religiöse Programme im Fernsehen und Radio in der Türkei zugenommen.

Die pro-islamischen Parteien gelten  als Beispiel für die Bewegung des Islamischen Erwachens in der Türkei.  Diese Entwicklung  stand  in Wechselbeziehung zu den politischen Entwicklungen im Inland, der Region und auf Weltebene , wie zum Beispiel dem Scheitern des Kommunismus, der Globalisierung und der Islamischen Revolution im Iran.

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