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Sonntag, 27 April 2014 08:48

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 89)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 89)
Wir haben in einigen Beiträgen über das Islamische Erwachen der letzten 200 Jahre in der Arabischen Welt gesprochen und die Denkweisen von Sayyid Dschamal ad Din Asadabadi, Sayyid Qutb, ebenso wie Tahtawi und Tunesi, Hassan Al Banna und die Muslimbruderschaft, die alle auf ihre Weise Einfluss auf diese Erwachung nahmen, vorgestellt. In diesem Teil möchten wir
uns nun den Erhebungen und Bewegungen, die sich im Rahmen der Islamischen Erwachung im Iran ereigneten, zuwenden.

 

 

Die beiden letzten Jahrhunderten bilden wegen der Wandlungen, die politisch und wirtschaftlich, gesellschaftlich und in Bezug auf die Religion eintraten, wichtige Abschnitte in der iranischen Geschichte. Sie werden als zeitgenössische Geschichte Irans verstanden. Diese Ära beginnt mit der Dynastie der Quadscharen im Jahre 1794 n. Christus.

Obwohl der Iran sich in einiger Entfernung zu Europa befindet, welches damals  Brennpunkt der Konkurrenzkämpfe zwischen den politischen Mächten war, zog der Iran unter den Qadscharen, verstärkt die Aufmerksamkeit von Kolonialmächten auf sich. Dies lag daran, dass Iran in der Nähe von Indien lag und Indien damals den Engländern Machteinfluss , Reichtum und weltweit politischen Respekt verschaffte. Iran aber wies Schwächen in der Politik und Wirtschaft auf und daraus entwickelten sich auf die Dauer ungleiche politische Beziehungen. Dem Iran wurden kolonialistisch geprägte Verträge aufgehalst und wichtige Teile im Norden und Osten des Landes gingen ihm verloren.  Die Wirtschaft im Iran wurde ein fremdabhängiges System, das einer kapitalistischen Ordnung nahekam.  Diese Zustände in der Politik riefen gemeinsam eine Erwachungsbewegung aufgrund des Islams und zur Konfrontation mit den Imperialisten hervor.

 

Nachdem die Qadscharen an die Macht gelangt waren, ergaben sich anfangs die Möglichkeiten für religiöse Persönlichkeiten, die  Gesellschaft geistig zu führen. Bei diesen Kompetenzen  handelte es sich insbesondere um  die Mardscha`Taqlid – die Vorbilder der religionsrechtlichen Nachahmung.  Ein wichtiger Grund für diese Entwicklung war der Wandel in den schiitischen Theologiezentren und die dortige Wiederbelebung der dynamischen Methode zur selbständigen religiösen Rechtsfindung (Idschtihad). Die Methodik der Idschithad-Lehre wurde von dem iranischen Gelehrten  Molla Baqir Behbahani, auch als Wahid Behbahani bekannt, wiederbelebt.  Die Bedeutung seines Werkes besteht darin, dass einige seiner Schüler große Instanzen  der religionsrechtlichen Nachahmung wurden , die die Islamische Erwachungsbewegung entscheidend beeinflussten.  Aus seinem theologischen Lehrkreis gingen Persönlichkeiten wie Molla Mahdi und Molla Ahmad Naraqi (geb. 1771), Scheych Dschafar Kaschif Al Ghata` (verst. um 1813), Agha Sayyid Ali Tabatabai (geb. 1866) , Hadsch Mohammad Ibrahim Kalbasi, Sayyid Mohammad Mahdi Bahr ul Ulum (circa 1742 bis ca. 1798) und Mirza Qumi (circa 1738 bis  ca. 1816) hervor.

 

Die schiitischen Religionsgelehrten gingen tatkräftig gegen die Fremdbeherrschung und Ausbeutung vor. In der modernen revolutionären Denkweise der Schiiten wurden Interpretationen ,  die zur Ruhe, Passivität und Kapitulation einluden, beiseite gestellt. An ihrer Stelle trat der revolutionäre Geist des Kampfes und Widerstandes.

Die Religionsgelehrten leisteten  im Kampf gegen die Fremdmächte einen sehr wichtigen Beitrag. Sie betraten zwischen den beiden russisch-iranischen Kriegen im Jahre 1813 bis 1826 die Arena im Kampf gegen die Russen. Die Russen schikanierten die Muslime und belästigten die muslimischen Frauen. Sie beschlagnahmten muslimisches Eigentum . Daraufhin schickte die Bevölkerung Boten zu den kampfbereiten Religionsgelehrten in Nadschaf und baten um Rat und Hilfe.  Zum Beispiel haben die Bürger von Karabach, welches Iran aufgrund des Golestan-Vertrages 1813 an das russische Zarenreich verloren hatte, ebenso wie die Bürger von Gandschah (Stadt in der heutigen Republik Aserbaidschan) welches ebenfalls durch diesen Vertrag an Russland abgetreten wurde, jemanden zu Agha Sayyid Mohammad Isfahani und  anderen iranischen Gelehrten, die in den heiligen Pilgerstädten im Irak lebten und wirkten, geschickt und forderten deren Hilfe zur Befreiung aus der Faust der Russen.

Während der Kriege Irans gegen Russland Anfang des 19. Jahrhunderts riefen die schiitischen Religionsgelehrten daher zum Dschihad auf.

Die rasche Reaktion der schiiitschen Gelehrten war Zeichen dafür, dass ihre Zuwendung zur Islamischen Erwachung begonnen  und ihre Überzeugung gewachsen war, dass die Beeinflussung der Politik durch sie notwendig ist.  Daher beteiligten sich die Gelehrten zusammen mit den Militärs und der Bevölkerung an dem Kampf gegen die Russen.  Religionsgelehrte wie Ayatollah Sayyid Mohammad Mudschahed, (geb. Circa 1766)  Mulla Mohammad Dscha`far und Sayyid Nasrullah Istarabadi nahmen direkt und aktiv an diesem Kampf teil, ebenso wie Mohammad Taqi Qaswini (ermordet um 1847) und Molla Ahmad Naraqi Kaschani und weitere.

 

 

Die Entfaltung des schiitischen Denkens auf der Grundlage der Idschtihad-Schule verstärkte ihre Wirkung auf die Fortsetzung des Islamischen Erwachungsprozesses. Nach Beendigung der russisch-iranischen Kriege im Jahre 1828 bis zur Tabak-Bewegung im Jahre 1890  ist aber eine Art Stagnation festzustellen, die jedoch nur äußerlicher Natur war. In Wirklichkeit  befand sich die  Bewegung , die nach Reformen und der Wiederbelebung religiösen Denkens strebte, in einer Vorbereitungsphase. Unterdessen waren die Engländer in dieser Zeit bestrebt, durch Ermutigung und Hervorrufung von   atheistischen und anti-religiösen und säkularen geistigen Strömungen und durch Verbreitung des Freimaurertums den Prozess der Islamischen Erwachung im Iran zu stoppen.

 

Es war in dieser Zeit eine Aufgabe und Herausforderung für die Religion,  gegen die Hervorrufung von Sekten durch den Imperialismus anzugehen.  Mit ihrer Politik haben die Imperialisten den Schiiten schaden und unter ihnen spalten wollen, was das Sektierertum förderte.  Die „Baab“-Intrige war der Versuch, der Überzeugung vom Erscheinen des verheißenen Imam der Zeit (Mahdaviat) und der Vorbereitung seines Erscheinens  einen Schlag zu versetzen.  Die Gründung der Sekte der Babisten durch Ali Mohammad Baab sollte dieser Absicht dienen. Die babistische Sekte spaltete sich nach einiger Zeit in die Azali (welche Anhänger des Yahyah Subh-i Azal waren) und die Bahai (welche Mirza Hussein Ali Baha folgten) auf. Die russischen Fremdherrscher unterstützten die Azali und die englischen Imperialisten die Bahai.

Wir berichten ihnen beim nächsten Mal über den weiteren Werdegang des Islamischen Erwachens im Iran.

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