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Dienstag, 30 Oktober 2012 13:35

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 79)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 79)
  Vielleicht ist für Sie, liebe Freunde, während der Schilderung der Glanzära der islamischen Kultur und Zivilisation die Frage aufgetaucht, wie es zu der Rückständigkeit unter den Muslimen kommen konnte.  Wir sagten bereits, dass die islamischen Länder
im Laufe der Geschichte einigen tragischen Ereignissen begegneten, die die geistige, wirtschaftliche und kulturelle Entfaltung  in diesen Gesellschaften nachteilig beeinflussten.  Aber einige Denker sehen im westlichen Imperialismus den eigentlichen Grund  dafür, dass die muslimischen Gesellschaften heute zurückgeblieben sind. Wir möchten in diesem Teil der Reihe Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte, die  zerstörenden Faktoren, die das Weiterkommen der muslimischen Länder verhinderten, betrachten.

 

 

 

Ab dem 15. Jahrhundert nach Christus kam es zur Entstehung großer westlicher Mächte. Einige dieser Mächte verwandelten sich aufgrund des Interesses an der Nutzung der natürlichen Ressourcen anderer Staaten, darunter auch der islamischen, in Kolonialmächte.  Sie machten die anderen Ländern zu ihren Kolonien. Einige  sehen zwischen der Geschichte der Kolonisation und des Imperialismus eine Parallele zu der Antike , in der das Römische Reich in Europa, im Nahen Osten und in Afrika Kolonien besaß.  Doch die eigentliche Kolonialisierung begann im 15. Jahrhundert. Mächtige Länder jener Zeit wie Portugal, Holland, Frankreich, England und Spanien errichteten zahlreiche  Kolonien in Afrika, Asien, und Nord-und Südamerika.

 

Die westlichen Kolonialmächte vertraten die Ansicht, einige Völker seien unzivilisiert und es sei ihre Aufgabe, diesen Ländern Kultur und Fortschritt zu überbringen. Daher waren sie bestrebt das Bildungs- und Kultursystem und die Zivilisation dieser Länder zu schwächen und durch ihre eigene Kultur und Lehren  zu ersetzen.

Die Europäer hatten sich in der Seefahrt und im Schiffsbau weiterentwickelt und konnten neue Seewege und neue Gebiete entdecken und ihr Machtrevier ausdehnen.  Aber die Anwesenheit einer Kolonialmacht in einem Gebiet konnte nicht von Dauer sein, wenn sie keine Erklärung für ihre Präsenz zur Hand hatte und nicht die erforderlichen Änderungen vornehmen konnte.  Deshalb bestand die Kolonialpolitik darin, verändernd auf das Leben in den anderen Ländern zu wirken.

 

 

Der Imperialismus musste zur Vorherrschaft über die anderen Länder deren Politik, Kultur und Wirtschaft unter seine Kontrolle bekommen. Unter dem politischen Imperialismus kann man die Einmischung eines fremden Landes verstehen, die so weit ausgedehnt wird, dass die Regierung  der Kolonie dem Willen der Kolonialmacht gehorcht.  Die Imperialisten konnten nicht ohne weiteres die anderen Länder, insbesondere Länder der dritten Welt betreten. Zunächst haben sie mit Hilfe ihrer Militärkräfte in den Zielländern Stützpunkte errichtet. Wenn die Zentralregierung in dem jeweiligen Land im Gegensatz zu ihren Interessen handelte, haben sie ihr gedroht.  Die politische Kolonialisierung war die Einleitung zur Kolonialisierung der natürlichen und menschlichen Ressourcen. Mit anderen Worten , nachdem die Kolonien politisch gesehen in die Hand der Kolonialmächte geraten waren, wurden sie zu Märkten für Waren , Rohstoffe, menschliche Arbeitskraft, und zu einem Ort für   günstige Investitionsmögichkeiten und militärische Stützpunkte umgewandelt.

 

Die erste Phase der Kolonialisierung bestand in den Reisen europäischer Seefahrer wie Christoph Columbus. Sie hielt bis 1760 nach Christus an.  Durch militärische Siege, Einwanderung und Ansiedlung gerieten zahlreiche Gebiete auf dem amerikanischen Kontinent in die Hände der Europäer. Die ersten imperialistischen Raubzüge in Asien wurden von den europäischen Handelsfirmen nach Absprachen mit ihren Regierungen oder auf deren direkten Anweisung unternommen.

In der zweiten Phase von 1763 bis 1870 nach Christus verlangsamte sich die Ausdehnung des Imperialismus, denn die Europäer waren mit internen Dingen wie Verbreitung des Nationalismus und Liberalismus sowie der Industrierevolution beschäftigt.

 

1870 begann schließlich die dritte Phase, die bis zum Ersten Weltkrieg andauerte. In dieser Phase schlug der Imperialismus erneut Wellen, die  Afrika und viele Teile des Fernen Ostens überrollten.  In dieser Phase errichteten die Industriestaaten in den kolonialisierten Ländern Märkte für den Verkauf  der eigenen  Produkte.

 

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges setzte  die Machtabnahme der Kolonialmächte ein. Es kam zu patriotisch geprägten Revolutionen in den Kolonien und die meisten Imperien zerfielen. Zum Beispiel ist der Kongo die wichtigste Kolonie Belgiens gewesen. Die Belgier  herrschten dort ab 1885. Aber aufgrund zahlreicher Aufstände war Belgien schließlich 1960 gezwungen, die Unabhängigkeit des Landes anzuerkennen.  Frankreich beherrschte seine Kolonien von Paris aus und hatte nicht vor, sie zu räumen. Aber nach den  Volkskämpfen in Indochina und Algerien, die mit großen Verlusten einhergingen, konnten die kolonialisierten Länder ihre  Unabhängigkeit zurückgewinnen.

Eine andere große Kolonialmacht ist England gewesen. England ließ seine Kolonien, zum Beispiel Indien, durch Engländer  verwalten. Nach dem Ersten Weltkrieg bis zu Beginn des Zweiten setzte die indische Bevölkerung jedoch ihren Willen zur Selbstverwaltung ihres Landes immer mehr durch, bis sie die Unabhängigkeit feiern konnte.

 

Ein weitere Art der Kolonialisierung ist die Kolonialisierung im Bereich der Kultur. Sie bedeutet, dass eine Gesellschaft dazu gedrängt wird, die Zivilisation, Ideologie und Kultur einer anderen Gesellschaft anzunehmen. Die Kolonialmächte haben in Form von ausgeklügelter Kulturpolitik versucht, die Kriterien und Grundsätze ihrer eigenen Gesellschaft der Gesellschaft in den Kolonien aufzuzwingen, damit sie die dortige Gesellschaft geistig beherrschen können. Da die Sprache ein Träger der Kultur ist wurde diese bei der kulturellen Kolonisierung als wichtiges Instrument eingesetzt. Die Kolonialmächte waren ebenso bestrebt, durch Missionare die Religion in den Kolonien zu ändern. Daher geriet die Gesellschaft in einer Kolonie in eine Art Kulturkrise und verlor mit der Zeit ihr geistiges Kulturerbe aus der Hand.  In einer weiteren Phase der Kolonialisierung zwang die Kolonialmacht quasi dem kolonialisiertem Land die eigene Zivilisation auf und trieb es in die Selbstentfremdung. Auf diese Weise verhütete die Kolonialmacht einen  bodenständigen Wandel.

 

Die stärkste Seite des Kolonialismus ist die wirtschaftliche.  Auf dieser Ebene war  der Imperialismus bestrebt, die Kolonien in bezug auf Industrie und Agrarkultur in die wirtschaftliche Abhängigkeit zu treiben. Vom 15. bis 18. Jahrhundert herrschte in Europa ein besonderes Wirtschaftssystem namens Merkantilismus. Merkantilisten waren Geschäfts- und Handelsleute, die  mehr an der Anhäufung von kostbaren Metallen  als an der Gewinnung von Agrarprodukten interessiert waren. Ihre Gegner  waren der Ansicht, dass der Reichtum eines Landes nicht nur aus Edelmetallen besteht und Gold für sich alleine kein Reichtum ist. Aber die Merkantilisten übergingen die Tatsache, dass kein Land auf die Dauer ohne Produktion von Nahrung weiterbestehen kann.

 

Eine weitere Form des Imperialismus kam nach dem Zweiten Weltkrieg auf. Er wird auch Neokolonialismus genannt.  In dieser Ära scheinen die Länder, deren Weiterentwicklung verhindert wurde, auf den ersten Blick politisch unabhängig, aber hinsichtlich der Wirtschaft sind sie in Wahrheit in großem Ausmaße von den Imperialisten abhängig. Im Neokolonialismus  sind die Bedingungen beim Warenaustausch zum Nachteil der unabhängig gewordenen Länder.  Die Wirtschaft dieser Länder hängt von den Krediten, die ihnen die Industriestaaten geben, und von der Investition ausländischer und multinationaler Unternehmen ab. Ein großer Teil des Reichtums und Einkommens dieser Länder  fließt als Investitionsgewinne oder als Kreditzinsen ins Ausland zurück.  Die neuen Methoden der Kolonisation, die in diesen Ländern angewandt werden, haben den ehemaligen Kolonien schwerwiegende Probleme wie zum Beispiel Riesenschulden und eine Verarmung der Bevölkerung aufgebürdet, so dass der Lebensstandard in diesen Ländern sank.

 

 

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