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Montag, 29 Oktober 2012 04:03

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 78)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 78)
  Im letzten Teil haben wir von dem erneuten Aufschwung für die Islamische Zivilisation unter den Osmanen und den Mongulen berichtet. Diesmal geht es um die erneute Entfaltung der Islamischen Zivilisation während der iranischen Safawiden-Dynastie. Ab 907
nach der Hidschra (1501 nach Christus ) haben die Safawiden für 200 Jahre im Iran regiert. Die Safawiden waren die ersten in der iranischen Geschichte, die inspiriert von den schiitischen Lehren ein System errichteten, welches langfristige Wirkung auf die iranische Geschichte in der Islamische Ära hatte. Zuvor hatten 8 Jahrhunderte lang Fremde im Iran geherrscht, aber die Safawiden riefen wieder die iranische Identität ins Leben zurück. Sie gründeten ein unabhängiges Land, dessen geografische Grenzen in etwa bis heute bestehen geblieben sind und das für ein Volk mit islamisch-iranischer Identität steht.

 

 

Die  safawidische Herschaft zeichnete sich dadurch aus, dass der schiitische Glaube zur offiziellen Religion Irans wurde, Handel , Landwirtschaft und Handwerk eine Entfaltung erfuhren, die Kunst sich weiterentwickelte, ein geordnetes Heer gebildet und eine starke Außenpolitik betrieben wurde. Daher hat dieser Abschnitt in der Geschichte Irans mehr als andere Epochen westliche Forscher und insbesondere Iranisten auf sich aufmerksam gemacht. Zur Zeit der Safawiden insbesondere unter Schah Ismail, Schah Tahmasp und  Schah Abbas I fand die islamische Kultur im Iran zu einer beachtlichen Weiterentwicklung.

 

 

Eine der Strategien der Safawidenherrscher für die Entfaltung des Islams bestand darin, dass sie den schiitischen Glauben im Iran zur offiziellen Religion erklärten. Zur Verbreitung der schiitischen Rechts- und Denkschule in der Gesellschaft war es notwendig, die schiitischen Gebote und Lehren zu stärken.  Zu diesem Zweck luden die Safawidenkönige die schiitischen Gelehrten in Dschabal Amil (Libanon ) und Bahrain in den Iran ein. Unter Schah Ismael kamen Religionsgelehrte wie Muhaqiq Karaki in den Iran und übten Einfluss auf die Kultur, Religion und Politik aus. Die Religionsgelehrten aus Dschabal Amil übertrugen ihr Denken und Wissen auf verschiedenen Gebieten auf eine Generation von iranischen Rechtsgelehrten, welche später politische Aufgaben im safawidischen Staat übernahmen.

 

Die Etablierung der schiitischen Rechtsschule als offizielle Religon,  welche sich zum ersten Mal in der islamischen Geschichte des Irans ereignete, gab den Schiiten Auftrieb. Insbesondere wurden die Gelehrten und Geistlichen angespornt, in den Iran umzusiedeln.  In den Einwanderungsgebieten wurden Sprachlehrgänge für Farsi eingerichtet. Einige Einwanderer  wie Scheych Bahai erlernten die persiche Sprache so gut, dass sie in dieser Sprache unvergessliche   Werke der Prosa und Dichtung hervorbrachten.

 

 

Unter den Safawiden machten die Literatur, die Medizin, die Pharmazie und weitere Wissenschaften gute Fortschritten. Die Kunst entfaltete sich. Verwaltungsstrukturen wurden ausgebaut und die Militärausrüstung weiterentwickelt.

Unter  Schah Tahmasp prägten politische und religiöse Bedingungen die Dichtung und Literatur. Die Dichtung von Elegien  fand Verbreitung  . Die Würdigung der Edlen aus dem Haus des Propheten wurde zum Hauptgegenstand der Poesie. Dafür zeugt exemplarisch das Qasidah des Mohtascham Kaschani über den Heldenkampf von Karbala. Dieses diente anderen Dichtern als Ansatz für ihre Werke zur Würdigung und zum Gedenken an die Leiden der Ahl Bait (a.s.) – aus dem Haus des Propheten.

Die Safawidenkönige haben parallel zur Verbreitung des Schiitentumes und zur Einladung von schiitischen Gelehrten, sich für den Bau von theologischen Schulen und geeignete Grundlagen für die Lehre des Religionswissens eingesetzt. Die schiitischen Gelehrten die in den Iran kamen, siedelten in Städten wie Schiras, Tabris, Qazwin, Maschhad , Qum und Isfahan an und die Safawidenherrscher ließen dort zahlreiche Moscheen und Mudares errichten.  Dank der Tätigkeit der Gelehrten in den theologischen Mudares erweiterte sich das schiitische Religionswissen. In dieser Zeit erreichten die Koranauslegung, die Hadithologie (Kunde von den Überlieferungen) und das Fiqh (die islamische Jurisprudenz)  ihren höchsten Stand. Es entstanden zahlreiche wertvolle Werke in diesen wissenschaftlichen Fächern und viele Schüler wurden auf disen Gebieten ausgebildet.

 

 

Die Isfahaner Philosophieschule fand unter den Safawiden mit Mirdamad, Mula Sadra und deren Schüler zu einer wichtigen Weiterentwicklung. Die Lehren des Sohreverdi erlebten eine Glanzzeit und das rationale Leben des Islams wurde tief davon beeinflusst. Auch gelangte die Medizin zu außerordentlicher Bedeutung. Es wurde der Kanon der Medizin des Ibn Sina (Avicena) in der Medizin gelehrt und die Berufsbezeichnung Hakim Baschi bürgte für das Ansehen eines Medizinischen Gelehrten. Auch in der Anfertigung von Arzneien kam es zu wichtigen Errungenschaften. Ebenso führte man verschieden chirurgische Eingriffe durch.

 

Die Baukunst während der Herrschaft der safawidischen Könige führte qualitativ und quantitativ  einen Wandel herbei.  Die Stadt Isfahan ist ein Museum safawidischer  Architektur. Die Bezeichnung Isfahan als "die halbe Welt" scheint auf  diesen Wandel in der Kunst, insbesondere der Architektur, zurückzugehen.  Das Teppichknüpfen und das Weben von Stoffen fand in der Safawidenepoche speziell in Isfahan weite Verbreitung.  Besondere Aufmerksamkeit erfuhr auch das Kunsthandwerk der Töpferei. Außerdem fand auch die westliche und europäische Kunst Beachtung und wurde genutzt, z.B.  die Anfertigung von Uhren. Der französische Weltenreise Jean-Baptiste Tavernier berichtet in seinen Reiseerinnerungen über Rudolf Stadtler, den der Safawidenkönig Safi I. , der von 1629-1642 regierte, in den Iran eingeladen hatte. Dieser Schweizer Uhrmacher aus Zürich kam nach Isfahan, um dort tätig zu werden. Er fertigte im Iran eine Art Wecker an. Das Handwerk des Uhrmachers wurde in der Safawidenzeit auch im Iran üblich.

Zudem wurde  die militärische Rüstung weiterentwickelt.  Nachdem Iran in einigen Kriegen wie dem Krieg bei  Chaldaran (iranisches nördlichen West-Aserbaidschan) von der gut ausgerüsteten osmanischen Armee besiegt worden war,  wurde die Notwendigkeit einer strukturellen Veränderung der Armee besonders deutlich. Deshalb waren die Safawidenherrscher bestrebt, sich zur  Wahrung ihrer regionalen Position  die neuesten Waffen zuzulegen und anfertigen zu lassen. Mit Hilfe Abbas I. wurde ein starke Armee aufgebaut, die erfolgreich bei internen und externen Konflikten agierte.

 

 

Mit Gründung der Safawiden-Dynastie und ihrer Festigung  kam es zu einer Erneuerung der nationalen und religiösen Identität der Bevölkerung. Die Safawidenherrscher haben mit politischen Fingerspitzengefühl und Überlegung das Brauchtum dieses Volkes  in der Geschichte verewigt.  Ihnen ist es zu verdanken, dass alle Völker und Volksstämme im Iran wieder in den ersten 13 Tagen des Farwardins zum Noruzfest und Frühlingsanfang feiern und in den ersten 10 Tagen des Muharam-Monats  anlässlich des Märtyrertodes Imam Husseins und seiner Gefährten trauern.

 

Durch die geeigneten Maßnahmen der Safawidenherrscher in verschiedenen Bereichen  enstand ein homogener, vereinter Iran. Iran wurde zu einer souveränen Macht in der Region und gegenüber einigen europäischen Ländern, wie Portugal, welche nach  Plünderung der Schätze des Landes trachteten.

 

 

 

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