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Montag, 29 Oktober 2012 03:59

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 77)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 77)
ِِ‎   Nach vorübergehender Unterbrechung der Islamischen Zivilisationsära durch Ereignisse wie die Kreuzzüge, den Mongoleneinfall und den Untergang des andalusischen Kulturreiches, kam es im 10.bis 13. Jahrhundert nach der Hidschra (16. Bis 19. Jahrhundert nach Christus) wieder zu einer Blütezeit.
Die islamische Kultur erfuhr unter den Osmanen, im Mogul-Reich (Gurkanian)  und unter den Saffawiden erneut eine Entfaltung.

 

 

Ein Teil des erneuten Aufstiegs der Islamischen Zivilisation fällt in die Zeit der Osmanen. Die wichtigsten Teile des Osmanischen Reiches waren in dieser Zeit die heutige Türkei, ein großer Teil der Balkan-Halbinsel, Süd- und Zentralgriechenland, Schaam (damaliges Syrien) , Ägypten und Hidschaz . Bis auf Hidschaz auf der arabischen Halbinsel, mit Mekka und Medina waren die anderen Gebiete ein Zeitlang in der Hand christlicher Herrscher gewesen. Aber ab dem 5. Jahrhundert nach der Hidschra (circa. 11. Jahrhundert nach Christus) waren sie nach den Feldzügen der Kreuzritter wieder in die Hände der Muslime zurück gelangt. Ein großer Teil der christlichen Einwohner in diesen Gebieten sind im Laufe der 3 Jahrhunderte zum Islam übergetreten und die verbliebenen Christen konnten unter den Osmanen in friedlicher Co-Existenz mit den Muslimen leben und besaßen ihre eigenen  Anbetungsstätten.  Dies hatte auch den Vorzug, dass die europäischen Herrscher nicht das Verhalten der osmanischen Herrschern gegenüber der christlichen Gemeinde als Argument für eine Einmischung in die Angelegenheiten des Osmanischn Reiches zur Hand hatten.

 

Als sich die  Osmanen auf dem Höhepunkt ihrer Macht befanden, nämlich vom 14. Jahrhundert bis zur zweiten Hälfte des 17.  Jahrhunderts nach Christus, insbesondere unter ihren Sultanen Osman I, Orhan I, Murad II, und ganz besonders unter Sultan Muhammad Fatih (Mehmed II, "der Eroberer") wurden die  Osmanen rasch zu einer militärischen und politischen Großmacht. Eine Errungenschaft der Osmanen war, dass sie bei der Ausdehnung ihres Reiches trotz ihrer Siege, Massaker und Plünderungen vermieden.  Mehmed, der Eroberer gewährleistete den Christen Schutz für ihr Leben und ihre Religion. Er  beließ einen Teil der christlichen Anbetungsstätten und erlaubte den Christen den Bau von wissenschaftlichen und religiösen Stätten und Bibliotheken.  Viele Juden (die als Marranen galten) waren wegen dem Ausbruch der Judenfeindlichkeit in europäischen Ländern, insbesondere in Spanien und Portugal, nach Osmanien ausgewandert.

 

Die islamische Zivilisation verzeichnete in Kultur und Wirtschaft,  in der Politik und aus militärischer Hinsicht Fortschritte. Die Armee, wurde zum ersten Mal mit Schusswaffen ausgerüstet und die Marine wurde aufgebaut. Mehmed "der Eroberer"  schloss mit verschiedenen Ländern Verträge für den Seehandel.  Zum Beispiel mit Venedig. Aufgrund seines Vertrages mit Venedig konnten die Handelsschiffe aus Venedig ungehindert die Dardanellen passieren. Mehmed II oder Sultan Muhamamd Fatih förderte ebenso die Landwirtschaft und Viehzucht und sorgte für eine Verbesserung des Lebensnivaus in den eroberten Gebieten. Er ließ viele Handelszentren errichten.  Die drei  politischen Verwaltungssitze der Osmanen waren die Städte Bursa, Edirne und Istanbul. Für die Entfaltung von Kunst und Handwerk wurden große Städte gewählt und die besten Künstler aus den verschiedenen Gebieten wurden dorthin geholt.  Es entstanden viele Karawansereien und überdachte Bazaare.  Durch besondere Aufsichtsorgane wurde das Bazaargeschehen überwacht und auf diese Weise Finanz- und Währungskrisen  vorgebeugt. Die geringe Beziehung zu den Weltmärkten war ebenso ein Faktor, der die inländische Wirtschaft und Währung schützte. Deshalb gab es ein relatives Wohlergehen in der muslimischen    Gesellschaft dieser Ära.

 

 

Das Schul- und Lehrsystem im Osmanischen Reich verschaffte der Religion und den religiösen Persönlichkeiten eine angesehene Position  unter der breiten Masse.  Seit Beginn des Islams hatten die Religionsgelehrten erfolgreich die Institutionen für Lehre und Erziehung geleitet.  In der osmanischen Gesellschaft oblag es der Familie,  die Kinder mit den elementaren sozialen Regeln vertraut zu machen.  In der Stadt und auf dem Dorf gab es Schulen und die höhere Ausbildung erfolgte in den großen Moscheen oder den Mudares (Theologieschulen).  Zu den Bauwerken berühmter Architekten gehörten die  Dar ul Qirat – Schulen und die Dara al Sibiyan (Kinderschulen).  Wegen Verbreitung der theologischen Schulen in den großen Städten des Osamischen Reiches nahm auch die Zahl der Religionsgelehrten zu.

 

Zu Beginn des 17. Jahrhundert wurden die diplomatischen und Handelskontakte der Osmanen zu den europäischen Ländern ausgebaut und einige europäische Ländern besorgten sich aus den osmanischen Gebieten Dinge, wie Leder, Lebertran, Naturfasern, kalte Waffen und Dekorgegenstände.

 

Die Konflikte des osmanischen Reiches inbesonders mit den Safawiden im Iran, hatten zur Folge, dass sie im 17. Jahrhundert in eine Finanzkrise gerieten. Dies war zugleich der Beginn einer Serie von Niederlagen in diesem Jahrhundert gegenüber den europäischen Mächten. Ende des 17. Jahrhunderts ging die Regierungsmacht der Osmanen wegen Erstarkung von europäischen  Ländern, insbesondere Frankreich, England und Russland   zurück und schließlich wurden die osmanischen Herrscher ab dem 18. Jahrhundert  praktisch zum Spielball der Diplomatie  politischer Mächte.

 

Ein anderer Abschnitt der erneuten Erfolge der Islamischen Zivilisation fällt in die Zeit des Mogulreiches. In Indien hatten die Muslime vor allen Dinge nördliche Gebiete für sich bestimmt. Sie waren zu Beginn der türkischen Herrscher,  wie die Ghaznawiden, in diese Gegend eingedrungen.  Durch dortige Ansiedlung und Gründung von Regierungen konnten sie ihre Lehre mehr als vorher den Einheimischen vorstellen. Die Kaiser im Mogulreich vereinten ganz Indien unter der Flagge der muslimischen Zentralregierung. Der Höhepunkt muslimischer Herschaft auf dem Subkontinent fällt in Wahrheit in ihre Zeit.

 

Nach Ansicht einiger europäischer Wissenschaftler konnte das Mogul-Reich  wegen seiner kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Merkmale trotz der ethnischen Vielfalt  eine eigene Identität herstellen und mit anderen Mächten jener Zeit gute Beziehungen anknüpfen.

 

Das Verwaltungssystem erreichte unter Großmogul Dschilal ud Din Muhammad Akbar (1542 bis 1605 n. Christus) auch bekannt als Akbar Schah seinen höchsten Stand.  Die deutsche Islamkennerin Professor Annemarie Schimmel betrachtet das Mogul-Reich als Blütezeit für die Farsi-Dichtung, denn es gab sehr viele  Poeten. Neue poetische Inhalte wurden üblich und  iranische Farsi-Literaten wurden an den Hof der Mogulen geholt und standen in ihrer Gunst.

 

Die islamischen Künsten fanden in Indien Einlass  und vermischten sich mit dem indischen Geschmack zu einer islamisch-indischen Kultur. Ein wichtiger Zweig der indischen Künste ist die Architektur. Sie erfuhr unter den Mongul-Herrschern große Fortschritte und  die islamische Bauweise  erreichte ebenso ihren Höhepunkt.  Auch andere  islamische Künste wurden in Indien eingeführt. Die wichtigsten Künste in diesem Zeitabschnitt in der Indischen Geschichte waren unter anderem die Malerei, Schönschrift, Teppichknüpfen und Stoffeweben.

 

Im nächsten Beitrag berichten wir über den erneuten Aufschwung, der sich im 16. Jahrhundert im Iran für die Islamische Zivilisation ereignete.

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