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Montag, 29 Oktober 2012 03:52

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 76)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 76)
ِِ‎ In diesem Teil unserer Sendereihe werden wir den dritten wichtigen Faktor, welcher die Islamische Zivilisation in ihrer Weiterentwicklung hemmte, betrachten, und zwar der Untergang der muslimischen Zivilisation im spanischen Andalusien, nach einer bedeutenden Blütezeit.Spanien erinnert
die Muslime an schöne aber auch an sehr bittere Ereignisse, die natürlich auch wertvolle Erfahrungen beinhalten. Bei der Betrachtung der Blütezeit in Andalusien fragt es sich, wieso die muslimische Gesellschaft, die  vom 8.bis 15. Jahrhundert   nach Christus in der Wissenschaft, Kultur und Kunst derartige Höhepunkte erreichte, ihre Größe verlor und schließlich nur noch Geschichte war und aus der politischen und kulturellen Weltkarte verschwand.  Um diese Frage beantworten zu können, möchten wir kurz die Blütezeit von Andalusien  und daraufhin die Gründe für den Untergang beschreiben.

 

 

 

Die Europakarte des 8. Jahrhunderts nach Christus zeigt, dass sich die Zivilisation und Ansiedlung in Städten  auf diesem  Kontinent auf die Mittelmeerküsten, Frankreich , Zentraleuropa und die  Balkan-Halbinsel beschränkte, während  es in England, Deutschland, Österreich, Skandinavien, Russland und Osteuropa noch kein städtisches Leben gab.  Die Muslime näherten sich  aus zwei Richtungen dem europäischen Kontinent. Im Südosten  rückten sie allmählich bis nach Anatolien und danach zur Balkaninsel vor und im Südwesten hatten sie sich der Iberischen Halbinsel und den südlichen Grenzen Frankreich zugewandt. In der Zeit, in der die Muslime  in Europa einzogen, brachte die Islamische Welt    große Gelehrte hervor  wie Abu-l Qasem Zahrawi  (Abu-l- Casis) (936-1013), Ibn Tufail  (1105-1186), Ibn Rudsch Al Qurtubi (Averroes) , Historiker und Biografen wie Ibn Abdul Barr Andalusi  (978 – 1071n.Chr.)  und große Litereraten wi Ibn Bassam  (verstorben 1147).

Die muslimischen Gelehrten haben vieles von ihrer Kultur und Zivilisation ins Abendland gebracht.

Spanien war sehr geschwächt, als die Muslime es eroberten. Der Römische Adel hatte zur Wahrung seines Reichtums und seiner Herrschaft ein Bündnis mit den Westgoten geschlossen. Sie unterdrückten die Menschen und es herrschte Sklaventum.  Deshalb begrüßte die Bevölkerung in Spanien den Islam.

Die achthundertjährige Herrschaft der Muslime in Andalusien lässt sich in drei Abschnitte einteilen.

Der erste Abschnitt ist die Zeit, in der Andalusien Teil des Herrschaftsbereiches der Umayyaden-Kalifen in Damaskus war. Diese Zeit dauerte von 98 bis 132 nach der Hidschra , d.h. von 716 bis 755 nach Christus. Im Jahre 100 nach der Hidschra hatte Umar Ibn Abdu-l Aziz, der Umayyadenherrscher in Damaskus, Samh Ibn Malik Al Chawlani zum Gouverneur von Andalusien bestimmt. Samh Ibn Malik (gest. 721)  dehnte den Herrschaftsbereich der Muslime bis nach Südfrankreich aus.  Unter Abdur ar Rahman al Ghafiqi  ereigneten sich Reformen in Spanien. Nach diesem Herrscher kam es zu Zwietracht unter den arabischen Volksstämmen und diese dehnten sich auf Andalusien aus.  Die Christen nutzen die Gelegenheit und eroberten viele Städte im Norden Andalusien.   Yusef Ibn Abdur Al Raham al Fihri war der letzte der vom Umayyadenkalifen in Damaskus ernannten Statthalter in Andalusien. Die Macht der Umayyaden in Damaskus ging auf ihr Ende zu.  750 n. Christus stürzte der dortige Umayyadenherrscher (132 nach der Hidschra) . Ein flüchtiger Umayyade schlug das Heer des Statthalters Yusuf al Fihri und eroberte Cordoba. Er gründete eine umayyadische Dynastie  in Andalusien.  Damit begann der zweite Abschnitt in der muslimischen Geschichte von Andalusien, nämlich  die Herrschaft der andalusischen Umayyaden.

16 Umayyadenherrscher regierten circa 3 Jahrhunderte lang in diesem Teil des heutigen Spaniens. Der erste war Abdur ar Rahman Ibn Muawiyeh Ibn Hischam und der letzte Ibn Muhammad al Muta`d billah, auch: Hischam III.  Unter den Umayyadenherrschern gab es laufend Änderungen an den Nordgrenzen Andalusiens und es kam mehrmals zu Aufständen gegen die Ungerechtigkeit dieser Herrscher, wie der Aufstand der Rechtsgelehrten und der Chandaq-Vorfall. Solche Aufstände wurde mit aller Gewalt niedergeschlagen.  Innerhalb  der Umayyadendynastie kam es zu Uneinigkeiten und diese dehnten sich auf die Gesellschaft aus. Die Glanzepoche  in Andalusien ging von einer Zeit der Macht, des Reichtums und des Fortschritts in eine Epoche der Bürgerkriege über und bereitete der Herrschaft  der Umayyaden ein Ende.

Die dritte Epoche in Andalusien ist die Zeit der Taifa-Könige. Die Taifa-Könige  herrschten von 422 bis 898 nach der Hischra, d.h. von 1031 bis 1492 nach Christus  und zwar  in Form von kleinen Königreichen und Fürstentümern.  Nach dem Sturz der Umayyaden in Andalusien existierte in einem großen Teil des Gebietes keine politische Einheit mehr und die Banu Hamud (Hammudiden) hatten die meisten südlichen Städten in der Hand.  Dennoch konnten verschiedene andere  arabische Herrschersippen  die größten Städte in Andalusien für sich bestimmen . An der Ostküste herrschten die Amiriden.

In dieser Epoche führte die luxuriöse  Lebensweise zur moralischen Dekadenz. Außerdem war Andalusien laufend den Angriffen der Christen ausgesetzt. Diese besetzten nach und nach im Osten und Westen das muslimische Gebiet.  Schließlich waren  von dem muslimischen Andalusien nur noch Granada im Süden und einige wegen kleine Städte verblieben.

In der islamischen Epoche von Andalusien erfuhren verschiedene Religionwissenschaften wie Hadithologie, Rechtslehre und Scholastik,  aber auch Medizin und Philosophie eine Blütezeit. Ebenso gediehen die Architektur und andere Künste wie Kalligrafie und Keramik. Das damalige Andalusien lässt sich als wichtigstes Tor für den kulturellen Austausch im Mittelalter zwischen den islamischen Gebieten und Europa betrachten. Zu den bekanntesten Bauwerken dieser Zeit gehört die Moschee von Cordoba und der Empfangssaal des Palastes von Madinat Al Zahra.

Der Verlust der Größe Andalusiens ist auf Faktoren kultureller, wirtschaftlicher und politischer, ebenso wie gesellschaftlicher Natur zurückzuführen. Es haben auch externe Ursachen mitgespielt.  Die Umayyaden hatten einige Neuerungen und Fehlansichten in die islamische Werteordnung eingeschleust, die zahlreiche Probleme und Mängel in der damaligen Muslimengesellschaft hervorriefen.  Dazu gehörte die Vererbbarkeit des Kalifats, rassistisch gefärbte Benachteiligung, Weltliebe und Liebe zum Luxus, Anhäufung von Reichtum und familiärer Rivalismus.   Die Eroberer von Andalusien übertrugen diese falschen Werte nach dort. Es lässt sich sagen, dass viele der Probleme der Muslime in Andalusien auf die falschen Ansichten  und die Regierungsstrukturen der Umayyaden zurückgehen. Die Ausbreitung von Verdorbenheit und Korruption war natürlich ein spürbarer  Faktor für den kulturellen Zerfall.

Zu den externen Faktoren, die beim Untergang der Zivilisation im muslimischen Andalusien mit im Spiel waren,  gehören der Druck, den die Christen ausübten und die zwietrachtschürende Politik seitens der christlichen Europäer ebenso wie die Verbreitung von A-Moral insbesondere unter den jungen Leuten.  Die abweichende ideologische Linie war durch die Umayyaden-Kalifen auf Andalusien übertragen worden und die Bevölkerung hatte von Beginn an Schwierigkeiten, den wahren Islam kennen zu lernen. Daher kam es schließlich zum Untergang.  Außerdem musste die muslimische Bevölkerung sich sieben Jahrhunderte lang gegen die Christen und europäischen Angreifer wehren.  Dies sind also die wichtigsten Faktoren, die neben der Verfälschung der hohen Lehren des Islams zur allmählichen Schwäche der Muslime auf der Iberischen Halbinsel wurden, so dass externe Faktoren genügend Gelegenheiten zur Zerstörung fanden.

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