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Montag, 02 Juli 2012 02:31

Die islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 61)

Die islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 61)
Die neue Epoche in Usul Fiqh (den Wurzeln des Rechts) wurde durch weitere Rechtsgelehrte wie Wahid Behbahani vollendet und es wurde die prinzipielle selbständige Rechtsfindung wieder belebt. Wahid Behbahani kam 1117 nach der Hidschra  (Anfang 18. Jahrhundert nach Christus) ) in Isfahan zur Welt.
Dieser große schiitische Gelehrte gehört zu den genialen Köpfen und beherrschte die Rechtslehre und die Grundlagenlehre meisterhaft. Im 12. Jahrhundert nach der Hidschra gelang es ihm die Grundlagen der Rechtslehre einem hervorragenden Wandel zu unterziehen und den Grundlagen der Achbariyya (Traditionalisten), die nur den Koran und die Überlieferungen als Quelle des Rechts anerkannten und die selbständige Rechtsfindung ablehnten, gegenüber zu stellen. Er hat mit seinen Bemühungen erneut das schiitische Recht zu einer progressiven juristisch- religionsrechtlichen Schule entwickelt, die sich Festigkeit und Harmonie erfreute. Der größte Erfolg von Wahid Behbahani besteht darin, dass er außerdem wertvolle Rechtsgelehrte ausbildete. Diese haben durch kostbare Werke, die auf seinen religionsrechtlichen Grundlagen aufbauten, zur Festigung seiner Errungenschaften beigetragen. 30 der Schüler von Behbahani erreichten die hohe Stufe der selbständigen Rechtsfindung. Behbahani hat über 70 Bücher über Fiqh und Grundsatzlehre der Religion geschrieben. Dieser bedeutende schiitische Gelehrte verstarb 1205 nach der Hidschra  (um 1790 n. Chr.) Er liegt in Karbala, Irak, begraben.

 

Nach dem Tod von Behbahani wurde sein Schüler Seyyed Mahdi Bahr ul Ulum zur Instanz in religiösen Fragen der Schiiten.  Allama Seyyid Mahdi Bahr–ul Ulum kam 1154 n. d. H. (um 1743) auf die Welt. Er hatte sich bei seinem Vater und anderen Gelehrten in weniger als 4 Jahren die Kenntnisse über ٌWortbau und Satzlehre des Arabischen, Sprachwissenschaften, Logik, Grundsatzlehre und Religionsrecht angeeignet.  Schon bald konnte er als junger Mann an den Lehrgängen seines Vaters über Ableitung aus Schriften und an den Lehrgängen von Wahid Behbahani  und Scheych Yusef Al Bahrani, dem Verfasser des Werkes Al Hada`iq teilnehmen. Nach 5 Jahren intensivem Studiums erreichte er die Kompetenz zur selbständigen Rechtsfindung. Dieser bekannte Rechtsgelehrte wird wegen der spirituellen Stufen, auf die er gelangte, von den schiitischen Gelehrten sehr geschätzt.

Bahr-ul Ulum hat zahlreiche Werke über die Usul-e Fiqh – Die Wurzeln des Rechtes - geschrieben und sogar ein bekanntes Gedichtswerk über das Fiqh verfasst. Seine Ansichten werden von vielen Rechtsgelehrten geachtet. Das Buch Misabih von Bahr-ul Ulum handelt von der Rechtslehre im Bezug auf die Formen des Gott-Dienens und Handelsbeziehungen. Dieser Rechtsgelehrte verstarb im Monat Radschab 1212 (1798 n. Chr.) im Alter von 57 Jahren. Seine Grabstätte befindet sich im irakischen Nadschaf neben der Grabstätte von Scheych Tussi in der Tussi-Moschee.

 

Nach der Entfaltungsepoche des schiitischen Rechts im 10. bis 12. Jahrhundert nach der Hidschra (circa. 16. bis 18. Jahrhundert nach Christus) begann eine Epoche, in der Rechtsgelehrte durch ihre prinzipielle selbständige Rechtsfindung einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung des Fiqhs leisteten. Einer dieser Abschnitte wurde unter dem Namen Scheych-Ansari bekannt. Scheych Murteza Ansari kam 1214 nach der Hidschra  auf die Welt (um 1800 n. Christus) Er wurde im südiranischen Dezful geboren.  Zusammen mit seinem Vater machte er sich im Alter von 18 zur Vervollständigung seines religiösen Wissens auf den Weg nach Karbala und Nadschaf im Irak.  Die wissenschaftliche Schule von Scheych Ansari  hat vom 13. Jahrhundert bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts nach der Hidschra bekannte schiitische Denker hervorgebracht. Ihre Zahl wird in den Quellen auf 500 bis zu 3000 Personen beziffert. Unter ihnen sind so berühmte Gesichter wie  Mohammad Hassan Schirazi und Seyyed Dschamal uddin Asad Abadi.

Scheych Ansari begründete verfeinerte Methoden in der Rechtslehre und brachte einen völligen Wandel in dieser Disziplin ein. Seine religionsrechtlichen Werke, insbesondere sein Werk „Makasib“ über Handelsgeschäfte, dienen heute noch an Theologischen Hochschulen als Lehrstoff. Dank seiner Präzision blieb das „Makasib“ den Werken, die nach ihm geschrieben wurden, voraus. Diese Rechtsschule bestimmt seitdem die wissenschaftlichen und religionsrechtlichen Gemeinschaften und trotzdem nach Ansari noch viele große Gelehrten aufgetreten sind, hat seine Schule keine wesentliche Veränderung durch andere erfahren.

Scheych Ansari  führte das Prinzip des Vorbilds der Nachahmung (Mardscha`Taqlid)  und des Nachahmers (muqallid) ein, der sein Vorbild der Nachahmung in bestimmten religiösen Bereichen als Experten auswählen und nachahmen konnte. Der Nachahmer konnte sein Vorbild der Nachahmung zudem frei unter den vorhandenen Experten wählen.

Scheych Ansari gilt zudem  als Vorreiter der Idee der Statthalterschaft der Rechtsgelehrten (wilayat-ul Faqih), welche erst über ein Jahrhundert später durch Imam Chomeini praktisch umgesetzt wurde.

 

 

 

Scheych (Ansari)  zog wegen seiner gelungenen Darlegung und Beweisführung sowie seinem Ideenreichtum in den Fächern  über die Ableitung aus Quellen des Fiqhs das Interesse aller auf sich. Er  leitete die Theologische Hochschule in Nadschaf  von 1266 bis 1281  (ab 1850 für 15 Jahre) . Die Schiiten auf der Welt richteten sich nach seinem Fiqh . Dieser Gelehrte verstarb im Jahre 1281 (um 1856 n. Chr.) nach einem segensreichen Leben im Alter von 67 Jahren in Nadschaf.

Zur Zeit des Scheych Ansaris haben große  Rechtsgelehrte gelebt, die jeweils eine große Zahl von Schülern ausbildeten. Einer von ihnen ist Mirza Mohammad Hussein Naini gewesen. Er kann als einer der ersten schiitischen Gelehrten betrachtet werden, der durch Nutzung von traditionellen Methoden der selbständigen Rechtsfindung  einige grundlegende rechtliche Begriffe institutionalisieren konnte, d.h. er widmete sich auch dem Thema Rechtslehre im Zusammenhang mit dem Regierungswesen. Naini gab gestützt auf religionsrechtliche Grundsätze  das Rechtsurteil für die Notwendigkeit der Herstellung einer Konstitutionellen Monarchie heraus. Ein zweites Urteil lautete, dass der Steuereinnehmer bzw. die Regierung dem Steuergeber bzw. der Bevölkerung Rede und Antwort stehen muss.

 

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