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Montag, 25 Juni 2012 06:22

Die islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 60)

Die islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 60)
Wir haben im letzten Beitrag darauf hingewiesen, dass das Endziel des religiösen Rechtslehre die Erreichung des irdischen Wohls und der Rettung im Jenseits ist.  Und wir haben einige  Abschnitte der Geschichte   des schitiischen Rechts vorgestellt und einige bekannte Rechtsgelehrte wie Kulaini, Dschunaid Iskafi, Scheych Mufid,
Scheych Tussi, Scheych Idris Hilli genannt. Heute setzen wir unsere Ausführungen über das schiitische  Fiqh und die Vertreter dieser Rechtslehre fort.

 

Einige Fiqh-Gelehrten waren auf dem Gebiet der Fiqh-Wissenschaft darum bemüht, grundsätzliche Regeln und Prinzipien für die schiitische Rechtslehre zu begründen, um dem schitischen Fiqh einen selbständigen Charakter zu verleihen. Zu diesen Gelehrten gehört Schamsuddin Mohammad Ibn Makki Ameli. Er wurde unter dem Beiname „Schahid Awwal“ - Erster Märtyrer - bekannt. Makki Ameli ist einer der bedeutendsten schiitischen Rechtsgelehrten.  Er kam 720 nach der Hidschra (um 1320 nach Christus) , nach einigen Angaben auch 734 (1334),  in einem Dorf von Dschabal Amel (Südlibanon) zur Welt.  Nachdem er einige Zeit bei großen Gelehrten im irakischen Hilla Wissen erworben hatte, konnte er bereits im Alter von 34 Jahren die Stufe der selbständigen Rechtsfindung erreichen (Idschtihad).  Er erhielt von  seinen Lehrmeistern die Genehmigung  zur Wiedergabe von Hadith und  Nennung von  religionsrechtlichen , literarischen Quellen, und der Zitate aus Koranexegesen und Quellen der rationalen Theologie. Außerdem wurde ihm genehmigt zu lehren.   Es heißt, dass Ameli der Begründer der theologischen Hochschule in Dschabal Amel gewesen ist. Diese Hochschule hat später einen großen Beitrag zum schiitischen Denken und der Erstarkung des Fiqhs der 12-er Schia geleistet. Der Erste Märtyrer  hat in seinem segensreichen Leben Dutzende von wissenschaftlichen Werken verfasst. Die meisten enthalten religionsrechtlichen Stoff und sind mit rationaltheologischen und ethischen Themen vermischt.  Auch noch nach Jahrhunderten sind die religionsrechtlichen Ansichten von Schamsuddin Ameli  für viele große Gelehrten der schiitischen Rechtsschule  Grundlage ihrer religionsrechtlichen Standpunkte. Seit Jahrhunderten werden seine Fiqh-Bücher unterrichtet.  Die Bemühung Makki Amelis, dem schiitischen Fiqh einen unabhängigen Charakter zu geben, hatten zur Folge, dass seine Werke über denen seiner Vorgänger zu stehen kamen. Bis vor circa 150 Jahren waren die Gelehrten seine Anhänger und stützten sich auf die Auslegung seiner Ausführungen. Der Erste Märtyrer wurde nach vielen Jahren Bemühung auf dem Wege Gottes in Wissenschaft und Praxis in Damaskus von den damaligen Herrschern verhaftet. Nach einem Jahr Gefängnis wurde er 786 nach der Hidschra (1385 n. Christus) getötet und zum Märtyrer.

In der Geschichte des schiitischen Rechts gibt es einen weiteren Abschnitt und zwar wird dieser  Fiqh Saffawi – oder saffawidische Rechtslehre genannt. Diese Rechtslehre galt vom 10. bis zum 12. Jahrhundert nach der Hidschra. Also circa 16. bis 18. Jahrhundert nach Christus. Im saffawidischen Fiqh gibt es mehrere Richtungen, zum Beispiel die Richtung der Rechtslehre von Muhaqiq Thani. So lautete der Beiname des Scheych Ali Ibn Abdulali Karaki. Muhaqiq Thani gehört zu den großen Gelehrten aus Dschabal Amel, der  das schiitische Fiqh bereichert hat. Er vollendete sein Studium in Schaam (Syrien) und Irak und kam dann unter dem Saffawidenkönig Schah Tahmaseb in den Iran.  Ihm wurde der Ehrentitel des Scheych ul Islami im Iran verliehen. Muhaqiq Thani gründete im westiranischen Qazwin und danach in Isfahan eine theologische Hochschule (Howza).  Die Ausbildung von hervorragenden Gelehrten im Fiqh-Recht ließ Iran zum ersten Mal zum Zentrum für das schiitische Fiqh werden.  Der wichtige Einfluss von Muhaqiq Thani besteht in zwei Dingen: Als erstes konnte er  starke religionsrechtliche Beweisführungen aufstellen und außerdem schenkte er Fragen der Rechtslehre, die mit dem Regierungsauftrag zusammen hängen, Aufmerksamkeit, wie  Befugnisse, Freitagsgebet und die Besteuerung mit der Charadsch-Abgabe für Grundbesitz, Strafregelungen usw.  Sein Werk Dschami al Maqasid ist eine Interpretation der Regeln von Allama Hilli. Muhaqiq Thani hat großen Einfluss auf die Rechtsgelehrten nach ihm gehabt, zum Beispiel auf Mir Damad.  Muhaqiq Thani verstarb 940 nach der Hidschra (um 1554 nach Christus)

 

Ein anderer großer Gelehrter aus der Zeit der Saffawiden ist Seyyed Mohammad Baqer, der Sohn des Mohammad Damad Astarabadi. Seyyed Mohammad Baqer wurde als Mir Damad bekannt. Er kam 960 n. der Hidschra (um 1550) auf die Welt und ist ein Nachkommen Imam Husseins (a.s.).  Er stammte aus einer Gelehrtenfamilie und schon als Kind begann er sich in der Pilgerstadt Maschhad, Nordorstiran Kenntnisse bei großen Gelehrten  in den Islamwissenschaften anzueignen.  In Herat (heutiges Afghanistan) erweiterte Mir Damad seine Kenntnisse auf höherer Stufe und wurde bald als hervorragender  Gelehrter bekannt und der beste Gelehrte in Geistes- und anderen Wissenschaften. Zu seiner Zeit galt die theologische Hochschule von Isfahan als Zentrum der Theosophie, und Wissensdurstige aus anderen Gebieten der Welt begaben sich zum Studium in diese Stadt.  Dieses Privileg verdankte die theologische Hochschule in Isfahan mit Gewissheit der Anwesenheit von hervorragenden Persönlichkeiten wie Mir Damad.  Mirdamad hat auf zwei Wegen das Denken nach ihm beeinflusst: durch seine Werke, die mehr als 100 Bücher und Abhandlungen umfassten,  und durch die Ausbildung von zahlreichen Schülern, die jeder  wertvolle Werke hinterließen. Einer von seinen Schülern war zum Beispiel Mulla Sadra. Er hatte eine nachhaltige Wirkung auf das philosophische Denken nach ihm. Mir Damad verstarb 1040 nach der Hidschra. (um 1630 nach Christus).  Er liegt im irakischen Nadschaf  neben der Ruhestätte von Imam Ali begraben.

 

Ein weiterer großer Fiqh-Gelehrter aus der Zeit der Saffawiden ist Moqadas Ardebili gewesen. Er hat zwar keine Änderung in der Grundlagenlehre des Fiqhs eingebracht, besaß jedoch eine völlig selbständige und besondere Methodik. Das besondere an seinem Werk war, dass er die Ansichten der Vorgänger nicht beachtete sondern sich ausschließlich auf die eigene selbständige Rechtsfindung, Analyse und Überlegung stützte. Er zeichnete sich durch Kühnheit in wissenschaftlichen Debatten und seine große Genauigkeit aus. Nach ihm haben mehrere Rechtsgelehrte seine Methode übernommen. Sie  wurden als Ataba` al Muqadas – die Anhänger von Muqadas bekannt.

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