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Sonntag, 17 Juni 2012 03:00

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 59)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 59)
Wir haben in den beiden letzten Teilen hinsichtlich der schiitischen  Rechtslehre gesagt, dass sie sich durch die laufende Zulassung des Idschtihads, nämlich der selbständigen Urteilsfindung auszeichnet. Wir sagten, dass die Unfehlbaren Imame (gegrüßet seien sie) aus dem Hause  des Erhabenen Propheten in der ersten Epoche der schiitischen Rechtslehre
die wichtigste Befragungsinstanz für religiöse Bestimmungen, Religionsrecht und selbständige Urteilsbildung waren.

 

Nach Beginn der kleinen Verborgenheit – , in der der 12. Imam nur durch einige Vertreter mit den Gläubigen in Verbindung trat ( 872 bis 939 nach Christus) entstanden drei religionsrechtliche Hauptrichtungen in der schiitischen Gemeinschaft. Eine davon war die der Ahl-e Hadith. Wir stellten den  bekannten Vertreter dieser Rechtsschule, nämlich  Scheych Kulaini mit seinem Werk „Kafi“ vor. Als der Imam der Zeit (Imam Mahdi a.s.) nicht mehr den Gläubigen zugänglich war, sammelte Kulaini die Überlieferungen des Propheten und der Unfehlbaren Imame und schrieb dieses bedeutendste von den schiitischen vier wichtigsten Hadithwerken.

 

Von den Persönlichkeiten, die die Idschtihad-Richtung im Rechtswesen anführten, haben wir  Ibn Dschunaid Iskafi genannt .  Sein Werk Tahdhib al Schia gehörte im(10. bis 11. Jahrhundert nach Christus) zu den bekanntesten religionsrechtlichen Quellen der Schiiten .

Eine dritte Richtung in der schiitischen Fiqh-Ordnung ist das Fiqh der Mutakalimin – der Scholastiker.  Scheych Mofid ist ihr bekanntester Vertreter. Eigentlich hieß er Mohammad Ibn Mohammad Ibn Nu`man. Scheych Mofid war Rechtsgelehrter und Vertreter der rationalen Theologie. Er ist einer der bedeutenden schiitischen Gelehrten des 5. Jahrhunderts nach der Hidschra. 336 nach der Hidschra (nämlich  948 nach Christus)  kam er in der Nähe von Bagdad auf die Welt. Scheych Mofid war besonders in der Scholastik bewandert und die rationale Theologie der Schiiten erreichte in seiner Epoche ihren Höhepunkt. In seinen religionsrechtlichen Werken hat Scheich Mofid eine andere Methode als sein Lehrmeister Ibn Dschunaid angewandt und dessen Methode  abgelehnt. Einige seiner Werke in der Fiqh-Wissenschaft sind Al Muqni`ah, Al Ilam und Al Masa`il Al Saghaniyah. Scheych Mofid verstarb 413  nach der Hidschra (1022 n. Chr.)  im Alter von 75 in Bagdad.

 

Eine weitere Richtung in der Fiqh-Rechtslehre entstand durch Talfiq – durch Kombination.  Abu Dschafar Mohammad Ibn Hassan al Tussi verknüpfte hierbei die Richtung der Ahle-Hadith und die der Scholastiker auf dem Gebiet der Rechtslehre miteinander. Indem er das Gewicht der Rationalität in der Rechtslehre beibehielt führte er auch den Beweis für die Gültigkeit von Ahadith (Überlieferungen).  Mit seinen ausführlichen Werken öffnete er neue Perspektiven für das schiitische Fiqh. Seine religionsrechtlichen Ansichten können aus seinen bekannten Werken wie Tahdib al Ahkam , Al Istibsar, Al- Nihayah, Al Mabsut entnommen werden.  Scheych Tussi führte die Methode des  Tatbiq – des in Übereinstimmung bringenden Religionsrechtes  und des Religionsrechtes für die Zweige der Religion (-Furu-e ddin – wie Gebet usw.) ein.  Seine religionsrechtliche Schule herrschte 3 Jahrhunderte  in der schiitischen Gemeinde.

Außer Scheych Tussi waren noch Qutbiddin Rawandi und Mohammad Ibn Ali Ibn Schahraschub ihre wichtigsten Vertreter.

In einer anderen Epoche des schiitischen Rechts wurde die Talfiq-Rechtslehre von Scheych Tussi  kritisch behandelt.

 

Ein Jahrhundert nach Scheich Tussi hat eine Gruppe von Rechtsgelehrten versucht,  die Rechtschule der Scholastiker wieder zu beleben und wandte sich daher gegen die Talfiq-Rechtsschule, die das Fiqh der Scholastiker mit dem der Ahl-e Hadith vermischt hatte. Das bekannteste Gesicht  dieser Epoche ist Mohammad Ibn Idris Hilli. Er wurde unter dem Titel Fachr-al Din  bekannt wurde.

Fachr- al Din Hilli  kam 543 nach der Hidschra in Irak auf die Welt. Er  erwarb bei bekannten Gelehrten sein Wissen und erreichte hohe Wissensgrade. Scheych Idris Hilli  gab dem Fiqh der 12-er Schia neue Impulse  und führte es in Richtung freien Denkens und Initiative. Er hat viele Werke über die Grundlagen (Usul) und Zweige (Furu`) der Religion geschrieben.  Sein Werk Al Sara`ir (Geheimnisse) ist eines seiner bekanntesten Werke über das Religionsrecht. In diesem hat Ibn Idris sich der Rechtslehre,   neuen Initiativen und der Klassifizierung der religionsrechtlichen Themen gewidmet.  Er wagte auch eine gelungene Kritik an seinem Lehrmeister Scheich Tussi.  Ostad Schahid Mortaza Motahhari hat über Ibn Idris gesagt:  „Er hat die Texte von vielen Gelehrten und Rechtsgelehrten über die Grundlagen des Fiqhs kritisiert. Ibn Idris  war sehr aufgeklärt und kannte die Erfordernisse seiner Zeit. Er stellte seine rationale und literarische Kühnheit unter Beweis und  war niemand, der  die Bedürfnisse lediglich  verspürte, sondern er hatte auch den Mut zur  Kritik.“

Idris Hilli ist 598 nach der Hidschra im Alter von 55 in der Stadt Hilla  gestorben. Die Schiiten in diesem Gebiet erweisen ihm öfters einen Besuch an seinem Grab in dieser Stadt.

 

Nach  der Rechtsschule, welche die kombinierte Methodik der Rechtsfindung kritisierte, begann die Epoche zur Korrektur (tahdhib)  und Vollendung der kombinierten Methodik für Rechtsfindung.  Die Rechtslehre von Scheych Tussi bedurfte demgemäß trotz ihrer zahlreichen interessanten Ideen einer  Ordnung und Bereinigung, insbesondere auch deshalb, weil die Kritiker der Talfiq-Rechtslehre  von Scheych Tussi diese stark verändert hatten.  Ein bekannter Vertreter dieser Epoche des schiitischen Rechts ist Abu-l Qassem Nadsch al Din Dschafar Ibn Hassan Hilli gewesen. Er wurde als Muhaqeq Hilli , „der Forscher von Hilli“ bekannt. Hassan Hilli und sein großer Schüler Hassan Ibn Yusuf Ibn Mutahhar Hilli, bekannt als „Allama Hilli“ konnten in Zusammenarbeit miteinander viele  Werke in dieser sogenannten Tahdhib-Epoche verfassen und ihre Werke haben ausschlaggebend  zu der Vollendung dieser Rechtslehre  beigetragen,  wie zum Beispiel  das Werk Irschad Al Adhhan Ala Ahkam al din. Die  Werke von Muhaqeq Hilli und Allama Hilli werden heute noch auf verschiedenen Ebenen der Rechtslehre wie dem Tatbiqi und dem Tahqiqi Recht- der  angleichenden und der untersuchenden Rechtslehre - von Forschern auf diesem Gebiet analysiert.  Ohne die Bemühungen dieser beiden großen Rechtsgelehrten der Schiiten wäre die kombinierte Rechtsschule – das Talfiq-Fiqh   - in der Epoche der Kritikausübung  an ihr, völlig verloren gegangen.

 

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