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Montag, 11 Juni 2012 04:22

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 58)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 58)
Wir haben in den beiden letzten Teilen die sunnitische Rechtslehre beschrieben und wenden uns nun der schiitischen zu.Die Fiqh-Wissenschaft nimmt einen wichtigen Platz in der Islamischen Kultur und Zivilisation ein. Sie erinnern sich: Diese Wissenschaft setzt sich mit der religiösen Rechtslehre auseinander. Der schiitischen Rechtslehre
liegt unter anderem der Gedanke zugrunde, dass das Wohl dieser Welt und das Glück der kommenden jenseitigen Endziel der religionsrechtlichen Ordnung ist.

Die religionsrechtliche Ordnung der Schiiten zeichnet sich dadurch aus, dass sie das Kriterium des Idschtihads, nämlich der selbständigen Urteilsfindung zulässt und daher immer sehr dynamisch gewesen ist. Diese Vitalität ist bei allen  Entwicklungen der verschiedenen Epochen festzustellen. Die schiitische Rechtslehre hat verschiedene Epochen zurückgelegt.  Die Zeit der körperlichen Anwesenheit der Unfehlbaren Imame (gegrüßet seien sie) ist eine der wichtigsten ihrer Epochen. In dieser Epoche stellten die Imame aus dem Haus des Erhabenen Propheten die wichtigste Befragungsinstanz für religiöse Bestimmungen, Religionsrecht und selbständige Urteilsbildung dar.  Zu den wichtigen Errungenschaften dieses Zeitabschnitts gehört die Bereitstellung der Grundlagen  für Überlegung und Beweisführung in religionsrechtlichen Fragen.  Diese Auserlesenen haben deutlich eine ihrer Aufgaben darin gesehen, die Handlungsprinzipien und praktischen Regeln darzulegen und den Rückschluss auf sekundäre und nebensächliche Gebote auf andere zu übertragen.  Diese Epoche ist von den verschiedenen Richtungen in den Wissenschaften, insbesondere in der Scholastik unter den Anhängern  der Imame geprägt, wie zum Beispiel den Tendenzen unter den Theologen und Hadithkundigen und hinsichtlich des Wissens der Imame.  Auch gab es außer den Imamen noch eine Gruppe von Prophetengefährten, die für Rechtslehre und selbständige Rechtsfindung bekannt waren, während andere Gruppen die religionsrechtlichen Prinzipien nur auf die Anführung von Überlieferungen stützten und jede Art rationaler Argumentation im Zusammenhang mit religionsrechtlichen Geboten vermieden.

 

Mit der beginnenden Zusammenstellung der Rechtslehre trat ein wichtiger Wandel im schiitischen Fiqh ein. Diese Zeit beginnt mit dem Gheybat Sughra – der kleinen Verborgenheit – d.h. die Zeit, in der der 12. Imam nur durch einige Vertreter mit den Gläubigen in Verbindung trat (260 bis 329 nach der Hidschra und dem Mondkalender . 872 bis 939 nach Christus) . Es entstanden drei religionsrechtliche Hauptrichtungen in der schiitischen Gemeinschaft. Eine davon war die der Ahl-e Hadith. Die Ahl-e Hadith war ernsthaft gegen die selbständige Rechtsfindung und ihr Religionsrecht bestand nur aus Überlieferungen (Hadith) und deren Weitergabe. Zu den Vertretern der Ahle Hadith ist Yaqub Kulaini zu zählen.  Abu Dschafar Mohammad Ibn Yaqub Kulaini wurde als Scheych Kulaini bekannt. Er verfasste das kostbare Werk „Kafi“ (das Ausreichende)  und ist einer der bekanntesten Gelehrten, Fiqh und– Hadithkundigen (Muhadith)der Schiiten.  Kulaini kam in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts nach der Hidschra auf die Welt (864 nach Christus), und zwar zwischen Qum und der Stadt Rey, die heute am Rande von Teheran liegt. Sein Geburtsort liegt circa 38 km von Rey entfernt. Er wurde zur Zeit des  Imam Asgari a.s. , Vater des Imam Mahdi (a.s.) geboren.  Bei seinem Vater und seinem Onkel mütterlicherseits erwarb er sich die Kenntnisse der Grundstufen der Islamwissenschaften. Nachdem er sich eine kürzere Zeit lang mit den Quellen über die Überlieferer und die Überlieferungen vertraut gemacht hatte, begann er Bücher über die Hadith (Überlieferungen zu schreiben.  Das Wissen, das er sich Jahre lang aneignete, fasste er in einem Sammelwerk zusammen. Als der Imam der Zeit (Imam Mahdi a.s.) nicht mehr den Gläubigen zugänglich war, sammelte Kulaini die Überlieferungen des Propheten und der Unfehlbaren Imame und schrieb ein wertvolles Buch , das neben dem Koran als Ratgeber diente . 20 Jahre arbeitete er unermüdlich an diesem Werk , dem „Kafi“.

 

Das „Kafi“ ist das wichtigste und wertvollste Buch der schiitischen Kutub Arba`a– der vier wichtigsten Hadithwerke der Schiiten.

Das Werk besteht aus dem zweibändigen Usul-e Kafi (über die ausreichenden Grundlagen des Religionsrechtes), dem fünfbändigen „Furu`Kafi (über die Zweige der Religion – wie Ritualgebet, Fasten usw. ) und dem einbändigen Rawdat al Kafi.  Usul-e Kafi umfasst insgesamt 16 Tausend 199 Überlieferungen vom Propheten und von den Imamen aus seinem Haus (aleihom salam)

 

Eine andere Richtung in der Fiqh-Lehre ist die Anwendung des Idschtihads, d.h. der eigenständigen Rechtsfindung. Von den Persönlichkeiten, die die Idschtihad-Richtung im Rechtswesen anführten, kann Ibn Dschunaid Iskafi genannt werden.  Al-Iskafi war Rechtsgelehrter und Scholastiker . Er kam im 4. Jahrhundert nach der Hidschra im Irak in einer Gelehrten- und Geistlichenfamilie zur Welt.  Al-Iskafi widmete sich ernsthaft der Theologie und der Hadithkunde, aber er tat sich besonders in der Ableitung von Religionsrecht hervor. Er soll ungefähr 50 Werke verfasst haben, die meisten davon über Fiqh, die Grundlagen der Religion, Scholastik und Literaturwissenschaften.  Eines der Werke von  Ibn Dschunaid Al Iskafi ist das Tahdhib al Schia.  Dieses Werk gehörte  im 4. und 5. Jahrhundert nach der Hidschra (10. bis 11. Jahrhundert nach Christus) zu den bekanntesten religionsrechtlichen Quellen der Schiiten . Ibn Dschunai Al Iskafi verstarb 371 nach der Hidschra circa 981 nach Christus.

Im nächsten Teil besprechen wir weitere Richtungen in der  Fiqh-Lehre der Schiiten und ihre Vertreter.

 

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