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Dienstag, 05 Juni 2012 03:14

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 56)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 56)
Zu den Islamischen Wissenschaften, die die Islamische Kultur und Zivilisation beinflusst haben, gehört auch das Fiqh. Die Fiqh-Wissenschaft ist die Wissenschaft von der religiösen Rechtslehre. Sie ist
eine der umfangreichsten  Islamischen Wissenschaften. Seit Beginn des Islams hat sie sich mit den Fragen, die mit dem Leben der Menschen verknüpft sind, befasst. Es hat in der Islamischen Geschichte viele Fiqh-Gelehrte gegeben, die zu den genialen Persönlichkeiten der Islamischen Welt gehörten und zahlreiche wissenschaftliche Werke und Anleitungen zu religionsrechtlichen Fragen verfassten.

 

Die religionsrechtliche Ordnung der Schiiten und Sunniten hat im Laufe der Zeit verschiedene Phasen durchlaufen.  In diesem und im nächsten Teil möchten wir die  sunnitische Rechtslehre   behandeln.

 

Die sunnitische Rechtslehre gliedert sich nach  mehreren Abschnitten in der Islamischen Geschichte.  Der erste Abschnitt dauerte von Beginn des Islams bis zum 11. Jahr nach der Hidschra (um 632 n. Christus) und betrifft die Zeit in der der Prophet (s.) lebte. In dieser Zeit hatten alle Muslime direkten Zugang zum Koran und zum Propheten des Islams. Die darauffolgende Epoche wird als  Sahaba-Epoche, d.h. die Epoche der Prophetengefährten, bezeichnet. Sie dauerte bis circa 40 nach der Hidschra (circa 660 nach Christus). Den Muslimen war es zwar nicht mehr möglich, direkt mit dem Propheten in Kontakt zu treten,  dafür konnten sie aber über die Art und über das, was der Prophet gesagt hatte, aus dem Munde der Prophetengefährten, die noch lebten, erfahren. Nach der Sahaba-Epoche begann die dritte Epoche der Geschichte des sunnitischen Fiqhs . Sie dauerte bis  circa 100 nach der Hidschra ( circa 718 n. Christus) und sie wird die Tabiin-Epoche genannt. Tabiin oder Tabiun sind diejenigen, die noch die Sahaba – die Prophetengefährten, gekannt haben. Sie sind also die Gefährtennachfolger. Die Muslime konnten über diese Tabiin über die Aussagen des  Propheten erfahren.

Die nächste Epoche in der Geschichte des sunnitschen Fiqhs  dauerte bis zum 4. Jahrhundert nach der Hidschra, als circa 10. Jahrhundert nach Christus. Sie wird im sunnitischen Recht die Epoche der 4 Imame genannt. Es ist  die Epoche der Gründer ihrer vier Rechtsschulen.

Nach dem 4. Jahrhundert begann die Epoche der Nachahmung dieser vier Rechtsschulen die schließlich nach ihrem Abschluss in eine Epoche der neuen religionsrechtlichen und rechtlichen Bewegung mündete  und in der auch die selbstständige Rechtsfindung (Idschtihad) unter den Sunniten begann.

 

Das sunnitische Fiqh fand  zwischen dem zweiten bis 4. Jahrhundert nach der Hidschra ,   mit dem Auftreten der Vier Imame und Gründung der religiösen Rechtsschulen zu größerer Entfaltung.  Die  Rechtslehre der vorherigen Epochen hatten die einleitenden Bedingungen für die Gründung der neuen Rechtsschulen mit sich gebracht.  Zu den Faktoren für deren Entstehung gehören die Zusammenstellung des Heiligen Korans unter dem dritten Kalifen und  die Zusammenstellung der Prophetenüberlieferungen ab dem zweiten Jahrhundert sowie das Auftreten von verschiedenen Glaubensansichten.  Außerdem hatten die Muslime mit anderen Kulturen Bekanntschaft geschlossen, ihre Herrschaft hatte sich ausgedehnt und der Bedarf an gesetzlichen Regelungen hatte zugenommen. Dies alles trug zu der Entstehung der sunnitischen Rechtsschulen bei.

 

Die erste Rechtsschule der Sunniten wurde von Numan Ibn Thabit Abu Hanifa gegründet. Abu Hanifa war iranischer Herkunft,  kam aber  80 nach der Hidschra (699 n. Christus) im irakischen Kufa auf die Welt. Er war nicht nur Rechtsgelehrter sondern auch ein erfolgreicher Kaufmann.  Für die Sunniten ist er einer der bedeutendsten Fiqh-Gelehrten. Abu Hanifa  hat in Befolgung seines Lehrmeisters Hammad Ibn Abi Solaiman seine neue Rechtsschule begründet. Der religionsrechtliche Denkweise Abu Hanifas liegen 7 Quellen zugrunde: das Buch Gottes, die Tradition(Sunna) des Propheten (s), die Aussagen der Prophetengefährten, Quias, d.h. der Vergleichsschluss (nämlich die Übertragung eines Gebotes auf ähnliche Fälle), Istihsan (nämlich Handeln nach dem, was am meisten den Interessen und der Einstellung der Bevölkerung entspricht, Idschma´ (Konsens/ Übereinstimmung der Rechtsgelehrten) und  `Urf (Gewohnheitsrecht).

Die Lehre Hanifas  die später als Rechtsschule der Hanafiten bekannt wurde, fand rasch Verbreitung, weil sie die damalige Regierung akzeptierte  und viele Richter, die nach hanafitischen Recht urteilten in die verschiedenen islamischen Gebiete entsandt wurden.  Die Rechtsschule der Hanafiten fasste zuerst in Irak und dann in Ägypten, Transoxanien und  Anatolien Fuß. Sie erreichte auch den indischen  Subkontinent und  China.  Auch wenn Abu Hanifa selber  Verbreiter seiner Lehre war, so haben doch seine Schüler ebenso  eine wichtige Rolle bei deren Übermittlung inne gehabt.  Dennoch haben sich einige seiner Anhänger später von dieser  Rechtschule  abgewandt, darunter Assad Ibn Farat Kufi. Sie schlossen sich der   Rechtsschule der Malikiten an.

Abu Hanifa verstarb 150 nach der Hidschra. (765 n. Chr.)

 

Die zweite sunnitische Rechtsschule  wurde von Malik Ibn Anas gegründet und wird malikitisches Fiqh genannt.  Abu Abdullah Malik Ibn Anas ist der zweite Imam der Sunniten im 2. Jahrhundert nach der Hidschra. Er ist um 95 nach der Hidschra (715 n. Christus) in einem Gebiet nördlich von Medina zur Welt gekommen . Medina war eines der größten Lehrzentren für die religiöse Rechtslehre und  Hadithkunde. Malik eignete sich dort sein Wissen an und wurde bald in diesen Wissenschaften eine Instanz. In der Propheten-Moschee in Medina lehrte er und gab religiöse Gutachten heraus (Fitwa).  Seiner Rechtslehre liegen an erste Stelle der Koran und die Überlieferungen zugrunde. Danach folgt als nächste Quelle der Konsensus der Gelehrten und danach der Konsensus und das Handeln der Bewohner von Medina.  Weil Malik in Medina aufgewachsen war , legte er nämlich großen Wort auf die Meinung  der Bürger dieser Stadt  und wenn er in einem Falle keine direkte Anweisung im Koran oder der Überlieferungen vorfand , legte er diese als Argument für ein Rechtsurteil zugrunde.  Auch der Vergleichschluss und das Urteil nach vorrangigen Interessen und vorherrschender öffentlicher Meinung  (Istihsan) waren für ihn ein Anhaltspunkt für Rückschlüsse.  Man kann sagen, dass er das Handeln nach der selbständigen Rechtsansicht (Ra`i) befürwortete.

Die malikitische Rechtsschule fand zuerst in Hidschaz (westlicher Region auf der Arabischen Halbinsel u.a. mit Mekka und Medina) Verbreitung.  Und daraufhin auch in Ägypten. Weiterhin in Nordafrika  und Andalusien.  Heute leben die meisten Anhänger der malakitischen Rechtsschule in Nordafrika.   In Ägypten fand diese Rechtsschule keine große Verbreitung. In Andalusien wurde sie von dem Schüler Maliks,nämlich Yahya Ibn Yahya Laithi Andalusi verbreitet.

Als Maliks bedeutendstes Werk gilt "Muwatta"  ("der vorgezeichnete Pfad"). In diesem führt er Hadith  und ebenso die Religionsgutachten der Rechtsgelehrten in Medina an und bringt dann  auch seine eigene  religionsrechtliche Meinung.  Malik war der Ansicht, wenn ein religionsrechtliches Urteil durch Überlieferungen belegt werden kann, könne man sich nicht mehr auf eine eigene Urteilsfindung und Vergleichsschluss stützen.  Als einer der bedeutendste Vertreter der malikitischen Schule ist Abu Abdullah Ziyyad ibn Abdul Al Rahman Qurtobi zu nennen.

 

 

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