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Dienstag, 05 Juni 2012 03:11

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 57)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 57)
Sie erinnern sich, dass wir beim letzten Mal über die Islamische Wissenschaft des Fiqhs, der islamischen Rechtslehre, gesprochen hatten. Wir haben als erstes begonnen, die Geschichte der sunnitischen Rechtslehre zu behandeln und sagten,
dass sich diese in mehrere Epochen einteilen lässt, darunter die Epoche zur Zeit des Propheten, die Sahaba-Epoche und die Tabiin-Epoche, also die Epoche der Prophetengefährten und dann die Epoche derjenigen, die die Prophetengefährten noch gekannt hatten. Danach beginnt die vierte Epoche, die die Epoche der Vier Imame genannt wird. Sie dauerte bis ungefähr 10. Jahrhundert nach Christus.

Wir haben die ersten zwei Imame der Sunniten, die eine neue Rechtsschule , nämlich die der Hanafiten und die der Malikiten gründeten, besprochen.

Heute sprechen wir zunächst im Anschluss daran über die beiden anderen  der vier wichtigsten Rechtsschulen der Sunniten.

Die dritte Rechtsschule der Sunniten wurde von Abdulllah Mohammad Ibn Idris Schafii gegründet. Er kam 150 n. der Hidschra, ca 767 n. Christus in Gaza, Palästina zur Welt.  Schafii kannte sowohl die Rechtschule der Hanafiten als auch die der Malikiten. Er versuchte, die Grundlagen dieser beiden Rechtsschulen zu verknüpfen und eine neue Rechtsschule zu begründen. Dennoch war er gegen das Istihsan der Hanafiten  und das  Istislah der Malikiten.

 

(Istihsan bedeutet: Rechtsfindung gemäß dem, was am meisten den Interessen und der Einstellung der Bevölkerung entspricht und mit Istslah bezeichnet man die  Gewinnung eines Rechtsspruches, zu dem es weder im Koran noch in der Sunna eine Aussage   noch einen Konsensus gibt)

 

Schafii hielt seine religionsrechtliche Meinung in einem Regelwerk über das Religionsrecht  fest. Seine Rechtsschule wurde von Salahuddin Ayubi in Ägypten  verbreitet und fand im Irak und Mekka Anhänger. Schafii verstarb 204 nach der Hidschra, (820 n. Chr.)

 

Die vierte Rechtschule der Sunniten wurde von Ahmad ibn Hanbal gegründet. Sie wird  Rechtsschule der Hanbaliten genannt. Ahmad Ibn Hanbal wurde 164 n. d. Hidschra geboren, d.h. 780 n. Christus.  Er war ein bedeutender Hadithgelehrter und u.a. Schüler von Schafii. Hanbal hat  ein Musnad  - ein Hadithwerk mit 30 Tausend Überlieferungen zusammengestellt. Seine Rechtsschule war auf dem Koran, der Sunna (Tradition) der religiösen Gutachten (Fitwa) der Prophetengefährten, dem Vergleichsschluss und  Istihsan begründet ( nämlich – wie wir bereits eben erwähnten -  Handeln nach dem, was am meisten den Interessen und der Einstellung der Bevölkerung entspricht).  Seine Rechtslehre fand hauptsächlich in Hidschaz (Westen der Arabischen Halbinsel) ihre Anhänger. Zu den bekanntesten hanbalitischen Rechtsgelehrten gehört Ahmad Ibn Mohammad Ibn Hani, bekannt als Athram.

Ahmad Hanbali lehnte aber die schriftliche Sammlung seiner Urteile  ab. Deshalb werden in den Aufzeichnungen durch seine Schüler und erst recht in den Werken späterer Anhänger dieser Schule, unterschiedliche und zum Teil einander widersprechende Urteile zu verschiedenen Themen überliefert. Die überlieferten Aussagen Hanbalis gehen manchmal in einer Frage auf 4 bis 5 Quellen zurück.

Ahmad Ibn Hanbal verstarb 241 nach der Hidschra (855 n. Christus)

 

Nach dieser Entfaltung der sunnitischen Rechtssprechung, wurden ab dem 4. Jahrhundert nach der Hidschra bis zum 13. Jahrhundert nur Kommentare, Auslegung und Marginalkommentare zu deren Werke geschrieben. Die Rechtsgelehrten der vier sunnitischen Rechtsschule haben quasi nichts hinzugefügt.  Das Idschtihad – die selbstständige Rechtsfindung -  war damit im sunnitischen Fiqh in eine   Nachahmung dieser 4 Imame übergegangen. Es gab keine vernünftigen Gründe und auch keine Begründung in den Islamischen Quellen   sich nur auf diese 4 verstorbenen Imame zu stützen, doch aus politischen Gründen und aufgrund der Rechtspraxis wurde dies zur still vereinbarten Regel, gegen die niemand so leicht ankam.

Aber im 13. Jahrhundert nach der Hidschra kam es zu augenfälligen Wandlungen in der Islamischen Welt und diese erforderte eine Revision in den religionsrechtlichen Bestimmungen entsprechend den neuen Umständen. Dies veranlasste einige sunnitische Rechtsgelehrte, wenn notwendig die Befolgung der Meinung der Anführer der vier Rechtsschulen in Frage zu stellen.

Den sunnitischen Rechtsgelehrten wurde bewusst, dass es keinen vernünftigen und praktischen Grund gibt, dies nicht zu tun und dass sie ebenso wie die 4 verstorbenen Imame selbständig Urteile finden können.  Der bekannte ägyptische Mufti Scheych Mahmud Schaltut erlaubte in diesem Zusammenhang die Befolgung von Meinungen der schiitischen Rechtsgelehrten. Dies war ein entscheidender Schritt.

 

Scheych Mahmud Schaltut  war Forscher, Korankommentar und Rechtsgelehrter. Er wurde 1958 zum Leiter der äyptischen Al-Azhar-Universität ernannt und verwaltete diese bekannte Universität bis an sein Lebensende. Schaltut gehört zu den Begründern der Institution zur Annäherungen der Islamischen Rechtsschulen: Dar al Taghrib beyn Al Mazaheb Al Islamiyah. Diese Einrichtung versucht, Freundschaft und Brüderschaft zwischen den Sunniten und Schiiten herzustellen, Zwietracht zu beseitigen und die Beziehungen zwischen den islamischen Rechtsschulen zu festigen.

Ein Erfolg dieses Dar al Taghrib war die Herausgabe der Fitwa, in der  Scheych Schaltut genehmigte, dass man nach dem Religionsrecht der Rechtsschule der 12-er Schiiten und Dschafaritischen Rechtsschule handeln kann.  Dieser große Gelehrte verstarb 1963 im Alter von 70. Zu seinen Werken gehören ein Korankommentar , das Nahdsch-ul Quran fi Bana`Mudschtami`, Fiqh al Quran und andere.

Es sei noch erwähnt, dass neben den 4 sunnitischen Rechtsschulen, die wir beschrieben,  noch andere Rechtsschulen entstanden, die jedoch zum Teil, wie die  Rechtsschule der Zaiditen und der Ismailiten den schiitischen Rechtsschulen zugeordnet  worden sind. Außerdem gibt es die Rechtsschule der Ibaditen. Diese ist selbstständig und ein übrig gebliebener Zweig der Charidschiten.

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