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Montag, 07 Mai 2012 03:10

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 53)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 53)
Eines der Gebiete für die Entfaltung der Kultur und der Islamischen Zivilisation ist das Gebiet der Ilm-e Hadith. Die Ilm-e Hadith lässt sich mit „Wissenschaft von den Überlieferungen“ übersetzen.  Hadith bedeutet wörtlich: „etwas Neues“  und als islamwissenschaftlicher Ausdruck nimmt es die Bedeutung „Wiedergabe einer Begebenheit aus dem Leben oder der  Worte und Taten des Propheten oder anderer großer Persönlichkeiten der Religion“ an. Aus der Sicht der Sunniten
sind diese großen Persönlichkeiten der Religion die Sahaba und die Ta`iban, d.h. die Prophetengefährten und die Anhänger der Sahaba nach dem Tod des Propheten. Für die Schiiten sind es die Unfehlbaren Imame a.s., die aus der Nachkommenschaft des Propheten – des Ahle-Bait stammen.

Es lässt sich auch sagen, dass die Hadith-Kunde aus dem Wissen über die Regeln besteht, mit denen man die Zuverlässigkeit  eines Hadith – einer Überlieferung feststellen kann.

In diesem Teil möchten wir Ihnen von dieser Wissenschaft und ihren bekannten Vertretern berichten.


Wie Sie wissen haben die Muslime als der Erhabene Prophet noch lebte, seine Worte gesammelt und weitererzählt. Der Prophet selber hat sie dazu angespornt. Er hat hierzu gesagt: „Jeder aus meinem Volke, der sich 40 Hadith über die religiösen Bedürfnisse des Volkes  merkt, wird am Jüngsten Tag als Gelehrter und Weiser auferweckt werden.“

Es sei erwähnt, dass die Muslime in religiösen Fragen nicht nur die Wegweisungen und das Vorbild des Propheten(s.) brauchten. Sie waren auch sehr daran interessiert, die Mitteilungen über das Leben des Propheten und seine Überlieferungen aufzubewahren und weiterzugeben.  Deshalb zogen einige von ihnen von einer Stadt zur anderen, um aus dem Munde der Prophetengefährten und derer, die die Prophetengefährten noch gekannt hatten, Überlieferungen zu erfahren.

Aber nach dem Tod des Propheten s. haben einige Prophetengefährten  die Wiedergabe und Zusammenstellung von Überlieferungen bekämpft. Sie begründeten das damit, das der Koran für die Muslime ausreiche.  Deshalb wurden viele Niederschriften der Prophetengefährten mit Wasser getilgt oder verbrannt.  Aber eine andere Zahl von Prophetengefährten sammelten weiter eifrig Überlieferungen. Und  im Zusammenhang mit dieser Arbeit entstand eine weitere wissenschaftliche Disziplin . Diese setzte sich damit auseinander wie Beweise für die Richtigkeit einer Überlieferungen gefunden werden können und wie ihre Dokumentation überprüft werden kann.  Diese Wissenschaft entfaltete noch einmal weitere Zweige wie die  Ilme-e Ridschal. Diese Wissenschaft biografischer Studien  untersucht das Leben der Personen in der  Überlieferungskette (Isnad) hinsichtlich ihrer Vertrauenswürdigkeit.  Die Ilme Mustalhu-l Hadith (auch: Ilm-e Dirayah), d.h. das Fach Hadith-Terminologie untersucht den Wortinhalt eines Hadith, kommentiert die einzelnen Wörter und ordnet ein Hadith hinsichtlich seiner Aussage den allgemeinen und speziellen Hadith zu. Sie betrachtet auch widersprüchliche Überlieferungen.  Auch in der Ilm-e Fiqh-e Hadith sind Überlieferungen der Untersuchungsgegenstand. – . Diese Wissenschaft betrachtet und kommentiert sie aus verschiedenen Blickwinkeln und deckt dabei ihre wichtigste Bedeutung auf. Viele muslimische Gelehrte haben sich bereits in der ersten Epoche der Zusammenstellung von Hadith für diese Sache eingesetzt. Sie haben sich mit Hilfe dieser Wissenschaft der Untersuchung der Zusammenstellung von Berichten und dem Mechanismus zu ihrer Bereinigung und ihrem Verständnis gewidmet.

Die Überlieferungen lassen sich allgemein in zwei Gruppen einteilen. Man spricht von Ahadith Mutawatir und Ahadith Wahid.  Ein Hadith-e Mutawatir ist ein Hadith, für das es zu jedem Zeitabschnitt zahlreiche Erzähler gibt und sich die Richtigkeit der Mitteilung als sicher ergeben hat. Bei einem  Hadith-e Wahid  ist die Zahl der Überlieferungen nicht groß genug, d.h. es gibt nur einen oder nur einige Überlieferer dieses Hadith.

Die Schiiten unterscheiden  die Hadith gemäß ihrer Zuverlässigkeit nach Sahih, (authentisch)  Hassan (schön, mauthiq (stark)    und Daif (schwach). Bis auf die Hadith-e mauthiq  teilen die Sunniten die Überlieferungen genauso  in authentische, schöne und schwache ein.

Von den Überlieferungssammlern sind einige schiitische und sunnitischen besonders bekannt.  Die Tatsache, dass es starke und schwache Überlieferungen gab führte dazu, dass die Hadithkundigen bei ihren Zusammenstellungen von Ahadith  hinsichtlich der Überlieferungskette  genau differenzierten. Es entstanden im 3. Jahrhundert nach der Hidschra (9. Jahrhundert nach Christus) Hadithsammlungen, die für die Sunniten von besonderer Bedeutung waren. Bei den Sunniten sind sechs Werke besonderes wichtig . Diese sind gemeinsam als die Sihah As Sittah  (die sechs Sahih) bekannt. Zu den Hadithkundigen der Sunniten gehörte Abu Abdullah Mohammad Ibn Ismail Buchari. Er kam 194 n. d. Hischra  (ca. 810 n. Christus) in Buchara im heutigen Uzbekistan zur Welt.   Buchari bereiste viele Städte in Chorassan, Irak, in Hidschaz (arabische Halbinsel), Schaam (altes Syrien) und Ägypten, um sich über Überlieferungen zu erkundigen. In Bagdad fand er die Aufmerksamkeit der Gelehrten. Aus der  Summe von 600 Tausend Hadith, stellte er schließlich ein Werk mit denjenigen Überlieferungen zusammen, die er als Hadith-e sahih , als authentische  Hadith betrachtete. Er nannte sein Werk daher Sahih Buchari. Buchari widmete sich 16 Jahre lang der Sammlung von Hadith und schließlich ihrer Zusammenstellung als Sahih Buchari. Das Sahih Buchari enthält 7563 Hadith. Rechnet man die Wiederholungen nicht mit, sind es 2607 Hadith.  Für die Sunniten ist dieses Buch nach dem Koran das authentischste Werk und sie vertrauen sehr in seine Zuverlässigkeit.

Buchari ist 256 nach der Hidschra in Samarkhand verstorben, ca. 870 nach Christus.

Ein weiteres wichtiges Ahadithwerk der Sunniten ist Sahih-e  Muslim. Muslim Ibn Hadschadsch kam 204  nach der Hidschra (um 820 n. Chr) im  nordostiranischen Neyschabur zur Welt. Sein Studium der Religionswissenschaften begann er in Kinderjahren. Er reiste später in verschiedene Städte, um Hadith in Erfahrung zu bringen. Muslim war ein Schüler Bucharis. Für die Sunniten ist das Sahih –e Muslim nach dem Sahih von Buchari das zuverlässigstete Hadithbuch in der Islamischen Welt. Die Überlieferungen in diesen beiden Werken betrachten sie ohne Überprüfung der Überlieferungsgrundlage als authentisch und Beweisstück.

Sahih Muslim umfasst 7275 Hadith, d.h. ohne Wiederholungen 4000.

Diese beiden Hadithwerke enthalten Überlieferungen über alle Themen, ob die Scholastik betreffend oder die Auslegung, die Moral oder das Religionsrecht. Muslim verstarb 261 nach der Hidschra in Neyschabur (um 875 n. Christus).

Das Sunan von Abu Davud Sidschistani  ist ebenso eine Quelle der Sunniten für Hadith. Solaiman Ibn Asch`ath, wie Abu Davud eigentlich hieß,  hat  202 bis 275 n. d. Hischra gelebt, war also ein Zeitgenosse von Muslim. Er verließ seinen Heimatsort in Ostiran und reiste fast in alle Teile der Islamischen Welt von Osten nach Westen. Insbesondere in Bagdad hat er das Wissen von Ahmad Ibn Hanbal genutzt. Sein Sunan (Buch der Tradition)  ist das drittwichtigste Buch nach den beiden oben genannten Sahih. Es enthält 5274 Überlieferungen.

Eine weitere wichtige Hadithquelle ist für die Sunniten das Sunan von Ibn Madscha. Abdu Abdullah Mohammad Ibn Yazid Ibn Madscha Qazwini lebte von 207 bzw. 209 bis 273 nach der Hidschra ( 824-887 n. Christus). Auch er  bereiste viele Städte um Hadith zu sammeln und ließ sich schließlich im nordiranischen Qazwin nieder. Dort  lehrte er und verfasste Bücher.

Das Sunan von Ibn Madscha weist 4341 Hadith auf. 3000 seiner Hadith kommen in 5 weiteren Büchern vor. Aber von dem Rest werden nur 428 als authentisch betrachtet.

Die nächste Quelle der Sunniten ist die Sunan Thirmidhi . Dieses Werk von Muhammad Ibn Isa Tirmidhi , der 279 nach der Hidschra geboren wurde, (also wenige Jahre nach dem Tod von Ibn Madscha) enthält im Vergleich zu anderen Sunan-Werken auch noch kritische und geschichtliche Punkte. Dieses Werk wird auch zu den Sahih-Werken gezählt. Tirmidhi hat in seinem Sunan unter jeder Riwajat (Überlieferung)  diese besprochen ob sie sahih, also authentisch, oder daif, nämlich schwach ist. Das Buch umfasst 3956 Hadith.

 

Ein weiteres wichtiges Hadith-Werk der Sunniten ist das Sunan Nasai. Abu Abdul Rahman Ahmad Ibn Schueyb Nasai  (215 bis 303 nach der Hidschra) (also auch 9. Jahrhundert n. Christus)  schrieb zunächst ein Buch, in dem er alle Überlieferungen aus dem Leben des Propheten zusammenfasste. Als er dieses dem  Emir von Ramla (Stadt in Palästina) vorlegte, forderte dieser ihn auf, nur die Hadith, die  authentisch sind zu bringen. Dies tat Nasai in einem Werk 5761 Hadith, das er   „Al mudschtaba Min Al Sunan“ nannte . Es wurde als Sunan Nasai bekannt.  Er schrieb auch ein Buch namens Al Chasa`is über die besonderen Tugenden Imam Alis (a.s.).

In den darauffolgenden Epochen  beschäftigten sich die sunnitischen Gelehrten damit, Ergänzungen zu den sechs großen Hadithwerken zu schreiben,  diese zu kommentieren und Beweise abzuleiten.  Eines dieser Bücher ist das Al Alzamat  von Abu-l Hassan Ali Ibn Umar Ibn Ahmad (385 nach der Hidschra – circa 995 n. Christus) . Es wurde auch nach seinem Beinamen Sunan Al Dar Qutni genannt.  Dieser Gelehrte hat in seinem Werk auch Überlieferungen gebracht, die zwar nach Ansicht von Buchari und Muslim authentisch waren, die jedoch nicht in deren beiden Sahih standen..

Zu nennen ist auch das Al Mostadrak Ala As Sahihin von Mohammad Hakem Neyschaburi  (321 – 403 n. H. - 933 bis 1012 n Jahrhundert n. Christus).  Dieser Gelehrte hat zahlreiche weitere Werke in der Hadithkunde geschrieben.

Im nächsten Teil möchten wir die schiitischen Hadithgelehrten vorstellen.

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