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Montag, 30 April 2012 03:24

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 52)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 52)
  Wir haben Ihnen die Korankommentatoren ab der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts nach der Hidschra bis zum 6. Jahrhundert, (ab 2. Hälfte 7. bis 12. Jahrhundert nach Christus) vorgestellt. Wir sprechen nun über darauffolgende Exegeten und über ihre Werke und Methoden bei der Auslegung des Korans. Abdullah Ibn Umar Baidawi (verst. circa 1286 – 1293 n. Chr.)
war ein Gelehrter der schafiitischen Rechtsschule und Kommentator und Scholastiker des 7. Jahrhundert nach der Hidschra und dem Mondkalender. Baidawi kam in der Stadt Baidai in der südiranischen Provinz Fars in einer Gelehrtenfamilie zur Welt. Sein Tafsir nannte er Anwar al Tanzil wa Asrar al Ta`wil (die Strahlen der Herabsendung und die Geheimnisse der Auslegung). Dieses Werk , welches auch als Tafsir-e Baidawi bekannt ist, wurde außerdem von einigen als Kurzfassung des Kaschaf von Zamachschari bezeichnet. Tatsächlich ist es stark vom Kaschaf Zamachscharis beeinflusst. Aber in Bezug auf die Rechtslehre und die Scholastik ähnelt es wiederum auch sehr dem Tafsir-e Kabir von Fachr Razi.

 

 

Die Koranauslegung von Baidawi fand großes Interesses und wird auch heute noch von vielen begrüßt. Baidawi beeinflusste mit seinem Werk bis in die Gegenwart andere Kommentatoren. Er beschränkte sich bei seiner Auslegung weder auf die Zuhilfenahme von Überlieferungen, noch stützte er sich nur auf rationale Überlegungen oder versuchte sich ausschließlich auf die verborgenen Wahrheiten im Koran zu konzentrieren. Vielmehr begegnen wir überall in seinem Werk der Kombination dieser drei Methoden. Bei der Erklärung der Verse führt er literarische, scholastische, geschichtliche und religionsrechtliche Punkte an. Die schiitischen Gelehrten haben circa 20 Exemplare der Baidawi-Exegese mit ihren verschiedenen Randkommentaren versehen. Davon kann zum Beispiel der Marginalkommentar von Scheych Bah`ai und der von Qasi Nurullah Schuschtari genannt werden.


Ein bekannter Korankommentator ist ebenso Dschallaluddin As Suyuti gewesen (1445 – 1505 nach Christus), 9. Jahrhundert nach der Hidschra . Erst schrieb er eine größere Exegese, die sich völlig auf die Überlieferungen stützte, fasste diese aber dann als Al Dar ul Manthur zu einer kürzeren zusammen. Sein Kommentar stützt sich auf große Werke wie die Hadithsammlungen von Buchari und Muslim, das Sunan Nasai, das von Tirmidhi und jenes von Abu Davud, das Masnad Ahmad Ibn Hanbal, den Kommentar von Tabari und andere Quellen. Obwohl Suyuti viel Wissen über die Überlieferungen besaß , hat er dennoch nach ihrer Anführung keinerlei Angaben zu ihrer Zuverlässigkeit gemacht.

 

Ein bekannter Korankommentar des 11. Jahrhunderts nach der Hidschra (17. Jahrhundert nach Christus) ist der schiitische Gelehrte Mulla Mohsen Feyz Kaschani. Er war Mystiker und Theosoph, Hadithkundiger und Exeget. Feyz Kaschani wurde 1007 nach der Hidschra (ca. 1599 n.Chr.) in Kaschan, Iran geboren. Als Gelehrter wirkte er in Qum. Die bekannte Madrassa Feyzieh in dieser Stadt wurde nach ihm benannt. In Schiraz erwarb er seine Kenntnisse in der Hadithkunde bei Madschid Bahrani und Philosophie und Mystik bei dem Theosophen und berühmten Mystiker Mulla Sadra, der wegen seiner transzendenten Theosophie auch Sadr-ol-Mote'allehin genannt wurde. Feyz Kaschan hat viele Werke geschrieben. Seine Korankommentar nannte er Tafsir Safi.. Er legte bei der Auslegung Überlieferungen zugrunde und seine Exegese ist von mystischen Tendenzen geprägt. Das Vorwort enthält viele wertvolle Ausführungen über die Koranwissenschaften, den Nutzen der Ratsuche beim Koran, das Koranwissen der Edlen aus dem Prophetenhaus, Untersuchungen über die Verse mit mehreren Bedeutungen und ihre Erklärung usw. Im Tafsir Safi übernahm Kaschani vieles von Baidawi –doch enthält diese Exegese auch mehrere neue Ideen. Zum Beispiel führt Kaschani direkt unter jedem Vers die zugehörigen Überlieferungen an.

Feyz Kaschani verstarb 1091 nach der Hidschra (1680 n. Chr.) in seinem Geburtsort Kaschan.


Auch im heutigen Zeitalter gibt und gab es große Koranexegeten und einige von ihnen sind Iraner. Die iranischen Muslime haben großes Interesse an der Erklärung der göttlichen Verse bewiesen. Einer der iranischen Exegeten ist Alameh Seyyed Mohammad Hussein Tabatabai.

Er kam 1321 n. der Hidschra zur Welt (um 1904 nach Christus) . Tabatabai ist einer der großen schiitischen Gelehrten der Theosophie und der Koranauslegung.

Es ist zu erwähnen, dass vor dem 14. Jahrhundert nach der Hidschra ( ca. 20. Jahrhundert nach Christus) keine auffallende Veränderung im Schreibstil von Koranexegesen eingetreten war, auch wenn die Exegesen jeder verschiedene Ebenen berührten. Aber im 14. (20.) Jahrhundert entstanden wichtige Stilveränderungen. Alameh Tabatabai gehörte zu denen, die einen neuen Stil schufen.

Sein Werk Tafsir Al Mizan ist berühmt.


Im Vorwort zu seiner Exegese schreibt Alameh Tabatabai: „In dieser Exegese werden wir nur uns nur mit den folgenden Themenbereichen beschäftigen, um auf dieselbe Weise wie die Ahl-e Bait (a.s.) – die Edlen aus dem Hause des Propheten - den Koran erläutert zu haben:

1. Wissen über die Namen Gottes des Höchsterhabenen und Seine Attribute

2 . Wissen über die Handlungen Gottes, Seinen Willen, Rechtleitung und Irrweg, Vorherbestimmung, Determinismus bzw. Handlungsfreiheit usw.

3. Wissen über die Vermittler zwischen Gott und dem Menschen und Begriffe wie Hidschab, Luh (verborgenes Buch) Qalam (Feder), Himmelsthron, Himmel und Erde, Engel und Satane usw.

4. Wissen über den Menschen auf der Erde und ebenso über die Reiche, die dem weltlichen Leben folgen, nämlich die Zwischenwelt Berzach und das Jenseits

Und schließlich

5. Wissen über gute Moral, den Rang der religiösen Führer auf dem Weg der Gottdienerschaft, Islam, Glauben, Wohltätigkeit, ausschließliche Gottergebenheit und weiteres.“

 

Ein großer Vorzug des al Mizan gegenüber den vorherigen Kommentaren hinsichtlich des Stils ist darin zu sehen, dass vorher für gewöhnlich zu einem Vers zwei oder drei Auslegungen genannt und verschiedene Vermutungen angestellt wurden, wobei letztendlich nicht klar wurde, welche von diesen Varianten der Autor bevorzugt. Aber im Al Mizan wird aufgrund der Methode „Auslegung des Korans anhand des Korans“ einer der Bedeutungen der Verse mit Hilfe der anderen Versen als vorrangig bezeichnet und verdeutlicht, was gemeint ist. Dieser Vorteil ergibt sich aus der starken Auslegungsmethodik, die Alameh Tabatabai gewählt hat und die ihn vor der Gefahr, etwas aufgrund eigner Meinung in den Koran hinein zu interpretieren (tafsir be Rai) schützte. Alameh Tabatabi erklärt außerdem - auch wieder durch Heranziehung anderer Koranverse - religiöse und koranische Begriffe wie Erhörung des Gebetes, Ein-Gott-Glaube (Tahwid), Tawba – die reuevolle Umkehr, Dschihad (Mühen auf Gottes Wegen).

Alameh Tababai ist der Ansicht, dass das Kriterium für Überlieferungen die Koranverse sind. Daher bringt er nur Überlieferungen von den Ahl-e Bait a.s., deren Zuverlässigkeit sich durch Übereinstimmung mit dem Koraninhalt bestätigt.

Das Tafsir Al Mizan ist das wichtigste und umfassendste schiitische Tafsir der Gegenwart und mit Gewissheit einer der großen und grundlegenden Korankommentare des letzten Jahrhunderts für die 12er Schia. Alameh Tabatabai hat zwei Jahrzehnte lang an dieser Exegese gearbeitet. Das Werk ist zurzeit in 20 Bänden erhältlich. Alle 20 Bände sind vom Arabischen ins Persische übersetzt worden.

Alameh Tabatabai verstarb 1402 (1981).

 

 

 

 

 

 

 

 

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