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Montag, 23 April 2012 04:19

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 51)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 51)
Im letzten Teil haben wir von der Ilm-e Tafsir gesprochen, der Wissenschaft der Auslegung des Korans und wir haben auf einige Methoden dieser Wissenschaft hingewiesen, sowie  einige Exegeten genannt.Vom dritten bis 15. Jahrhundert nach der Hidschra, d.h. vom 9. Jahrhundert nach Christus bis in die Gegenwart
sind viele Korankommentatoren in Erscheinung getreten, zum Beispiel  Abu Dschafar Muhammad Ibn Dscharir at-Tabari. Er wurde 224 nach der Hidschra  839 nach Christus in Amol im Nordiran geboren und war ein hervorragender sunnitischer Gelehrter , Hadithkundiger, Historiker und Rechtsgelehrter . Anfangs gehörte er der schafiitischen Glaubensrichtung an, begründete jedoch dann eine unabhängige religionsrechtliche Schule und befolgte keinen anderen Anführer einer sunnitischen Glaubensgruppe mehr. Die religionsrechtliche Schule von At Tabari  hatte einige Zeitlang ihre Anhänger, aber sie ging allmählich zu Grunde.

 

Tabari nannte seine  Koranauslegung Dschami`al Bayan und beendete sie im Jahre 270  nach der Hidschra. Sie wurde  bald sehr bekannt. Unter dem Samanidenherrscher Mansur Ibn Nuh wurde sie vom Arabischen ins Persische übertragen.

 

Die meisten Gelehrten der Ilm-e Tafsir haben den wissenschaftlichen Rang von Tabari gepriesen und in seinem Dschami`al Bayan eine wichtige Quelle für die nachfolgenden Kommentatoren gesehen. Die Methodik Tabaris bestand in der Heranziehung von Überlieferungen, doch hat er auch die Methode der Auslegung aufgrund der Vernunft herangezogen. Er führt die Meinung früherer  Kommentatoren an und äußert sich dazu  .  Die Methodik at Tabaris bedeutete im dritten Jahrhundert nach der Hidschra ein wichtiger Schritt für die detaillierte Koran-Forschung und Auslegung aufgrund der Ansichten vorhergehender Exegeten.  At-Tabari ist 310 nach der Hidschra in Bagdad verstorben.

Bekannt wurde auch im vierten Jahrhundert nach der Hidschra (10. Jahrhundert nach Christus) der Gelehrte  Abu Abdullah Muhammad ibn Ibrahim Ni'mani    . Er war ein Schüler von  Yaqub al-Kulayni, ein bekannter schiitischer Gelehrter.  Die Koranauslegung von Ni`mani gehört zu den Exegesen, die auf geschichtlichen Berichten und der Scholastik beruhen.  Ni`ami hat sein Werk in 58 Kapitel aufgeteilt und sich thematisch den wichtigen Punkte im Koran gewidmet.  Im Vorwort seines Korankommentars  ruft er die Wissensdurstigen auf, die Auslegung  der Koranverse durch die Unfehlbaren Imame (a.s.) aus dem Hause des Propheten, zu verstehen zu versuchen. Er betont dabei, dass die Familie der Offenbarung und des Prophetentums (a.s.)  besser über den Heiligen Koran Bescheid wissen, als die anderen.

In einem anderen Teil dieser Exegese, wird  die selbstständige Urteilsbildung (Idschtihad) erörtert.

 

 

Weiterhin ist Abu Dschafar Mohammad Ibn Hassan Tusi zu nennen, der als „strahlender Stern des Islams“ bekannt wurde. Er ist 385 nach der Hidschra  (Ende 10. Jahrhundert nach Christus) auf die Welt gekommen- Mit 23 zog er von Tuss im Nordosten Irans  nach Irak und erwarb dort bei dem bekannten schiitischen Gelehrten Scheych Mufid sein Wissen. Er wurde zu einem Anführer der Schiiten . Noch lange Zeit danach galt er weiter als einer besten schiitischen Gelehrten. Wegen eines unglücklichen Ereignisses in Bagdad musste er  gegen Lebensende in die Stadt Nadschaf umsiedeln. Scheych Tussi gründete  die theologische Hochschule von Nadschaf. Dieses theologische Lehrzentrum ist heute d.h. nach einem Jahrtausend,  noch immer tätig.

Das Tafsir Tebyan des Scheych Tussi ist die erste schiititsche Koranauslegung, welche aufgrund der rationalen und der Idschtihadi-Methode geschrieben werden.  Scheych Tussi erklärte die Verse bei gleichzeitiger Anführung von den Glaubens- Ansichten und scholastischen Meinungen. Er widmet auch der Wortlehre  und der Ableitung von Worten und den Lesarten der Verse besondere Beachtung. Zugleich beschrieb er die Geschichte der früheren Völker und bewertete sie. Scheych Tussi verzichtete auf die  Dinge, die seiner Meinung nach nicht ganz sicher waren.

Tebyan von Scheych Tussi und Madschma`Al Bayan von Tabarsi  gelten als zwei bedeutende Kommentare der Schiiten. Scheych Tussi hat im Vorwort seines Werkes  gut verständlich seine Auslegungsmethodik beschrieben. Er betont dabei, dass der Koran verstanden werden und man auch zuverlässige Überlieferungen zu Hilfe nehmen muss, um den Koran zu verstehen.  Er hat die  Tafsir be rai absolut verurteilt, d.h. eine Auslegung, bei der der Kommentator den Koran ausgehend von der eigenen Meinung erläutert, d.h. die eigene Meinung sozusagen dem Koran aufgezwungen wird.  Scheych Tussi verstarb 460 nach der Hidschra circa 1068.

 

 

548 wurde ein weiterer bekannter Koranexeget geboren, nämlich der bekannte Scheych Tabarsi, eigentlich Fasl ibn Hassan Tabarsi.  Tabarsi  war eine schiitische Persönlichkeit. Sein Madschma` al Bayan gehört zu den literarisch gesehen besten Auslegungen und wird von Schiiten und Sunniten geschätzt.  Diese Exegese ist im Iran, Ägypten und Libanon mehrmals verlegt  worden.  In diesem 10-bändigen Werk hat  Tabarsi frei von jedem blinden Eifer verschiedene schiitische und sunnitische Qellen genutzt. Dieser große Exeget  sah in seiner Auslegung des Korans eine Ergänzung des bekannten Tafsir Al Bayan von Scheych Tussi.

In dem Werk Madschma` Al Bayan werden die literarischen Aspekte mit Schwerpunkt auf die Satz-  und Wortlehre ausführlich beleuchtet.  Seine Methodik bei der Auslegung der Koranverse  beruht auf dem Prinzip des rationalen Zusammenhanges . Die Verse werden erst gemäß der Kunde von den Lesarten untersucht und dann nach der Wortlehre und der Vokalisation und schließlich nach den Anlässen der Offenbarung, dem Sinn des jeweiligen Verses und den enthaltenen Gebote und Schilderungen.

Anschließend widmet er sich dem Zusammenhang  der anderen Koranverse  mit dem betreffenden Einzelvers , der ausgelegt wird,  und betrachtet auch die Beziehung zu anderen Suren.

Tabarsi hat neben dem  Madschma` Al Bayyan noch zwei andere Koranauslegungen geschrieben. Im einbändigen Al Kafi Al Schafi  beleuchtet er  auf Arabisch den Koran aus literarischer Sicht. Die andere Koranauslegung ist  Dschawame al Dschami auf Arabisch und zeichnet sich hinsichtlich der Redegewandheit und der wissenschaftlichen Aspekte und Beseitigung von Unklarheiten aus. Madschma` Al Bayan ist Tafsir Kabir und Dschawameh al Dschami  Tafsir wasit  und Al Kafi Al Schafi  Tafsir Wadschis genannt worden.

 


Abu al Futuh Razi  ist ebenso ein großer Korankommentator gewesen. Er hat im 6. Jahrhundert nach der Hidschra gelebt und kam 554 nach der Hidschra (um 1159 n. Christus) zur Welt. Abu al Futuh Razi kam aus dem nordostiranischem Neyschabur, lebte aber in Rey, südlich vom heutigen Teheran. Er ist einer der bekannten schiitischen Kommentatoren und  Scholastiker, Zeitgenosse von  Tabarsi und Zamachschari, und hat sein Wissen bei den Schülern von Scheich Tussi erhoben. Sein Tafsir ist mit Rawd al Dschinan wa Ruh al Dschanan betitelt.  Es  kann mit Madschma` Al Bayan und Al Tebyan auf eine Stufe gestellt werden und ist auch als literarisches Werk in der Persischen Sprache unbedingt zu beachten. Es ist eine der bekanntesten und inhaltsreichsten Koranauslegungen in Persischer Sprache und dient als Quelle für die Vertreter der Persischen Literatur.  Aber dieses Tafsir weist ebenso wenig wie  Al Teyban eine Aufgliederung nach Kapiteln wie beim  Madschma`Al Bayan  auf und die Themen sind verstreut. Seine Schwerpunkte sind Scholastik und der literarische Aspekt. Abu Al Futuh Razi führt zuerst einen Koranvers an, und untersucht ihn auf seine sprachlichen und literarischen Eigenschaften. Er  stützt sich auf die Überlieferungen der Unfehlbaren Imame (a.s.) und Berichte aus deren Leben.  Danach folgen die Geschichtsbeschreibungen der Sunniten und das was Kommentatoren von den Prophetengefährten (Sahaba)  und deren Zeitgenossen nach dem Verscheiden des Propheten  (Tabi`in)  bringen.  Bei der Klärung von Wörtern beruft er sich unter anderem auch auf Werke arabischer Dichter.

Abu al Futuh Razi liegt in der Stadt Rey, am südlichen Rand von Teheran  begraben.

 

Sehr bekannt ist auch Mohammad Ibn Umar Fachr ad-Dine Razi, kurz Fachr Razi genannt. Er wurde 543 nach der Hidschra (um 1149 nach Christus) im nordiranischen Mazanderan geboren. Er hat jedoch  in Rey und zeitweise  auch  in Herat (heute Afghanistan) und Chwarazm gelebt. Schon zu Lebzeiten wurde er berühmt und ein angesehener Gelehrter.   Sein Tafsir und einige seiner Ansichten in der Philosophie und Scholastik sind sowohl unter den Schiiten als auch unter den Sunniten bekannt.

Das Werk Tafsir al Kabir oder Mufatih Al Gheib – die Schlüssel zum Verborgenen –ist eines der wichtigsten Werke Fachr Razis. Das Besondere an diesem Tafsir ist vor allem dass er auf die Beziehungen zwischen den Koranversen und Suren achtet.  Er schreibt neutral und respektiert die Ansichten andersdenkender Gelehrter. Fachr Razi kommentiert aus  der Sicht der Rechtslehre, der Scholastik, Philosophie und  aus naturwissenschaftlicher Sicht . Seine Koranauslegung ist sehr umfassend.  Die Einleitung ist auffällig ausführlich gefasst, aber danach schreibt er zusammenfassender, wobei allerdings die Qualität etwas nachlässt.  Der Kommentar von Razi ist ein ausführliches Werk über  die verschiedenen islamischen Wissenschaften insbesondere die Koranwissenschaften.

Razi starb 606 nach der Hidschra (1209 n. Chr.)  in Herat und liegt dort begraben.

Ein bekannter Gelehrter und Vertreter der Rechtsschule der Malikiten ist Mohammad Ibn Ahmad Ansari Qurtubi gewesen . Seine Exegese nannte er  Al Dschami` Al ahkam Al Quran  (Sammlung der Auslegung der Gesetze im Islam).  In diesem Werk liegt die Betonung auf den religionsrechtlichen Aspekten. In seinem Vorwort kündigt er an: „Ich schreibe einen Exegese, die sowohl Auslegung als auch Interpretation, Wortbedeutung, Vokalisation, Lesarten, Offenbarungssituation,  und Ahadith unter den Versen , Rechtslehre und Gebote enthält als auch die Ablehnung der Vertreter abwegiger Meinungen sowie  frühere und spätere Ansichten aufweist.“

Das Tafsir von Qurtubi bearbeitet besonders religionsrechtliche Fragen. Qurtubi hat diese aufgrund der malikitischen Rechtsschule beleuchtet.  In seinem Kommentator sind viele interpretative Schilderungen der Geschichte enthalten. Er hat auch zahlreiche rationale Untersuchungen über die verschiedenen Glaubensrichtungen  vorgenommen.  Es gibt zwei Kurzfassungen von diesem Kommentar nämlich:  Muchtasar Al Qurtubi in fünf Bänden und Muchtar Al Qurtubi in einem Band.

 

 

 

 

 

 

 

 

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