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Sonntag, 25 März 2012 08:00

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 48)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 48)
In diesem 48. Teil unseres Beitrages über die Islamische Kultur und Zivilisation machen wir Sie mit den Fortschritten der muslimischen Gelehrten in den Sprachwissenschaften während der Islamischen Zivilisation vertraut. Die Linguistik, die heute als ein wissenschaftliches Fach gilt, hat mehrere Kerngebiete  wie die Phonetik, Grammatik und Semantik.  
Die Sprachwissenschaft zählt heute zu den eigenständigen Wissenschaften, war aber früher wissenschaftlicher Teilbereich. Die Lehre von den Sprachlauten – die Phonetik - wurde von den Muslimen mit „Ilm-e Huruf“ oder „Macharidsch Al Huruf“ – das heißt Wissenschaft der Buchstaben und „Buchstabenbildung“ bezeichnet.  Die Muslime unterschieden zwischen geschriebener und gesprochener Sprache und der Lautbildung.  Ihr  ältestes Werk über die Art und Aussprache von Buchstaben und Wörtern ist das Werk Al Kitabvon Sibawayhi. Die meisten Sprachwissenschaftler befolgten seine Lehre und haben seine Kategorisierung und Begriffe übernommen. Als weitere phonetische Untersuchungen der Muslime sind Werke von Ibn Sina (Avicenna) und Chadscheh Nasiruddin Tusi zu nennen.

 

Ibn Sina hat ein wichtiges Werk über die Phonetik vorgelegt. Er betitelte  es mit  „Mucharidsch al Horuf“ und schrieb es auf Arabisch.  Das Buch ist nach der Einleitung in 6 Kapitel gegliedert und entstand 414 nach der Hidschra (circa. 1024 n. Christus).  Ibn Sina beschreibt im ersten Kapitel die Faktoren, die zur Entstehung eines Sprachlautes führen.  Das zweite Kapitel handelt von den Ursachen der Entstehung von Buchstaben. Das dritte Kapitel von „Macharidsch al Huruf“ beschreibt Zunge und Rachen. Ibn Sina untersucht die Muskeln, die bei der Bildung von Sprachlauten mitwirken.  Im Kapitel 4 werden die Buchstaben hinsichtlich der Stelle ihrer Bildung bei der Aussprache  beschrieben- nämlich vom innersten Punkt  im Rachen bis zu dem äußersten Punkt der Mundöffnung. Außerdem  werden ihre Unterschiede erklärt.  Im Kapitel 5 beschreibt und erklärt Ibn Sina nicht-arabische Buchstaben, welche den arabischen ähneln.

Dieses Kapitel ist hinsichtlich der geschichtlichen Linguistik informativ.

Das 6. Kapitel von „Macharidsch al Huruf“ des Ibn Sina  stellt Laute vor, die von der Bewegung von Gegenständen ausgehen.

Das nächste Werk über Phonetik ist das von Chadsche Nasiruddin Tussi mit dem Titel   „Meyar al Asch`ar“ . Es ist eines der wichtigste Werke auf Persisch über die alte Farsi-Dichtung.  Chadscheh hat  darin eine Gliederung nach  den Vokalzeichen der Buchstaben vorgenommen und die Unterschiede zwischen den arabischen und Persischen Sprachlauten deutlich gemacht. Er trug mit seinen Erläuterungen erheblich zum Wissen über den Wandel der Lautstrukturen in der Persischen Sprache bei. Die philologischen  Kenntnisse Chadscheh Nasirs zeugen davon, dass die Gelehrten in den Islamischen Gebieten einleitendes Wissen von einer Disziplin besaßen, die Jahrhunderte später zu Beginn des 20. Jahrhunderts unter dem Namen Linguistik begründet wurde.

In den ersten Jahrhunderten der Islamischen Epoche hatten sich die Gelehrten  bereits für die Herstellung von Wörterbüchern interessiert.  Der erste, der im wahrsten Sinne des Wortes ein Wörterbuch schrieb, ist Chalil Ibn Ahmad Farahidi gewesen. Er war Iraner und ist Ende des zweiten Jahrhunderts nach der Hidschra, d.h.  718 nach Christus auf die Welt gekommen. Sein Wörterbuch nannte er Al Ain .  Die Wörter waren nach den Buchstaben geordnet und er hat die Buchstaben des Alphabets in der Reihefolge der Bildung d.h. von dem tiefsten Punkt im Rachen bis zu dem äußersten Punkt der Mundhöhle, nämlich den Lippen  angeordnet.

Als weiterer wichtiger Lexikograf  der Islamischen Welt  ist Abu Taher Mohammad Ibn Y`aqub Ibn Mohammad Firusabadi zu nennen.  Firusabadi war Sprachwissenschaftler, Autor, Weltreisender und Rechtsgelehrter aus dem Iran und kam aus der Provinz Fars. Er wurde in Kaserun, einer der Städte dieser Provinz geboren . In Schiras eignete er sich bei bekannten Gelehrten Wissen an, besuchte dann Bagdad, Ägypten, Damaskus (Scham) Hidschaz (auf der Arabischen Halbinsel) und Jemen und die meisten östlichen Gebiete wie Indien.  Firusabadi hinterließ circa 40 Bücher. Das wichtigste davon ist „Qamus Al Lughat“. Viele Orientalisten haben für ihre arabischen Wörterbücher dieses Werk von Firusabadi zugrunde gelegt.

Das Qamus wurde für die arabische Sprache so von Bedeutung, dass dieses Wort allmählich die Bedeutung von „Wörterbuch“ annahm. Besonders heute werden viele Wörterbücher mit „Qamus“ bezeichnet.

 

Die Muslime haben auch Grammatikbücher geschrieben. Das erste Grammatikwerk verfasste Abu Baschar Amr Ibn Uthman Ibn Qanbar, der als Sibawayhi (ca. 760 – ca. 797n. Chr.) bekannt wurde.  Auch dieser Gelehrter kam aus der iranischen Provinz Fars. Im irakischen Basra erwarb er bei Gelehrten sein Wissen. Sein oben erwähntes Werk Al Kitab erhielt wegen seiner Bedeutung den Titel „Qur`an Al Nahw“  „Koran der Syntax“.

Sibawayhi hat in diesem Werk auf die Einteilung  nach (Ism) Substantiven, (Fe`el)  Verben und (Harf) sonstigen Wörtern  hingewiesen und jeweils Beispiele gebracht.

 

Die muslimischen Gelehrten haben sich auch für die Aufstellung einer Grammatik für die Persische Sprache eingesetzt. Wie zum Beispiel Schams Qays Rasi, der bekannte  Literat und Kritiker des 7. Jahrhunderts (13. Jahrhundert nach Christus). Er kam aus der Stadt Rey im Iran und hat eine Zeitlang in Charawzm, Chorasan und Transoxanien gelebt. In seinem bekannten Buch Al Muadscham fi Maayiri asch`ar al Adscham hat er die Grammatik für die Persische Sprache beschrieben. Al Muadscham ist das einzige Werk, welches von ihm erhalten blieb. Das Wertvolle an diesem Nachschlagewerk besteht darin,  dass es für die Forschung eines Teils des Farsi- Wortschatzes die älteste Quelle darstellt.

Sei dem 7. Jahrhundert nach der Hidschra haben alle, die über die Dichtung schrieben und alle traditionsbewussten Literaten, die sich mit der Dichtung auseinandersetzten,   sich nach  Al Adscham gerichtet.

Zu den muslimischen Gelehrten, die in der Persischen Grammatik bewandert waren, muss Ibn Al Muhanna gezählt werden. Er hat zurzeit des Timur Lang im 8. Jahrhundert nach der Hidschra (14. Jahrhundert nach Christus)  gelebt. Zu seinen Werken gehört Huliya Al Insan wa Hulia Al Lesan . In diesem Buch schreibt er im Vorwort hinsichtlich dessen Zweck: „Ich habe dieses Buch geschrieben, weil heute das Erlernen der türkischen und persischen Sprache für Reisende oder für den Gewinn von Vorteilen und der Abwendung von Schäden oder zur Erreichung von Weiterentwicklung notwendig ist.“

Das Buch von Ibn Muhanna kann als das erste Buch, welches der türkischen Sprache gewidmet war, betrachtet werden. Ibn Muhanna hat seine Ausführungen  in zwei Hauptteile gegliedert. Im ersten  beschreibt er verständlich die Buchstaben der türkischen Sprache und schildert dann die Besonderheiten  der Bildung von Wörtern und Sätzen im Türkischen. Außerdem hat Ibn Muhanna in diesem Buch einige Grammatik- und Syntaxregeln für den Satzbau und die Wortbildung im Türkischen angeführt und einen Vergleich mit den Sprachregeln des Arabischen gezogen. Bei einem Vergleich  zwischen dem Türkischen und dem Arabischen und Persischen führt er viele Beispiele in diesem Zusammenhang an.

 

 

 

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