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Mittwoch, 18 Januar 2012 05:32

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 41)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 41)
Der Gelehrte ruhte auf dem Sterbebett. Ein Rechtsgelehrter trat heran. Da stellte der Sterbende ihm eine Frage über die Geografie. Doch der Rechtsgelehrter wunderte sich: „Ist nun die Zeit für eine solche Frage?“ Da sagte der Sterbende: „Mein Freund! Welches von beiden Dingen ist besser: Dass ich dies weiß und sterbe oder dass ich es nicht weiß und die Welt verlasse?. „Da,“ so berichtet der Rechtsgelehrte,
„hab ich ihm die Frage beantwortet und mich verabschiedet. Kaum hatte ich das Haus verlassen drang Wehklagen an mein Ohr: Er war verstorben.“Dieser Gelehrter auf dem Sterbebett war kein anderer als Abu Rihan Biruni. Er hat -  wie es der Islam empfiehlt - von der Wiege bis zum Grab nach Wissen gestrebt. Wir werden den heutigen Beitrag diesem Gelehrten und seinen Verdiensten auf dem Gebiet der Geografie widmen.

Das 5. Jahrhundert nach der Hidschra (11. Jahrhundert nach Christus)  kann als die Glanzzeit für die Geografie der Muslime gelten. Einer der muslimischen Gelehrten,  die erheblich zu dem Fortschritt dieses Wissens beitrug ist Abu Rihan Biruni gewesen.

 

Abu Rihan Mohammad Ibn Ahmad Biruni war Mathematiker, Astronom, Geograf und ein großer Ethnologe. Er ist 362 nach der Hidschra  in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts in Chawrazm   einer Provinz im heutigen Uzbekistan in einer iranischen Familie zur Welt gekommen. Der amerikanische Forscher George Sarton hat in seinem berühmten Werk „Einführung in die Geschichte der Wissenschaft“  die erste Hälfte des 11. Jahrhunderts nach Christus als die Biruni-Epoche bezeichnet. Nach seiner Meinung  stellt diese Epoche wegen der Tätigkeiten Birunis und Ibn Sinas (Avicenna)  die Glanzzeit der islamischen Kultur und Zivilisation dar.

 

Abu Rihan hat auf zweierlei Art  zur Geografie der Muslime beigesteuert. Erstens  hat er eine kritische Zusammenfassung aller bis dahin vorhanden gewesenen geografischen Kenntnisse vorgelegt. Und zweitens hat er dank seiner mathematischen und astronomischen Kenntnisse die geografische Länge und Breite von mehreren Städten berechnet

Dieser große muslimische Geograf  hat wertvolle Bücher geschrieben wie

  • Tahdid nihayat al-amakin, ein Buch über Geodäsie
  • . al-Qanun al-Mas'udi, ein Handbuch der Astronomie
  • Kitab Tarich al-Hind, ein Buch zur Geschichte Indiens
  • al-Athar al-baqiya an al-qurun al-chaliya („Buch der Hinterlassenschaften früherer Jahrhunderte“),

 

Biruni wies nach, dass die Erde ein Kugel ist , vermass Meere und Festland und teilte die bewohnten Teile der Erde in 7 Reiche auf. Er fand neue Methoden zur Bestimmung der Gebetsrichtung (Kaaba in Mekka).

In seinem Buch Al Qanun al Mas`udi  führt er die geografische Breite und Länge von mehr als 600 geografischen Orten an. Zusammen mit Abul Wafa Al Buzdschani hat er den Abstand zwischen den geografischen Längengraden von Bagdad und dem alten Chawrazm berechnet.

Der türkische Islamkenner und Historiker Fuat Sezgin  sieht in Biruni den ersten in der Geschichte der Islamischen Geographiekunde, der den Abstand zwischen der geografischen Länge von Ghazni in Afghanistan und Bagdad aufgrund der sphärischen Trigonometrie und astronomischen Berechnungen feststellte. Die Feststellung der Gebetsrichtung  nahm er aufgrund der sphärischen Trigonometrie vor, welche auf die Werke von Ptolemäus und seine Vorgänger zurückging.  Biruni ist der erste Gelehrte im Osten, der davon sprach, dass sich die Erde um die Sonne dreht. In oben genannten Buch  hat er viele Ansichten früherer Gelehrter über die Astronomie untersucht und geschrieben, dass die Bewegung der Erde um die Sonne möglich ist.  Mit seinen Vermessungen über den Erdumfang  wollte er zeigen, dass der Wechsel von Nacht und Tag sich mit der  Hypothese der Drehung der Erde um sich selbst erklären lässt.

Tahdid nihayat al-amakin ist einer der wichtigsten Werke Birunis. In diesem widmet er sich der Entstehung der Welt, und der Entstehung der Erdkruste, der Meere und des Festlandes. Er verweist auf geografische Länge und Breite von Städten und auf die Abstände zwischen den geografischen Längengraden von  Städten. Er schreibt dazu: „Ich beabsichtige allgemein die Möglichkeiten zu klären,  durch die man Orte auf der Erde hinsichtlich der geografischen Länge zwischen Ost und West und der geografischen Breite zwischen Norden und Süden   erkennt und die Abstände zwischen ihnen feststellt, damit klar wird, in welcher Richtung ein Punkt oder eine Stadt im Verhältnis zu einem anderen Punkt oder einer anderen Stadt liegt.“

 

Das genannte Buch ist auch hinsichtlich der Geschichte der Sternbeobachtung  sehr wertvoll. Abu Rihan macht an vielen Stellen ausführliche Angaben  über Sternbeobachter der Islamischen Ära und den Ort und Zeitpunkt ihrer Beobachtungen. An einer Stelle schreibt er: „Was ich getan habe, sollte für jeden eine  in seinem eigenen Fach zu erfüllende Pflicht sein,  nämlich dass er die Bemühungen seiner Vorgänger, die sie für den Fortschritt seines Faches auf sich genommen haben, dankbar anerkennt und wenn er Fehler feststellt diese mutig verbessert, sowie alles schriftlich festhält, damit es für die kommenden Generationen für immer erhalten bleibt.“

Circa im Jahre 391 nach der Hidschra  (um 1001) hat Biruni  sein berühmtes Werk  Al-Athar al-baqiya verfasst.

In diesem Werk hat er wissenschaftlich genau über den arabischen, persischen, hebräischen und griechischen Kalender und  politische und gesellschaftliche Ereignisse geschrieben und gleichzeitig die Kultur und Bräuche der Menschen geschildert. In diesem Besuch hat er zu vielen allgemeinen Überzeugungen hinsichtlich natürlicher Ereignisse Stellung genommen und diese Überzeugungen  wissenschaftlich und experimentell untersucht. Zum Beispiel hieß es unter den Leuten von damals, dass jährlich am 16. Dey , nämlich dem 6. Januar, die Salzgewässer auf der Erde für eine Stunde zu Süßwasser würden. Aber Biruni lehnte dies ab und schrieb: „Das ist überhaupt nicht möglich. Die Eigenschaft des Wassers hat mit dem Boden zu tun, über die das Wasser fließt oder in dem es sich ansammelt.“

 

Um Abwechslung in sein Buch zu bringen hat Biruni Fragen über die Physik verstreut und interessant beantwortet. Zum Beispiel schrieb er darüber, dass aus einigen Brunnen das Wasser hervor schießt. Er erklärte, dass dies damit zu tun hat, dass der Wasserspeicher höher als diese Brunnen oder Quellen liegen, so wie es bei Springbrunnen ist, die die Menschen bauen. Denn das könne der einzige Grund dafür sein, weshalb  Wasser sich nach oben bewegt.

Biruni hat also als erster über die Entstehung von artesischen Brunnen geschrieben. Westliche Gelehrte haben diese Erkenntnis später zur Anlegung von solchen Brunnen genutzt.

Mit seinem Kitab Tarich al-Hind, ein Buch zur Geschichte Indiens schuf Biruni  das umfassende Werk der alten Epoche über die Geschichte, Philosophie, Sitten und sozialen Bedingungen in Indien. Es war kein einfaches Vorhaben. Er erlernte  Sanskrit und sammelte die Bücher der Hindu. In einem Teil seines Buches beschreibt er die geografischen Merkmale Indiens.

 

In einem anderen Werk verweist er auf das Astrolabium zur Beobachtung von Sternen und untersuchte  die Möglichkeiten   dieses astronomischen Mittels allseitig.

 

Bis zum letzten Atemzug eignete sich Abu Rihan Biruni Wissen an und stand im Dienste der Menschheit. Sein Buch Al Saidina fi-l Tibb schrieb er mit 80 Jahren in diesem beschreibt er Heilmittel, ihre Form und Beschaffenheit und ihren Geruch.

 

 

 

 

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