Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Sonntag, 18 März 2012 05:26

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 47)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 47)
Unser heutiger Beitrag gibt einen kurzen Überblick von der Einwirkung der Islamischen Kultur auf die türkische Literatur.Insgesamt sind in der Literatur türkischsprachiger Gemeinschaften folgende drei Entwicklungsphasen zu beobachten: Die vorislamische Türkenliteratur (in Mittelasien)  d.h. der  sogenannten Stammesepoche, die türkische Literatur unter dem Einfluss der islamischen Zivilisation und Kultur, bekannt als Epoche der Umma (muslimische Glaubensgemeinde), und schließlich die türkische Literatur unter dem Einfluss der westlichen Zivilisation und Kultur bekannt als Epoche der Nation und des Modernismus.
Von der türkischen Literatur vor dem Islam gibt es keine Niederschriften und es finden sich nur einige Kampfgeschichten und kurze Gedichte in chinesischen, mongolischen, arabischen oder iranischen Werken.

Die erste entzifferbare Niederschrift eines Werkes  in türkischer Sprache, welche erhalten blieb, sind Felseninschriften an den Gräbern von Qaim Orkhun. Sie gelten als vorislamische Inschriften, weil zu der Zeit der Islam noch nicht die weiten Teile östlich des Altai-Gebirges in  der Mongolei und am Orkhun-Fluss erreicht hatte.  Auch blieben aus der vorislamischen Zeit Texte von den  Trauerzeremonien für Afrasiab  erhalten, der gegen den Iran in den Krieg zog und  den iranischen Helden Siawasch tötet und schließlich selber von dem Iraner Rostam besiegt und von Chosro getötet wird.

Die türkische Literatur zeigt seit Beginn ihrer Entstehung einen starken Hang zur Darstellung von religiösen Elementen. Die Türken schlossen im 4. Jahrhundert nach der Hidschra   (10. Jahrhundert nach Christus)  noch mehr mit dem Islam, der sich in Richtung Osten  verbreitete, Bekanntschaft und so begannen islamische Begriffe die Stammeskultur der Türken zu beeinflussen. Es heißt, dass die Türken den Propheten des Islam (s.a.a.s.) Safedschi nannten, was von dem  Wort „Saf“ im Sinne von „Botschaft aus dem Verborgenen“ abgeleitet wird. Imam Ali nannten sie Bathir, welches von Batir im Sinne von „Pahlavan“, nämlich edler Held, stammt.

Der Einfluss des Islams auf die türkischsprachigen Gebiet hatte schon in dem ersten Jahrhundert nach der Hidschra (7. Jahrhundert nach Christus begonnen), und zwar mit  der Einnahme von Groß-Chorassan im Nordosten des alten Irans. Die Türken schlossen sich aber  circa 300 Jahre später erst  in großen Gruppen dem Islam an, nachdem  um 960 n. Christus die Dynastie der Karachaniden den Islam zur offiziellen Religion erklärte. Daraufhin wirkte sich der Islam in allen Lebensbereichen der Türken verändernd aus und verhalf der türkischen Literatur zu Entfaltung und Glanz.

Die von der islamischen Zivilisation beeinflusste türkische Literatur kann in zwei große Kategorien, nämlich die ost- und westtürkische Literatur eingeteilt werden. Die osttürkische wird noch einmal nach der Karachanidischen, der Chwaresmischen Türkischen , der Altin-Urda- sowie der Tschagataischen Literatur unterschieden. Wobei Altin Urda der Name für ein mongolisch-türkisches von einem Khan beherrschter Staat war und Tschagatai zu den altaischen Sprachn gehört.

Die osttürkische Literatur  steht inhaltlich und formgemäß unter dem Einfluss der islamischen Literatur der Araber und der Iraner.

Das erste schriftliche osttürkische Werk ist Kutadgu Bilig  (462 n. der Hidschra)  (11. Jahrhundert n. Chr.), das von  Religion, Staat, Politik und Charakterveredlung handelt. Es entstand unter den Karachaniden. Dieses Mathnawi verfasste Jusef Chas Hadschib Belasaghuni . Es gilt als erstes islamisches Literaturwerk auf Türkisch.

 

Die Tschagataische Literatur entstand unter der Mongolenherrschaft in der Timuriden-Epoche im 9. Jahrhundert nach der Hidschra (15. Jahrhundert n. Chr.) Einer der bekanntesten Literaten dieser Sprache ist  Mir Ali Schir Nawai gewesen

Zu den Dichtern die sich in der Islamischen Umgebung des Türkenreiches  entfalteten, gehört Adib Ahmad Yuknaki . Er lebte Ende des 5. bis Anfang des 6. Jahrhunderts nach der Hidschra und dem Mondkalender  und ist einer der ersten großen Dichter der islamischen Literatur auf Türkisch gewesen. Adib Ahmad kam in Yuknak, welches wahrscheinlich ein Viertel von Samarkhand oder Südtaschkent  gewesen ist, zur Welt. Es heißt, dass er von Beginn an blind war. Adib Ahmad lernte Persisch und Arabisch und erwarb gute Kenntnisse in der Hadithkunde und anderen islamischen Wissenschaften . Adib Ahmad schuf eine weise Dichtung.  Seine Gedichtssammlung  Eybat-ul Haqa`eq ist nach Kutadgu Bilig das zweiälteste islamische  Literaturwerk auf Türkisch.  In dieser Dichtung hat er Fragen der Ethik und der Religion in Form von guten Ratschlägen behandelt. Adib Ahmad Yuknaki wurde weitgehend von den Überlieferungen des Propheten und dem Koran beeinflusst.


Im 5 und 6. Jahrhundert nach der Hidschra (11, u. 12. Jahrhundert nach Christus) als die Karachaniden vollständig in Mittelasien herrschten, festigte sich auch im Westen der Gebiete mit türkischer Bevölkerung die Islamische Literatur. Ein Beispiel ist der Gedichtsband von Chadscheh Ahmad Yasawi  (1103 bis 1166 n. Chr.)  Chadscheh Ahmad Yasawi  aus Chorasan war ein bedeutender Vertreter der islamischen Mystik. Auf ihn geht die sufistische Lehre des Yesevi-Sufiordens zurück. Der iranische Mystiker Fariduddine Atar (1136-1220/21 ) hat Ahmad Yasawi in seinem Werk Mantiq ut-tair („Die Vogelgespräche) sehr gewürdigt. In seiner Poesie führt Chadscheh Ahmad laufend Koranverse an.  Die meisten seiner Gedichte haben einen religiösen Inhalt – von der Koranerläuterung bis zur Glaubenslehre und der Darlegung von Geboten. Er hebt Punkte wie den Glauben an den Einen Gott (Towhid) die Großartigkeit des Daseins, und den Gedanken an das Jenseits hervor und setzt sich mit den Ereignissen am Jüngsten Tag auseinander.  Er macht das Übel der Sünden und die Dringlichkeit der reuevollen Umkehr deutlich.  Aus seiner Sicht gebührt die Bezeichnung „ Ummat-e Mustafa (Glaubensvolk des Propheten Mohammad) nur für diejenigen, die sich durch ihr Verhalten diesen Titel verdienen. Das Mausoleum dieses großen Mystikers, der auch als Sultan der Mystiker bezeichnet worden ist, steht in Kasachstan in der Stadt Yasi.

Zu den zeitgenössischen Dichtern gehört Mohammad Akef (Mehmet Akif ) Ersoy, ein islamischer und reformistischer Gelehrter und Dichter im Osmanischen Reich. Er kam 1290 n.d.H. (1873 nach Christus) in Istanbul auf die Welt. Nach Erreichung akademischer Grade übernahm er während des Ersten Weltkrieges und  des Anatolischen Widerstandeskampfes wichtige Aufgaben. Die Bevölkerung von Burdur schickte ihn als Volksvertreter ins Parlament. Nachdem Ersoy feststellte dass die neue Regierung unter Mustafa Kamal Atatürk sich von den islamischen  Werten entfernt hat und  sich völlig nach dem Westen orientiert, distanzierte er sich von dem laizistischen System in der Türkei und wählte freiwillig das Exil in Ägypten. Er  unterrichtete dort unter anderem in Turkologie. Ersoy kann also dynamischer Vertreter der zweiten Generation der Islamischen Einheitsbewegung im Osmanischen Reich betrachtet werden. Er ist einer der Bannerträger der Bewegung, die Seyyed Dschamaleddin Asad Abadi und Mohammad Abduh anführten. Seine Gedichtssammlung Safahat (die Phasen)  gehört zu dem osmanischen Literaturerbe und in Wahrheit dem Literaturerbe aller Muslime. Safahat besteht aus 7 Büchern im Osmanisch-Türkischen.

 

Eine weitere Art der türkischen Literatur ist die höfische Diwan-Literatur gewesen, die  viele Ausdrücke aus der Farsi-Literatur enthielt und  u.a. aus  Chronologien und  Reiseberichten besteht.

Im 19. Jahrhundert nach Christus geriet die türkische Literatur unter den Einfluss der westlichen Kultur. Sie beginnt 1923 beim Regierungsbeginn Atatürks. Diese Literaturepoche dauert bis heute an und steht unter dem Einfluss der politischen und gesellschaftlichen Veränderungen und  der Verbreitung von nationalistischen Grundsätzen sowie der Verwestlichung. Während in den vorherigen Epochen die Literatur vor allen Dingen dem Osmanischem Reich, dem Islam  und dem Turanismus diente, wurde sie in der Moderne in den Dienst der politischen Ziele der Linken und Rechten und der Machtbestrebten gestellt.

 

 

 

Medien

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren