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Montag, 12 März 2012 06:18

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 46)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 46)
Der Einfluss des Islams im Iran hatte, wie wir bereits im letzten Teil sagten, eine Wirkung auf die Persische Dichtung und Literatur. Im 7. bis 9. Jahrhundert nach der Hidschra (circa. 13. bis 15. Jahrhundert nach Christus) traten große Dichter im Iran in Erscheinung die ihre Poesie in Farsi – dem Neupersischen – verfassten, darunter  Mulavi, Saadi und Hafis. Diesen Beitrag widmen wir diesen drei Dichtern. Mulana Ǧalāl ad-Dīn Muḥammad-e , der als Mulavi bekannt wurde,
ist großer iranischer Mystiker und Denker gewesen. Er wurde 604 nach der Hidschra, 30. September 1207 in Balch in damaligen iranische Chorasan und heutigem Afghanistan geboren. Mulavi hat über wichtige Themen, wie die Welt, Gott, den Geist, das Jenseits und über die Wanderung des Menschen von der Stufe des seelenlosen zu dem der Engel gedichtet. Mit 37 war er der größte Mystiker und Gelehrter seiner Zeit. Sein Verlangen zu reimen erwachte, nachdem er mit dem Derwisch und Mystiker Schamse Tabrisi Bekanntschaft geschlossen hatte. Mulavi ist deshalb so berühmt geworden, weil er sowohl ein Gelehrter als auch ein bewusster Mystiker , ein dynamischer Denker als auch ein verantwortungsbewusster Dichter war. Er rief die Menschen dazu auf, die Dinge im weltlichen Leben, wie Wissen über Äußerlichkeiten, flüchtige körperliche Freuden und weltlichen Ränge und Abhängigkeiten als gering zu betrachten und nach Vervollkommnung und innerem Frieden zu suchen. Mulavi möchte, dass im Menschen seine Menschlichkeit in Erscheinung tritt, was er durch Läuterung von Geist und Herz und durch Wissen über Gott und Dienst an Gottes Geschöpfen und dem Ablegen von schlechten Eigenschaften erreicht. Die hohe Kunst dieses Dichters besteht in seinen Rückschlüssen und seiner anziehenden und ewig gültigen Ausführungen, die er seinen Geschichten anschließt und darin dass er ausgezeichnete mystische und philosophische Gedanken in sie einbettet. Seine Gedichte dienen Mulavi als geeigneten Rahmen, um hohe Ziele nahezubringen.

 

Mulavi oder Mulana hat wichtige Werke hinterlassen. Darunter die beiden Gedichtwerke Mystisches Mathnawi und Ghaselen des Schams (auch Diwan-e Schamse Tabrisi). Der Mathnawi bringt in fünf Heften Weisheiten, Mystik und Lehren in Form von verschlüsselten Erzählungen. Es ist das Ergebnis des fruchtbarsten Abschnittes im Leben von Mulana. Mulanas Mathnawi ist deshalb so von Bedeutung, weil er auch für die heutige Menschheit befreiende Botschaften enthält.

 

Das Mathnawi umfasst 26 Tausend Verse. Das erste Gedichteheft namens Ney Nameh (Brief der Flöte) bringt den ganzen Inhalt auf einen Nenner. Ney Nameh ist von jedem anderen Prosa oder Poesiewerk auf Persisch verschieden. Es ist durchwebt von dem Geist der Gottesanbetung und Gottzuwendung. Mulana beginnt seinen Mathnawi mit dem berühmte Spruch: „Hör der Flöte zu, wenn sie klagt, wenn sie von der Trennung erzählt.“ In diesen Gedichten sieht sich Mulana als Beispiel für einen Menschen, der mit den Wahrheiten der Welt der verborgenen Bedeutungen vertraut ist und sich als Gefangener der materiellen Welt sieht. Er beklagt, dass sein Freiheit suchender Geist von dem der Welt der verborgenen Bedeutungen getrennt ist.

 

 

Der Diwan-e Schams von Mulana ist das beste Werk für mystische Ghazelen. In seinen Versen wogen mystische Gefühle und es zählt zu den Meisterwerken der mystischen Dichtung weltweit. Die Verse aus diesem Werk erfreuen sich auch heute noch großer Beliebtheit. Nur wenige sind in andere Sprachen übersetzt worden. Neben den 35 Tausend Versen auf Persisch , enthält der Diwane-Schams noch 1000 auf Arabisch und circa 200 auf Türkisch und Griechisch.

 

 

Folgendes Gedicht ist von Mulana, der im türkischen Konya begraben liegt:

 

Ein kluger Mann hob an, Jesus zu fragen:

«Was ist am schwersten in der Welt zu tragen?»

Er sagte: «Gottes Zorn - Die Hölle bellt

vor ihm so wie auch jeder, der da lebt.»

«Und was kann vor dem Gotteszorn mich schützen?»

«Beherrsch' den eig'nen Zorn - das wird dir nützen!»

 

Aus eslam.de. unter Gedicht im Islam

 

 

Ein großer Dichter des 7. Jahrhunderts nach der Hidschra ist Saadi, eigentlich: Scheych Musleheddin Saadi Schirasi, gewesen. Saadi wurde um 1209 in Schiras, Provinz Fars, geboren und wurde fast hundert Jahre alt. In seinem langen und fruchtbaren Leben hat er viele Gebiete bereist und verschiedene Werke geschaffen. Seine Ghaselen sind am schönsten .Sie sind leicht verständlich und erinnern den Leser an eigene Erfahrungen und Erlebnisse. Ein wichtiges Werk ist das Werk Bustan (der Fruchtgarten) das Saadi im Alter von mehr als 50 Jahren schrieb. Dieses Werk steckt voller Weisheiten und Lehrreichem, Menschlichkeit, Opferbereitschaft, Liebe und Anstand. Golestan (der Rosengarten) ist ebenso ein umfassendes Werk in dem Saadi Prosa und Poesie miteinander verknüpft. Es ist ein Meisterwerk der Persischen Sprache. Saadi schrieb es ein Jahr nach dem Bustan.

Vielleicht lässt sich sagen, dass Saadi der einzige berühmte iranische Dichter ist der fast über alles geschrieben hat, nämlich Mystik, Religion, das weltliche Leben, Ethik, Regierung und Gesellschaft. Er sieht die Welt aus verschiedenen Blickwinkeln. Saadis Ruhestätte steht in seiner Geburtsstadt Schiras.

Hier ein Gedicht von ihm:

Nicht mit jedem, dessen Erscheinung dir gefällt,

ist es wirklich gut bestellt.

Auf den Kern kommt es an

und nicht auf die Schale.

Wie weit im Wissen einer es gebracht,

Kannst du im Umgang eines Tags erfahren.

Ob nicht in ihm ein list‘ger Schurke steckt,

Das merkst du oftmals erst nach langen Jahren.

Quelle wie oben

 

Ein anderer einflussreicher iranischer Dichter aus der Islamischen Zivilisationsära ist Hafis. Auch er kam aus Schiras und wurde dort um 1320 geboren. (Beginn des 8. Jahrhundert nach der Hidschra). Chadscheh Schamseddine Mohammad erhielt deshalb den berühmten Beinamen Hafis, weil er als Kind sich den gesamten Koran ins Gedächtnis einprägte. Seine Dichtung besteht vornehmlich als Ghaselen. Zur Erinnerung : Eine Ghasele besteht aus einer Folge von zweizeiligen Strophen, deren zweiter Vers immer den in der ersten Strophe angewandten Reim hat. Er gehört zu den Denkern, die den meisten Einfluss auf seine Nachfolgerdichter hatten. Im 18. und 19. Jahrhundert wurden die Gedichte von Hafis auch in europäische Sprachen übersetzt.

 

Vielleicht hat kein anderes Buch in Farsi soviel allgemeinen Widerhall gefunden wie die Gedichtssammlung Diwan-e Hafis. Heute hat fest jeder im Iran einen Diwan-e Hafis zu Hause. In der Dichtung von Hafis verschmilzt das mystische Verlangen mit der Liebe. Seine Dichtung eröffnete neue Gesichtswinkel in der Persischen Dichtung.

Hafis war ein gebildeter Mann. Er besaß großes Wissen in der rationalen Theologie und war vor allen Dingen für seine Korankenntnisse berühmt und die Wirkung des Korans auf seinen künstlerischen Stil ist nicht anzuzweifeln. Die Dichtung von Hafis erlaubt verschiedene Deutungen und lässt seinen dichterischen Humor erkennen. Er hat niemals die spirituelle Seite weggelassen. Im Gegenteil ist sie für ihn am wichtigsten. Deshalb leuchtet helle Weisheit aus seiner Dichtung hervor und vermittelt uns Weisheit und Lehrreiches. Die Ästhetik seiner Dichtung spricht uns an, und die universellen Gedanken, die er in sie hineinlegt, bleiben uns in Erinnerung.

 

Goethe hat sich von Hafis zu der Niederschrift seines west-östlichen Diwans inspirieren lassen. Das Studium der Dichtung von Hafis veranlasste ihn zu dem Ausspruch:

„Wer sich selbst und andre kennt wird auch erkennen Orient und Okzident sind nicht mehr zu trennen.“

Und Rückert dichtet zu Hafis, dessen Ruhestätte in Schiras heute noch Treffpunkt der Freunde der Lyrik sind:

Die Gaselle sollte springen,

Nachtigall den Gruß erwidern,

Wenn ich trunken wollte singen

Stellen aus Hafisens Liedern

 

 

 

 

 

 

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