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Montag, 05 März 2012 07:11

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 45)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 45)
Nachdem die Iraner den Islam angenommen hatten, erfuhr ihre Schrift einen Wandel. Sie begannen ihr Dari-Persisch mit arabischen Schriftzeichen zu schreiben. Wir möchten in diesem Teil einige der muslimischen Dichter im Iran vorstellen.Die Anfänge der persischen Poesie iranischer Muslime
fallen in die Zeit der Tahiriden und Saffariden (im 9. Jahrhundert nach Christus ( 3. Jahrhundert nach der Hidschra). Ein bekannter Dichter aus dieser Zeit ist Hanzala Badghisi. Er kam um 850 nach Christus in Badghis, einer Gegend die im damaligen Chorasan von Nordostiran lag und heute ein Gebiet in Nordwesten von Afghanistan ist, zur Welt. Gemäß dem bekannten iranischen Dichter Nezami hat es eine Gedichtssammlung von ihm gegeben. Die Poesie von Hanzala Badghisi ist nicht als die erste Dichtung im Dari-Persisch zu betrachten, denn diese Dichtung hatte zu der Zeit bereits ihren Reifeprozess hinter sich gebracht. Dennoch können die poetischen Werke, die von Hanzala erhalten blieben, sich mit den hervorragendsten Gedichten des darauffolgenden 10. Jahrhunderts nach Christus messen. Dr. Zabihullah Safa, ein zeitgenössischer Historiker und Lyriker Irans hat die Aussagekraft der Poesie von Hanzala gelobt.

 

Als Ende die Samaniden herrschten (819 bis 1005 nach Christus) wurde ihr Hof immer mehr zum Versammlungsort von Poeten. Durch Belohnungen wurden diese dazu angeregt, zur persischen Dichtung beizutragen. Die offizielle Gedichtsform war das Qasida. Unter Qasida versteht man ein langes Gedicht zur Huldigung der Könige, Festgratulation, Beschreibung der Natur, moralischer Mahnung und zu Zeremonien. Einer der größten Dichter aus der Zeit der Samaniden ist Rudaki Samarqandi gewesen und er wird auch der Vater der neupersischen Dichtung genannt.

Abdullah Dschafar Ibn Mohamamd Rudaki lebte von 859 bis 940 und kam in Rudak, in der Nähe von Samarqand im heutigen Tadschikistan zur Welt. (3. bis 4. Jahrhundert nach der Hidschra) . Als Kind prägte er sich den Koran ins Gedächtnis ein und begann zu dichten. Er hatte eine schöne Stimme und so verband er die Dichtung mit Gesang. Rudaki wurde vom Samanidenkönig Amir Nasr Ben Ahmad II. (914-942/3) sehr hoch geschätzt. Sein Dichterstil ist flüssig und leicht zu verstehen. Er wird nicht nur der Vater der neupersischen Dichtung sondern auch der Begründer des „Chorasaner“ oder „Turkmenischen“ Stils genannt. Er war es, der die ersten Ghaselen auf Persisch verfasste. Eine Ghasele besteht aus einer Folge von zweizeiligen Strophen, deren zweiter Vers immer den in der ersten Strophe angewandten Reim hat. In Rudakis Dichtung ist Frohsinn mit Kummer, Frömmigkeit mit klugem Rat und Skepsis mit Gewissheit, vermischt. Er zeigte ein Talent für die Verbildlichung der Dinge und besaß eine ausgezeichnete Phantasie. Rudaki wurde bei den Dichtern in verschiedenen Epochen als „Meister“ bzw. als „König der Dichter“ bekannt und berühmt.

 

Die größte dichterische Leistung von Rudaki bestand darin, dass er das Werk Kalileh wa Demneh, eine indische Fabelsammlung, die ins Pahlavie und Arabische übertragen worden war, in Form von Reimen in das Neupersische (Farsi) übersetzte. Leider sind davon nur vereinzelte Verse erhalten geblieben, ebenso wie von seinen anderen Werken. Doch an dem was von ihm erhalten blieb, ist zu erkennen, dass ihm der Beiname: Herrscher im Reich der Rede“ gebührte. Nicht umsonst genoss er zu Hofe der Samaniden einen solchen Rang . Die Gesamtzahl der Verse von Rudakis Dichtung werden auf 100 Tausend bis zu eine Millionen geschätzt, doch heute liegen nur noch 1000 Verse vor, die je nach Art des Reimschemas und der Länge oder des Inhaltes Qasida, Mathnawie , Qet`eh oder Vierzeiler genannt werden.

Im gleichen Jahr 940/41 in dem Rudaki verstarb ist einer der berühmtsten Dichter aus der Samanidenzeit auf die Welt gekommen, nämlich Abu-l Qassim Ferdowsi. Sein Geburtsort ist Tus, in der Nähe der nordostiranischen Pilgerstadt Maschhad. Er verfasste das größte epische Nationalwerk der Iraner, nämlich den Schahname („Buch der Könige). Im Jahre 400 nach der Hidschra ((1011 n. Christus) überreichte er das etwa 60.000 Verse umfassende Werk dem Ghaznawidenkönig Mahmud. An vielen Stellen dieses weltgrößten Epos eines Einzeldichters hat Ferdowsi sein Islamisches Wissen und seinen Glauben, insbesondere seine Überzeugungen als Schiit zum Ausdruck gebracht. Auch sind seine gesellschaftlichen Standpunkte von Bedeutung. Er hat immer wieder die Eigenwilligkeit und den Egoismus von Königen verurteilt und alle einflussreichen Persönlichkeiten zur Klugheit und Freundlichkeit eingeladen. Ferdowsis hat gelungen die Ereignisse der Geschichte in Verse gebracht, sie mit Weisheiten verwoben und die Sprache zielbewusst eingesetzt.

Unter den Ghaznawiden gab es weitere große Dichter und Autoren. Der Poesiestil dieser Zeit wurde als Chorasan-Stil bekannt. Dieser lebensfrohe ästhetische Stil war vom 3. bis 5. Jahrhundert nach der Hidschra (circa 9. bis 11. Jahrhundert nach Christus) in Sistan und in Groß-Chorasan in Ostiran üblich.

 

Einer ihrer Vertreter war Manutschehri Damghani. (erste Hälfte des 5. Jahrhunderts n. d. Hidschra – gestorben 1040 nach Christus) . Er war ein Meister der Naturbeschreibung und Verbildlichung der Schöpfung. Es heißt dass er der Begründer der strophischen metrischen Dichtform Mosammath war.

 

Auch die Zeit vom 5. bis 6. Jahrhundert nach der Hidschra, als die Seldschuken im Iran herrschten, (1040–1194 n. Christus) –ist für ihre Dichter und deren Vielfalt an Reimformen bekannt. In dieser Dichtung wurden Sprichwörter und arabische und türkische Wörter, Koranverse, Überlieferungen und Ghazelen eingebaut. Einer der bekanntesten Dichter aus dieser Zeit ist Baba Taher Hamedani. Auch Oryan genannt. Er war ein Mystiker. Doch seine Gedichte waren leicht zu verstehen. Er dichtete sie spontan und mit einem einfachen Versmaß. Auch heute kennen viele seine Reime auswendig. Baba Taher schrieb Vierzeiler (Ruba`i) (bei denen sich je drei oder alle vier Verszeilen reimen). Ebnso verfasste er Ghazelen und stellte auf arabisch eine Sammlung weiser Worte zusammen . Auch das Werk „sar Andscham“ – „das Ende“ ist von ihm.

In der Stadt Hamadan in Westiran steht seine Ruhestätte.

 

Der Dichter Chaqani Schirwani hat ebenso zur Zeit der Seldschuken im 6. Jahrhundert nach der Hidschra gelebt. (1120/21 bis 1190) Er erhielt Ehrentitel wie „Sultan der Dichter“. Chaqani war vor allen Dingen ein Meister der Qasida-Dichtung. Aber in seiner Gedichtssammlung sind auch neben diesen langen Gedichten kurze Qet`eh enthalten, ebenso wie Ghazelen und Vierzeiler. Neben diesem Divan hat Haqani ein Mathnawi namens Tuhfat al-Iraqain „Geschenke der beiden Irak“ verfasst und darin seine Reisen nach Mekka und Irak beschrieben und große Persönlichkeiten in diesen Gebieten vorgestellt. Ein Mathnawi ist eine literarische Gattung von Doppelversen, die lang erzählende Züge annimmt und von philosophisch orientierten Dichtern verwendet wird. Chaqani liegt auf dem Dichterfriedhof in Surchab bei Tabris begraben.

 

 

 

 

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