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Montag, 30 Januar 2012 07:01

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 40)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 40)
Wir haben beim letzten Malüber die Geografen der irakischen Schule wie Ibn Chordadbeh und Yaqubi gesprochen und stellen heute die Geografen der Balchi-Schule vor.Abu Zaid Ahmad ibn Sahl al-Balchi (235 bis 322 nach der Hidschra - 9. Jahrhundert nach Christus - ist als Universalgelehrter bekannt.
Er war unter anderem Philosoph und Geograf und ist in Balch auf die Welt gekommen. Um sich mit der Imamitischen Rechtsschule zu beschäftigen, ging er nach Irak und erwarb bei Ishaq Al-Kindi Wissen. Während seines 8-jährigen Aufenthaltes in Irak beschäftigte er sich mit der Philosophie, der Astronomie, Medizin, Physik und der Scholastik und den anderen Disziplinen. Nach seiner Rückkehr in die Heimat zog er mit seinen großen Kenntnissen die Gunst einflussreicher Persönlichkeiten auf sich. Er pflegte den Kontakt mit den Gelehrten seines Landes unter anderem durch Briefwechsel. Aus anderen Städten wurde er von diesen und der Bevölkerung um die Beantwortung von Fragen gebeten. Abu Hayyan Tuhidi, eine iranischer Philosoph des 10. Jahrhunderts nach Christus, der nur selten jemanden in seiner Position bestätigte, hat Abu Zaid Balchi als Bahr-ul Ulum – Meer der Wissenschaften - und Alim ul Ulama – der Gelehrte der Gelehrten - bezeichnet.

 

 

Abu Zaid Balchi ist einer der ersten muslimischen Geografen, die sich auf die Kartographie verstanden.

Ein wichtiges Werk von ihm ist das Ṣuwar al-Aqālīm ("Bilder der Regionen") oder auch Kitab-ul Aschkal (Buch der (Länder-)formen), in dem Karten und Geografische Tabellen erklärt werden. Die geografische Methodik Balchis wurde von anderen Geografen wie al-Istachri und Ibn Hauqal und al-Muqaddasi befolgt, und sie wurden Anhänger der Balchi-Schule genannt.

Die deutsche Historikerin und Geografin Möller hat unter alten Schriftstücken 60 Geografische Kartenwerke von Abu Zaid Balchi vorgefunden. Diese Zahl zeugt für Balchis Bedeutung. Ein Exemplar des Ṣuwar al-Aqālīm soll sich in der Bibliothek des Kurators der Heiligen Ruhestätte Imam Husseins a.s. in Karbala , Irak befinden und ein anderes Exemplar wird zusammen mit farbigen Karten in Bahrain aufbewahrt.

Ein berühmter Anhänger der Balchi-Schule ist Abu Ishaq Ebrahim Ibn Mohammad Farsi – der als Al-Istachri bekannt wurde. Er hat viele geografische Karten angefertigt. Al-Istachri, der 340 nach der Hidschra (10. Jahrhundert nach Christus) in Istachr zur Welt kam, hat erheblich zur Verbreitung der Balchi-Schule beigetragen. Er wurde auch Istrachri Karchi oder Farsi genannt. Sein Heimatort Istachr lag nämlich in der südiranischen Proinz Fars und außerdem hat er eine Zeitlang in dem Karch-Viertel von Bagdad gelebt. Nach dem Erwerb von Wissen in verschiedenen Disziplinen beschäftigte er sich mit der Geografie und entwickelte sich zu einem der besten Geografen. Er ist viel verreist und hat seine Erfahrungen in Büchern festgehalten. Zu seinen wertvollen Werken gehört das Al-masaalik al-mamaalik (Wege und Staaten).

Istachri hat wie einige andere muslimische Geografen sich der Beschreibung der Islamischen Welt gewidmet. In seinem Buch Al-massalik al Mamaalik teilt er die Islamische Welt in 20 Gebiete auf. Außerdem beschreibt er in diesem Buch die Geografischen Flächen und Gebiete und die Meere und seine Beschreibungen umfassen die Arabische Halbinsel, das westliche „Persische Meer“ (Persischer Golf), Ägypten, Schaam (damaliges Großsyrien), das Römische Meer, Irak, Indien und die verschiedenen Teile Irans und schließlich viele Gebiete in Transoxanien in Mittelasien. Istachri berichtet über Grenzlinien, Städte, Entfernungen und Verbindungswege, Handelsprodukte, Werkstätten und die verschiedenen Völker. Das Buch Al-Massalik al Mamaalik Istachri wurde sehr bekannt und in verschiedene Sprachen übertragen.


Der letzte wichtige Vertreter der Balch-Schule ist Muqadessi , auch Maqdessi, genannt.

Muhammad ibn Ahmad Schams ad-Din al-Muqaddasi, wurde 336 nach der Hidschra (945 n. Christus) in Beyt-ul Muqadas – Jerusalem – geboren. Als Kind brachte man ihn nach Bagdad, wo er bei den Gelehrten Wissen erwarb. Er wurde mit den Bibliotheken von Bagdad vertraut und begann sich für die Geografie zu begeistern. Dieser muslimische Geograf beschäftigte sich auch mit den Werken seiner Vorgänger in diesem Fach und stellte fest, dass die meisten dieser Bücher nicht auf eigenen Beobachtungen der Autoren beruhte. Muqaddasi wollte diesen Mangel begleichen und bereiste viele Städte und Gebiete, An manchen Orten hielt er sich nur ein paar Tage auf, aber manchmal blieb er sogar ein Jahr lang in einem Land, zum Beispiel in Jemen. Muqadassi reiste nach Andalusien, Sizilien, Sindh(Indien) und ist wahrscheinlich auch im iranischen Sistan gewesen und außerdem an vielen anderen Orten der Islamischen Welt. Daraus ergaben sich Werke über seine Reiseerlebnisse und Erfahrungen.

Muqaddasis Beschreibungen fußten auf eigenen Beobachtungen und auf Aussagen von zuverlässigen Personen. Er nahm mit allen Bevölkerungs- und Religionsgruppen Kontakt auf. Um an die Bibliotheken und die geografischen Karten und die Informationen über die Herrscher und Emire zu gelangen, setzte er sich in den meisten Gebieten auch mit diesen in Verbindung. In seinem wertvollen Werk

Ahsan at-taqasim fi ma`rifat il-aqalim (Die schönste Aufteilung, handelnd von der Kenntnis der Länder) hat er viel Interessantes unter anderem über die Kunst des Schreibens und Technik der Kartenherstellung gesagt. In diesem Werk gibt er über die geografische Lage und die politische und wirtschaftliche Situation in den Islamischen Ländern und über die dortigen Glaubensstrukturen Auskunft. Es erfolgen auch Hinweise über die Geschichte der Dynastie der Abbasiden, Buyiden und Samaniden.

Der deutsche Orientalist Franz Taeschner (geb. 1912) nennt Muqadassi einen wahren Geografen. Er schreibt: „Muqadassi behauptet zu recht, dass er die Geografie der Muslime auf neuen Grundlagen verfestigt und ihr eine neue Bedeutung verliehen und sie erweitert hat. Da er die Geografie für viele Gesellschafts- und Berufsgruppen für nützlich betrachtete, hat er sie erweitert und verschiedene Fragen von der natürlichen Lage der Gebiete untersucht. Er hat außerdem über die Lagerstätten, Sprachen, Rassen, Sitten, Bräuche, die Religionen und Rechtsschulen, Gebietsaufteilung und geografischen Entfernungen geschrieben. Muqaddasi war davon überzeugt, dass die Geografie keine Wissenschaft ist , die man durch Vergleiche gewinnen kann, sondern ihr Wissen durch Beobachtungen und durch Einholung von Informationen aus erster Hand erzielt werden muss. Deshalb hat er vor allen Dingen Themen hervorgehoben, die in der Praxis beobachtet wurden.“

In seinem Werk Ahsan at-taqasim fi ma`rifat il-aqalim (Die schönste Aufteilung, handelnd von der Kenntnis der Länder) hat Muqaddasi fast die gesamte Islamische Welt beschrieben. In dem Vorwort bringt er eine Zusammenfassung und eine Liste der Gebiete, um den Leser schneller in das Thema einzuführen. Im Gegensatz zu den anderen Geografen der Balchi-Schule teilt er die Islamischen Gebiete in 14 große Regionen auf - 7 arabische und 7 nicht-arabische. Muqaddasi hat in Befolgung der Tradition der Kartographen der Balchi-Schule , die bestrebt waren, die Karten ihrer Vorgänger zu verbessern, ebenso genauere Kartenwerke von den Meeresgewässern um die arabische Halbinsel herum angefertigt. Allerdings hat er ansonsten die Lage von Gewässern und auch von Gebirgen weniger beachtet. Jedoch hat er uns zum ersten Mal eine weitgehende Sammlung von wissenswerten Angaben über Handel, Ansichten und Bräuche der Völker zur Verfügung gestellt und damit geografisches Wissen, was heute als die HumanGeografie bzw. AnthropoGeografie verstanden wird.

Ignatij Kratschkowski, der russsiche Iranexperte sagt über Muqaddasi: „Muqaddasi muss als ein großer Geografiekenner und ein meisterhafter Schriftsteller der Araber betrachtet werden.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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