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Montag, 16 Januar 2012 06:30

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 39)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 39)
Im letzten Teil  haben wir die Faktoren, genannt, die zur Ausdehnung der geographischen Kenntnisse der Muslime führten, darunter die Hadschreise und die Empfehlung des Islams zum Wissenserwerb und zum Reisen. Die muslimischen Gelehrten haben in verschiedenen Gebieten geografische Kenntnisse gesammelt, insbesondere über
Andalusien im heutigen Spanien, Nordafrika und Südeuropa und verschiedene Teile des asiatischen Kontinentes, den Indischen Ozean und die benachbarten Meere. Unter dem Kalifat der Abbasidenherrscher Mansur und Mamun zeigte man großes Interesse für die Geografie. Die Abmessung von geografischen Gebieten, die Errichtung von Sternwarten und Anfertigung von geografischen Karten, besonders aber auch die Übersetzung von Geografiewerken aus Indien, dem Iran und Griechenland wurden gefördert. Insbesondere zur Zeit des Mamun erlebte die Geografie einen erheblichen Fortschritt. Es gelang, einen Längengradbogen genau zu berechnen. Eine Gruppe von Astronomen stellte die astronomischen Tabellen, die als Al Zij al Mumtahan (getestete Tabellen) bekannt wurden , zusammen und muslimische Gelehrten fertigten eine Weltkarte namens Al Sourat-ul Al Mamunieyah an. Im 3. Jahrhundert nach der Hidschra, d.h. 9. Jahrhundert nach Christus wurden auf dem Gebiet des geografischen Wissens viele neue Kenntnisse und Innovationen erzielt. Die Muslime lernten nicht nur die Werke von Ptolemäus kennen und übersetzten geografische Werke, sondern brachten auch verschiedene Beispiel der beschreibenden Geografie hervor und es wurden die verschiedensten Reiseberichte verfasst, von denen ein Teil sehr realistisch und frei von Mythen waren.

Im 4. Jahrhundert nach der Hidschra, 10. Jahrhundert nach Christus entstanden einige islamische Schulen, die auf Beschreibung der Lehren und Ländern und ihrer geografischen Gestalt Wert legten. Es war eine Glanzzeit für die Geografie und allgemein verständliche Texte mit geografischem Inhalt wurden unter der Bevölkerung verbreitet.

Franz Taeschner, ein deutscher Islamkenner und Orientalist (1888-1967) teilt die bekannten geografischen Werke des 3. und 4. Jahrhunderts nach der Hidschra (9. u. 10. Jahrhundert nach Christus) in zwei große Gruppen ein und unterscheidet nach den Werken von Geographen unter den Abbassiden, die der „irakischen Schule“ und den Werken, die der „Schule von Balch“ zuordnet werden.

Zu den bekannten muslimischen Geografen aus der Gruppe der irakischen Schule gehört Ibn Chordadbeh. Er war Iraner und ist 820 nach Christus (300 n. der Hidschra) geboren worden. Auf Anregung der Barmakiden wechselte er vom zarathustrischen Glauben zum Islam. Noch sehr jung studierte er in Bagdad unter der Aufsicht seines Vater. Heute kennt man 10 seiner Werke, von denen 8 im Al Fehrest von Ibn Nadim genannt werden. Bis auf zwei existieren diese Werke von Chordadbeh jedoch nicht mehr. Eines der beiden erhalten gebliebenen Werke ist Kitāb al Masālik w’al Mamālik . Der bekannte russische Irankenner Vasily Vladimirovich Bartoldt ist der Ansicht, dass dies das wichtigste von allen geografischen Werken jener Epoche (9. Jahrhundert nach Christus ) gewesen ist und Auskunft über die Situation der asiatischen Gebiete des Islamischen Reiches gibt. Das geografische Wissen der Muslime war weitaus detaillierter als das aus der Antike und Griechenland. Chordadbeh hat seine Nachfolger in diesem Fach bedeutend beeinflusst . Bekannte Gelehrte wie Al-Idrissi (1100 bis 1166) und Ibn Chaldun (1332-1406) waren mit seinen Werken sehr gut vertraut.

Das Buch Kitāb al Masālik w’al Mamālik von Ibn Chordadbeh beschreibt vor allen Dingen die Verbindungswege in den Islamischen und nicht- islamischen Gebieten. Es widmet sich auch der Frage der Gebetsrichtung in verschiedenen Ländern, der Verwaltungseinteilung und der Steuersysteme. Seine kartografischen Angaben sind so genau, dass der russische Iranist Ignatij Kratschkowski sagt, man könne daraus das Einkommen der Kalifen im 3. Jahrhundert nach der Hidschra berechnen. Als erstes beschreibt Ibn Chordadbeh die Wege, die von Norden Bagdads in die transoxanischen Gebiete und vom Süden Bagdad nach Indien führen. Er berichtet in seinem Werk auch über die Bevölkerung von Java, einer indonesischen Insel und die religiösen Glaubensgruppen in Indien. Zudem beschreibt er die Wege von Medina auf der Arabischen Halbinsel bis zum nordostiranischen Chorassan.

 

Das Werk Ibn Chordadbehs enthält geografische Beschreibungen und Angaben über die Verbindungswege in Nordostiran und Mittelasien und die Wegstrecken im Süden Irans sowie das Steuereinkommen.

Ebenso gibt Ibn Chordadbeh Hinweise auf die Seewege von Basra (Irak) und Abadan (Iran) in den Osten, bis nach Oman, Indien und China und berichtet über die Erzeugnisse und die Sitten und Überzeugungen der Bevölkerung in verschiedenen Gebieten.

Auch die Verbindungswege Westasiens und Nordafrikas bis nach Europa und Spanien kommen nicht zu kurz, ebenso wenig wie die Verbindungen nach Aserbaidschan und dem Kaukasus in Richtung Süden bis nach Bagdad und Mekka und Medina und den Süden Arabiens. Interessant ist auch, was er über die zwei Handelspfade der Juden von Europa nach Indien und China vorlegt. In europäischen Quellen fehlen solche Angaben.

 

Ein bekannter muslimischer Geograph ist der Historiker Yaqubi gewesen, der auch aus dem Iran stammt. Er ist ein Zeitgenosse des Chordadbeh und wurde um 290 nach der Hidschra (im 9. Jahrhundert ) geboren. Yaqubi ist schon früh nach Armenien umgesiedelt. Er hat ebenso in Chorassan gelebt und Indien und Palästina bereist. Sein Werk Al Buldan wurde sehr bekannt. Er hat in diesem Werk die vier Himmelsrichtungen zugrundegelegt. Im ersten Teil beschreibt er Nordiran, Turkmenien, das heutige Afghanistan und berichtet in einzelnen Kapiteln über die Herrscher von Khorassan und Sakastan (Sistan) . Der zweite Teil betrifft Westirak und den Westen und Süden der Arabischen Halbinsel. Der dritte bezieht sich auf Süden und Osten Iraks und den Osten der Arabischen Halbinsel, sowie Indien und China. Und schließlich widmet er seine geografischen Beschreibungen im 4. Teil Byzanz, Ägypten, Maghreb (teilweise heutiges Marokko) und Nordafrika.

 

Yaqubi hat in seinem Buch Al Buldan den Irak ins Zentrum der Welt gestellt und Sore Al Ars – d.h. das Zentrum der Erde genannt. Im Zusammenhang mit der Zentralität Iraks mit Bagdad als Hauptstadt schreibt er:

„Bagdad ist eine große Stadt und hinsichtlich seines Umfanges und Kultivierung, seiner guten Versorgung mit Wasser und dem guten Wetter etwas Einmaliges im Osten und Westen.“

Das Buch Al Baldan beginnt mit der Beschreibung von Bagdad und Samara, einer weiteren Stadt im Irak. Yaqubi sagt, dass er seine Informationen auf seinen vielen Reisen von den Einwohnern erhalten und zuverlässige Personen sie bestätigt haben. Mit seinem Werk wollte er die Wege, die an die Grenzen des Islamischen Reiches führen und die Nachbargebiete beschreiben. Er zeigt besonderes Interesse für statistische Fragen und die geografische Lage , widmet sich dem Thema der Besteuerung und berichtet über die verschiedenen Rassen und Handwerke. Sein Buch steht literarisch gesehen über dem Werk von Ibn Chordadbeh. Es beschränkt sich nicht nur auf die Beschreibung der Verbindungswege, sondern schildert zudem die einzelnen Verwaltungsgebiete und vermittelt handfeste Daten. Seine Methode steht daher der klassischen Schule aus dem 3. Jahrhundert genannt „al Masalek wa al Mamalik“-Schule näher, das heißt sie ist wissenschaftlich fundiert und seine Texte sind dennoch einfach formuliert.

 

 

 

 

 

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