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Montag, 02 Januar 2012 06:11

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (Teil 37)

Wir haben bereits über mehrere Methoden der Geschichtsschreibung unter den Muslimen berichtet. Zum Beispiel wurde bei einer Methodik nach dem Stammbaum und Familiengeschichte geordnet und bei einer anderen Methodik nach Klassifizierung von wichtigen Gesellschaftsklassen. Wir hatten Hischam Kalbi, Al Balazuri und Waqidi als Vertreter dieser Methoden vorgestellt. Doch die Muslimen wandten noch andere Methoden der Geschichtsschreibung an.
Zu den bedeutenden Tätigkeiten der muslimischen Geschichtsschreiber gehört die Beschreibung des Lebens von großen Persönlichkeiten der Geschichte. In diesen Biografien wird über die Kalifen, die Befehlshaber und Gelehrten berichtet. Sie machen einen großen Teil der geschichtlichen Texte aus und folgten dem Beispiel der biografischen Geschichtsschreibung über den Propheten (s.) . Historische Ereignisse wurden im Rahmen der Biografie besonderer Persönlichkeiten beschrieben, zum Beispiel der Kalifen. Die Schreiber und Gelehrten, die für die Regierung arbeiteten, waren mit dieser Aufgabe betraut. Zum Beispiel hat der Abbasidenkalif Al Mutadid dem Übersetzer Astronom, Philosoph und Geschichtsschreiber des 9. Jahrhunderts nach der Hidschra, Thabit Ibn Qurra befohlen, eine Biografie über ihn abzufassen.

 

 

 

Die Abfassung von Biografien über Gelehrte und die Imame kam im 4. Jahrhundert nach der Hidschra – 10. Jahrhundert nach Christus auf. Der bekannte Geschichtsschreiber Sakhawi (15. Jahrhundert n. Christus) verfasste eine wichtige Gelehrtenbibliografie über seinen Lehrmeister Ibn Hadschar Al Asqalani. Das berühmteste Geschichtswerk von Sakhawie ist Al A'lan Bil Taubich Liman Zam-at-Tarich. Er setzt sich in diesem Buch mit der Definition und den Fragen, dem Nutzen und dem Zweck der Geschichte auseinander und klassifiziert die geschichtlichen Werke und Errungenschaften thematisch oder in Reihefolge der großen Geschichtsschreiber.

Ab dem 7. Jahrhundert nach der Hidschra – 13. Jahrhundert nach Christus wurde die Zusammenstellung alphabetisch geordneter Kurzbiografien üblich, wie das Bibliografienlexikon von Ibn Khallikan genannt Wafayat al-Ayan .

Bei einer weiteren Art von Geschichtsbeschreibung in biografischer Form folgte man der Einteilung nach Jahrhunderten. Sie wurde im 16. Jahrhundert nach Christus unter den Muslimen üblich. Es wurde also das Leben von Persönlichkeiten jeweils eines bestimmten Jahrhunderts beschrieben. Als Beispiel kann das Werk von Ibn Abi Usaibi`a angeführt werden, in dem er über das Leben von großen Persönlichkeiten des 6. Jahrhunderts islamischer Zeitrechnung berichtet. Eine Biografiensammlung über bedeutende Persönlichkeiten im 8. Jahrhundert nach der Hidschra d.h. 701 bis 800 nach der Hidschra (circa 14. Jahrhundert nach Christus) stammt von Ibn Hadschar Asqalani (1372-1449).

 

 

 

Die Geschichtsbeschreibung konnte sich auch auf ein begrenztes Gebiet oder nur eine Stadt beziehen. Dafür gibt es viele Beispiele. Zum Beispiel das bekannte Werk Tarich-e Dschurdschan von Hamzeh Ibn Yusuf Al Sahmi, geboren um 1040, über die Geschichte Gorgans im Iran der Islamischen Ära. In einem Kapitel seines Werkes bringt Al Sahmi alphabetisch geordnet Biografien von Gelehrten und Überlieferern in Gorgan.

 

Ein weiteres Beispiel für eine örtlich begrenzte Geschichtsschreibung ist Tarich-e Damischq. Dieses Werk in 80 Bänden, verfasste der Historiker und Hadithkundige Ibn `Asakir (1105 – 1176 n.Chr.)aus Damaskus. Ibn Asakir gehört wegen dieses Werkes zu den bedeutendsten Geschichtsautoren. Seine Geschichtsbeschreibung beginnt vor dem Islam und geht bis zum 12. Jahrhundert nach Christus. Es ist das umfassendste Werk über das Leben von Gelehrten und Hadithkundigen und die historische geografische Situation von Damaskus und Syrien. Einige bekannte Geschichtsschreiber haben Asakir bei der Abfassung des Buches geholfen und Asakir benutzte das Buch als Lehrstoff.

Nach seinem Tode wurde es als eine der wichtigsten Quellen herangezogen. Yaqut Hamawi hat sich bei der Zusammenstellung seines Al Mu`djam al-buldān [Geographisches Wörterbuch]., dem größten geografischen Nachschlagewerk auf die Angaben yon Asakir gestützt. Einige handschriftliche Exemplare des Tarich-e Dameschq werden heute in renommierten Bibliotheken wie die in Kairo und Damaskus und in den USA und Frankreich aufbewahrt.

 

Zu den lokalen Geschichtsschreibungen gehören auch Berichte über Ereignisse in einer Stadt. Der älteste dieser Art ist bei den Muslimen die Geschichtsschreibung über Mekka und Medina. Zum Beispiel das Geschichtswerk Al Madinat-ul Munawara, von Numiri (8. Jahrhundert) über die Stadt Medina. Es gibt zahlreiche andere Beispiele für die lokale Geschichtsschreibung für Gebiete und Städte im Islamischen Reich, wie Ägypten, Jemen, Schaam (altes Syrien, die Städte Basra und Mussel im Irak usw.

 

 

Das Werk Tarich-e Bagdad enthielt sowohl die Geschichte Bagdads als auch Biografien über ihre Gelehrten und Persönlichkeiten. Geschrieben hat es Chatib Baghdadi. Dieses Nachschlagewerk mit den geschichtlichen und geografischen Beschreibungen der Stadt in der Einleitung enthält, beschäftigt sich mit den Spuren der Zivilisation in Bagdad: den alten Gebäuden, Brücken, Moscheen und Grabstätten. Chatib Baghdadi beschreibt auch die nahe Umgebung von Bagdad darunter Madain. Zu seiner Zeit war Bagdad das größte Zentrum für Wissenschaft und Politik . Dieses Werk ist heute insbesondere wegen seiner Einleitung heute für die Forschung von Bedeutung weil viele andere Texte über das alte Bagdad verloren gegangen sind. Auch die Biografien über Gelehrte, Hadithkenner und Persönlichkeiten der Stadt Bagdad in dem Werk von Chatib Baghdadi sind wertvoll. Er unterscheidet dabei nach Persönlichkeiten, die in Bagdad oder Umgebung geboren wurden, unabhängig davon, ob sie sich woanders angesiedelt haben, Personen die nicht in Bagdad zur Welt gekommen sind aber in dieser Stadt leben und schließlich auch Persönlichkeiten, die eine Zeitlang in Bagdad blieben und dort Überlieferungen weitergaben bzw. andere namhafte Persönlichkeiten, die einmal durch diese Stadt gekommen ist.

 

Eine weitere Form der Geschichtsschreibung stellt die Regierungsepoche von Herrschern in den Mittelpunkt. Diese Art der Geschichtsschreibung wurde bei den Iranern entlehnt. Das älteste Beispiel der Geschichtsschreibung über Herrscherdynastien verfasste Abu Ishaq Ibrahim ibn Hilal im 10. Jahrhundert. Er schrieb über die Buyiden bis zu ihrem Herrscher Izzad Daula. Ein anderes Beispiel für diese Art der Geschichtsschreibung stammt von Ahmad Ibn Ali Mughrizi (13. Jahrhundert n. Christus). Mughrizi schilderte die Geschichte der kurdischstämmigen Ayyubiden und der ägyptischen Herrscher von 567 bis 844 nach der Hidschra (11. bis 13. Jahrhundert nach Christus).

 

 

 

 

 

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