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Montag, 26 Dezember 2011 02:38

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (36)

Wir haben bereits einige Methoden der Geschichtsschreibung, welche die Muslime anwandten und einige bekannte Vertreter dieses Gebietes wie Ibn Athir, Mas`udi und Yaqubi vorgestellt. In diesem Teil werden wir das Thema fortführen.Eine weitere Form der Geschichtsschreibung der Muslime beruht auf dem Wissen über
die Abstammung – . Eine solche Familiengeschichtsaufzeichnung existierte bereits in der vorislamischen Zeit und der wichtigste Grund für ihre Entstehung war die Rolle, welche die Sippen und Stämme in der politischen und sozialen Ordnung auf der Arabischen Halbinsel spielten. Die auf der Genealogie beruhende Geschichtsschreibung wurde in der Islamischen Kulturära weitergeführt. Das älteste erhalten gebliebene Buch über die genealogische Geschichtsschreibung ist das von Muaradsch bin Amr al Sadusi (810 n. Chr.). Ein sehr altes Werk auf diesem Gebiet ist ebenso das Jamharat al nasab (die Große Genealogie) von Hischam Bin Mohammad Kalbi (737-819 n.Chr.).

Hischam Bin Mohammad Kalbi war Sohn des größten Genealogen des 2. und 3. Jahrhunderts nach der Hidschra, Mohammad Ibn Saeb Kalbi, und dieser war ein Schüler des Abu Michnaf al Azdi (gestorben 774 n. Chr.)gewesen. Saeb Kalbi hat ein Buch über Karbala geschrieben und sein Sohn Hischam Kalbi übertraf alle Abstammungskundigen seiner Epoche. Fast alle aus der Familie der Kalbi waren bekannte Gesichter aus der Religion, Wissenschaft und der Literatur und sie waren Freunde der Familie Imam Alis a.s.

Hischam Hischam Kalbi und sein Vater sind wegen ihrer schiitischen Glaubensrichtung öfters verhöhnt worden. Hischam hat mehr als 150 Werke verfasst. Ibn S`ad hat in seinem Tabaqat al Kubra über wichtige islamische Persönlichkeiten und Mas`udi in seinem Murūdsch adh-dhahab sowie Tabari in seinem Tarich al Umam viel von Hischam Kalbi übernommen und ihn als zuverlässigen Geschichtsschreiber bezeichnet. Auch hat sich Yaqubi bei seiner Geschichtskritik auf die Texte Hischams gestützt. Gemäß dem Geschichtswerk von Tabari hat Hischam Kalbi die Angaben des Schiiten Abu Michnaf übernommen. Große Gelehrte wie Scheich Mufid bringen in ihren Werken die Beschreibungen Hischam Kalbis über das Geschehen zu Karbala. Hischam verlieh der Geschichtsbeschreibung aufgrund der Ahnenforschung Zuverlässigkeit und seine Geschichtsschreibung lieferte der Nachwelt die wichtigsten Quellen.

 

Ein weiterer wichtiger Gelehrter dieser Art der Geschichtsschreibung ist Ahmad Ibn Yaya , bekannt als Al Balazuri gewesen. Er war nicht nur Geschichtsschreiber, sondern auch Übersetzer und Dichter. Balazuri studierte in Damaskus, Homs, Antiochien und in Bagdad. Unter anderem übersetzte er aus dem Persischen ins Arabische. Deshalb vermuten einige, dass er persischer Abstammung war, während andere ihn wegen seines Wohnsitzes in Irak und Syrien für einen Araber halten. Balazuri war wie seine Vorfahren Schriftsteller und Schreiber. In seinem Buch Insab al Aschraf wendet er eine neue Methode auf dem Gebiet der Ahnenforschung an und bringt diese der Geschichtswissenschaft nahe. Dieses Werk mit seinen 20 Bänden gilt als eine Art Geschichtslexikon. Ein weiteres wichtiges Werk von Balazuri handelt von den Kämpfen und Heereszügen der Muslime beginnend bei Lebzeiten des Propheten bis in seine Zeit. Er nannte es „Die Eroberung der Länder“ ‎ / futūḥu al-buldān. In diesem Buch wird zudem die politische, soziale und wirtschaftliche Lage beschrieben. Es enthält zum Beispiel Angaben über Steuerregelungen oder verschiedene Handschriften.

Die älteste Form der islamischen Geschichtsschreibung ist Tarich-e Tabaqat . – wörtlich: die Geschichtsbeschreibung der Schichten. Hierbei haben die Geschichtsschreiber die großen Persönlichkeiten der Religion, Wissenschaft und Politik jeder Epoche oder Generation als „Schichten“ klassifiziert und getrennt und chronologisch geordnet ihr Leben beschrieben. In den Hadithwissenschaften wird mit unter einer „Schicht“ eine Gruppe von zeitgenössischen Personen verstanden, die ungefähr gleichaltrig sind und etwa dieselben Lehrer haben, sprich: eine Überlieferergeneration.

Einer der bekanntesten Historiker und Biografen der Muslime ist Abu Abdullah Mohammad Ibn S`ad, genannt Katib-e al Waqidi gewesen. Er lebte von 748 bis 822 nach Christus und besaß weitgehende Kenntnisse von den historischen Ereignissen. Viele spätere Historiker und Forscher haben sein Wissen genutzt. Das erste und größte Werk auf diesem Gebiet der Geschichtsschreibung ist das Al Tabaqat Al Kubra, von Waqidi.

Waqidi beschreibt in Al Tabaqat Al Kubra das Leben des Propheten und der Prophetengefährten sowie seiner Anhänger und der Religionsgelehrten. Zum Schluss schildert er auch die Lage der Frauen.

In seinem Al Tabaqat Al Kubra führt er zudem die Familiengeschichte der genannten Personen an. Dabei verfolgt er die Abstammung manchmal auf eine große Zahl von Generationen zurück. Zum Beispiel nennt er für den Prophetengefährten Zaid Ibn Haritha die Vorfahren von 31 Generationen vor ihm.

Al Tabaqat al Saghir ist ein weiteres Geschichtswerk von Waqidi. Ein Exemplar davon wird im Archäologischen Museum in Istanbul aufbewahrt.

Die Tabaqat-Werke von Waqidi wurden zu einer wichtigen Quelle für nachfolgende Werke der Geschichtsschreibung in dieser Form.

Die Bücher mit dieser Geschichtsschreibung erwiesen sich für die Hadithologie – die Wissenschaft der Überlieferungen und die Kenntnis von den Überlieferer als sehr nützlich. Daher wurde diese Methode auch auf anderen Gebieten der Wissenschaft wie Religionsrecht, Koranexegese, Scholastik, Philosophie, Mystik, Literatur und Medizin üblich. Im Gegensatz zu der genealogischen Geschichtsschreibung ist die Geschichtsschreibung aufgrund von Tabaqat - der Klassifizierung von Persönlichkeiten nach Schichten– rein islamischen Ursprungs und tritt erst nach Beginn des Islams auf. Heute bedienen sich Forscher der Geschichtswissenschaften dieser Methode zur Unterscheidung von Denkschulen.

 

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