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Mittwoch, 30 November 2011 19:15

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (35)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (35)
Wir stellen heute weitere Historiker der Islamischen Zivilisationsepoche vor.  Die muslimischen Historiker haben verschiedene Methoden zur Beschreibung der Geschichte verwandt.  Eine Methodik , die im dritten 3. Jahrhundert nach der Hidschra (9. Jahrhundert nach Christus) üblich wurde und als Neuerung begrüßt wurde, bestand in der Beschreibung der Ereignisse in chronologischer Anordnung. Dies war insoweit ein Fortschritt als zuvor

eine Fülle von vereinzelten Überlieferungen und Berichten aus der Politik, Verwaltung und Kultur, manchmal sogar in Poesie und Prosaform- wie in einem großen Album zusammengestellt wurden.  Eine weitere Methodik der Historiker war die Anfertigung von Anmerkungen unter Originaltexten oder  Zusammenfassungen der letzteren. Dabei schrieb der Historiker als Ergänzung seinen Kommentar zu den Werken, die in Form von chronologischer Schilderung von Ereignissen bereits vorlagen.  Zudem sammelte er Berichte über die zeitgenössischen Ereignisse und fasste die Ereignisse früherer Epoche zusammen und stellte sie auf  Basis der zuverlässigen geschichtlichen Werke vor.

Einer der wichtigsten Vertreter dieser Methodik der zusammenfassenden Geschichtsschreibung und Kommentierung war Ibn Athir.

Ibn Athir  wurde 1160 n. Chr. geboren, also im 7. Jahrhundert nach der Hidschra. Zu den vielen Werken, die er hinterließ, gehört al Kamil fi at tarich  (die Gesamte Geschichte).  Dieses Werk hat schon vielen Historikern als Referenzquelle gedient und wurde daher sehr bekannt. Ibn Athir  behandelt in seinen Werken die vorislamische Geschichte, nämlich die Schöpfungsgeschichte, die Geschichte der Israeliten im Zusammenhang mit der Geschichte der Iraner, die Geschichte der Christen, der Heiligen  und der vorislamischen Araber. Er beschreibt die Ereignisse in der Islamischen Geschichte von der Hidschra  des Propheten von Mekka nach Medina bis circa Ende des 7. Jahrhunderts,  13. Jahrhundert nach Christus.  Er ordnete die Ereignisse chronologisch  und schilderte das Leben von bekannten Überlieferern.

Die allgemeine Geschichtsbeschreibung ist eine weitere Form der chronologischen Ereignisbeschreibung und bei ihr wurden die Geschehnisse  in den islamischen Ländern nach dem Beginn der Islamischen Ära festgehalten. Die Historiker haben hierbei die Ereignisse unter Nichtbeachtung von ethnischen und geographischen Kriterien nach Jahren geordnet. Einer der wichtigsten Historiker der auf diese Weise die Geschichte beschrieb und im 9. Jahrhundert nach Christus gewirkt hat,  ist der bekannte Al  Yaqubi gewesen.   Er wurde 284 nach der Hidschra im Iran geboren – ca. 899 n. Christus und schuf das bekannte Werk „Tariche Yaqubi“. Yaqubi war nicht nur Historiker und Geograph sondern auch Astronom und nutzte sein großes Wissen bei der Geschichtsbeschreibung. Hinsichtlich der Daten über die Geburt von Jesus – gegrüßet sei er -  sowie der Geburt und des Todes von  Mohammad - Friede ihm und seinem Hause – oder auch  hinsichtlich der Daten  anderer großen Persönlichkeiten erinnert er daran, dass die Meinung der Astronomen auseinander gehen und erklärt seine eigene Ansicht.  Dieser muslimische Historiker war ein Freund von Reisen. Er besuchten Armenien, das nordostiranische Khorassan, Indien, Ägypten und den Maghrib in Nordafrika.

Sein Vater und dessen Vorfahren hatten zu den treuen Freunden des Prophetenhauses gehört.  In seinem Buch „Choda wa Itrat“ (Gott und die Familie des Propheten) berichtet er über das Geschehnis von Ghadir Chum und über das berühmte Hadith Thaqalain (über den Wert des Korans und der Imame)  und kommentiert diese Ereignisse.  Yaqubi

unterstreicht, dass der Vers 3 in der Sure 5  an dem Tag offenbart wurde, an dem Imam Ali aleihe salam von dem Propheten in Ghadir Chum als dessen Nachfolger vorgestellt wurde.

Der belgische Historiker George Sarton (1884-1956) schreibt über das Buch „Choda und Itrat“ von Yaqubi, nachdem er diesen als schiitischen Historiker und Geographen vorgestellt hat, dass es interessant ist, dass Yaqubi als ein Schiit völlig unparteiisch, aber mit einer besonderen Liebe,  dieses Buch über das Ereignis von Ghadir Chum und die Bekanntgabe Imam Alis als Nachfolger des Propheten verfasst hat.

Das Buch Tarich-i Yaqubi ist eines der ältesten Universalgeschichtswerke auf Arabisch und eine Zusammenfassung der Weltgeschichte von Beginn an bis Mitte 3. Jahrhundert nach der Hidschra (9. Jahrhundert nach Christus)  Der erste Teil über die Zeit vor dem Islam war mit einer Einleitung versehen, die nicht erhalten blieb.  Im noch vorhandenen  Teil des Buches, welches mitten in der Schöpfungsgeschichte beginnt, steht über das Leben der Propheten von Adam bis Jesus und danach geschrieben und daraufhin folgt ein geschichtlicher Überblick über Könige, Völker und Länder. Bei der Beschreibung der Geschichte der Propheten zitiert und entlehnt Yaqubi aus dem Heiligen Koran und islamischen Quellen , dem Alten und Neuen Testament unter anderem den Vier Evangelien.  Immer wenn er nicht genug Informationen über die politische Geschichte von Völkern in der Hand hatte, hat er über ihre Kulturgeschichte geschrieben.

Der zweite Band des Tarich-i Yaqubi widmet sich der Geschichte des Islams. Zu Beginn wird das Leben des Propheten des Islams (s) von der Geburt bis zur Ernennung, und der Hidschra beschrieben. Es ist  über seine Gefechte, Gesandten und  Schreiber ebenso wie über seine Gemahlinnen nachzulesen. Das Werk enthält  seine Ansprache und Predigten und schildert seine letzte Hadschreise und sein Verscheiden, ebenso wie  seinen Charakter und es informiert über seine   Verwandten.  Es folgt die Beschreibung der Ereignisse zur Zeit der ersten Nachfolger des Propheten, Imam Alis a.s. und der Imame aus seinem Hause und dann wird die Herrschaft der Umayyaden und Abbassiden chronologisch  bis zu den Ereignissen im Jahre 259  n. d. Hidschra wiedergegeben. (circa 871 n. Christus) . Die Geschichte der Abbassiden nimmt ungefähr ein Fünftel des Buches ein.

 

Yaqubi hat im zweiten Band nicht wie Tabari und andere Historiker die Überlieferungskette angegeben, sondern nach eigener Überprüfung der Überlieferungen und vorhandenen Unterschiede einen zusammenfassenden Bericht über die Überlieferung aufgestellt. Yaqubi stellt in der Einleitung zu diesem Band die eigenen Quelle und eine Reihe von Überlieferern aus dem zweiten und dritten Jahrhundert nach der H. (8. und 9. Jahrhundert) vor..

Ein weiteres Merkmal des Geschichtswerkes von Yaqubi, welche auch Hinweis darauf liefert, dass er ein Schiit war, sind die Anmerkungen über das Leben der Imam der Schiiten. Bis zum 10. Imam, Imam Hadi a.s. bringt er für alle Imame aus dem Hause des Propheten einen kurzen Bericht über ihr Leben  und zitiert Worte von ihnen. Yaqubi verweist auf die verschiedenen Themen in der Geschichte des Islams und hat über Imam Ali, seinen Rang und die vorzüglichen Eigenschaften des Prophetenhauses geschrieben.

 

Yaqubi hat zahlreiche Werke verfasst, wovon ein großer Teil nicht mehr existiert. Die erhalten gebliebenen wenigen Bücher sind zudem nicht vollständig. Dazu gehören „Die Geographie des Byzantischen Reiches“ , „Die Geschichte der Eroberungen in Afrika und die Eroberung von Maghrib“. Sein Muluk al Rum (das Römische Reich“ schrieb Yaqubi in Armenien.  Im Kapitel Muluk Fars beschäftigt er sich mit den Mythen Irans und der Geschichte des Alten Persiens und liefert wertvolle Informationen über die Verwaltungsordnung unter den Sassaniden und den staatlichen Hierarchieaufbau.

Ein weiteres bekanntes Werk von ihm  ist „Al Buldan“, welches allerdings nicht  vollständig erhalten blieb. Ein großer Teil betrifft Zentralarabien, Basra (Irak) China, Indien, Byzanz und Armenien. Der christliche Autor Jorji Zeydan sagt, dass das „Al Buldan“ von Yaqubi das älteste arabische Geografiewerk ist, das erhalten blieb.

 

Ein weiterer bekannter Historiker der Islamischen Welt ist Abu-l Hassan Ali Ibn Hussein Mas`udi gewesen.  Er wurde im 4. Jahrhundert nach der Hidschra (896 nach Christus) in Bagdad geboren. Er war Historiker und Geograph  und ging wissenschaftlich vor. In seinem wichtigen Werk  Murudsch ad-dahab wa-ma'ādin al-dschauhar ‚Die Goldwiesen und Edelsteingruben‘ beginnt er einen Wandel in der Art der allgemeinen Geschichtsbeschreibung.

Mit seinen Schilderungen auf Reise nach China, Indien, Khorassan, Irak, Schaam, Ägypten und andere Gebiete hat er die Studie vor Ort in die Geschichtsschreibung und Geographie eingeführt.  Er hat geschichtliche Themen auf Punkte, die über die menschliche Tätigkeit hinausgehen, ausgedehnt und Naturereignisse beschrieben und Wissen  in seine Geschichtsschilderungen eingebaut.  Seine Methode kommt der heutigen näher, denn er hat der Erfahrung und der fachmännischen Forschung vor Ort Bedeutung beigemessen.

 

 

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