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Mittwoch, 30 November 2011 19:00

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (34)

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (34)
In diesem Beitrag wollen wir über die Islamische Geschichtsbeschreibung sprechen. In der vorislamischen Geschichte der Araber, die Zeit der Unwissenheit genannt wird, lassen sich keine zuverlässigen Dokumente darüber finden, ob die Geschichtsschreibung von Bedeutung war.  Es gab jedoch eine mündliche Überlieferung die sich Aiyam ul Arab – „Die Zeit der Araber“ nannte und von einer Generation auf die andere übertragen wurde.

Diese Geschichtsbeschreibung war von blindem Stammeseifer  zwischen den Volksstämmen geprägt und handelte vor allem von ihren Kämpfen untereinander.  Die Araber führten ansonsten in der vorislamischen Zeit ein einfaches Leben, in denen sich selten etwas Einschneidendes ereignete. Geografisch und menschlich gesehen hatten sie nur beschränkten Einfluss. Und sie hatten kein richtiges Gespür und nicht ausreichend Kenntnis über die Zeit und ihren Verlauf, sondern Zeit war für sie lediglich eine astronomische Erscheinung und ein Wechsel der Jahreszeiten. Sie besaßen daher keinen Kalender und keine Geschichtsaufzeichnung.

Nach Beginn des Islams, haben die Überlieferer einen Teil der mündlichen Berichte von „Aiyam al Arab“ weitergegeben und diese mündliche Überlieferung fand allmählich Einlass in schriftliche literarische und geografische Werke. Das Wort Yaum (Einzahl von Aiyam – Tage, Zeit) wurde auch in der Islamischen Ära für die Betitelung der Beschreibung  wichtiger Ereignisse, wie Gefechte und Eroberungen verwendet.

Der wichtigste Beweggrund für die Muslime, über die Geschichte zu lernen und sie zu beschreiben, dürfte auf die Lehren des Korans und die Überlieferungen zurückgehen.  Die göttliche Offenbarung in Form des Korans enthält viele Verszeichen, in denen über das Leben  der Propheten und das Schicksal verschiedener  Völker gesprochen wird. Dabei werden die Ursachen für den Untergang oder den Erfolg von Völkern dargelegt.

In Wahrheit widmet sich  der Koran nicht deswegen der Geschichte, weil er lediglich Ereignisse wiedergeben will, sondern er sieht in der Geschichte Hinweise für die Erfahrungen, die der Mensch in der Vergangenheit gemacht hat und aus denen die nachfolgenden Generationen und Völkern wertvolle Lehren ziehen können.

 

Der Koran lehrt seine Anhänger die Gesetze und Regeln, die zu jeder Zeit über das Leben des Menschengeschlechts herrschen. Auch in den Worten der Propheten des Islams (s) und der Edlen Nachkommen aus seinem Hause, sind die koranischen Lehren über die Geschichte  deutlich zu beobachten. Imam Ali aleihe salam aus dem Prophetenhause hat im Brief 31 im Nahdsch-ul Balagha zu seinem Sohn Imam Hassan (a.s.) gesagt: „Auch wenn ich nicht so lange gelebt habe, wie alle die vor mir waren, so habe ich doch ihre Angelegenheiten und Tun betrachtet. Ich habe ihr Schicksal und was von ihnen verblieb durchwandert und wegen des Wissens zu dem ich hinsichtlich ihrer Angelegenheiten und ihres Tuns gelangt bin, ist es als ob ich von den ersten bis zu den letzten mit ihnen verbracht hätte…“

Wie bereits gesagt, gaben diese Lehren des Korans und der Überlieferung den Muslimen Ansporn zur Geschichtskunde und -beschreibung. Bei ihren Studien der Geschichte interessierten sie sich als erstes für die Lebensweise des Propheten und für die Gefechte, die er ausgetragen hat.  Ihr Bedürfnis nach Wissen über das Leben des Propheten und seiner Gefährten und den Erfolgsweg des Islams steuerten zum Volumen und dem Themenreichtum ihrer Untersuchungen der Geschichte bei. So kam es dass der Bericht Chadschi Chalfa, (1609 -1657) Verfasser der Enzyklopädie  Kaschf al Zunun  (die Beseitigung der Zweifel) von den  18 500 Werke, die die Muslime bis zum 17. Jahrhundert verfasst hatten, 1300 Bände der Geschichtsbeschreibung zuschreiben konnte.

Die Muslime haben vor Beginn der Neuzeit wie keine anderen Religionsanhänger so viele Bücher dem Thema der Geschichte gewidmet. Als  erster muslimischer Historiker ist Abu Michnaf al Azdi (gestorben 774) zu betrachten. Er lebte im zweiten Jahrhundert nach der Hidschra und schrieb  viele geschichtliche Werke über Einzelthemen. Teile  davon sind in dem bekannten Geschichtswerk Tarich Tabari erhalten geblieben. Abu Michnaf hat Mitteilungen über die geschichtlichen Ereignisse in der Frühzeit des Islams gesammelt und seine Einzelberichte dienten später als Grundlage für die Geschichtsschreibung der Muslime. Die Geschichtsbeschreibung über die  Kalifen und die verschiedene Bevölkerungsgruppen mit Angaben über Verwandtschaftsbeziehungen und Jahresangaben wurden den Werken von Abu Michnaf entnommen und seine Schriften fanden großes Interesse bei Historikern wie Tabari und Ibn Athir. Tabari und Baladhuri   sind die großen Geschichtsschreiber der Vergangenheit die am meisten zur  Übertragung des Erbes  Abu Michnafs in der Geschichtsschreibung an die Gegenwart beigetragen haben.

Zu den vielen  Werken des Ibn Michnaf al Azd gehören : Maqtal al Hussein (sein berühmtesten Buch, welches von dem Kampf und Märtyrertod des Imam Hussein a.s. handelt und im 19. Jahrhundert  von Ferdinand Wüstenfeld ins Deutsche übertragen wurde) , Futuh al Schaam (die Eroberung von Schaam), Al Saqifah (über die einschneidende Entscheidung hinsichtlich der Nachfolgerschaft nach dem Tod des Propheten in dem Gebäude al Saqifah in Medina) , Futuh al Islam (die Siege des Islams) , Maqtal Ali (a.s.) über den Kampf  Imam Alis .

Ibn Ishaq ist ein weiterer bekannter Historiker der Islamischen Welt. Er lebte von 704 bis 767/68 n. Christus und wurde in Medina geboren. Ibn Ishaq war der erste der  die Lebensart des Propheten zu beschreiben und über die Gefechte des Propheten zu berichten begann. Außerdem hat er über einen Abschnitt der Arabischen Geschichte geschrieben und zwar von der Zeit des Propheten Adam a.s. bis zum Propheten des Islams, Mohammad (s).  Tabari hat Teile davon in seinem Geschichtswerk übernommen, aber Ibn Hischam bringt diese Geschichtsbeschreibung von Ibn Ishaq vollständig.

Zu nennen ist ebenso Abu Abdullah Mohammad Al Waqidi. Er kam zu Beginn des dritten Jahrhunderts nach der Hidschra in Medina zur Welt (747 n. Chr.) Später siedelte er in das Zweitstromland über und betätigte sich in Bagdad als Richter.  Unter seinen vielen Büchern über die Geschichte ist das Al Maghazi besonders bekannt, welches von den Gefechten des Propheten handelt. Seine anderen Bücher handeln ebenso von Siegen der Muslime.

Ein Schüler von Al Waqidi war Ibn Saad . Er war Schreiber und wurde als „Schreiber des Al Waqidi“ bekannt. (Katib-i Waqidi)  Sein wertvolles Werk kitāb al-tabaqāt al-kabīr ‚ „Das große Klassenbuch“ beeinhaltet die Biografie  des Propheten, der Prophetengefährten und seiner Anhänger, der Gelehrten in Städten der Islamischen Welt und die Beschreibung einiger  wissenschaftliche Zentren sowie der Situation der Frauen. In Saad  hat auch ein Tabaqat al saghir (ein kleines Klassenbuch geschrieben. Ein Exemplar davon wird im Archäologischen Museum von Istanbul aufbewahrt.

Im neunten und zehnten Jahrhundert nach Christus  (3. und 4. Jahrhundert nach der Hidschra) begegnen wir dem bekanntesten Historiker der Muslime. Er heißt Abû Dscha'far Muhammad Ibn Dscharīr Ibn Yazīd at-Tabarī, kurz Tabari und wurde 839 im iranischen Amol geboren. Aufgrund seines umfassenden Wissens und seiner lobenswerten Genauigkeit  hat er die  zuverlässigen Quellen erkannt und die Geschichte von Adam bis zu seiner Zeit, darunter auch die ersten 3 Jahrhunderte der Islamischen Geschichte beschrieben.  Er hat die  Berichte und Aussagen von Historikern vor ihm genannt, sie bewertet und dazu Stellung genommen. Die Niederschriften dieses bekanntesten Historikers der Muslime werden laufend von Forschern zugrunde gelegt und seine Geschichtsschreibung kann als die beste auf diesem Gebiet betrachtet werden.

Der amerikanische Historiker Will Durant schreibt über Tabari: „Abu Dschafar Mohammad Tabari  ist für das Reich der Islamischen Geschichte wie der bekannte Historiker Livy für den Okzident. Er hat 40 Jahre seines Lebens seinem Universal-Geschichtswerk gewidmet und die Geschichte der Welt seit ihrem Beginn bis zum Jahre 301 nach der Hidschra, 913 nach Christus beschrieben. Der Teil, der von diesem Buch erhalten blieb, umfasst 15 Bände.“

Tabari schloss dieses Buch über die“ Geschichte der Propheten, Könige und Kalifen“ im Jahre 302  (914) ab. Weitere Werke  sind Adab al Munasik, (über die Sitten zu  religiösen Ritualen)  Adab Ul Nufus (guten Sitten der Seelen), Ahadith Ghadir Chum (die Überlieferungen von Gahdir Chum)  und viele mehr.  Tabari verstarb 923 nach Christus in Bagdad.

 

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