Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Mittwoch, 30 November 2011 07:02

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (33)

  Nachdem wir eine Reihe islamischer Philosophen aus der Islamischen Zivilisationsära vorgestellt haben, möchten wir heute über muslimische Gelehrte sprechen, die in der Logik, welche sowohl eine Disziplin der Philosophie als auch der Mathematik ist,  einen Beitrag zu dieser Zivilisation beitrugen.

Der Mensch ist gegenüber den anderen Lebewesen im Vorzug weil er die Macht zu denken besitzt.  Im Laufe der Geschichte, konnte er verschiedene Wege entwickeln, um einen Nachweis für eine Ansicht zu bringen. Die Wissenschaft der Logik ist der wichtigste Schritt in dieser Richtung. Diese Wissenschaft lehrt den Menschen wie er unter Anwendung von Argumenten und Folgerung, an das richtige Schlussergebnis  gelangen kann. Die Logik wird auch die denkende Kunst bezeichnet.

Mit Hilfe dieser Wissenschaft kann man die richtigen Wege des Denkens von Wegen, die zu Irrtümern führen unterscheiden. Früher war die Logik ausschließlich Teil der Philosophie wird aber heute als selbstständige wissenschaftliche Disziplin behandelt.

Aristoteles hat als erster die Logik unabhängig und wissenschaftlich betrachtet. Im 4. Jahrhundert vor Christus hat er Bücher über die Logik geschrieben. Das wichtigste davon war Organon, welches 6 Kapitel zu jeweils verschiedenen Punkten der Logik behandelte.  Aristoteles wurde deshalb sowohl Gründer der Logik als auch „Erster Lehrer“ genannt. Einige Gelehrte wie Ibn Sina vermuten jedoch, dass es schon vor ihm die Logik gab.

In den ersten Jahrhunderten der Islamischen Zivilisationsepoche pflegten die muslimischen Gelehrten ihre eigene Logik und ließen sich nicht von der Logik des Aristoteles beeinflussen. Die Logik der Muslime ist in der Scholastik und der Lehre über die religionsrechtlichen Grundsätze zu suchen.  Die Muslime haben sich mehrere Jahrhunderte lang auf diesen beiden wissenschaftlichen Gebieten angestrengt und auf diesem Wege, insbesondere in der Scholastik ihr religiöses Wissen bereichert. Im Lichte der Scholastik führten sie ihre Argumentation und gelangten zu Schlussfolgerungen und den gewünschten Ergebnissen, ohne dass sie sich von der Logik des Aristoteles inspirieren ließen.  Diese Vorgehensweise der Scholastiker hielt bis zum 5. Jahrhundert nach der Hidschra (11. Jahrhundert nach Christus) an.  Die Wissenschaft von den religionsrechtlichen Prinzipien galt als die Logik der Rechtsgelehrten.

Der erste  in der Islamischen Welt, der die Ausführungen von Aristoteles über die Logik ins Arabische übersetzt hat war Ibn Muqaffah, der vom zaroastrischen Glauben zum Islam übertrat. Aber auch andere iranische Denker wie Kindi, Farabi, Abu Ali Sina und Mulla Sadra haben Abhandlungen über die Logik von Aristoteles übersetzt. Abu Ali Sina hat in seinem Werk al Schifa nicht den Rahmen der Aristotelischen Lehre in diesem Bereich  geändert. Er hat diese vielmehr vollständig erläutert.

Zu den muslimischen Gelehrten die weitgehende Studien auf dem Gebiet der Logik durchführt haben,  ist Abu Nasr Farabi zu zählen. Er war davon überzeugt, dass die Logik Regeln besitzt,welche den Geist des Menschen der Wahrheit näherbringt und ihn von Irrtümern fernhält.  In seinem Büchern „huruf“(Buchstaben)  und „alfaz“ (Wörter)  setzt er sich weitgehend mit den Fragen der Logik und der sprachlichen Analyse auseinander und betont, dass zwischen der Kunde von den philosophischen Begriffen und der Sprachgrammatik ein Zusammenhang besteht. Er begründete dies damit, dass für die Übertragung von Philosophie und Logik aus einer anderen Sprache und Kultur, nämlich dem antiken Griechenland, in die arabische Sprache, die vollkommene Beherrschung der fremden Sprache notwendig ist, darunter die Aufstellung eines Wörterverzeichnis für die Philosophie auf Arabisch.  Farabi unterstreicht die wissenschaftliche und praktische Seite der Logik und ist der Meinung, dass nichts die Logik ersetzen kann und Geometrie und Rechnen nicht an ihre Stelle treten können.

Farabi hat auf zweierlei Weise der Logik gedient: Erstens konnte er die Logik des Aristoteles richtig der arabischsprachigen Welt vorstellen und zweitens hat er die fünffache Gliederung der Beweisführung begründet.

Im 4. und 5. Jahrhundert nach der Hidschra – 10. und 11. Jahrhundert nach Christus hat Abu Ali Sina die Logik von Aristoteles erläutert . Im Vorwort zu seinem Buch Mantiq al Muschriqin  (die östliche Logik) erläutert er die Logik von Aristoteles und betont, dass er ein Anhänger der Tradition der Mascha`i Philosophen geblieben ist.  Sein wichtiges Werk auf Persisch ist der Daneschnameh Alai.  In seinem bekanntesten philosophischen Werk Al Schifa behandelt er nicht nur die Naturwissenschaften und Theologie sondern widmet auch ein Kapitel der Logik.

Auch Chadsche Nasiruddin Tussi  zählt zu den muslimischen Gelehrten, die sich neben anderen Wissenschaften wie Philosophie und Mathematik und Scholastik auch mit der Logik beschäftigt haben. Chadsche Nasir sah in der Logik sowohl eine Wissenschaft als auch ein Mittel. Ihr Ziel als Wissenschaft war in seinen Augen die Erkenntnis von der Bedeutung und der Qualität der Bedeutung.  Ihr Ziel als Mittel war das Verstehen  der anderen Wissenschaften. Nach Ansicht von Chadsche bewahrt die Logik den menschlichen Geist vor gedanklichen Fehlern und Ratlosigkeit .  Chadscheh Nasir hat viele Werke über die Logik geschrieben , darunter Asas Al Iqtibas  (Grundlage der Zitierung) und Scharh Mantiq Ischarat „Kommentar zu dem Buch Al Ischarat von Avicena) “

Abd ar Rahman Ibn Mohammad Chaldun  bekannt als Ibn Chaldun (1332 bis 1406 n. Chr.) gilt auch als Logiker. Er übte an der Logik des Aristoteles Kritik und war ein großer muslimischer Soziologe.  Mit dem Vorwort zu seiner Universalgeschichte dem - Kitab al Inbar -  hat Ibn Chaldun die Methodik der Geschichtsbeschreibung verändert. In den verschiedenen Kapiteln zu diesem Werk spricht er von der Logik und sieht sie aus dem Blickwinkel der Geschichte und beschreibt ihre Entstehung und ihren Einfluss in der Islamischen Welt.

Ibn Chaldun legt umfassend das Wesen der Logik dar und nennt ihre Ursprünge. Er untersucht kritisch die Logik des Aristoteles. Es lässt sich sagen, dass Ibn Chaldun mehrere Arten der Logik kannte. Erstens die Logik des Aristoteles, welche für alle Wissenschaften außer der Theologie gültig sein soll. Dann die Mantiq-i Kaschfi – worunter er die Logik die sich mit den Fragen der Theologie beschäftigt versteht. Schließlich die Mantiq Aqlani – die rationale Logik, die sich für die Schlussfolgerung auf Analogie stützt und zum Beispiel für die Geometrie und das Rechnen geeignet sind. Ibn Chaldun war letztendlich von einer weiteren Logik überzeugt, und zwar der Logik der Sinneswahrnehmung,  welche nach seiner Ansicht für das Verstehen sozialer Angelegenheiten gilt.

Ibn Chaldun erklärt: „ Wissenschaften wie die Geometrie und das Rechnen und andere sind zwar von der Logik des Aristoteles beeinflusst, jedoch nicht die Gesellschaftskunde.“  Die Gesellschaftskunde muss nach seiner Meinung aufgrund der wahrnehmbaren Erscheinungen erfasst werden und für das richtige Verständnis der gesellschaftlichen Angelegenheiten sei die Sinneswahrnehmung weitaus geeigneter als der logische Analogieschluss.

Die Eignung der Logik der Wahrnehmung des Ibn Chaldun  zeigt sich besonders in seinen gesellschaftlichen und politischen Studien.  Er hat eine interessante Geschichte hierzu gebracht, und zwar hatte ein König seinen Wezir (Minister) und dessen kleinen Sohn ins Gefängnis geschickt.  Nachdem der kleine Sohn im Gefängnis groß geworden war und geistige Reife erreicht hatte, fragte er seinen Vater, von welchem Tier das Fleisch ist, das sie im Gefängnis zu essen bekamen. Der Vater sagte, es ist von einem Hammel.  Aber der Sohn, der bis dahin im Leben nur die Mäuse im Gefängnis zu Gesicht bekommen hatte, dachte ein Schaf sehe aus wie eine Maus und es nützte ihm auch nichts, dass der Vater ihm beschrieb wie ein Schaf aussieht.  Chaldun  erklärt anhand dieser Geschichte, dass die Vorstellungen des Menschen nicht über den Rahmen  seiner gewohnten Erlebnissen hinausgehen können. Er  ist daher der Ansicht, dass der Analogismus  nicht dafür ausreicht, dass der Mensch sich etwas vorstellt, was ihm fremd ist.

 

 

 

 

 

Medien

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren