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Donnerstag, 24 November 2011 04:34

Die Islamische Kultur und Zivilisation im Laufe der Geschichte (30)

Beim letzten Mal ging es über den Stand im 4. Jahrhundert nach der Hidschra – 10. Jahrhundert nach Christus. Sie erinnern sich: In dieser Zeit gab es viele politische und soziale Konflikte, aber es war auch eine Zeit für die Entfaltung der rationalen Theosophie, Scholastik und  Islamischen Philosophie und es traten die ersten muslimischen Philosophen wie Farabi  auf.  Wir stellen ihnen heute noch weitere bekannte Philosophen der Islamischen Zivilisationsära vor. 

Im 10. Jahrhundert nach Christus bildete sich eine philosophische, religiöse und politische Gruppe namens Ichwan as Safa. Diese Geheimgruppe bestand aus muslimischen Gelehrten in Bagdad und in Basra. Sie wollten die Philosophie unter den Muslimen verbreiten, um den Islam von allem Aberglauben, den man ihm angedichtet hatte, zu befreien und strebten auf diese Weise das Wohl der Gesellschaft an.

Der französische Wissenschaftler Henry Corbin hat den Namen der Gruppe mit „Brüder der Aufrichtigkeit und treuen Freunde“ übersetzt. Die Ichwan as Safa wurden noch einmal nach 4 Ranggruppen unterschieden. In der ersten Gruppe wurden die begabten Anfänger zwischen 15 und 30 Jahren eingeordnet. Sie wurden   die „freundlichen rechtschaffenen Brüder“ - al-abrār wa 'l-ruhamā – genannt.

Die nächst höhere Gruppe entsprach der Altersgruppe von 30 bis 40 . Es waren die „wissenden und exzellenten Brüder“ - al-akhyār wa 'l-fudalā. Mitglieder dieser Stufe mussten hohe Eigenschaften wie Großmut, Freundlichkeit und Zuverlässigkeit besitzen.

Über ihnen rangierte  die dritte Gruppe mit Mitgliedern im Alter von 40 bis 50. Diese Gelehrten waren die „noblen und exzellenten Brüder“ (al-fudalā' al-kirām) und mussten sich in den Gesetzen gut auskennen und  die Wahrheit verteidigen.

Personen, die über 50 waren, gelangten auf die Stufe der vierten Gruppe – die Stufe der Weisen und Vervollkommneten. Diese Stufe hieß al-martabat al-malakiyya.

 

Die Mitglieder der Ichwan As Safa waren alle  in den üblichen Wissenschaften und Fertigkeiten ihrer Zeit bewandert. Sie tauschten über das religiöse Wissen, die Geschichte der Völker, die Religionsgesetze und Religionen Meinungen aus. Die meisten von ihnen waren Iraner.  Zu den renommierten  Persönlichkeiten der Ichwan As Safa gehören  Zaid Ibn  Al Rifa´a, Ibn Rawandi  (ca. 825-910) und Abu Hayyan Al Tawhidi (gest. 1023). Die Ichwan as Safa  hinterließ viele Werke . Das Rasa`il Ichwan As Safa ist ihr wichtigstes gewesen. Es enthält 51 Artikel. 50 davon beziehen sich jeweils ein bestimmte Wissenschaften, von den Natur- bis zu den Religionswissenschaften oder behandeln rationale und soziale Themen. Im Artikel 51 werden Beziehungen unter den Mitgliedern und die Bedingungen für einen Beitritt zu dieser Gruppe beschrieben.

Übrigens schloss  man in westlichen Gelehrtenkreise erst im 19. Jahrhundert mit dem Ras `il Ichwan As Safa Bekanntschaft. Friedrich Dieterici (1821-1903), ein deutscher Gelehrter hat sich 30 Jahre lange intensiv mit den Ichwan As Safa und ihrem Werk beschäftigt. Das Ras`il Ichwan As Safa wurde ins Spanische, Deutsche, Italienische und Englische übersetzt.

Zur Zeit der Seldschuken (11. und 12. Jahrhundert n. Chr.) hat es sehr viele Gelehrten gegeben. Es wurden zahlreiche Werke im Religionsrecht, der Scholastik und der Hadithkunde verfasst. Abu Hamed Mohamamd Ibn Mohammad Ghazzali Tussi (1058-1111) ist einer der namhaften Philosophen  aus der zweite Hälfte des 5. Jahrhunderts nach der Hidschra (11. Jahrhundert).  Sein Wissen in Religion und Literatur erwarb er bei Abu Nasr Ismaeli und, noch keine 30 Jahre alt, hatte er sich die Kenntnisse von allen damals üblichen Wissenschaften zugelegt, darunter Ethik, Religionsrecht, Scholastik, aber auch die Grundlagen der Philosophie. Ghazzali (latinisiert: Algazel)  hat viele Werke hinterlassen. Sein wichtigstes ist Ihya ulum al-din (Die Wiederbelebung der religiösen Wissenschaften).  Es enthält weise Ratschläge und handelt von Ethik und religiösen Fragen. Dieses Buch ist in 4 große Teile aufgeteilt und zwar nach den Themen: Gott-Dienen, Gewohnheiten, schlechte Eigenschaften  und gute Attribute. Ein weiteres Werk Ghazzalis ist „Maqasid al falasifa (Die Absichten der Philosophen). Dies ist eines der besten und einfachsten seiner philosophischen Werke. Er schrieb es, um die Gedanken der Philosophen verständlich zu machen. In seinem Buch Tahafut al falasifa (Die Inkohärenz der Philosophen) war er bemüht den Beweis für die Ungültigkeit der Ansichten einiger Philosophen zu führen. Er zeigte auch die Widersprüche zwischen den Meinungen der Philosophen auf und schrieb über die Ansichten der Mutazila: Falls  wir die Mutazila  wegen ihrer Ansichten als Ungläubige betrachten, dann sind auch die Philosophen Ungläubige,  aber wenn wir die Anhänger dieser Gruppe nicht als Ketzer und Ungläubigen einstufen, dann ist auch der Philosoph kein Ungläubiger.“

Das letztgenannte Buch hatte ein tiefe Wirkung auf die Islamische Zivilisation. Es löste auch eine Politisierung der Philosophiebekämpfung und die Belästigung von Gelehrten der rationalen Wissenschaften aus.

Ghiyath al-Din Abu'l-Fath 'Umar ibn Ibrahim , der unter dem Beinamen Khayyam (der Zeltemacher) berühmt wurde, ist ein weiterer islamischer Gelehrter, welcher Philosophie betrieb. Er kam um Mitte des 5. Jahrhunderts nach der Hidschra auf der Welt. Nach christlicher Zeitrechnung lebte er von 1048-1131 n.Chr.

Geboren wurde er in Neyschabur im Nordost-Iran. Zu seiner Zeit waren die Seldschuken an die Macht gelangt und hatten bald Bagdad erobert, es begannen die Kreuzzüge und die Ismaelitische Sekte trat in Erscheinung.

Khayyam gehört zu denen, die sich eifrig griechisches Wissen aneigneten. Er war Schüler des Abu Ali Sina (Avicenna), doch kamen sein Denken und seine Beweisführung den Ichwan as Safa nahe. Es gibt eine Sammlung von Vierzeilern, die ihm zugeschrieben werden und die Aufschluss über seine Einstellung zum Dasein, der Materie, der Zeit, Gott, dem Determinismus usw. zu geben scheinen. Gemäß diesen  Gedichten glaubte ihr Verfasser nicht  an einen absoluten Gott und war der Überzeugung, dass der Mensch keine Entscheidungskraft besitzt sondern dem Determinismus unterworfen ist.  Er  betrachtete  das Nichts als besser als das Dasein und glaubte, dass sich die verschiedenen Lebensepochen ständig wiederholen. Die Dichtung, die Khayyam zugeschrieben wird, lässt sich auf drei Punkte  in seinem Denken bringen:  nämlich die Kürze und Unbeständigkeit des Lebens, der Gedanke, dass  der Mensch die Gegenwart schätzen soll, sowie dass er sich vom Denken über Zeit und Welt freimacht.

Einige Sachverständige sind der Ansicht, dass diese Dichtung zu Unrecht  dem Gelehrten Khayyam zugeschrieben werden. Sie beurteilen diese als deterministisch und nihilistisch gestimmt  und im Widerspruch zu den Islamischen Lehren. Dabei vertreten sie die Ansicht, dass diese Gedichte nicht von einem Philosophen mit fundierten Ansichten wie ihm stammen können.

Der iranische Denker Ostad Schahid Mortaza Motahhari hat in seinem Buch über die gegenseitigen Verdienste des Islams und Irans geschrieben: Die Gedichte, die Khayyam zugeschrieben werden, sind fast alle nicht von ihm und sie zeichnen von ihm ein ganz anderes Gesicht als sein wirkliches.“

Schahid Motahari beruft sich auf einige iranische und europäische Forscher,  die der Meinung sind, dass diese Poesie nicht von Khayyam stammt  und schreibt weiter: „Einige Forscher sind aufgrund einer Reihe von geschichtlichen Belegen der Meinung, dass es zwei Personen mit dem Namen Khayyam gegeben hat, der eine war Dichter und der andere ein Gelehrter und Philosoph.“

Die wahren Ansichten Hakim Umar Khayyams müssen also seinen philosophischen Werken entnommen werden. Sie ähneln oftmals den Ansichten seines Lehrmeisters Abu Ali Sina (Avicenna).

 

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