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Donnerstag, 29 November 2012 18:30

So wird gesagt Teil 155 (letzter Teil)

So wird gesagt Teil 155 (letzter Teil)
Liebe Hörerfreunde! Wir bringen heute den letzten Teil aus unserer Reihe „So wird gesagt"

 

Es heißt, dass Prophet Moses einmal die Steppe durchquerte, als er eine Stimme hörte. Er blieb stehen um zuzuhören. Es war die Stimme eines Mannes der in Reimen zu Gott sprach. Es waren keine normalen Bittgebete. Der Mann sagte zum Beispiel: „O Gott, alle meine Ziegen seien dir geopfert! Wo bist du denn, damit ich dein Knecht sein deine Gewänder waschen kann und dir Milch bringe?" 

Moses wurde zornig:  Wie konnte dieser Mann nur so zu Gott, dem Allmächtigen sprechen. Er ging in die Richtung, aus der die Stimme kam, und sah einen Hirten, den Schafe und Ziegen umringten.  Der Hirte bemerkte ihn nicht und sprach weiter seine Bittgebete, die nach Ansicht von Moses a.s. voller Gottesverleumdung waren.  Traurig und zugleich verärgert rief er dem Hirten zu:

„Was redest du da Hässliches und Unsinniges über Gott , den Höchsterhabenen?" 

Der Hirte blickte verblüfft auf und wusste keine Antwort.

Moses fuhr fort: „Weißt du denn nicht, dass es reiner Unglauben und eine große unverzeihliche Sünde ist, was du da über den Allmächtigen sagst?!

Ist Gott denn wie wir Menschen, dass er Milch trinken würde und Gewänder hat?  Er ist doch der

Eine Gott, der alles erschaffen hat: uns, die Himmel und die Erde.

Fürchte dich, denn es könnte wegen dieser mit Unglauben vermischten Worte ein Strafgericht auf die kommen...!"

Der Hirte schaute nur verwirrt herein und dachte bei sich: Sollte ich in meinen Gebeten Gott verleugnet haben?"

Moses redete lange und ausführlich mit dem Hirten und führte viele Beispiele an, um ihn zu mahnen. Den Hirten überkam eine große Reue. Seine Augen füllten sich mit Tränen und sein Herz mit Kummer. Da sagte er zu Moses:

„O Moses!  Du hast mir den Mund verschlossen und mein Herzen in Flammen versetzt."

Er ließ Schafe und Ziegen stehen und rannte verwirrt davon.

Moses überkam Mitleid mit ihm, als ein Ruf erschallte. Gott mahnte Moses: „Warum hast du meinen Diener von mir getrennt?  Du bist ausgesandt worden , um die Menschen mit Mir zu verbinden, und nicht um sie von Mir zu trennen und ihnen die Hoffnung auf Mich zu rauben. Wir haben jedem einen Weg gegeben.  Die Worte dieses Hirten über Mich waren eine Art Preisung! Wären diese Worte von dir oder jemanden auf deiner Stufe gekommen, so wären sie zweifelsohne mit Unglauben vermischt. Aber aus dem Munde dieses Hirten waren sie Lobpreis.  Jeder spricht in der Sprache, die er kennt, zu Gott. Für mich ist wichtig, was im Inneren der Menschen vorgeht."

Gott wies Moses auf viele  verborgene Dinge hin.  Moses machte sich daraufhin auf die Suche nach dem Hirten. Er wollte ihm sagen, dass Gott seine Gebete erhört habe. Als er ihn sah, umarmte er ihn und sagte: „Deine Gebete waren nicht mit Unglauben vermischt, sondern sie sind von Gott angenommen worden. Verzeih mir. Bete weiter so wie du es möchtest!"

Der Hirte aber sagte: „Moses! Du hast mich wachgerüttelt. Wenn Gott jene Gebete angenommen hat, so weil Er unendlich barmherzig ist, denn meine Gebete waren nicht angemessen. Gottes Herrlichkeit ist groß.  Niemand kann Ihn gebührend preisen.  Er ist der Eine Gott, der nicht wollte, dass das Herz eines einfachen Hirten wie ich es bin, zerbricht.  Deshalb hat Er meinen Propheten gemahnt und ihn geschickt, damit er mich um Verzeihung bittet. Ich werde ab nun die Liebe in meinem Herzen zu Gott schöner ausdrücken."

Und Moses sagte: „Ich freue mich das dies geschehen ist. Ich freue mich, dass deine Lobpreisungen und mein Verhalten zu dir dazu führten, dass du etwas lernst und dass ich auf viele verborgene Dinge von Gott aufmerksam gemacht wurde. Gott sei Preis und Dank."

Diese Geschichte  haben wir  in Anlehnung an eine Episode aus dem Mathnawi Maanawi von Mulana (Rumi) wiedergegeben.

Und nun folgt zum Abschluss unserer Reihe die Geschichte zu dem Sprichwort: Dast bedeh nadarad.                      

In einer Stadt lebte ein Mann, der die meiste Zeit damit beschäftigt war, auszurechnen wieviel Profit er mit seinem Geld gemacht hat. Wenn Freunde oder Bekannte an seinem Laden vorbeikamen und grüßten, gab er noch nicht mal eine Antwort,so sehr war er mit seiner Buchführung und seinen Kalkulationen beschäftigt. Kurzum er war ein schrecklicher Geizhals. Eines Tages ging er wieder in Gedanken getieft nach Hause , und bemerkte nicht das Brunnenloch am Rande des Weges. Prompt fiel er hinein. Dieses Brunnenloch, das man auszuheben begonnen hatte, war noch nicht sehr tief  und hatte den Grundwasserspiegel noch nicht erreicht. 

So hatte der Geizhals  Glück im Unglück. Aber ohne fremde Hilfe konnte er nicht aus dem Erdloch  heraus und so begann er um Hilfe zu rufen. Doch keiner, der vorbeikam,  wollte ihm helfen. Sie amüsierten sich sogar über ihn. Der eine sagte: „Hast du vielleicht gedacht, da unten ist ein Schatz?" Ein anderer meinte : „Es ist nicht schlimm, wenn du dir etwas brichst, gibt nur Acht, dass dein Geldbeutel nicht platzt."

 Der Geizhals musste sich das mit anhören. Aber er reagierte nicht darauf. Er wollte abwarten, bis die anderen aufhörten zu spotten und ihn in Ruhe lassen.  Schließlich rief einer von ihnen: „Mensch!  Macht euch doch nicht über jemanden lustig, der in der Falle steckt."

Da bekamen auch die anderen Mitleid und beschlossen den Mann aus dem Loch herauszuholen.

Einer sagte: „Am besten holen wir ein Seil .Wir lassen es in den Brunnen herab. Er kann es sich dann umbinden, und drei von uns ziehen ihn aus dem Brunnen heraus!"

Ein anderer meinte: „Warum drei?! Er ist doch ein Geizhals und hat sich sogar selber so wenig gegönnt, dass er ganz mager ist und kaum etwas wiegt. Ein Mann genügt für seine Rettung."

Eine dritter sagte: „Der Brunnen ist ja gar nicht so tief und wir brauchen kein Seil. Wir können ihn an der Hand hochziehen."

Die anderen nickten. Der stärkste von ihnen  streckte sich neben dem Brunnen aus, ließ den Arm in den Brunnen herabhängen und rief: "dastetra bedeh – Gib mir deine Hand, damit ich dich hochziehe."

Alle dachten, der Mann im Brunnen greift gleich nach der starken Hand und lässt sich herausziehen. Aber zu aller Verwunderung tat sich nichts.

Der starke Mann  am Brunnenrand wiederholte: „dastetra bedeh! - Reich mir deine Hand!"

Aber keine Reaktion

Da  meinte einer, der den Geizhals am besten von allen kannte: „Ach, wisst ihr denn nicht, dass er sehr geizig ist?!  Er wird nichts geben, noch nicht einmal seine Hand. Er nimmt nur und gibt nichts!"

Als der starke Mann schließlich noch lauter rief: „Nun nimm doch endlich meine Hand und lass dich rausholen," ließ sich der Geizhals dies nicht noch einmal sagen. Er erfasste die Hand und wurde aus dem Brunnen gezogen.

Seitdem sagt man zu jemanden, der so geizig ist, dass er sich selber schadet, dast bedeh nadareh: Was wörtlich heißt „Da ist nichts drin mit : gib die Hand!"  

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