Diese Webseite wurde abgebrochen. Wir wechseln auf Pars Today German.
Mittwoch, 21 November 2012 14:55

So wird gesagt Teil 154

So wird gesagt Teil 154
Zu Beginn unseres vorletzten Teils der Sendereihe „So wird gesagt" bringen wir Ihnen eine Geschichte, die wir aufgrund einer Episode im Golestan (Rosengarten) von Saadi wiedergeben.

Sie handelt von einem Mann in einer Kleinstadt, der nicht von seinem Verstand Gebrauch machte. Daran änderte sich auch nichts, als er sich ein Augenleiden zugezogen hatte.

Es begann mit heftigen Augenschmerzen und mit Lichtempfindlichkeit.  Ein wenig Licht genügte, und seine Augen begannen zu tränen. Wenn draußen Schnee lag, war es besonders schlimm. Abends ließen ihn die Schmerzen nicht schlafen und morgens konnte er die Augen nur mit Mühe öffnen.

Da riet ihm ein erfahreren Mann, der viel gereist war:

„Wenn du vor dem blendenden Sonnenlicht bei Schnee verschont bleiben willst, dann mach es wie die Leute auf dem Lande. Sie schmieren ein wenig Lehm auf die Augen."

Tatsächlich schützten sich die Dorfbewohner vor der Lichtreflexion bei Schnee, indem sie ihre Augenlider mit etwas Lehm bestrichen.

Aber der naive Mann dachte nicht nach und so kam es, dass er nicht seine Augenlider sondern die Augen selber mit Lehm bestrich. Natürlich wurden seine Augen dadurch noch schlimmer und schmerzten noch mehr.

Als der Mann, der ihn beraten hatte, davon erfuhr, ging er zu ihm und sagte: „ Wer hat gesagt, dass du dir Lehm in die Augen streichen sollst? Du hättest ganz vorsichtig die Augenlider damit bestreichen sollen. Du solltest bei der ersten Gelegenheit zum Arzt gehen. Wenn du das nicht tust, werden deine Augen nicht besser sondern  noch schlimmer werden!"

Da meinte der einfältige Mann: „Zum Arzt? Wieso denn das? Meine Augen werden von selber wieder gut!"

Der alte Mann sagte nur: „Wie du willst! Es war meine Pflicht, dir dass zu sagen. Du kannst mir später nicht den Vorwurf machen, ich hätte dir nicht geraten, zum Arzt zu gehen. Je eher du gehst, desto besser. Ansonsten kann es sein, dass du erblindest."

Der Kranke wartete noch ein paar Tage und glaubte seine Augen würden von alleine wieder gut. Aber der Zustand seiner Augen verschlechterte sich im Gegenteil immer mehr.  Die Augenlider klebten morgens derartig zusammen, dass er sie erst öffnen konnte, wenn seine Frau sie gewaschen hatte.  Da sah er sich schließlich gezwungen auf die anderen zu hören und zum Arzt zu gehen.

Wieder machte dieser gedankenlose Mensch einen Fehler. Anstatt zum Augenarzt zu gehen, ging er zu einem Bekannten, der Tierarzt war, damit dieser ihn behandelt. Der Tierarzt behandelte seine Augen mit der gleichen Medizin wie beim Vieh. Das Resultat war, dass der Mann blind wurde. Der schrie er:" Mensch! Du hast mich blind gemacht. Bin ich ein Stück Vieh, dass du mir Tiermedizin verschrieben hast? Ich werde dich verklagen!  Wenn du nicht bestraft wirst, kann es sein, dass du noch viele andere blind machst."

Der Mann verklagte also den Tierarzt. Aber der Kadi sagte: „Der Tierarzt ist nicht schuldig und kann nicht bestraft werden." Da rief der Erblindete: „Kadi, was soll das heißen? Er wird nicht bestraft? Dieser dumme Kerl hat mich doch blind gemacht!"

Der Kadi aber sagte: „Wer dumm ist, bist du. Warum bist du zu ihm gegangen?! Er ist doch ein Tierarzt!  Eine Aufgabe muss man dem anvertrauen, der etwas davon versteht. Tierleiden sind anders als Erkrankungen des Menschen. Das weiß doch jeder. Aber du bist dermaßen unwissend und naiv, dass du nicht zwischen einem Menschen- und einem Tierarzt unterscheiden kannst."       

Es folgt die Geschichte zu einem Sprichwort, das im Persischen wie folgt lautet: Naal waruneh misanad

Ein schlauer Dieb  entschloss sich, in die Schatzkammer des Stadtverwalters einzubrechen. Er wollte diesen Diebstahl alleine durchführen. Des nachts zog er mit zwei Pferden heimlich hinter den Palast des Stadtverwalters, ganz in die Nähe der Schatzkammer.  Unter der Palastmauer hindurch floss ein Bach in das Bauwerk hinein. Der Dieb band seine beiden Pferde an dieser Stelle an einem Baum fest und schlüpfte durch das Loch in der Mauer,  wo der Bach in den Palast strömte, hindurch. In der Schatzkammer angekommen, füllte er seinen Beutel mit kostbaren Dingen und kehrte auf dem gleichen Weg zurück.

Doch anstelle sofort wegzureiten, bevor jemand den Diebstahl bemerkte hatte, begann er die Hufeisen der beiden Pferde abzutrennen und sie einzeln umgekehrt wieder anzubringen. Erst dann kehrte er mit den beiden Pferden an der Palastmauer entlang wieder zurück.

Als man im Palast den Diebstahl bemerkte, gab es eine große Aufregung. Der Stadtverwalter befahl zornig, alle Türen und Mauern des Palastes abzusuchen. Dabei stellte sich heraus, dass der Dieb bzw. die Diebe weder an der Mauer hochgeklettert waren noch irgendwie durch die Palasttore eingedrungen sein konnten. Schließlich begriffen sie, dass die Diebe nur über den Bach, der unterhalb der Palastmauer in den Palast führte, hereingekommen sein konnten. Einer der Leute des Verwalters bemerkte auch die Spuren von Pferdehufen. Da lachte  dieser selbstbewusst und rief: „Ich habe davon gehört, dass dumme Diebe in Scheunen stehlen, aber diesmal hat ein dummer Dieb aus dem Palast gestohlen und nicht daran gedacht,  die Pferdespuren zu  verwischen.

Holt jemanden herbei, der sich beim Spurenlesen gut auskennt."

Die Leute des Stadtverwalters holten einen Mann herbei der im Spurenlesen gut bewandert war. Dieser wurde an die Mauer geführt. Er hockte sich auf den Boden und fixierte die Hufspuren der Pferde. Aber er wurde nicht schlau daraus. Der Stadtverwalter wurde ungeduldig und rief schließlich: „Was machst du denn? Ist das so schwierig? Was hast du bislang feststellt, hm?"

Der Spurenleser sagte: „Solche Spuren habe ich noch nie gesehen.  Die Hufspuren zeigen mir, dass vier Pferde in euren Palast gekommen sind und ihn nicht wieder verlassen haben. Aber ich frage mich, wie diese Pferde durch dieses niedrigen Mauerloch für den Wasserkanal in euren Palast kamen."

Daraufhin ließ der Stadtverwalter den ganzen Palast nach den Dieben mitsamt ihren Pferden durchsuchen.

Natürlich fanden seine Leute nichts im Palast. Da sagte einer der Leute des Stadtverwalters, der mehr Verstand besaß als die anderen, diesem leise ins Ohr:" Mein Herr! Wir haben es mit einer List zu tun. Die Pferde können doch nicht durch diesen engen Wasserkanal in den Palast gedrungen sein!"

Der Stadtverwalter wurde nachdenklich aber er und die anderen wussten nicht was passiert war. Sie bekamen weder heraus, dass es nicht vier Diebe sondern nur ein Dieb gewesen war, noch  dass er seinen zwei Pferden die Hufeisen falsch aufgesetzt hatte, damit sie beim Verlassen des Tatortes ähnliche Spuren hinterlassen wie beim Kommen.

Der Dieb hatte dadurch bei allen den Eindruck erweckt, dass die Pferde zur Mauer gekommen aber nicht wieder zurückgekehrt waren.

Nach einiger Zeit aber erzählte der Dieb selber sein Geheimnis und seitdem  sagt man über jemanden, der etwas tut und gezielt genau das Gegenteil davon vortäuscht:

Naal waruneh mizanad.  Er bringt die  Hufeisen umgekehrt an.

Medien

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren